Letzte Woche fand in Hamburg die Edunautika statt. Ein Barcamp zu zeitgemäßer Pädagogik im digitalen Wandel. Lisa Rosa erklärte dort in ihrer Session Reformpädagogik und Digitalität sind Geschwister, weshalb das Netz und die Reformpädagogik zusammenpassen und nannte u.a. Gemeinsamkeiten wie Offenheit, Selbstbestimmung, reflektierendes Learning by Doing, Kommunikation und Zusammenarbeit. Vieles davon trifft aus meiner Sicht auch auf ein Barcamp zu; was es für mich attraktiv macht, auch weitere Reisen auf mich zu nehmen. Seitdem sich die Angebote dazu mehren, werden auch kritische Stimmen immer lauter und fragen nach dem Vorteil eines Barcamps im Vergleich zu anderen Formaten. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich die Frage aus Sicht eines Teilnehmers (oder wie man in Barcamp-Kreisen sagt Teilgebers) und Veranstalters ausführlicher beantworten und mögliche Missverständnisse bzw. falsche Erwartungen klären.

Was spricht für ein Barcamp?

2018 03 17 - Barcamp Freiburg - Fotos von Fionn Grosse- 90543603Ein Barcamp ist mehr als „nur“ ein anderes Format. Wenn man Veranstaltungsformate systemisch betrachtet, kann man beobachten, welche Relevanz sie beispielsweise auf die Kommunikation, Zusammenarbeit und besonders auf das Selbst- und Gruppenverständnis der Anwesenden haben. Wenn man seine Fragen nicht stellen kann und woran man arbeitet nicht mitgestalten und -bestimmen kann, wirkt sich das auf die einzelne Person und Gemeinschaft aus. Die digitale Transformation, in der sich die gesellschaftliche (und wirtschaftliche) Ordnung grundlegend verändert, bedingt bzw. erfordert auch einen kulturellen Wandel. In einer immer komplexer werdenden Welt, müssen Räume geschaffen werden, in denen Menschen mit unterschiedlichem Wissen und Perspektiven auf Augenhöhe zusammenfinden können, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und sich auszutauschen. (Das ist eine dieser Aussagen, bei denen meist Leute zwar beim Lesen nicken, aber die Tragweite der Forderung nicht die nötige Zeit erhält, um sich angemessen gedanklich zu setzen. Ich kenne nämlich kaum Räume, in denen das ermöglicht wird.) Ein Barcamp scheint mir darauf eine mögliche Antwort zu sein. (Dass beim Barcamp Lernräume in Freiburg 24 Partner aus verschiedenen Bereichen mit an Bord waren, war kein Zufall.) Zu jedem Zeitpunkt entscheidet eine Person selbst, ob und wie sie sich bei der Programmerstellung oder in einer Session einbringen möchte und ob sie beispielsweise eine Session verlässt bzw. wechselt. Dieses hohe Maß an Freiheit und Flexibilität, führt auch zu einer ständig wechselnden Rolle zwischen Lehren und Lernen. (Bei einem Barcamp als schulinterne Fortbildung können so, im Vergleich zu klassischen Fortbildungen, vorhandene Potenziale genutzt und wertgeschätzt werden.) Günstige Bedingungen für kollektive Intelligenz. Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Meine Sympathie für Barcamps resultiert nicht aus Vorteilen gegenüber anderen Formaten, sondern aus der Suche nach Konzepten und Antworten auf den gesellschaftlichen Wandel.

Es gibt kein Barcamp-Gütesiegel

Weil bei Barcamps das Programm von den Anwesenden vor Ort erstellt und die Sessions geführt werden, muss man sie bei einer Analyse und Bewertung differenziert betrachten. Gibt es einen thematischen Rahmen und wie weit bzw. eng ist er gefasst? Wie bunt oder fachspezifisch ist die Zusammensetzung der Menschen? Wie viele Leute verfügen über Barcamp-Erfahrung und wie viele nicht? Wer sind die Veranstalter und mit welchem Ziel? Auch die Räumlichkeiten, Moderation, Verpflegung oder die benutzen Informationskanäle spielen eine Rolle, wie ein Barcamp verläuft. Durch das Duzen oder dass jede Person sich jederzeit gleichermaßen einbringen kann, versucht man bei Barcamps Voraussetzungen für Begegnungen auf Augenhöhe zu schaffen. Letztendlich hängt das aber von der Einstellung bzw. Bereitschaft der Menschen vor Ort ab. Das Gleiche gilt für die Vielfalt und Qualität der Sessions. Wenn sich ein Barcamp von einem klassischen Veranstaltungsformat nicht unterscheidet, liegt das in der Regel daran, dass die beurteilende Person selbst nicht vor Ort war oder dass es als Barcamp geplant, aber nicht gelebt wurde. Ein gelungenes Barcamp erkennt man meiner Erfahrung nach am Kommentar von Erstteilnehmenden, dass man es nicht beschreiben kann, sondern erleben muss. In diesem Sinne möchte ich mit einem Gedanken von Toni Morrison abschließen: „If there’s a book that you want to read, but it hasn’t been written yet, then you must write it.“ Übersetzt für Barcamps oder deren Sessions bedeutet das: „Wenn es ein/e Barcamp/Session gibt, an dem du teilnehmen möchtest, es/sie aber noch nicht angeboten wurde, musst du es/sie selbst anbieten.“

Ergänzung

Im Bildungstalk Perlen von den Säuen haben hier Andreas Hofmann, Solveig Schwarz, Philippe Wampfler und ich über einige der Fragen zum Thema Barcamp, die im Netz und den Kommentaren zu diesem Blogbeitrag formuliert wurden, kontrovers diskutiert.

Ich beschäftige mich schon längere Zeit mit der Frage, wie man eine breite Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des digitalen Wandels in Schulen initiieren, unterstützen oder beschleunigen könnte. 2016 habe ich zum ersten Mal dazu ein paar Gedanken verschriftlicht. Mittlerweile hat sich meine Vorstellung insofern weiterentwickelt, dass sich mein Blick auf die gesamtgesellschaftliche Ebene und das Lernen richtet, losgelöst von Schule, die nur einen Bestandteil des bisherigen Systems darstellt, das gerade im komplexen und dynamischen Transformationsprozess an seine Grenzen stößt. Lernen darf nicht nur im schulischen Kontext verstanden werden. Wir lernen ständig und überall. Im Gespräch mit Freunden oder bei der Arbeit. Wir lernen in allen Lebensbereichen, wenn wir Problem lösen bzw. um Probleme zu lösen. Der digitale Wandel hat aber nicht nur die Möglichkeiten hierfür grundlegend verändert, sondern auch die Notwendigkeit.

stuttgart-980526_1920Wenn ich heute nach Antworten auf meine Fragen suche, stürze ich mich in der Regel ins Web. Dabei suche ich nach geeigneten Quellen und bei wesentlicheren Fragen auch immer mehr nach Menschen mit der dazugehörigen Expertise. In den Debatten mit ihnen erreiche ich erst häufig die nötige Schärfe einer Fragestellung, um den dazugehörigen Sachverhalt vertieft zu durchdringen. Besonders gefällt mir dabei die (in zumindest meinem Umfeld) fehlende Hierarchie. Man duzt sich und nicht der Titel vor dem Namen oder sonstige Kriterien, sondern allein der Austausch zählt. So habe ich über die letzten Jahre mein persönliches Lernnetzwerk, das ständig weiter wächst und sich entwickelt, mit Hilfe von Social Media aufgebaut. Orts- und zeitunabhängig, stets griffbereit, über das Smartphone in der Hosentasche.
Ich glaube, dass nicht nur ein Bedürfnis, sondern auch ein Erfordernis nach öffentlichen, nicht kommerzialisierten Räumen in der Stadt besteht, in den genau diese Begegnungen und Austausch auf Augenhöhe stattfinden können. In denen Menschen, die normaler nicht aufeinandertreffen, zusammenfinden. Sozusagen ein persönliches kommunales Lernnetzwerk, bei dem ich nicht nur auf das Potenzial vor Ort zugreifen, sondern auch meine Expertise in die Waagschale werfen kann. Was wiederum eine Vernetzung und Zusammenarbeit über das Web nicht ausschließen soll. Das Barcamp Lernräume stellt einen solchen Versuch dar. Mit dem offenen Bildungsnetzwerk Freiburg wurde neben dieser großen Veranstaltung letztes Jahr ein kleinerer Ableger geschaffen, der hier eine Kontinuität gewährleisten soll. Das reicht natürlich nicht aus. Ein nächster notwendiger kommunaler Schritt könnte ein überarbeitetes Konzept der Stadtbibliothek sein, die neben der zentralen Lage und der allgemeinen Zugänglichkeit, eigentlich alle notwendigen Kriterien für eine öffentlichen Begegnungsraum, wie er oben beschrieben wird, erfüllt. In diesem Beitrag aus dem Tagesspiegel wird die Idee eines Bibliotheken-Updates noch näher und konkreter ausgeführt. Ulm zeigt mit Freiraum, einen weiteren möglichen Ansatz. In diesem Zusammenhang wird mit technischerem Fokus auch häufig von FabLabs gesprochen.

Das Ziel, ein uomo universale zu werden, war wahrscheinlich im Bezug auf die Kenntnis aller Fachgebiete nur in der Renaissance möglich. Durch das exponentielle Wachstum des Wissens hat seit damals die Diskrepanz zwischen dem, das gewusst wird und dem, das man wissen könnte, immer mehr und schneller zugenommen. Wenn man in diesem Zusammenhang die gesellschaftlichen Fragen betrachtet, die sich auf kommunaler Ebene stellen, wird klar, welche Form der Zusammenarbeit benötigt wird. Die erhöhte Komplexität der Fragestellungen unserer Zeit erfordern ein Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven und Expertisen. Hierarchische Systeme machen deshalb keinen Sinn. Wenn man das beispielsweise auf die Idee der Bildungsregion Freiburg bezieht, bedeutet das, dass das regionale Potenzial in einem offenen und transparenten Prozess genutzt werden müsste, um ein gemeinsames und nachhaltiges Konzept zu entwickeln. Im digitalen Wandel sollte deshalb aus dem Der Prophet gilt nichts im eigenen Land ein zeitgemäßes Der Prophet vernetzt sich im eigenen Land werden. Im letzten Jahr lernte ich bei unzähligen Gesprächen im Rahmen der Planung des Barcamps Lernräume viele Menschen in Freiburg kennen, die auf verschiedenen Gebieten über Know-how, Ressourcen oder Ideen verfügen, sich aber gegenseitig noch unbekannt waren. Dass aber der Wunsch nach Zusammenarbeit und Schaffung neuer Lernräume vorhanden ist, zeigt die Organisation des Barcamps, die über Etherpads, Messenger-Dienste und E-Mails von über 20 Partnern geleistet wird. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass das Nebeneinander enden wird, freue mich auf das zukünftige kommunale Miteinander und bin gespannt, welche Konzepte sich daraus ergeben werden.

Beim gestrigen Barcamp des Digital Education Days in Köln bot ich eine Session mit dem Titel Digitalisierst du noch oder lernst du schon? an, die mit einem kurzen Impulsvortrag und folgenden Folien begann. Die Idee dahinter möchte ich mit diesem Blogbeitrag erläutern. Der Titel besteht aus zwei Fragen bzw. Prozessen, auf die ich aufmerksam machen und zur Diskussion stellen möchte: Das Digitalisieren und das Lernen.

digital praktisch

Digitalisieren oder lernenWenn man über Bildung oder Lernen im Kontext des aktuellem gesellschaftlichen Wandels spricht, wird nicht selten aus praktischen Gründen ein Digital davor gesetzt und eine Verkürzung von „im Wandel bzw. Veränderungsprozess durch die digitale Technologie und Vernetzung“ gemeint.* So erkläre ich mir zumindest den häufigen Gebrauch von digitaler Bildung, digitalem Unterricht, digitalem Lernen oder auch schon mal digitalen Lehrern. Dass daraus ein diskussionswürdiges Framing resultieren kann, habe ich bereits von einiger Zeit hier notiert. Seither verfolgt mich auf allen Bildungsveranstaltungen und Fortbildungen rund um das Thema die Frage, ob das Vorgestellte bei solchen Events tatsächlich einer Veränderung unterliegt oder ob Bisheriges lediglich digitalisiert wurde. Um das zu beurteilen, betrachte ich die damit angestrebten oder möglichen Lernprozesse.
Nachdem in den letzten Monaten viel über die Bezeichnungen digitale und zeitgemäße Bildung kontrovers diskutiert wurde, möchte ich deshalb den Fokus auf das Lernen richten, weil ich mir dadurch eine zielgerichtetere und ergiebigere Debatte verspreche. Welches Lernen begünstigt meinen Unterricht? Das frage ich mich seit dem ersten Tag als Lehrer immer wieder, um nicht nur meine Didaktik, sondern auch meine Ziele zu reflektieren und zu hinterfragen. Durch den digitalen Wandel hat sich meine Vorstellung, warum, wie und was gelernt werden soll, stark verändert. Wer sich vertiefter und wissenschaftlicher mit der historischen Entwicklung und Bedeutung des Lernens auseinandersetzen möchte, sollte auf jeden Fall Lisa Rosas Blogbeitrag lesen, auf den ich mich bei der Session in Köln bezog. Er bietet eine hervorragende Gesprächsgrundlage.

zeitgemäßes Lernen

Es kursieren unzählige populäre Videos im Netz, die erklären, weshalb das schulische Lernen nicht mehr zeitgemäß ist. In der Regel geht es dabei um das schlüssige Argument, dass Schulen ihre Aufgabe, junge Menschen für die gesellschaftliche Teilhabe zu befähigen, immer noch am Industriezeitalter und nicht am Informationszeitalter (Digitalzeitalter) orientieren. Philippe Wampfler hat vor kurzem einen ersten Entwurf mit Elementen, die zeitgemäßes Lernen beinhaltet, in soziale Netzwerke gestellt, der dann über Kommentare bzw. Vorschlägen kollaborativ mit anderen Bildungsinteressierten weiterentwickelt wurde. Damit hat er automatisch ein Beispiel für (s)einen Lernprozess transparent gemacht, wie er in in seinem Beitrag beschreibt. Seine Auflistung erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit, sondern liefert eine aus meiner Sicht sehr gute Grundlage für inhaltliche Diskussionen, neben den 4K-Skills.

Welches Lernen begünstigt mein Unterricht?

Vor der Frage, welches Lernen mein Unterricht begünstigt, steht die Entwicklung einer eigenen Vorstellung, wie Lernen idealerweise aussehen sollte. Diese Idee sehe ich auch in einer gewissen Abhängigkeit zum Menschenbild, das man vertritt. Schließlich werden auch Werte erst durch das Erfahren verinnerlicht und gelebt. Wenn ich mir mündige, tolerante, demokratische, offene, soziale und zuversichtliche junge Menschen wünsche, muss ich mich auch fragen, welches Lernen das begünstigt? Hier spielt meiner Meinung nach auch die Perspektive eine Rolle. Lernen wird oft aus Sicht der Lehrenden gedacht, die in der Regel sowohl das Ergebnis als auch den Prozess vorher bestimmten. Ich zweifle daran, dass so ein erfolgreicher Lernprozess stattfinden kann. (Als erfolgreich würde ich einen Lernprozess dann beschreiben, wenn er die vorher formulierten Ansprüche erfüllt.) Deshalb sehe ich die Notwendigkeit, Lernprozesse zu ermöglichen, die mit den eigenen Fragen der Lernenden beginnen und sich daran orientieren. Erst meine Fragen geben (m)einem Lernprozess einen (persönlichen) Sinn. Lernende müssen darum befähigt werden, ihre Lernprozesse selbst gestalten zu können, indem sie neben dem Warum auch das Wie und Was bestimmen; was übrigens meine Auffassung von individualisiertem Lernen wäre. Ich teile nämlich nicht das Verständnis bzw. den Gebrauch des Begriffs, wenn man innerhalb einer heterogenen Klasse damit auf eine Person zugeschnittene Aufgaben meint.
Seitdem in den Medien bezüglich der digitalen Transformation eine Dystopie die andere jagt, sehe ich zunehmend die Erfordernis, Räume für Lernprozesse mit einer möglichst hohen Selbstwirksamkeitserwartung zu schaffen, damit junge Menschen ihrer Zukunft zuversichtlich begegnen können. Schließlich liegen im Unbekannten auch die Freiheit und Möglichkeiten, sich und die Gesellschaft neu zu erfinden. Wenn alles, was automatisiert werden kann, automatisiert und ein Großteil der Arbeitsbeschreibungen beruflich entfallen wird, müssen Lernprozesse ermöglicht werden, die Lernende in die Lage versetzen, Neues zu denken und ihre Zukunft zu gestalten. Natürlich unterliegen Schule und Hochschule gewissen Vorgaben und Zwängen. Deshalb geht es darum, nach Spielräumen zu suchen, in denen möglichst viel davon umgesetzt werden kann. In welchem Rahmen das gelingen kann, muss letztendlich jede Lehrperson selbst herausfinden. Welches Lernen begünstigt dein Unterricht?

 

*Ich verwende selbst aus praktischen Gründen oft die Verkürzung digitaler Wandel oder digitale Transformation. Nur ordne ich dem möglichen Framing an dieser Stelle eine andere bzw. geringere negative Tragweite zu.

Bildschirmfoto 2017-11-07 um 20.25.56Ende September trafen sich ca. 20 Menschen aus unterschiedlichen Bildungsbereichen zum ersten offenen Bildungsnetzwerk-Treffen im Grünhof in Freiburg, um sich zwei Stunden in lockerer Atmosphäre über das Lernen im digitalen Wandel auszutauschen. Nach zwei kurzen Impulsvorträgen mit anschließender Diskussion über Tutorials und 4K-Settings setzte man sich in Kleingruppen zu vorher formulierten Angeboten zusammen. Am Ende des Abends einigte man sich, dass die zukünftigen Meetups im Barcamp-Format ablaufen sollen, man sich weiterhin alle zwei Monate den jeweils dritten Dienstag trifft und die Schokoladenkekse als tragende Säule beibehält. Hier wird jedes Mal die nächste Facebook-Veranstaltung verlinkt, um sich anmelden oder Freunde und Bekannte einladen zu können. (Dass wir nun auch ein schickes Logo haben und kein Pixabay-Bild mehr nutzen müssen, haben wir Rico Heinrich zu verdanken.)

Auf dieser Seite werden die Protokolle aller Netzwerktreffen veröffentlicht und Personen aufgelistet, die sich als Teil des OBNF verstehen und auch an einem Austausch und Vernetzen außerhalb der Meetups interessiert sind. Diese Kontaktdaten werden immer wieder aktualisiert.

Protokolle

OBNF-Mitgestaltungskreis

  • Benedikt Sauerborn, Lehrer, Walter-Eucken-Gymnasium Freiburg, #4kde, #BeruflicheBildung, #TripleDad, benediktsauerborn@gmail.com
  • Olav Richter, Lehrer, MSG Breisach, #Vieldimensional, #ImDialog, #openreli, Freiburg, olav.richter@t-online.de
  • Philip Stade, Lehrer, Doktorand, Freiburg, #Musik #Geographie #Grundschule, Blog
  • Dejan Mihajlovic, Lehrer, Pestalozzi Realschule, #zeitgemäßeBildung, #D64, #4Kde
  • Karlheinz Müller, stellv. Leiter der Volkshochschule Freiburg
  • Rebecca Davies, Dozentin, Englisches Seminar, Universität Freiburg
  • Olcay Kaya, Lehramtsstudent, PH Freiburg, #zeitgemäßeBildung, #scienceeducation, olcaykaya92@gmail.com
  • Mario Horn, Lehramtsstudent, #SocialMedia, mario.horn.@stud.ph-freiburg.de

Wann, wo oder wie Menschen lernen unterlag lange einer Trennung in formale und non-formale Bildung, nach Alter oder geprüfter Leistung der Lernenden. In Zeiten des digitalen Wandels weichen bisherige Strukturen auf und ermöglichen neue und scheinbar grenzenlose Lernräume. Seit einigen Jahren beschäftigt mich der Gedanke, dass man die sich im Web entwickelnden Lernnetzwerke nicht nur online auf- und ausbauen sollte, sondern diesen Prozess auch vor Ort ermöglichen müsste. Einige Institutionen aus Freiburg haben sich nun bereit erklärt, mit einem Barcamp einen Versuch zu wagen. Ein Barcamp bietet als offenes und partizipatives Format den besten Rahmen für eine Eröffnung und Weiterentwicklung eines städtischen oder regionalen Lernnetzwerkes, das mögliche strukturelle oder bürokratische Hürden überwinden kann.

barcamp-freiburgDie Grundidee hinter dem (ersten) Barcamp Lernräume besteht darin, dass möglichst viele und unterschiedlich am Bildungswesen Beteiligte aus Freiburg und Umgebung gemeinsam einen Tag lang Lernräume entstehen lassen, in denen alle als Lernende jeglichen Alters auf Augenhöhe zusammenfinden, sich austauschen, vernetzen und dabei vielleicht auch gesellschaftlich und kommunal ein neues Kapitel aufschlagen. Eine Stadt als Lernnetzwerk, wie sie Harold Jarche hier beschreibt, wäre eine mögliche Entwicklung.

Die Planung und Umsetzung des Barcamps steht stellvertretend für ein vielfältiges Miteinander an Stelle eines Nebeneinanders. Nach einem ersten Treffen mit dem KMZ (Kreismedienzentrum), der LpB (Landeszentrale für politische Bildung) und der VHS (Volkshochschule) Anfang Juli ist der Mitgestaltungskreis mittlerweile beachtlich gewachsen. Folgende Institutionen wirken bisher alle gleichwertig mit und entscheiden selbst, an welcher Stelle und wie viel Know-how, technische, räumliche, personelle oder finanzielle Unterstützung sie beitragen möchten:
KMZ (Kreismedienzentrum)
VHS (Volkshochschule)
Landesakademie Bad Wildbad
LpB (Landeszentrale für politische Bildung – Außenstelle Freiburg)
ZELF (Zentrum für Lehrerfortbildung, PH Freiburg)
Stadtjugendring Freiburg
JBW (Jugendbildungswerk)
KH (Katholische Hochschule Freiburg)
D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt
Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
Initiative D21
Offenes Bildungsnetzwerk Freiburg
Zukunftsbauer
Freiburger Schülerrat
Staatliches Schulamt Freiburg
Amt für Schule und Bildung der Stadt Freiburg
• Badische Zeitung
Open Government Data (Stadt Freiburg)

Natürlich können sich uns jederzeit noch gerne weitere Institutionen, Gruppierungen oder Personen bei der Planung und Umsetzung anschließen.

Das Barcamp wird am 17. März 2018 in Freiburg stattfinden. Der Austragungsort, der genaue Tagesablauf und alle sonstigen Aspekte werden Ende November beim großen Orga-Treffen besprochen. Zeitnah an dieses Treffen wird eine Website veröffentlicht, die über alle Details und aktuelle Änderungen informieren wird.

Aktualisierung

Mittlerweile haben sich D64, die Initiative D21, das OBNF, die Zukunftsbauer, der Freiburger Schülerrat, das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, das Staatliche Schulamt Freiburg, das Amt für Schule und Bildung der Stadt Freiburg, die Badische Zeitung und Open Government Data der Stadt Freiburg dem Mitgestaltungskreis angeschlossen. Die anfänglich kleine Idee hat sich nun zu einer großen Veranstaltung entwickelt, auf die man sehr gespannt und voller Vorfreude blicken kann. Das Barcamp Lernräume wird an der Pädagogischen Hochschule Freiburg stattfinden. Alle weiteren und aktuellen Infos findet man auf dieser Website, bei Facebook oder bei Twitter.

Es genügt meiner Meinung nach nicht, sich nur Gedanken zu machen, was zeitgemäße Bildung sein könnte, wenn man nicht auch nach günstigen Bedingungen und Wegen sucht, die eine Entwicklung dahingehend initiieren, vorantreiben und aufrechterhalten. Seit diesem Schuljahr darf ich als Fachberater für Schul- und Unterrichtsentwicklung am Staatlichen Schulamt Freiburg diesbezüglich Erfahrung sammeln. Den Anfang bildet das Angebot Barcamp – ein Format für zeitgemäße Schul- und Unterrichtsentwicklung (bei LFB-Online unter der Lehrgangsnummer 36087283 zu finden) für Schulleitungen am 26. Oktober 2017 im Waldhaus, auf das ein auf Schulen zugeschnittenes Abrufangebot (bei LFB-Online unter der Lehrgangsnummer 36087285 zu finden) folgt. Ich möchte kurz begründen, weshalb ich mich für ein Barcamp entschieden habe.

Bildschirmfoto 2017-09-22 um 18.41.27Im Web trifft man Pioniere, die den digitalen bzw. kulturellen Wandel im Bildungskontext neu denken und an Lern- und Lehr-Settings arbeiten, die den Anforderungen zeitgemäßer Bildung gerecht werden sollen. Wenn man aber in ein durchschnittliches Lehrerzimmer blickt, wird man selten Menschen vorfinden, die an ähnlichen Konzepten arbeiten. Mein induktiver Ansatz, der an diesem Zustand etwas ändern soll, resultiert aus den Beobachtungen und dem Austausch der letzten Jahre im Netz und auch offline. Um zu struktureller und inhaltlicher Arbeit zeitgemäßer Bildung zu gelangen, müssen im ersten Schritt Denk- und Freiräume geschaffen werden, die Lehrpersonen dazu hinführen, sich von bisherigen Denk- und Handlungsmustern zu lösen. Kein anderes Format erscheint mir hierfür passender als ein Barcamp: Ein offenes, flexibles, partizipatives, weder hierarchisches noch geplantes Veranstaltungsformat, dessen Regeln die von klassischen Fortbildungen aushebeln. Es setzt bisher brach liegende Potenziale frei und leitet ein Umdenken in vielen Bereichen, wie z.B. dem Arbeits- und Rollenverständnis, ein, das den nächsten Schritt, die Erkenntnis der Notwendigkeit, erleichtert. Erst wenn die Tragweite des digitalen Wandels erkannt und als gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird, erhält zeitgemäße Bildung im Rahmen der Schul- und Unterrichtsentwicklung eine echte Chance. Wirksam und nachhaltig ist sie nur, wenn allen am Schulleben Beteiligten ein Zugang ermöglicht wird und von ihnen getragen werden kann.

Unterstützung
Was mich am Arbeiten und Denken im Web begeistert, ist die Kollaboration und Solidarität, der ich immer wieder begegne. Wieder einmal setze ich darauf, dass Kollegien und Schulleitungen im Raum Freiburg und Umgebung von diesem Angebot über die Menschen erfahren, die im Netz stattfinden. Vielen Dank im Voraus für eure Unterstützung.

Letzten Freitag fand an meiner Schule der pädagogische Tag statt: Eine schulinterne Fortbildung, an der alle Lehrenden verpflichtend teilnehmen müssen. Nur diese Mal lief alles etwas anders ab, weil wir uns entschieden hatten, den Tag als Barcamp durchzuführen. Mit diesem Beitrag möchte ich die Entstehungsgeschichte, Planung, Umsetzung und Reflexion der Veranstaltung transparent machen und so vielleicht auch andere Schulen dazu ermuntern, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. (Wer das Format noch nicht kennen sollte, findet hier die wichtigsten Infos.)
Als vor einigen Monaten an den Termin für den pädagogischen Tag erinnert wurde und die Frage nach dem Wie und Was im Raum stand, schlug ich ein Barcamp zum Thema Schulentwicklung vor. (Über die Idee, ein Barcamp zum Thema Schulentwicklung an der eigenen Schule zu veranstalten, stolperte ich bereits 2015 bei Felix Schaumburg und wurde letzten Monat von Marc Albrecht daran erinnert.) Im Vorfeld fiel der Begriff hin und wieder im Lehrerzimmer, weil ich mit einigen Kolleg*innen über das SMV Barcamp oder das EduCamp in Bad Wildbad gesprochen hatte. Erfahrung hatte aber nur eine Kollegin vorzuweisen. Mit ihr und einem weiteren Mitstreiter, der an der Idee sehr interessiert war, erläuterte ich im Plenum zuerst das Konzept des Formats. Das funktionierte natürlich nur bedingt, weil es trotz Beispiele und Vergleiche stets nur eine Beschreibung blieb. Ähnlich wie bei einem Stadion- oder Konzert-Besuch: Nur das Erlebnis selbst kann eine einzigartige Stimmung vermitteln. Die Euphorie, die Barcamps bei zweien von uns freigesetzt hatte, konnte zumindest ausreichend Interesse bei den anderen wecken. Bei der Besprechung des Ablaufs mit dem Kollegium bewährte es sich, den Rahmen und die Regeln des Formats lediglich vorzustellen und nicht als festgelegt zu setzen. Nachdem wir alle Vorteile hervorgehoben hatten, wurden Änderungsvorschläge kontrovers diskutiert. Erste Wünsche, die Themen im Vorfeld schon zu formulieren und abstimmen zu lassen, wurden von der Mehrheit mit den Argumenten „den Kontrollverlust zu wagen“ und „sich auf das Original-Format einzulassen“ überstimmt. Am Ende einigte man sich auf ein klassisches Barcamp mit dem Oberthema Schulentwicklung, das inhaltlich einen großen Spielraum bietet.

Bedenken

Bei allen drei Barcamps, die ich dieses Jahr mitorganisiert und -umgesetzt hatte, quälten die Verantwortlichen in etwa dieser Reihenfolge immer die gleichen Fragen: Kommen genügend Leute? Werden genug, vielfältige und qualitativ ausreichend gute Sessions angeboten? Werden die Anwesenden ihre (von Fortbildung gewohnte bzw. antrainierte) Konsumentenhaltung verlassen (können)? Mit der verpflichtenden Teilnahme am pädagogischen Tag konnte die Antwort auf die erste Frage den Druck ein wenig mildern. Die anderen beiden Fragen beantwortete ich bei der Konzept-Präsentation im Plenum mit Ja und begründete das mit meiner Erfahrung unserer bisherigen schulinternen Fortbildungen: Immer wieder fand ich die Beiträge meiner Kolleg*innen und den Austausch mit ihnen interessanter als die, der eigentlichen Referent*innen und hatte das Gefühl, dass dafür nicht ausreichend Raum zur Verfügung stand. Unser Kollegium und die Schulleitung habe ich in meinen ersten beiden Jahren als besonders engagiert, inhaltlich breit aufgestellt und offen erlebt. Mehr als günstige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Barcamp.
Die Freiheit, das zu tun, worauf man Lust hat und die Möglichkeiten und Wünsche sich einzubringen sind Elemente, die bei diesem Format in der Regel ein besonderes Gefühl bei den Einzelnen und in der Gruppe auslösen. Ob und wie stark dieses Barcamp-Feeling in so einem schulischen Rahmen entstehen kann, war die Frage, die mich beschäftigte.

Planung

  • Die zeitliche Planung erfolgte in Abstimmung mit der Schulleitung und dem Buffet-Team.
  • Da unser Kollegium aus ca. 30 Lehrer*innen besteht, kalkulierte ich mit drei Räumen bzw. parallelen Sessions pro Slot. (Ein vierter Raum diente als Plan B, falls sich doch mehr Themen und kleinere Gruppen finden sollten.)
  • Den Sessionplan habe ich aus drei Gründen auf einer Pinnwand mit Kartonpapier und nicht digital für alle verfügbar vorbereitet:

a.) Wir haben (noch) kein WLAN in allen Zimmern bzw. können mit einem Nano-Router zehn bis zwölf mobile Endgeräte mehr schlecht als recht versorgen. Nur ein paar Kolleg*innen hatten zuvor schon einmal mit GoogleDocs oder Etherpads gearbeitet. Auf diese potentielle Stress- und Frust-Quelle habe ich deshalb bewusst verzichtet.

b.) Man hätte (z.B. mit GoogleDoc) in einen rechtlichen Grenzbereich bezüglich der Datenschutz-Vorgaben in Baden-Württemberg kommen können.

c.) Den digitalen Wandel berücksichtigende und nutzende zeitgemäße Lehr-und Lernformen stehen bei uns noch am Anfang. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass durch zu schnellen und zu viel Technikeinsatz eher Gräben als Brücken entstehen. (Die häufigste Rückmeldung nach dem Barcamp bezog sich auf meine überraschenderweise noch vorhandene und wohl ansehnliche Handschrift. Man muss dazu wissen, dass mich mein Kollegium in gefühlt 120% aller Fälle auf einem Smartphone, Tablet oder Laptop schreiben sieht, wenn ich nicht gerade Sprachnachrichten verschicke.)

  • IMG_8585Das überragende Buffet, das mit der aula-Eule auch unser großes Schulprojekt würdigte, wurde von mehreren Kolleg*innen organisiert, die dadurch ihren Geburtstag mit uns nachfeierten.
  • Für die Dokumentation stellte die Schulleitung jeweils einen Laptop in die drei Räume. Für die Protokolle wurde folgende Struktur vorgestellt: Name der Session, Session-Anbieter*in, Protokollant*in, Dokumentation (Mitschriften, Zitate, Materialverweise, Ergebnisse…) und ein Fazit der Session in maximal zwei Sätzen. Ich entschied mich gegen einen Unterpunkt, in dem der nächste Schritt für die Umsetzung der Idee und die dafür Zuständigen festgehalten werden sollten, um den Grad an Freiheit möglichst groß zu halten.
  • Einige Leute hatten ihren Laptop oder ihr Tablet dabei, weil ich sie für meine Session darum gebeten hatte. Sie wurden aber auch für persönliche Notizen genutzt. Der Sessionplan wurde von den meisten mit einem Smartphone abfotografiert und danach zur Orientierung in den Gang gestellt. Zwei (der drei) Räume waren für Vorträge mit Beamer und Laptop ausgestattet.
  • Durch den Entfall der gegenseitigen Vorstellung hatten wir mehr Zeit für die Barcamp-Regeln und Speaker*innen-Runde. Vielleicht wäre es trotzdem interessant gewesen, eine thematische Belegung mit drei Hashtags zu machen, um die verschiedenen Vorbereitungen bzw. Erwartungen zu erfahren. Weil ich aber nicht wusste, wie kurz tatsächlich die „kurz gewünschten die Session-Vorstellungen“ ausfallen würden, verzichtetet ich darauf. Mir war es wichtig, nicht zur ersten Session zu hetzen oder mit einem zeitlichen Verzug beginnen zu müssen.
  • Besonders betont hatte ich, darauf zu achten, dass zu Beginn jeder Session zuerst geklärt wird, wer das Protokoll schreibt, Vorträge nach maximal 20 Minuten enden sollen, der Austausch im Mittelpunkt steht und man jederzeit den Raum verlassen kann, wenn der Verlauf nicht den Erwartungen entsprechen sollte. Eine Mindestgruppengröße wurde nicht kommuniziert, obwohl ich gute Erfahrungen mit der Gruppendynamik ab fünf Personen gesammelt hatte. Hier setzte ich auf das Interesse an der eigenen Sache, auch selbst bei einer Partnerarbeit etwas für die Schulentwicklung leisten zu wollen.
  • Am Ende des pädagogischen Tages sollte der tatsächliche Ablauf gemeinsam reflektiert und über ein weiteres Vorgehen diskutiert werden.

Umsetzung und Reflexion

FullSizeRenderEs war großartig. Etwa ein Drittel des Kollegiums bot thematisch sehr unterschiedliche Session-Vorschläge, die man dem Bild entnehmen kann, an und füllte die drei (geplanten) Räume alle vier Slots. Es gab auch Angebote, die in der Speaker*innen-Runde aufgrund von mangelndem Interesse nicht stattfanden. In meiner ersten, etwas chaotischen Session verließen sogar nach wenigen Minuten ein, zwei Kolleg*innen den Raum, was mich alles persönlich sehr freute, weil dadurch das Format angenommen und unser offener und ehrlicher Umgang miteinander bestätigt wurde. Meinen Informationen nach variierte die Gruppengröße zwischen 5 und 15. In manchen Sessions wurde sehr konkret erarbeitet und festgehalten, wer, was bis wann erledigen muss, um die Idee umzusetzen und in manchen wurde “nur“ diskutiert; wobei ich ergänzen möchte, dass Impulse bzw. Denkprozesse, die „nur beim Diskutieren“ entstehen, weitreichende Folgen haben können und häufig unterschätzt werden. Spätestens in der großen Pause, als man sich in geselliger Runde beim Essen und Trinken über die ersten beiden Sessions austauschte, setze bei allen das von mir erhoffte Barcamp-Feeling ein und man war sich schnell einig, dass es nicht das letzte Barcamp sein würde. FullSizeRenderDas Feedback und die Reflexion fanden im Stuhlkreis statt. Neben der allgemeinen Begeisterung über die neue gewonnen Freiheit und Form der Zusammenarbeit und des Austausches wurde rückgemeldet, dass alles sehr konstruktiv und bereichernd ablief. Dass zwei Tage zuvor eine klassische schulinterne Fortbildung stattfand, erleichtere allen den Vergleich und unterstrich nochmal deutlich die Vorteile eines Barcamps. Die 45-minütige Begrenzung der Zeit wurde als wertvoll empfunden, weil man so leichter Abschweifungen, die bei Lehrer*innen wohl ab und zu vorkommen können, kontrollieren konnte. Auch das Öffnen des Barcamps für Externe (Lehrende anderer Schulen oder Interessierte aus völlig anderen Bereichen), um die Perspektiven zu erweitern, wurde vorgeschlagen. Einige formulierten den Wunsch, für gewisse Themen eigene Barcamps durchzuführen bzw. noch mehr Raum für die Fortsetzung der bereits geleisteten Ansätze zu erhalten. Es gründeten sich auch bei manchen Themen gleich Arbeitsgruppen, die unabhängig vom weiteren Vorgehen am Ball bleiben wollten. Die Bereitschaft und Motivation weiterzuarbeiten war berauschend. Dass die Schulleitung eröffnete, zukünftige Fach- und andere Konferenzen durch Barcamps bzw. offene Formate zu ersetzen war der krönende Abschluss des Tages. Am Ende blicke ich auf ein mehr als erfolgreiches Barcamp zurück, das als Format unsere Schule bzw. Schulentwicklung nachhaltig verändern hat. Das Wuseln durch die Gänge, auf der Suche nach dem richtigen Raum, Aussagen wie „Unsere Schulwelt muss sich noch mehr für den Lebenswelt unserer Schüler*innen öffnen.“ oder die Forderung nach mehr Projektarbeit, um den Herausforderungen des digitalen Wandels gerecht zu werden, kannte ich bisher nur von Barcamps, Blogbeiträgen oder Tweets der überschaubaren deutschsprachigen Bildungs-Community aus dem Web. Das an der eigenen Schule zu erleben hat mich sehr glücklich gemacht. Immer wieder fordere ich auf sozialen Netzwerken, dass es durch die Digitalisierung und deren gesellschaftlichen Umbrüche eine veränderte Form des Lehrens und Lernens benötigt und der Fokus dabei aber nicht auf der Technik, sondern der Denk-und Arbeitsweise von Menschen liegen sollte. Meine Schule mag technisch (noch) nicht die beste Ausstattung haben, aber Lehrende, die bereit sind neue Wege zu denken und zu gehen. Es hat sich gelohnt, den Kontrollverlust zu wagen. Vielleicht auch für eure Schule?

Ergänzung

Mittlerweile biete ich als Fachberater für Schul- und Unterrichtsentwicklung am Staatlichen Schulamt Freiburg Barcamps als schulinterne Fortbildungen an. Wer aus dem für mich zuständigen Raum kommen sollte, kann das Abrufangebot unter der Fortbildungsnummer 36087285 bei LFB-Online buchen.