Durch soziale Netzwerke und große Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok entstand nicht nur für jede Person die Möglichkeit, Inhalte zu erstellen und weltweit zu verbreiten. Damit wurden auch die Grundlage für die Existenz von Influencer*innen gelegt und Aktivist*innen neue Formen der Arbeit und Wirkung ermöglicht. Eine Differenzierung zwischen Aktivist*innen und Influencer*innen ist demokratisch betrachtet notwendig. Leider findet sie an vielen Stellen aus verschiedenen Gründen nicht statt oder wird nicht gemacht. Deshalb setzt sich der folgende Beitrag mit dieser zentralen Unterscheidung auseinander und zeigt, wie sie sich auf demokratische Strukturen und Prozesse jeweils auswirkt.

Influencer*in oder Aktivst*in?

Was unter Influencer*in oder Aktivist*in zu verstehen ist, wird klarer und greifbarer, wenn man betrachtet, weshalb, was und wie etwas getan wird. Diese vergleichenden Aspekte können eine Begriffsbestimmung ersetzen, dennoch nehme ich vorab eine kurze und grobe Beschreibung vor, als Grundlage und zum besseren Verständnis: Influencer*innen sind Personen, die durch ihre Präsenz und Aktivität in sozialen Netzwerken zuerst eine große Anhängerschaft aufbauen und erreichen und dann durch Empfehlungen oder Inhalte das Verhalten und die Entscheidungen ihrer Follower*innen beeinflussen können. 

Hier wird bereits deutlich, weshalb auf den ersten Blick der Eindruck entstehen kann, Aktivist*innen würden gleich handeln bzw. wäre vielleicht sogar das gleiche wie Influencer*innen. Schließlich wollen sie ebenfalls viele Menschen erreichen und auf deren Verhalten und Entscheidungen Einfluss nehmen. Wenn beide beispielsweise posten würden, dass es „Mehr Demokratie in der Schule!“ bräuchte, würde das von vielen als ein gemeinsames Anliegen und Handeln wahrgenommen und eingeordnet werden – was es jedoch nicht ist.

Die erste und notwendige Unterscheidung liefert die zweite Beschreibung: Aktivist*innen sind Personen, die sich aktiv und öffentlichkeitswirksam für gesellschaftliche, politische Veränderungen einsetzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen und Verbesserungen zu bewirken. Persönlich würde ich sie (als) zivilgesellschaftliche Politiker*innen nennen (beschreiben), die (als Bürger*innen) nicht innerhalb von Parteien und staatlichen Institutionen handeln und demokratische Arbeit leisten. Sie gab es schon lange vor dem Internet.

Die hier mit einem Schieberegler aufgeführten Gegenüberstellungen sollen nicht nur die Unterschiede verdeutlichen, sondern auch aufzeigen, dass keine klare Grenze zwischen Aktivismus und Influencer*innentum gezogen werden kann. Bei jeder Person würde sich anhand der verschiedenen Möglichkeiten und Positionen der Schieberegler zu den einzelnen Aspekten ein eigenes, anderes Bild ergeben. Auch Selbst- und Fremdeinschätzungen können voneinander abweichen. Sich aber über die Gegensätze im Klaren zu sein, kann (und soll) helfen, besser das eigene Handeln zu reflektieren und fremdes einzuordnen. Dieser Beitrag lädt dazu ein:

Ich beobachte vermehrt, dass Personen als Aktivist*innen soziale Netzwerke für ihre Arbeit entdecken und dort ins Influencer*innentum abdriften. Das gilt übrigens auch für Politiker*innen der kommunalen, Landes-, Bundes- und europäischen Ebene. Als Demokrat beschäftigt mich das zunehmend. Die folgenden Unterscheidungen und Gegensätze zeigen, weshalb das für eine Demokratie als eine kritisch zu betrachtende Entwicklung verstanden werden kann:

Sache oder Person im Mittelpunkt?

Wie schon anfangs aufgegriffen, geht es Aktivist*innen um die Sache bzw. ein Problem, das es zu lösen gilt. Für sie steht ein gesellschaftliches, politisches Thema im Mittelpunkt. Davon geht die Motivation für ihr Handeln aus. Aktivist*innen richten den Fokus auf Missstände und verantwortliche Personen, die sie herbeigeführt haben oder verändern können. Sie kritisieren Maßnahmen und Strategien. Ihre Kritik zielt auf die Veränderung bzw. Verbesserung einer Sache ab. Bei Konflikten geht es deshalb in erster Linie um gegensätzliche politische Positionen und bestenfalls um ein Streiten für eine bessere Lösung. 

Influencer*innen geht es in erster Linie um sich selbst bzw. ihre Person (was durch den nächsten Aspekt nochmal deutlicher wird). Sie stehen im Mittelpunkt bzw. stellen sich durch die notwendige Selbstvermarktung in den Mittelpunkt. Gesellschaftliche, politische Themen können eine Rolle spielen, sind dann jedoch primär Mittel zum Zweck. Dass sie den Fokus auf sich und ihre Person richten, begünstigt zusätzlich, dass Kritik im Normalfall schnell als persönlicher Angriff verstanden werden kann bzw. wird.

Sich überflüssig machen oder relevant bleiben?

Aktivist*innen und Influencer*innen verfolgen grundsätzlich zwei völlig gegensätzliche Ziele: Aktivist*innen verfolgen mit ihrer Arbeit und ihrem Wirken das Ziel, überflüssig zu sein, weil das bedeuten würde, dass die von ihnen angeklagten Missstände beseitigt wären. Bei Influencer*innen verhält es sich umgekehrt. Ihre Relevanz ist die Grundlage und Legitimation ihres Wirkens. Hier wird deutlich, dass es bei gesellschaftlichen, politischen Beiträgen von Influencer*innen gar nicht um die Beseitigung von Missständen gehen kann, weil diese Basis der Aufmerksamkeitsökonomie sind, in der ihre Arbeit stattfindet.

Das erklärt u.a. auch, weshalb Influencer*innen, die gesellschaftliche, politische Themen aufgreifen, oft viele und verschiedene Themen bespielen. Dabei ist es nicht unüblich, Botschaften von Aktivist*innen zu wiederholen, mit denen diese Reichweite erzeugen. So erzeugen Influencer*innen mit wenig Aufwand den Eindruck , zu diesen Themen über Expertise zu verfügen und sogar Verbündete in der Sache zu sein. Gleichzeitig können so auch neue Communities erschlossen und die Follower*innen-Zahlen erhöht werden.

Werte oder Marke als Kompass?

Dass sich Aktivist*innen für eine Sache engagieren, basiert auf Werten wie z.B. Solidarität, Toleranz oder Freiheit, die sie prägen und antreiben. Wie sehr eine Person für bestimmte Werte einsteht und sich von ihnen leiten lässt, kann daran gemessen werden, ob und wie ihre Aussagen und Handlungen übereinstimmen. Wer tatsächlich mehr Gerechtigkeit erreichen möchte, wird sich gegen ungerechte Strukturen und Prozesse einsetzen und sie nicht stützen oder sogar fördern.

Influencer*innen treibt ihr Wert in der Aufmerksamkeitsökonomie an. Ihr Kompass ist die Entwicklung der eigenen Marke, ihrem Branding. Soziale Netzwerke haben nicht nur die Möglichkeit und die Rolle von Influencer*innen geschaffen, sondern bestimmen auch die vorherrschende Logik und die leitenden Werte, welche ihr Handeln bestimmen. Im Prinzip agieren auch Influencer*innen werteorientiert. Nur sind es neoliberale Werte der Plattformen, denen sie folgen müssen, um ihren Wert innerhalb dieses Ökosystem zu steigern. 

Ein verbreitetes Missverständnis besagt, dass nicht alle Influencer*innen politisch agieren und wirken würden. Nur: Alles ist politisch. Influencer*innen tragen und stärken mit ihrer Arbeit eine neoliberale Politik und Logik. Sie werden nur nicht mit dieser Funktion, Nutzung und Wirkung in der Breite der Gesellschaft diskutiert und wahrgenommen bzw. sind sich viele dessen nicht bewusst. Der Unterschied besteht somit nur darin, dass beim Aktivismus das Politische angesprochen und für alle erkennbar ist, weil die Sache im Mittelpunkt steht. 

Bei Influencer*innen werden die politischen Zusammenhänge der Vermarktung über Plattformen dagegen meist versteckt oder geleugnet. Aktivist*innen sprechen beim Fundraising darüber, wie viel ihre Aktionen kosten und wie sie finanziert werden. Influencer*innen halten ihre Einnahmen geheim und müssen gezwungen werden, Werbung zu deklarieren. 

Investition in Basis- oder PR-Arbeit?

Missstände können nur beseitigt werden, wenn auch ihre Ursachen ausfindig gemacht und Lösungen erarbeitet und präsentiert werden. Deshalb leisten Aktivist*innen viel Basisarbeit bezüglich ihrer Sache. Sie sind auf der Suche nach hilfreichen Ansätzen. Deswegen führen sie Experimente durch, bauen Strukturen auf, initiieren Prozesse und begleiten sie. Sie recherchieren nach bestehendem Wissen, verbreitern und erweitern es durch ihre Arbeit an neuen Erkenntnissen.

Im Gegensatz dazu investieren Influencer:innen viel Zeit und Kraft in das für sie zentrale Problem: relevant zu werden und zu bleiben. Die Selbstvermarktung ist ein Beruf, der eine nach Social-Media-Logik erfolgreiche Selbstinszenierung erfordert. Influencer*innen lernen daher, Bühnen zu bauen oder zu betreten und ein wachsendes Publikum zu erzeugen. Hier erscheint wieder oberflächlich betrachtet eine Parallele zum Aktivismus, der ebenfalls eine erfolgreiche PR-Arbeit anstrebt und benötigt.  

Wer aber an der Lösung von Problemen interessiert ist und das ins Zentrum rücken möchte, muss oft eigene, andere Bühnen bauen, die nicht auf Held*innen und ihre Geschichten setzen, sondern auf kollektives Wissen und echte Zusammenarbeit. Aktivist*innen achten auf möglichst diverse Zusammensetzungen und inklusive Settings und bemühen sich, keine Diskriminierungen oder diskriminierende Strukturen zu reproduzieren. Sie verweisen auf vielfältige Expertisen und schaffen Bündnisse und Netzwerke in der Sache.

Influencer*innen bauen Bühnen, die sie persönlich glänzen lassen. Wer, wo und mit wem etwas sagt, wird wichtiger als das, was gesagt wird. Starker Content besteht hier hauptsächlich aus wirkmächtigen Bildern. Wenn Influencer*innen  Bündnisse eingehen und Netzwerke schaffen, dann meist mit anderen Influencer*innen und dem Ziel, sich gegenseitig in Reichweite zu verstärken. 

Hier besteht die Gefahr, dass auch Aktivist*innen sich vom Glanz der Bühnen blenden und dem Missverständnis, mit der eigenen Sache mehr Menschen zu erreichen, instrumentalisieren lassen. Die Vorstellung, allein die Bühne und die Reichweite seien eine Art Lösung, ist verlockend – aber falsch: Aktivist*innen müssen ihre Botschaften nachhaltig verbreiten. Das bedeutet, dass Bühnen keinen Wert an sich haben, sondern nur dann sinnvoll sind, wenn sie Menschen in Kontexten ins Handeln bringen, in denen echte Probleme adressiert und tragfähige Lösungen gefunden werden können. 

Expertise oder ChatGPT?

Durch dauerhafte Arbeit und eine vertiefte Auseinandersetzung mit ihren Themen erwerben Aktivist*innen ein breites fachliches Wissen, Kenntnisse über Strukturen und Prozesse und knüpfen Lernnetzwerke. Ihre Expertise setzen sie dort gezielt ein, wo sie sprechfähig sind. Sonst verweisen sie auf andere Personen, die mehr über Probleme und Lösungen wissen. Aktivist*innen teilen nicht nur ihr Wissen mit allen, sondern engagieren sich auch für eine barrierefreie und gerechte Bildung– was Influencer*innen sich oft zu Nutze machen. 

Influencer*innen verfügen dagegen über eine ausgeprägte PR-Expertise, was den Eindruck entstehen lassen kann, sie seien zu allen Themen sprechfähig. Dieser Eindruck beschränkt sich nicht nur auf Aussenstehende: Influencer*innen sind oft selbst davon überzeugt, weil sie in öffentlichen Auftritten Themen bewirtschaften und erfolgreichen „Content” produzieren. Sie reden sich ein, Expertise wäre dafür eine Voraussetzung und vergessen, dass sie oft wie ChatGPT agieren: Auf der Basis der geteilten Beiträge und Expertise von Aktivist*innen erzeugen sie Remixes, die sie mit ihrer Brand versehen und ins Netz tragen. 

Nutzt ChatGPT ein neuronales Netzwerk, das mit großen Mengen an Textdaten trainiert wird, arbeiten Influencer*innen mit Texten von Aktivist*innen. Sie nutzen dabei besonders die Elemente, die Resonanz in Form von Shares oder Beifall in Form von Likes erzeugen können. Das ist deshalb problematisch, weil die differenzierten Botschaften von Aktivist*innen so verkürzt werden und nicht mehr die Stimmen von den Menschen gehört werden, die über Expertise verfügen, sondern diejenigen, welche sich den Vorgaben der Plattformen beugen.

Posting nach Bedarf oder Social Media-Logik?

Wer als Influencer*in erfolgreich funktionieren möchte, muss regelmäßig und möglichst viel Content in sozialen Netzwerken verbreiten. Das Posten folgt den Gesetzen der Social-Media-Logik und ihrer Aufmerksamkeitsökonomie. Masse, Kürze und Populismus schlagen dabei Qualität, Vertiefung und Differenzierung. Aktivist*innen posten, wenn sie inhaltlich etwas Neues, Wichtiges oder Hilfreiches beizutragen haben. Sie stellen echte Fragen, weil sie Antworten nicht kennen und an den Antworten und einem Austausch interessiert sind. Sie markieren (taggen) Personen, wenn sie denken, dass sie helfen könnten oder ihnen geholfen wird.

Influencer*innen stellen algorithmische Fragen, um Interaktionen und Traffic zu generieren, was Axel Krommer in diesem sehr lesenswerten Beitrag ausgeführt hat. Es sind rhetorische Fragen einer Kultur der Digitalität. Influencer*innen interessieren sich dabei gar nicht für die Antworten, wenn sie Content mit „Was meint ihr zu diesem Thema?“ oder „Wie geht es euch damit? Schreibt es in die Kommentare“ abschließen, sondern für die Anzahl der Interaktionen, die vom Algorithmus mit Relevanz und Sichtbarkeit belohnt werden. Ebenso verhält es sich beim Markieren von Personen und der Nutzung von Hashtags.

Mit Blick auf die Demokratie

Die aufgezeigten Gegensätze zwischen Aktivismus und Influencer*innentum erlauben ein besseres Verständnis vorliegender Handlungsmöglichkeiten und zeigen, welche Funktion und Wirkung die beiden Rollen innerhalb demokratischer Strukturen und Prozesse erfüllen. Influencer*innen können Produkte und Dienstleistungen auf eine sympathische Art und Weise vermarkten. Wer aber Rassismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus usw. ernsthaft bekämpfen möchte, kann das nicht mit Hilfe von Influencer*innen tun. 

Nur Aktivist*innen sind erstens bereit, alle Facetten der bestehenden strukturellen Probleme zu berücksichtigen, und leisten zweitens die nötige Arbeit, um nachhaltige Verbesserungen in die Wege zu leiten. Kurzfristig kann die Zusammenarbeit mit Influencer*innen den Fokus auf ein scheinbar wichtiges Thema legen, langfristig helfen ihre Beiträge aber nicht, weil sie immer dort agieren, wo sie Trends wahrnehmen. Der Einsatz gegen Diskriminierung und für Gerechtigkeit kann und soll sich aber nicht von Trends abhängig machen. 

Werden z.B. ein Projekt, Produkt oder Event beworben, ist es mittlerweile üblich, Influencer*innen auszuwählen, die mit ihrer Reichweite möglichst viele Menschen erreichen sollen. Sie können für viele Sachen (ein-)stehen und gekauft werden. Dabei widersprechen sie sich aber regelmäßig. Das bemerkt nur, wer diese Arbeit länger und genauer betrachtet und sich in zumindest einem der Themenfelder auskennt.

Man kann sich Reichweite kaufen, aber nicht Demokratie. Influencer*innen und ihre Arbeit folgen einer neoliberalen Logik, die demokratischen Werten entgegenwirkt. Ihre Arbeit kann auch nicht für die „gute Sache“ genutzt, eingesetzt werden. Das Influencer*innentum ist ein Produkt der neoliberalen Logik. Sie tragen auf den großen Plattformen dazu bei, dass Menschen möglichst viel Zeit dort verbringen. Jede politische Botschaft oder gesellschaftlicher Kritik, die sie äußern, steht unter diesem Vorzeichen: Sie wird nur deshalb formuliert, damit Menschen Aufmerksamkeit und Geld in bestimmte soziale Netzwerke investieren, Influencer*innen und ihrer Arbeit folgen, ihre Beiträge liken und teilen. 

Das ist eine Seite des hier angesprochenen Problems. Die zweite kann als Kritik an Influencer*innen formuliert werden: Je größer ihre Reichweite und Einfluss, umso größer auch die (gesellschaftliche) Verantwortung. Wer Meinungen und Informationen ungeprüft oder stark vereinfacht weitergibt, fördert oft Desinformation und Polarisierung. Da Influencer*innen in der Regel keinen journalistischen Standards unterliegen und ihre Aussagen selten überprüft werden, besteht die Gefahr, dass sie manipulative oder populistische Inhalte verbreiten, die demokratische Werte und informierte Entscheidungsfindung schwächen.

Manchmal geben Influencer*innen vor, aktivistisch zu handeln. Dann generieren sie Sharepics mit unterkomplexen Botschaften und Pseudo-Lösungen, die den Eindruck vermitteln sollen, ein Problem werde angegangen. In Wirklichkeit erzeugen sie keine Wirkung und Veränderung. Die Handlungsbereitschaft wird höchstens vorgetäuscht. Influencer*innen werden nicht aktiv, wenn ihnen das nicht nützt, indem neuer Content für ihre Profile entsteht. . 

Ein Klassiker im Bildungsbereich wäre beispielsweise die Forderung nach „Mehr Bildung!“. Jede Person versteht, was gemeint ist. Es klingt auf den ersten Blick logisch, weil mehr Bildung zu Menschen führen müsse, die klügere Entscheidungen treffen. Dass „Mehr Bildung!“ gefühlt alles sagt und faktisch nichts erklärt, wird deutlich, wenn es umgesetzt werden soll. 

Dass solche Forderungen in unzähligen Varianten soziale Netzwerke pflastern und sowohl bei Influencer*innen als auch ihren Follower*innen populär sind, liegt daran, dass sie durch ihre Unkonkretheit als Projektionsfläche für so fast alles dienen können. Die weit verbreitete und selbstgefällige Annahme, andere seien dumm, man selbst klug und deshalb sollten die anderen „Mehr Bildung!“ erfahren, bestärkt das zusätzlich.

Was ist das Kernproblem? 

Noch einmal: Influencer*innen sind nicht harmlose Verstärker*innen der Botschaften von Aktivist*innen. Sie sind ein Problem, das Demokratien schwächt bzw. eine Stärkung verhindert. Zuerst laden sie Aktivist*innen ein, danach wiederholen sie das, was sie gehört haben und machen die tatsächliche Arbeit unsichtbar und erschweren den Zugang zur echten Expertise. Tatsächliche Expertise wird (bewusst) verwässert bis boykottiert, um sich als Expert*in zu inszenieren. 

Luciano Floridi, der sich mit Fragen der Ethik in digitalen Kontexten intensiv auseinandergesetzt hat, bezeichnet eine Handlung dann als verwerflich, „wenn sie die Entropie der Infosphäre erhöht.“ Damit meint er eine Verunreinigung oder Zerstörung von Informationen. Influencer*innen tun das, indem sie Botschaften von Aktivist*innen wiederholen, vereinfachen oder populistisch zuspitzen.

Gestern veröffentlichte die Badische Zeitung ein Sommerinterview (Paywall) mit dem A*D-Fraktionsvorsitzenden aus Baden-Württemberg und dem Titel „Wir sind auch im Südwesten Volkspartei“. Es ist ein Paradebeispiel, wie eine Partei, die demokratisch gewählt wurde, aber nicht demokratisch ist, medial normalisiert und damit salonfähig und gestärkt wird. Dieser Beitrag ist eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Interview, das aber nur stellvertretend für ein wesentliches Problem steht: Den (medial-politischen) Umgang mit autokratischen und menschenfeindlichen Kräften, die Demokratien gefährden. 

Zu Beginn stellt sich die Frage, weshalb der A*D an dieser Stelle überhaupt (k)ein (geringer Wirk-)Raum zur Verfügung gestellt wird. Das Format des Sommerinterviews an sich (auch im ÖRR), welche Funktion es in der Regel erfüllt, kann und muss kritisch betrachtet werden. Weshalb gilt eine Einordnung der A*D Baden-Württemberg zu den Wahlen in Sachsen und Thüringen als journalistisch relevant und notwendig? Es ist bekannt, dass Landespolitik der jeweiligen Landeslogik folgt und relativ unabhängig der anderen Bundesländer funktioniert und wirkt. In Baden-Württemberg spielt die A*D eine sehr geringe Rolle und hat auf kommunaler Ebene massive Probleme, was im Interview später eingeräumt wird und umso mehr die Frage der Relevanz des Interviews aufwirft. 

Neben dem Weshalb spielt aber auch das Wie eine zentrale Rolle. Deshalb werden nun die journalistischen Fragen bzw. Aussagen betrachtet, zu denen Stellung bezogen werden sollte:

BZ: „Nach den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen lässt sich erahnen, dass Sie mit diesen Wahlergebnissen für die A*D zufrieden sind.“

Das Interview beginnt rhetorisch mit einem ausgerollten roten Teppich, der einlädt, alles zu platzieren, was man politisch wirken lassen möchte. Diese Einladung wird natürlich angenommen und es werden Sachen behauptet, die ohne jegliche Einordnung gedruckt werden bzw. auf die auch nicht kritisch im Anschluss eingegangen wird.

BZ: „Allerdings will niemand mit der A*D in Thüringen und Sachsen koalieren. Sind die Wahlergebnisse also ein Erfolg für die A*D, der aber ohne Wert für sie bleibt?“

Als nächstes leitet eine Beschreibung ein, dass niemand mit der A*D trotz ihrem Erfolg koalieren möchte, die den Grund dafür ausblendet und deshalb das Wesentliche nicht benennt. Mit der Frage im Anschluss wird der gedankliche Rahmen, das Bild von (Wahl-)Erfolg gezeichnet und der Weg geebnet, für das, was folgt: Es wird vom Fraktionsvorsitzenden erklärt, wie der Wille des Wählers mit Füßen getreten wird. 

BZ: „Die A*D Baden-Württemberg ist von solchen Wahlergebnissen allerdings weit entfernt. Im Osten erhebt die A*D den Anspruch, Volkspartei zu sein, ist es wohl in Teilen auch. In Baden-Württemberg sind Sie aber weiterhin Nischenpartei, in manchen Regionen finden Sie etwa nicht genug Kommunalwahlkandidaten.“

Der erste und letzte Satz sind der einzige Teil des gesamten Interviews, der eine notwendige und  kritische Einordnung darstellt. Im zweiten Satz wird die Erzählung der A*D, eine Volkspartei zu sein (Eine Volkspartei richtet sich an alle Gesellschaftsschichten und unterscheidet sich von spezialisierten Parteien wie Klassen- oder Interessenparteien. Der Begriff stammt vom Politologen Dolf Sternberger.) reproduziert und „in Teilen“ bestätigt. Das lässt sie größer, relevanter wirken und macht sie salonfähig. Es folgen wieder Behauptungen, die ohne Einordnung bleiben und dennoch gedruckt werden. 

BZ: „Beide A*D-Landesverbände Thüringen und Sachsen gelten laut Verfassungsschutzämtern als gesichert rechtsextrem. Dieses Verdikt könnte Ihnen auch drohen, noch ist die A*D zunächst ein Verdachtsfall. Noch gehen die baden-württembergischen Verfassungsschützer davon aus, dass die Mehrheit der A*D Baden-Württemberg nicht zum rechtsextremen Lager gehört. Was machen Sie, dass dies so bleibt?“

Als nächstes wird zwischen Sachsen und Thüringen, wo die A*D als gesichert rechtsextrem gilt und Baden-Württemberg, wo die Partei nur ein Verdachtsfall ist, unterschieden. Der zweiten Satz könnte man (wohlwollend gelesen) als leichte kritische Betrachtung verstehe, weil die A*D „noch“ nur ein Verdachtsfall ist, aber Schlimmeres drohen könne. Die abschließende Frage lädt aber wieder ein, diese Bedrohung auszuräumen und suggeriert, es sei in ihrem Interesse, das zu tun. Es folgen wieder Behauptungen und Relativierungen, die eine Einordnung und Richtigstellung erfordern, die aber ausbleiben. 

BZ: „Die islamistischen Verbrechen und Messerattacken der vergangenen Monate haben massiv migrationskritische Stimmen auch in anderen Parteien laut werden lassen. Auch bei den Grünen wird nun eine Zeitenwende gefordert. Mehr Abschiebungen, Kürzung von Leistungen, Grenzkontrollen, eine generell härtere Gangart werden angestrebt. Fühlen Sie sich bestätigt, also quasi Mission erfüllt und damit überflüssig?“

Dieser Absatz ist besonders kritisch zu betrachten. Mit „Messerattacken“ wird im ersten Satzteil ein rechtspopulistisches Bild übernommen, im zweiten Satzteil mit den stark relativierenden Beschreibung „migrationskritische[r]“ Stimmen vermischt und dann mit den anderen (demokratischen) Parteien gerechtfertigt. Die Frage am Ende unterstreicht nochmal, dass die A*D hier richtig liegen würde. 

Es werden Islamismus und Terrorismus, sehr ernste und komplexe Probleme, als Folgen von Migration reduziert und dargestellt. Es stimmt zwar, dass sich die demokratischen Parteien von der A*D seit Monaten treiben lassen und eine Politik betreiben, die einer rassistischen Logik folgt und einfache (vermeintliche) Antworten auf komplexe Probleme liefert. Ist es aber nicht die Aufgabe von Journalismus, das zu hinterfragen, zu dekonstruieren und die Arbeit zu leisten, die es braucht, um zu tatsächlichen Lösungen drängender Probleme zu kommen? (Natürlich wurde auch diese Einladung genutzt, die Erzählung der A*D weiter auszubreiten und zu vertiefen.)

Das Interview endet mit den folgenden vier Fragen:

1.) Blicken wir auf die sich nähernde Landtagswahl in Baden-Württemberg im Frühjahr 2026. Bei den anderen Parteien ist im Prinzip klar, wer Spitzenkandidat wird, bei der A*D noch nicht. Wird es einen Spitzenkandidaten Anton Baron geben?

2.) Hätten Sie denn Lust auf die Spitzenkandidatur?

3.) Mal auf die A*D-Landtagsfraktion geblickt: Ein Teil davon befindet sich auf dem Weg aufs politische Altenteil, andere kümmern sich stark um die Partei wie Landessprecher Emil Sänze, andere, wie Miguel Klauß, pflegen ihre Auftritte in den sozialen Medien oder agieren im Untersuchungsausschuss zur Polizeiaffäre wie etwa Hans-Jürgen Goßner. Das macht aber nicht den Eindruck eines Teams.

4.) Wo soll da laut Ihrer Partei die Reise hingehen?

Das ist der klassische Teil der medialen Normalisierung einer demokratiefeindlichen Partei. Es werden die üblichen Fragen gestellt, die den Eindruck erwecken und verstärken, es handle sich um eine der vielen demokratischen Parteien. Das “Menschliche” erhält hier viel Raum und das groß abgedruckte Foto einer freundlich schauenden Person unterstreicht das zusätzlich. Wofür diese Partei tatsächlich steht, kann z.B. auf dieser Website mit gesammelten Aussagen nachgelesen werden. (Die Kritik, die ich an diesem Interview aufführe, ist auf unzählige Beiträge in Print, TV und Radio übertragbar.)

Es wird seit vielen Jahren weltweit diskutiert, wie Medien mit autokratischen und menschenfeindlichen Kräften umgehen sollen. In Wallonien haben z.B. alle Rundfunkanstalten einen Pakt geschlossen, Menschen, die rassistischen, demokratiefeindlichen Gruppen nahestehen, keine Plattform zu bieten. Es gibt keine Einladungen zu Live-Interviews und Talkshows. Rechtsextreme werden nur dann zitiert, wenn Zitate kontextualisiert und antidemokratische Inhalte als solche eingeordnet werden. (Hier kann man mehr darüber lesen.) 

Ein zentraler Aspekt, der seitens medialer Entscheidungsträger*innen immer wieder aufgeführt wird, um ihren Umgang mit der A*D zu legitimieren, ist die (angestrebte) Neutralität und Objektivität, die seriöser Journalismus erfüllen muss. Nur wird dabei ignoriert, dass natürlich auch die Auswahl, wie und worüber berichtet wird bzw. was, wer und wie eine Bühne erhält, politisch ist und wirkt und alles andere als neutral gelten kann. Zum Thema Objektivität verweist Gilda Sahebi in ihrem aktuellen Buch Wie wir uns Rassismus beibringen auf folgenden Gedanken: 

„Objektivität wird dabei fast zum Schlachtbegriff. »Die Angreiferinnen«, schreiben die Forscher innen Tanja Evers und Klaus-Dieter Altmeppen, legten damit »in ihrer Argumentation den Finger treffsicher in eine immerwährende Wunde des Journalismus.« Dieser Angriff, Medienschaffende seien nicht »objektiv« – so könnte man analysieren – hat dazu geführt, dass eine negative Berichterstattung (vermutlich unbewusst) als »objektiv« betrachtet wurde.

Dass die Erzählung “Migrant*innen sind das Problem” medial-politisch die Debatten seit Monaten dominiert, ist ein demokratisches Armutszeugnis. Das ist auch kein rein sprachliches oder rhetorisches Problem. Diese Erzählung führt dazu, dass sich Rassismus offener, direkter und härter zeigt, wie Ferda Ataman, die Unabhängige Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung, (hier) vor kurzem berichtete und eine Klima begünstigt, in dem sich rechtsextreme Gewalt vermehrt entlädt. 

Ich gehe bei diesem Interview der Badischen Zeitung davon aus, dass damit die Absicht verfolgt wurde, gute journalistische Arbeit und einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie zu leisten. Dass und weshalb ich beides als verfehlt einordne, stelle ich mit diesem Beitrag und den aufgeführten Begründungen zur Debatte. Auch in der Hoffnung, eine medial-politische Entwicklung zu begünstigen, die eine Demokratie tatsächlich stärkt und schützt und allen Menschen ein Leben in Würde zugesteht.

Am Samstag vor einer Woche fand das DemokratieCamp statt, zu dem sich um die 300 Demokrat*innen aus der Region Freiburg in der Lounge des SC Freiburg trafen, um die Arbeit nach den Demos anzugehen. Sie wollten sich informieren, austauschen und gemeinsam planen, wie die Demokratie gestärkt und geschützt werden kann. Weil ein Interesse (auch aus anderen Regionen und Städten, die ähnliche Ideen und Ziele verfolgen) an den Ergebnissen besteht, aber auch an der Frage, wie es weitergeht bzw. weitergehen kann, fasst dieser Beitrag wesentliche Aspekte in einem Rückblick und Ausblick zusammen. (Die Badische Zeitung hat hier, radio dreyeckland hat hier und der SC Freiburg hat hier über das DemokratieCamp berichtet.) 

Rückblick

Werte

Es ist alles andere als selbstverständlich, dass um die 300 Menschen freiwillig an einem Samstagmorgen erscheinen, um den ganzen Tag an der Stärkung und dem Schutz der Demokratie zu arbeiten. Es kamen Schüler*innen, Lehrkräfte, Unternehmer*innen, Vereins- und Medienvertreter*innen, Menschen von diversen Initiativen, aus dem Kultur- und Politikbereich oder Einzelpersonen als Demokrat*innen, die das Bedürfnis haben, etwas zu tun. Sie unterschieden sich in ihren verschiedenen Rollen, ihrem Wissen und ihren Perspektiven. Sie einte, die Demokratie stärken und schützen zu wollen, angetrieben von gemeinsamen Werten, die bei Menschen in der Regel tief verwurzelt sind. 

Folgendes Ergebnis hatte eine Umfrage (an der 158 Personen teilnahmen) dazu im Vorfeld des DemokratieCamps ergeben:

(Werte, die mehrfach genannt wurden, erscheinen größer in dieser Wortwolke.)

Es darf auch nicht unterschätzt werden, wie viele gekommen waren, obwohl sie nicht wussten, was sie erwartet, da es kein Programm gab. Das Barcamp-Format zeichnet aus, dass ein Programm erst vor Ort mit allen Anwesenden gemeinsam und demokratisch erstellt wird. Das verlangt eine ordentliche Portion Offenheit, Vertrauen und Bereitschaft sich auf etwas Neues einzulassen. Und das mit Menschen, die man nicht kennt und in einem unbekannten Umfeld. Es besteht auch ein gewaltiger Unterschied darin, für ein, zwei Stunden zu einer Kundgebung zu gehen oder einen ganzen Tag in ein Projekt zu investieren, bei dem der Verlauf und Ausgang vorher komplett offen sind. Beim DemokratieCamp war dieses Potenzial zu spüren und wurde eine Energie freigesetzt, die bis heute nachwirkt.

Programm

Nach einer guten Stunde der Vorstellung und Abstimmung von Ideen, woran und wie gearbeitet werden soll, stand das Programm mit 54 Sessions. So hatte jede Person in vier aufeinanderfolgenden Zeitblöcken von 45 Minuten jeweils 14 verschiedene Angeboten zur Auswahl. (Nur in der ersten Zeitschiene waren es 12.) Um die Inhalte der Angebote allen zugänglich zu machen, die nicht daran teilnehmen konnten, wurde vereinbart, in vorher angelegten (Online-)Vorlagen gemeinsam als Gruppe zu dokumentieren. In 47 Sessions hat das funktioniert (was im Vergleich zu anderen, ähnlichen Barcamps eine hohe Quote darstellt). Die Protokolle kann man hier nachlesen. 

Eine Session, Gesicht zeigen, vom Fotografen Peter Herrmann fand in den ersten zwei Zeitschienen statt und erscheint nicht in den Protokollen oder dem Programm, weil es ein offenes Angebot war. Er hatte eine Fotoecke aufgebaut, in der sich Demokrat*innen von ihm professionell ablichten lassen konnten, um diese Bilder mit dem Hashtag #DemokratieVereint im Netz zu teilen und sich über ihre Social Media-Kanäle zur Stärkung und zum Schutz der Demokratie zu positionieren und der Bewegung der letzten Wochen ein Gesicht bzw. viele Gesichter zu geben. (Peter Herrmann und Hans Simonyi, ebenfalls Fotograf, haben die Veranstaltung mit zahlreichen Bildern dokumentiert, die sie hier und hier allen zur Verfügung gestellt haben.)

Wirkung

Es wurde diskutiert, sich informiert, Expertise gebündelt und transparent gemacht, sich vernetzt, konkret geplant oder auch (mit der Foto-Aktion) direkt gehandelt. Es herrschte durch das gemeinsame Ziel, die Demokratie stärken und schützen zu wollen, eine Grundstimmung der Verbundenheit. Als nach der Planung die Arbeit an den verschiedenen Stellen aufgenommen wurde, wandelte sich die anfängliche Skepsis (gegenüber dem Ablauf) einiger (die zum ersten Mal bei einem Barcamp waren) zunehmend in Zuversicht. Es wurde an einigen Stellen zwar klar, dass demokratische Prozesse nicht einfach sind und der Weg noch lang und steinig ist, er aber gemeinsam gegangen werden muss und kann. 

Weshalb Sessions, die z.B. fragten, wer und weshalb nicht zum DemokratieCamp erschienen war und sprach, wichtig waren, um eine ehrliche und notwendige Auseinandersetzung darüber zu führen, welche Möglichkeiten der Teilhabe und Teilgabe tatsächlich vorliegen und welche strukturellen Probleme diesbezüglich angegangen werden müssen. Dass sich am Ende des DemokratieCamps alle gegenseitig applaudierten und bestärkten, war ein emotionaler, schöner und wichtiger Moment, den auch die Kundgebungen erzeugen: Zu erleben, nicht allein zu sein, in diesen schwierigen Zeiten. Verbündete um sich zu wissen und zu spüren wirkt empowernd und ist auch Teil eines Vorgehens, wie die Demokratie gestärkt und geschützt werden kann.

Ausblick

„Wie geht es weiter?“

Mit der Frage, wie es nach den Demos weitergeht, wurde das DemokratieCamp eröffnet und beendet, weil gesagt wurde, dass es immer noch offen sei, wie es weitergehen kann, soll und muss. Eine knappe Woche später traf sich deshalb eine Gruppe von gut 20 Personen, um diese Frage erneut aufzugreifen und zu klären. Was zur Erkenntnis führte, dass es sich hierbei nicht um eine Frage, sondern um eine nie endende gesamtgesellschaftliche Aufgabe in einer Demokratie handelt. „Wie geht es (nach den Demos) weiter?“ muss sich jede*r Demokrat*in, jeder Verein, jede Institution, jedes Unternehmen und jede sonstige Organisation immer wieder aufs Neue fragen und dabei kritisch reflektieren, was bisher vorliegt, das die Demokratie stärkt und schützt und was noch notwendig ist bzw. wie das erreicht werden kann. 

Um hierfür dauerhaft einen Raum zu schaffen und es nicht bei den Kundgebungen und dem DemokratieCamp zu belassen, hat sich einen Personenkreis (ein Projekt, das aus einer Session entstanden ist) gebildet, der an Ideen arbeitet, wie das aktuelle Potenzial und die demokratische Energie in der Region Freiburg verstetigt werden kann. Organisiert wurde die Arbeit bisher über eine Signal-Gruppe und einem (hybriden) Treffen (in Präsenz und Online zugeschaltet). Um möglichst schnell und vielen Demokrat*innen einen Zugang zu allen Informationen und Entwicklungen zu bieten, wurde dabei beschlossen, eine gemeinsame digitale Plattform bereitzustellen und zu nutzen.

Gemeinsame Plattform

Alle, die sich beim DemokratieCamp angemeldet haben und angaben, informiert bleiben zu wollen, werden eine E-Mail erhalten, wie sie auf diese gemeinsame Plattform kommen können. (Es handelt sich dabei um HumHub, einer Social-Network-Software. Die Bereitstellung und Finanzierung übernimmt #freiburg_gestalten.) Im besten Fall teilen die DemokratieCamper*innen (oder die, die diesen Beitrag lesen) diese Information und Möglichkeit über soziale Netzwerke und sonstige Kanäle an alle Demokrat*innen aus der Region Freiburg. Ein wesentliches Ziel ist es, damit eine nicht kommerzialisierte Plattform für ein regionales Demokratie-Netzwerk von der Zivilgesellschaft für die Zivilgesellschaft zu bieten.

(Wer nicht im oben genannten Verteiler ist, in der Region Freiburg lebt und der Plattform beitreten möchte, erhält alle Infos vorerst via E-Mail. Einfach eine Nachricht an orga-team@freiburg-gestalten.de senden.)

Im oben verlinkten Radiobeitrag zum DemokratieCamp sagte ein Schüler, nicht einfach Fremde auf der Straße ansprechen zu können, um mit ihnen über Demokratie zu diskutieren und dass das DemokratieCamp genau dafür einen Raum und eine Möglichkeit geboten hätte. Die gemeinsame digitale Plattform soll so einen Begegnungs- und Dialograum dauerhaft bereitstellen. Damit wäre auch das Problem vieler gelöst, informiert sein und sich einbringen zu wollen. Auch Expertisen und Bedarfe oder bereits berstende Vereine, Initiativen und Projekte könnten transparent gemacht und zusammengeführt werden. Es könnte ein digitales Zuhause für eine Demokratiebewegung sein und die angestrebte Verstetigung begünstigen.

Danke

Über eine Signal-Gruppe wurde mit Dirk Philipi, Solveig Schwarz, Benedikt Sauerborn, Ilaria De Altin, David Pomp, Sarah Baumgart und Hanna Gier das DemokratieCamp über Wochen geplant und vorbereitet. Der SC Freiburg hatte nicht nur attraktive Räume zur Verfügung gestellt, sondern sich im Vorfeld bei der Planung und vor Ort bei der Umsetzung (insbesondere sind hier Arne Stratmann und Sarah Maier zu erwähnen, die das alles mit vielen Mitarbeiter*innen zeitgleich zur Vorbereitung des Europa League-Spiels gegen RC Lens geleistet haben) enorm engagiert und viel zum Erfolg des DemokratieCamps beigetragen. Das hatte nichts mit PR zu tun, sondern spiegelte die klare Haltung des Vereins bezüglich der der Stärkung und des Schutzes der Demokratie wider. Das gilt auch für Tecstage (bzw. Markus Müller sein Team), die dafür gesorgt haben, dass die Technik an diesem Tag nicht (bewusst) wahrgenommen wurde, weil sie überall war, wo sie gebraucht wurde und reibungslos funktionierte, wie sie sollte. Die (kostenfreien) Getränke hatte der SC Freiburg und alles, was an (kostenfreiem) Essen zur Verfügung stand, hat der Verein #freiburg_gestalten finanziert. Danke allen, die am DemokratieCamp mitgewirkt haben und sich auch weiterhin engagieren: #DemokratieVereint.