zeitgemäße Bildung KopieIch durfte im Juli bei Schule in BWgungPilotschule und was dann? zu Lehrenden aus dem tabletBS-Projekt über Digitale Bildung im Jahr 2020 sprechen. Die Folien dazu möchte ich mit diesem Beitrag veröffentlichen und erläutern, weil mich einige Beobachtungen und Fragen im Bildungsbereich zunehmend beschäftigen, die ich mir in öffentlichen Debatten breit und vertieft diskutiert wünsche.

Weshalb das Ganze?

Dass die Technik in Schulen veraltet oder nicht vorhanden ist, gehört mittlerweile zum allgemeinen Konsens. Irgendwas mit digital, sagt man, sollte man mehr unterrichten, weil alles irgendwie mehr digital ist und wird. Und so schmückte man zum Beispiel vor einigen Jahren möglichst viele Klassenzimmer mit IWBs (Interaktive Whiteboards, auch als digitale Tafeln oder Smartboards bekannt), mit der Vorstellung, irgendwas getan zu haben, das irgendwie schon zu irgendeinem Ziel führen wird. Was aber schwammig oder gar nicht im Vorfeld formuliert wurde, konnte auch nicht erreicht werden. Deshalb sehe ich die Frage nach dem Warum als essentiell, am Anfang und roten Faden für eine vernünftige Entwicklung einer Vorstellung, was zeitgemäße Bildung sein soll, kann oder muss. Sie muss als Einzelperson, Schule, Kommune, Land und Bund immer wieder neu gestellt, diskutiert und (zeitgemäß) beantwortet werden: Weshalb das Ganze?
Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert. Die putzigen Amazon Roboter (ehemals Kiva Systems), die über QR-Codes orientierend die Gänge von Lagerhallen entlang flitzen, werden gerne als Beleg für diese Aussage im Bereich Lagerlogistik gezeigt. Die ersten Videos wurden übrigens bereits 2008 hochgeladen. Im Prinzip stehen sie nur für einen Teil des Transportwesens, das zunehmend automatisiert wird. Das reicht von gigantischen, selbstfahrenden und miteinander vernetzten Lastwagen bis hin zum Transport von Menschen in selbstfahrenden Autos und Bussen. Dazu und noch mehr, kann man sich in diesem populären Video ansehen. Auch das Bauwesen erhält Unterstützung von Bots und riesigen 3D-Druckern, die innerhalb von 24 Stunden ganze Häuser hinstellen. Am meisten beeindrucken aber immer wieder die Ergebnisse des Robotik-Unternehmens Boston Dynamics, das 2013 von Google gekauft wurde, mit Atlas, HandleSpot oder Sand Flea. Abschließen möchte ich den Blick auf die Wirtschaft mit dem alltäglichen Leben, um die (nicht selten empfundene) vermeintliche Ferne dieser Technik zu relativieren. Damit meine ich die steigende Zahl an Schnellkassen in Geschäften oder Touch-Displays, auf denen man sich eine Fahrkarte buchen, Essen selbst zusammenstellen oder über Lokales informieren kann, die sich fast unbemerkt in unseren Alltag schleichen. Vergessen wir auch nicht den Onlinehandel, der in vielen Bereichen bereits für radikale Umbrüche gesorgt hat. Angefangen beim Zeitungssterben bis hin zu den vielen, kleinen lokalen Anbietern, die nach Lösungen suchen müssen, um im ungleichen Zweikampf neben Riesen wie Amazon & Co überleben zu können. Es häufen sich die Prognosen, dass Massen von Jobs durch den Einsatz von Robotern und Bots wegfallen werden. Ob und wie viel davon, wann eintreten wird, weiß ich nicht. Stephan Noller eröffnete vor einiger Zeit hierzu eine lesenswerte Debatte bei Facebook. Dass sich Arbeit und Anforderungen ändern werden, steht außer Frage und stellt nichts Neues dar. Was neu sein könnte, ist die Geschwindigkeit bzw. die Dynamik und die gesellschaftliche Tragweite. Sich auf etwas Unvorhersehbares vorzubereiten, scheint zumindest eine daraus resultierende Aufgabe zu sein.
Bildschirmfoto 2017-09-08 um 18.29.28Die ökonomische Perspektive allein genügt natürlich nicht, wenn man die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen durch den digitalen Wandel erfassen möchte. Die sich verändernden beruflichen Anforderungen und Bedingungen, werfen dabei einige Fragen auf. Wie bereite ich junge Leute auf Jobs vor, die es noch nicht gibt? Wie verändern die neuen beruflichen Anforderungen und Bedingungen das Leben einer Person als Individuum und Teil einer Gemeinschaft? Was wären und wie erreicht man für alle günstige Voraussetzungen? Wenn man bedenkt, wie die Erfindung des Buchdrucks das Zusammenleben innerhalb der Gutenberg-Galaxis revolutioniert hat, kann man sich die Auswirkungen durch weltweit miteinander vernetzte Computer bzw. die Personen dahinter erahnen. Auch in der Turing-Galaxis werden bestehende Strukturen aufgelöst und der Zugang zu Informationen mehr Menschen ermöglicht und vereinfacht. Das Smartphone und Tablet sind fassbar und ziehen dadurch in mancher Diskussion die Aufmerksamkeit auf sich. Es ist aber das Internet, das den Wandel mit sich brachte und bringt. Wie wir kommunizieren, konsumieren, arbeiten, lernen, Ideen entwickeln, forschen, die Welt begreifen, wandelt sich. Durch soziale Netzwerke lesen wir nicht nur mehr Texte, sondern können mit denen, die sie verfasst haben, zeit- und ortsunabhängig diskutieren. Über Livestreams erhalten wir Bilder von nahezu jedem Fleck und Geschehen auf diesem Planeten. Die Karten der Deutungshoheit werden neu gemischt. Saßen wir noch gestern vor linearem Fernsehen und Zeitungen, bespielen wir heute selbst unsere Social Media-Kanäle mit Inhalten. Push-Benachrichtigungen im Sekundentakt. Wichtiges und Unwichtiges von allen und jederzeit. Die politischen Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene erscheinen durch die Kanäle sozialer Netzwerke nicht nur näher und greifbarer, sondern auch verknüpfter und komplexer. Das geografische Umfeld bestimmt nicht mehr allein die kulturelle Prägung und Sozialisation.

Und im Bildungsbereich?

Bildschirmfoto 2017-09-08 um 18.18.15„Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.“ beschrieb ich es in meinem Vortrag in Neckarsulm. Eine, meine Beobachtung der letzten Jahre, die ich kurz begründen möchte. Wenn man einen Blick auf die Fortbildungsangebote wirft oder sich an Veranstaltungen zum Thema Digitale Bildung die Programme durchliest, scheint die einzige Veränderung das Adjektiv digital zu sein. Man preist digitale Lerntheken, digitale Arbeitsblättern oder digitale Lerntagebücher an. Anstatt gedrucktem Papier im BILLY-Regal sammelt man nun Listen mit Apps und Tools in Clouds. Mit Toolifizierung, möglichst häufig und viele neue Medien (wobei hier fälschlicherweise neue Medien mit Technik gleichgesetzt und Medien als Werkzeuge verstanden werden) einzusetzen, und Quizzifizierung, Wissen über den Nürnberger Trichter in Form von Quizzen zuzuführen, führte Lisa Rosa zwei Begriffe ein, die eine weitere Entwicklung kritisch beschreiben. Auch das populäre SAMR-Modell, das mit seiner niederen Einstiegshürde motivieren und als Brücke zu neuen Lehr- und Lernszenarien führen soll, klang für mich nur anfangs schlüssig. Mittlerweile befürchte ich, dass es ein falscher Ansatz ist, weil er den Fokus auf das Digitale lenkt und Phänomene wie Toolifizierung und Verquizzung nicht nur begünstigt, sondern echte Innovation bremst, wenn nicht sogar verhindert. Das gängige Argument klein anzufangen kann zu klein denken verleiten und die mögliche Überforderung der neuen Technik, die das stufenweise Heranführen begründet, wird meiner Meinung nach mit Neues zu denken verwechselt.* Die Bezeichnung Digitale Bildung hat sich zwar in den letzten Jahren als praktische Verkürzung für Ankündigungen von Veranstaltungen, Vorträgen, Fortbildungen und auch als Hashtag durchgesetzt, trägt aber einen Teil dazu bei, dass notwendige Neuerungen in der Bildung, bedingt durch den digitalen Wandel, gedanklich auf ein digitales Add-on reduziert werden. Deshalb fordern manche auch gerne ein neues Fach oder eine neue Kompetenz, die zum bisher Bestehenden einfach hinzufügt werden soll. Ich glaube, dass es einen anderen Begriff benötigt, der zum Denken im großen Ganzen anregt. Meine vor Monaten verfasste, kurze Begründung, weshalb ich mich für zeitgemäße Bildung entschieden habe, möchte ich um folgende Punkte ergänzen:

  • weil zeitgemäße Bildung einen nie endenden Entwicklungsprozess beschreibt
  • weil zeitgemäße Bildung sich an aktuellen Herausforderungen misst
  • weil zeitgemäße Bildung für eine Gesamtbetrachtung steht
  • weil zeitgemäße Bildung immer wieder eine Reflexion einfordert
  • (weil zeitgemäße Bildung uns das Bildung 2.0, 4.0 und x.0 erspart)

(Seit einem halben Jahr begleitet mich dieser Ausdruck bei allen Gedankengängen und hat bisher jeder erneuten Überprüfung standgehalten.)

Wofür steht zeitgemäße Bildung?

Bildschirmfoto 2017-09-08 um 18.18.52Zeitgemäße Bildung orientiert und reflektiert sich immer wieder neu an allen Herausforderungen gesellschaftlicher Entwicklung, die aus dem digitalen Wandel resultieren. Sie sucht in einem neuen Lehr- und Lernverständnis nach Antworten auf alle Fragen, die sich aus den oben angerissenen Legitimationen stellen. Lernen als lebenslanger Prozess, der nicht an Zeit und Ort gebunden ist und in einem persönlichen Lernnetzwerk stattfindet. Das 4K-Modell des Lernens sehe ich momentan als eine Möglichkeit, junge Menschen auf das vorzubereiten, das sie heute und morgen erwartet. Was ich darunter verstehe, habe ich hier verschriftlicht. Zeitgemäße Bildung unterscheidet beim Lernen nicht zwischen einzelnen Fächern, Klassen, Schularten oder formaler und non-formaler Bildung. Das Web nimmt dabei eine bedeutende Funktion ein. Die Rolle des Lehrenden und Lernenden ist flexibel und kann wechseln. Zeitgemäße Bildung braucht Räume für Lernprozesse mit Trial and Error. Räume, um neue Konzepte zu entwickeln oder Projekte durchzuführen. Nur neue Prüfungsformate und Bewertungsansätze werden diese Räume ermöglichen. Zeitgemäße Bildung leitet eine Epoche der zweiten Aufklärung ein und strebt eine Mündigkeit an, die unsere Gesellschaft aus der Beobachterstellung befreit und zur Mitgestaltung des digitalen Wandels befähigt.  Beginnen wir damit.

 

*In einer Barcamp-Session an meiner Schule tauschte ich mich mit meinem Kollegium, das bezüglich Thematik rund um den digitalen Wandel keine führende Rolle spielt, zu zeitgemäßer Bildung aus. Dabei unterschieden sich ihre Fragen und Folgerungen stark von denen der Digitale Bildung-Community im Netz. Es ging um gesellschaftliche Veränderungen und wie man ihnen begegnen kann. Es ging nicht um Apps oder mobile Endgeräte, sondern um Menschen, Ethik oder Umwelt. Alles wurde in Frage gestellt und Neues angedacht. Eine Überforderung konnte ich nicht feststellen – im Gegenteil. Sie hatten Spaß daran, gedanklich auszubrechen und nach möglichen Lösungen in unserem Rahmen zu suchen. In der über Jahre geführte Debatte im Netz, wie man in Schulen Digitale Bildung vorantreiben kann, traf ich häufiger auf den Standpunkt (den ich auch lange Zeit vertrat), dass neben den der fehlenden Technik die Überforderung ihrer Anwendung die größte Hürde sei. Dass der digitale Wandel nicht als kulturelle Revolution wahrgenommen wird, liegt vielleicht aber auch daran, dass man ihn durch den Fokus auf die Technik in eine Nische gedrängt hat, der den Blick auf die Gesamtheit erschwert. Möglicherweise werden die vielen Lehrer_innen, die noch nicht im Web populär stattfinden, die kritische Masse für zeitgemäße Bildung einleiten, weil sie sich an der gesellschaftlichen Notwendigkeit und den daraus resultierenden Fragen orientieren. Gestern sprach ich in einem Podcast mit Jöran über diese These, die er mit folgendem Satz zusammenfasste: Die Speersitze der Digitalen Bildung wird nicht die der zeitgemäßen Bildung sein.

Gestern bin ich auf einen Tweet gestoßen, indem sich ein Lehrer über einen Schüler, der in die Hose pinkelte, lustig gemacht hat. Weil mir das Thema auf diese Weise nicht zum ersten Mal begegnet, möchte ich ein paar Dinge ansprechen, die meiner Meinung nach eine (breitere) gesellschaftliche Debatte verlangen.

Als ich vor einigen Jahren Twitter beitrat und in meiner Biografie Lehrer angab, wurden mir relativ schnell Accounts in die Timeline gespült, die Unterhaltsames aus der Schule verarbeiteten. Mal mehr und mal weniger lustig. Anfangs machte ich auch mit und muss zugeben, mir wenige, ernsthafte Gedanken über schulische oder rechtliche Aspekte gemacht zu haben. Die Verlockung der Aufmerksamkeit ist da und wirkt auf Menschen unterschiedlich stark. Dass eine Kerstin Brune schon lange und erfolgreich über ihren Schulalltag twittert, macht es nicht nur akzeptabler, sondern lebt es auch vor. Humor ist gesund und Schule kann sowieso ne ordentliche Dosis davon vertragen. Außerdem fühlen sich Likes gut an und zusätzliche Follower noch mehr. Das Wohnzimmer-Stimmung eines Social Media-Accounts begünstigt das Ausblenden von Verantwortung und Konsequenzen. Das Bewusstsein dafür setzte bei mir erst ein, als ein Kollege mein Verhalten an einer Stelle kritisierte und mich auf die generelle Problematik aufmerksam machte. Seitdem bin ich sensibilisiert und orientiere mich (auch in sozialen Netzwerken) noch stärker am Sokrateischen Eid. Social Media sollte nicht nur ein Bestandteil der Lehrerfort- und -ausbildung sein, sondern auch im Unterricht den notwendigen Raum einnehmen. (Die in Baden-Württemberg immer noch geltende Handreichung des Kultusministerium von 2013 hat durch ihre Verbote lediglich das Problem aus dem schulischen in den privaten Bereich verlagert und bietet Schülerschaft und Kollegien bis heute keine Unterstützung auf der Suche nach Lösungen.)

Natürlich kostet das Kraft und Zeit, Kritisches anzusprechen. Es droht auch die Gefahr, im stets hippen Narrativ des Webs, als Spaßbremse oder spießig zu gelten, wenn man aus eigener Sicht problematische Tweets/Postings anspricht. Und dann ist da noch die Dynamik und Gefahr der Empörungskultur, die eigenen Gesetzen folgt. Die Grenzen der Satire wurden nach Böhmermanns Erdogan-Gedicht letztes Jahr breit, emotional und kontrovers diskutiert. Mit Humor verhält es sich wahrscheinlich ähnlich. Was geht oder nicht, handeln wir letztendlich durch unser Verhalten im Netz gerade aus. Ich wünsche mir Lehrer_innen, die über soziale Netzwerke ihre Schüler_innen als Mensch bestärken und unterstützen und nicht über Häme nach Reichweite eifern. Lehrende sind keine besseren Menschen und können auch nicht unfehlbar sein, haben aber berufsbedingt eine größere (auch rechtliche) Verantwortung als andere. Darüber sollte man sich vor jeder Veröffentlichung bewusst sein.

Ergänzungen

  • Ich mag die Tweets von Kerstin Bruno und schätze (sehr) Humorvolles aus dem Schulalltag bei Twitter & Co. Mein Wunsch ist es, dass zukünftig Inhalte und Verhalten im Web mehr miteinander reflektiert werden.
  • Weil sich in diesem Zusammenhang immer wieder das Argument „Wenn nicht bekannt ist, um wen es geht, schadet es auch keinem“ wiederholt: Das Problem ist, dass man in den meisten Fällen sehr wohl Näheres ermitteln kann, wenn man es darauf anlegt. Außerdem geht es nicht nur um den Schaden an der Person, sondern um gesellschaftliche Werte. Sich groß machen, indem man Mitmenschen klein macht, gehört nich zu meinem gesellschaftlichen Verständnis.
  • Klarname und Profilbild helfen zumindest mir dabei, mich an die Verantwortung der digitalen Identität zu erinnern und unterstützen mich, sachlicher und zielführende zu diskutieren.
  • Weil ich die oben verlinkte Social Media-Handreichung als noch ausbaufähig beschreibe, erhielt ich von Florian Karsten den Hinweis, dass bei ihm am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) in Stuttgart alle Referendar_innen einen Vortrag zum Thema Soziale Medien und folgenden Leitfaden erhalten.

Smartphone-Tag, Pestalozzi-Schule, FreiburgBZ-Beilage "Baden im Wandel"
Foto Daniel Schoenen

An unserer Schule kamen einen Tag lang in jeder Schulstunde und jedem Fach die Smartphones aller Schüler_innen im Unterricht zum Einsatz. Das klingt für Leute, die sich mit dem digitalen Wandel im Bildungsbereich beschäftigen, wahrscheinlich sehr banal und unspektakulär. Und genau das macht diesen Ansatz und die Umsetzung so besonders. Als öffentliche, städtische Realschule stehen wir vor der Herausforderung einer heterogenen Schülerschaft. Wir verfügen über keine Tablet-Klassen, bieten kein WLAN und das Kollegium ist beim Thema Digitales im Schnitt nicht informierter und erfahrener als andere. Ich möchte damit deutlich machen, dass die Umsetzbarkeit dieses Tages meiner Meinung nach an allen Schulen gegeben ist und lade dazu ein, einen Versuch zu wagen.

Von der Schülerschaft für die Schülerschaft und mit dem Kollegium

Die Idee des Smartphone-Tags stammte von einem Schüler, der sie auf der aula-Plattform gepostet und über 50% aller Schüler_innen dafür gewinnen konnte. Wer das aula-Projekt kennt und verfolgt, weiß mittlerweile, dass zur Abstimmung freigeschaltete Ideen mit mehrheitlichem Zuspruch umgesetzt werden müssen. Deshalb wurde mit der Schulleitung ein Termin für die Durchführung und ein Planungstreffen vereinbart, an dem jeweils drei Vertreter_innen der Schülerschaft und des Kollegiums teilnahmen. Es mussten nämlich die konkreten Erwartungen der Klassen geklärt und die Möglichkeiten der Umsetzung besprochen werden. Was so einfach klingt, steht für viel Vorarbeit im Bereich der SMV (Schülermitverantwortung) bzw. SV (Schülervertretung). Dass man zielführend die Umsetzung solcher Ideen in diesem Rahmen diskutieren kann, setzt gegenseitiges Vertrauen, Offenheit und die Bereitschaft aller Beteiligten voraus.

Planung des Smartphone-Tags

Fragen der Planungsgruppe

  1. Welche Erwartungen haben die Klassen an den Tag?
  2. Welche Technik haben wir vor Ort und was sollen und können wir für diesen Tag organisieren?
  3. Wie geht man mit Schüler_innen ohne Smartphone oder Internet-Flat um?
  4. Wie lange muss das Smartphone mindestens im Unterricht eingesetzt werden?
  5. Was soll geschehen, wenn unerlaubt gefilmt und das in sozialen Netzwerken geteilt wird?
  6. Dürfen Smartphones an diesem Tag auch in den Pausen benutzt werden?
  7. Wie kann das Kollegium bei der Vorbereitung auf Wunsch unterstützt werden?

Ergebnisse der Planungsgruppe

  1. Die Grundidee besteht darin, dass an diesem Tag in allen Unterrichtsstunden das Smartphone eingesetzt bzw. genutzt wird. In welcher Art und Weise steht den Lehrenden völlig offen. (Dass man „nur“ über Smartphones, wie sie hergestellt werden, woraus sie zusammengesetzt sind oder welche Gefahren sie bergen, „spricht“, deckt sich nicht mit der Vorstellung der Schülerschaft für diesen Tag.)
  2. Wir verfügen (noch) über kein WLAN in den Klassenzimmern und können theoretisch (wenn das Internet funktioniert) in den meisten Räumen zur Not für zehn bis zwölf Personen mit einem Nano-Router bescheidenes WLAN anbieten. Freundlicherweise haben uns medialepfade einen mobilen Router für diesen Tag geliehen, mit dem wir weitere zehn bis zwölf Personen mit WLAN versorgen konnten.
  3. Das Problem fehlender Smartphones soll über Partner- und Gruppenarbeit gelöst werden. Die Klassenleitungen sollen alle rechtzeitig informieren, ihre Smartphones vollständig aufgeladen mitzubringen und an ihre Ladekabel oder Powerbank zu denken. Außerdem werden die Klassen gebeten, ihre Datenflat bis zum Smartphone-Tag nicht aufzubrauchen.
  4. Um die Einstiegshürde für alle möglichst niedrig zu halten, einigte man sich darauf, keine Zeitvorgabe zu stellen. Wie lange und oft Smartphones im Unterricht zum Einsatz kommen, entscheidet jede Lehrperson selbst.
  5. Die Klassen- und Schulleitung informiert alle vorab, dass das unerlaubte Filmen und Posten in sozialen Netzwerken verboten ist bzw. Smartphones weiterhin nur für schulische Zwecke benutzt werden dürfen. Bei einem Verstoß verfährt man wie bisher und schließt zusätzlich Schüler_innen von den digitalen Unterrichtsangeboten aus.
  6. Nein. Es wurde aber darauf hingewiesen, dass der Wunsch einer Änderung in der Schulordnung über bzw. mit aula erreicht werden kann.
  7. Hierfür bat ich noch aus dem Planungstreffen heraus Lehrende über Twitter, LinkedIn und der Medienpädagogik-Gruppe bei Facebook, Ideen für den Unterricht in ein von mir angelegtes ZUMPad einzutragen. (Vorher erstellte ich eine Tabelle, in der alle Fächer und Klassen, die an diesem Tag unterrichtet werden, eingetragen waren, um in meinem Aufruf gezielt nach Konzepte für diese Stunden zu fragen.) Ich habe diese Liste etwas überarbeitet, nach Fächern sortiert und stelle sie hier allen als PDF und GoogleDoc zur Verfügung. Ich werde diese Auflistung immer wieder aktualisieren. Falls ihr weitere Tipps und Anregungen haben solltet, könnt ihr sie bitte hier eintragen. (Ab und zu werde ich nach Updates schauen und die alten Listen ergänzen. Mir gefiel besonders, dass beim ersten ZUMPad nicht nur Apps reingeknallt, sondern Gedanken zu Lernszenarien geteilt wurden.) Manche aus dem Kollegium nutzen auch praktischerweise den gleichen Wochentag davor, um mit Klassen in den jeweiligen Fächern den Smartphone-Tag vorzusprechen.

Der große Tag

Smartphone-Tag, Pestalozzi-Schule, FreiburgBZ-Beilage "Baden im Wandel"
Foto Daniel Schoenen

Damit die erste aula-Idee auch bestmöglich umgesetzt werden kann, kamen Alexa Schaegner und Daniel Schumacher von politik-digital e.V. (und tragende Säulen von aula) zur Unterstützung nach Freiburg. Außerdem erhielten wir an diesem Tag noch Besuch von der Badischen Zeitung, die dabei war einen Bericht über eine Bestandsaufnahme in Sachen digitalem Unterricht an Freiburger Schulen zu verfassen, und vom SWR, der ebenfalls Interesse bekundet hatte, mehr über das Projekt aula und den Tag zu erfahren. Hier findet man den Text der BZ und hier den SWR-Beitrag. Da ich an diesem Tag für die Koordinierung zuständig war, bei technische Problemen aushelfen musste und mich um unseren Besuch zu kümmern versuchte, erfuhr ich selbst wenig vom Ablauf. Überwiegend positive Rückmeldungen am Ende des Tages sprachen aber für eine erfolgreiche Umsetzungen. Alexas Eindrücke kann man hier nachlesen und Daniels Zusammenfassung in diesem Video bewundern. Weil ich im Web danach gefragt wurde, ob ich auch konkret benennen könnte, was in den einzelnen Fächern gemacht wurde, bat ich meine Kolleg_innen, mir nachträglich dazu ein paar Worte zu mailen. Ich habe alle rückgemeldeten Informationen hier als PDF zusammengestellt.

Rückblick und persönliches Fazit

Dass der Smartphone-Tag tatsächlich stattfand, liegt meiner Einschätzung nach an der Partizipationsmöglichkeit von aula und den dadurch entstandenen Impuls aus der Schülerschaft. Auch wenn ich mein Kollegium als sehr engagiert und offen schätze, glaube ich nicht, dass wir von uns diese Idee auf die endlose To-do-Liste einer jeden Schule gesetzt hätten. Durch die niedrige Einstiegshürde gelang es, wirklich alle mitzunehmen. Man bereitete Online- und Offline-Varianten vor, weil mit den technischen Besonderheiten und Tücken unseres Hauses vertraut waren. Einiges misslang und gelang. Etherpad-Einträge wurden aus Versehen oder absichtlich gelöscht, Chaträume wurden ausgereizt, Speicherplatz scheint auf Schüler-Smartphones nur beim Kauf zu existieren, für manches Vorhaben fehlte aufgrund mangelnder Technik oder Routine am Ende die Zeit und es gab Klassen, in denen sich die Begeisterung für den Smartphone-Einsatz in Grenzen hielt, weil es bei ihren Lehrer_innen bereits zum Unterrichtsalltag dazugehörte. Es gab aber zum ersten Mal einen größeren Austausch und Debatten zwischen und innerhalb aller Parteien darüber, was man mit Smartphones konkret im Unterricht machen kann, soll oder nicht. Eine digitale Bildungsrevolution wurde mit dem Smartphone-Tag zwar nicht in Gang gesetzt, aber Berührungsängste wurden genommen und Türen für einen zielführenden Diskurs in der Schulentwicklung geöffnet. Ich mag diese kleinen und für viele Schulen machbaren Schritten, die uns zeitgemäßer Bildung näher bringen. Das Tempo, in dem wir uns der Komplexität des digitalen Wandels annehmen, muss von den jeweils Beteiligten mitbestimmt werden, wenn es zu grundlegender und nachhaltiger Schulentwicklung führen soll. Ein Smartphone-Tag kann das leisten.

Das Flipped Classroom-Konzept und Erklärvideos bei YouTube haben in den letzten Monaten eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit erhalten. Diese Beiträge möchte ich mit einigen Gedanken und Fragen, die ich mich das vergangene Schuljahr beschäftigten, ergänzen. Das Unterrichtskonzept und die YouTube-Videos bzw. Erklärvideos werden hier differenziert betrachtet.

A.) Das Unterrichtskonzept Flipped Classroom

Weil ich Sebastian Schmidt nicht nur aus dem Web kenne, habe ich seine Erklärung ausgewählt, um eine inhaltliches Verständnis zu schaffen, auf das ich mich im Anschluss beziehen möchte. Dieses Konzept besagt, dass der klassische Unterricht umgedreht bzw. geflipped wird, indem der Lehrende ein Lernvideo mit dem minimalen Lernziel der Unterrichtsstunde erstellt, das von den Schüler_innen Zuhause als Vor- oder Nachbereitung angesehen wird. Beim Anschauen kann eine Aktivierung durch ein zusätzliches Quiz erfolgen. Folgende Vorteile werden dabei in seinem Erklärvideo benannt:

Lernende

  • können selbst entscheiden, wann sie es anschauen möchten
  • können selbst entscheiden, wo sie es anschauen möchten
  • können selbst entscheiden, wie häufig sie es anschauen möchten
  • können selbst entscheiden, in welchem Tempo (Pause-Taste oder Zurückspulen) sie es anschauen möchten
  • lernen Selbstverantwortung für ihr Lernen zu übernehmen

Lehrende können dadurch

  • den Unterricht schülerzentriert öffnen
  • mehr Zeit in Einzelgespräche investieren
  • Entlastung erfahren (auch beim Lehrer-Schüler- und Lehrer-Eltern-Verhältnis)

Zu unterscheiden sind hierbei der InClass-Flip, der Half-Flip und der gängige bereits beschriebene Flipped Classroom. Beim InClass-Flip sieht man sich, wenn Unterstützung nötig sein sollte, ein Video im Unterricht an. Beim Half-Flip wird über das Video die schriftliche Ergebnissicherung nach Hause verlegt. Wenn der Unterricht komplett mit diesem Konzept durchgeführt wird, entsteht ein transparentes digitales Klassenzimmer mit allen jederzeit verfügbaren Inhalten. Der Lehrer und das Lehrer-Schüler- bzw. Lehrer-Eltern-Verhältnis sollen dadurch entlastet werden. Sebastian Schmidt spricht von einem innovativen Konzept, das den Unterricht effizienter und kommunikativer macht und schließt mit dem Tipp ab, einfach auszuprobieren und den Unterricht damit zu gestalten. Es gibt eine wachsende deutschsprachige und hier aufgelistete Flipped Classroom-Community, die sich nicht nur auf sozialen Netzwerken, sondern auch auf Veranstaltungen über den Einsatz in allen Fächern austauscht.

Grundsätzlich tendiere ich nicht zur Bezeichnung Lernvideo, weil es nicht meinem heutigen Verständnis von Lernen entspricht. Nach Lisa Rosas Blogbeitrag würde man diese Auffassung von Lernen, Stoff aufzunehmen, zu behalten und anzuwenden, dem 19. Jahrhundert zuordnen. Den Begriff Input, der mir ebenfalls im Flipped Classroom-Kontext häufiger begegnet ist, schätze ich ebenfalls als keine zeitgemäße Vorstellung von Lernen ein, weil er sich mit dem Bild des Nürnberger Trichters deckt. Erklärvideo trifft es meiner Meinung nach am ehesten. Ich habe letztes Schuljahr Sebastians Rat befolgt, Erklärvideos erstellt und im Unterricht eingesetzt. Deshalb kann ich die von ihm benannten Vorteile bestätigen, bis auf die Entlastung durch den Fundus an Erklärvideos oder beim Verhältnis zu den Schüler_innen oder Eltern. Sicher nimmt der Aufwand mit einkehrender Routine enorm ab, was ich leider mit dem Abbruch meines Flipped Classroom-Projekts nach bereits zwei Videos nicht beurteilen kann. Der Abbruch erfolgte, weil ich mir drei Fragen in folgender Reihenfolge stellte:

  1. Lohnt sich der Aufwand?
  2. Was erreiche ich mit Flipped Classroom im Vergleich zur bisherigen Vorgehensweise?
  3. Welches Lernen möchte ich mit meinem Unterricht erreichen?
Lohnt sich der Aufwand?

Mit vollem Deputat, in einigen Projekten in und außerhalb von Schule involviert, ehrenamtlich an vielen Stellen aktiv und mit vier Kindern war der Aufwand, kontinuierlich Erklärvideos zu erstellen, für mich nicht leistbar. Trotzdem spielte ich das ganze Schuljahr über gedanklich in allen Fächern durch, was ich am besten wie verfilmt hätte und verglich es mit dem stattgefunden Unterricht. Den Fokus richtetet ich auf didaktische Fragen. Das Ergebnis war, dass mir das Flipped Classroom-Konzept nur in einem Fall (fach-)didaktisch und pädagogisch sinnvoll begründet schien: Bei der Auslagerung von Informationen, die zwangsläufig vorgegeben werden müssen. Dieser Fall trifft umso seltener ein, je mehr man sich vom rezeptiven Lernen verabschiedet. Deshalb verstehe ich das Konzept weder als innovativ noch als jeden Tag anwendbar. Ich musste mir in einer Zeit vor dem Internet, wie wir es kennen, als Schüler Zuhause Texte durchlesen und Aufgaben bewältigen, die anschließend im Unterricht gemeinsam weiter bearbeitet, vertieft oder kontrovers diskutiert wurden. Auch hier konnte ich im gleichen schulischen Rahmen entscheiden, wann, wo, wie häufig und in welchem Tempo ich das erledigen möchte. Das Erklärvideo unterscheidet sich dadurch, dass es sich in einem den Lernenden vertrauten sozialen Netzwerk befindet und Kommunikation und Kollaboration zeitgemäßer ablaufen könnten. Dieses Potenzial liegt meiner Einschätzung nach noch brach. Ich befürworte aber grundsätzlich die schon ältere Idee, Räume in der Schule zu schaffen, in denen mehr Fragen, Probleme oder persönliche (Einzel-)Gespräche stattfinden können. Das kann auch Flipped Classroom leisten, aber auf welche Kosten?

Was erreiche ich mit Flipped Classroom im Vergleich zur bisherigen Vorgehensweise?

Ich möchte das an einem konkreten Beispiel deutlich machen. Beim Thema Kreisumfang kann man alles, wie in diesem Video, in knapp vier Minuten packen und schafft so Zeit für Übungs- und Vertiefungsaufgaben in der Präsenzphase (So wird bei diesem Konzept die Zeit in der Schule genannt). Im Gegensatz dazu dürfen meine Schüler_innen selbst unterschiedlich große Kreise zeichnen, mit dem Kopfhörer-Kabel (oder Wollfäden, die ich mitbringe) jeweils den Umfang und Durchmesser messen und nach der Think-Pair-Share-Methode zuerst alleine, dann in ihrer Gruppe und später an der Tafel mit der Klasse ihre gemachten Beobachtungen, erkannten Zusammenhänge und berechneten Ergebnisse diskutieren. Dabei erfahren sie selbst das Verhältnis zwischen Durchmesser und Umfang von Kreisen und stellen die allgemeine Formel für die Berechnung des Umfangs auf. Dieses Vorgehen kostet eine gute halbe Stunde. Die von Schüler_innen gewonnene Erkenntnisse sind aber aus Erfahrung nachhaltiger. Unabhängig davon finde ich immer wieder die Diskussionen bzw. die Fehleranalysen, weshalb manche Ergebnisse stärker von der 3,14 abweichen, für kritisches und naturwissenschaftliches Denken und Arbeiten unabdingbar. Mit dem im Erklärvideo gewählten Zahlen findet das nicht statt.
training-1848689_1920.jpgWenn Schüler_innen krank waren oder Lerngegenstände wiederholen möchten, leisten ihnen Erklärvideos gute Dienste, im bestehenden Schulsystem. Das geschieht aber in der Regel aus Zeitgründen ohne Einbettung in den Unterricht. Für diesen Fall würde eine Sammlung mit Videos bei YouTube ausreichen. Deshalb kommen an dieser Stelle in der Praxis auch Angebote wie TheSimpleClub oder MrWissen2go ins Spiel. Dazu aber später mehr. Wenn ich Klassen auf die bestehenden schriftlichen Prüfungsformate in Mathematik, die ich auch nicht in absehbarer Zeit verändert sehe, gut vorbereiten möchte, kann ich es nachvollziehen, dass sich Kolleg_innen gerade in den höheren Klassen für dieses Konzept durchgehend entscheiden, um ihren Unterricht effizienter darauf ausrichten zu können. In Fächern wie Geschichte oder Chemie, die ich auch unterrichte, fehlt mir dieses Verständnis. Mehr Zeit für den Unterricht zur Verfügung zu haben bedeutet übrigens auch nicht, dass diese automatisch anders oder (wie als Vorteil oben benannt) schülerzentrierter als zuvor genutzt wird. Ich erhielt beim EduCamp in Bad Wildbad von einem viel gebuchten und wohl bekannten Flipped Classroom-Duo Einsichten in deren Unterricht, die mich (diplomatisch formuliert) didaktisch nicht sehr überzeugten. Generell erlebe ich das Thema Flipped Classroom sowohl im Netz als auch bei Veranstaltungen mit starkem Fokus auf die Technik. Vielleicht liegt das daran, dass es Spaß macht, ein eigenes Video zu erstellen, das sichtbar ist bzw. greifbar scheint. Ich habe mir mal sagen lassen, dass viele Lehrer_innen aus psychologischen Gründen neben der Schule häufig einer praktischen Arbeit bzw. Hobby nachgehen, weil ihnen in ihrem Beruf das sichtbare Produkt am Ende fehlt. Das könnte zumindest eine Theorie sein, weshalb ich von der Präsenzphase, die für mich in diesem Konzept das wichtigste Element darstellt, im Vergleich zu den Videos bisher wenig bis gar nichts erfahre. Hier hoffe ich zukünftig auf mehr Anregungen zu stoßen. Ich kann mir weiterhin gut vorstellen, Flipped Classroom im Rahmen von zeitgemäßer Bildung punktuell und gezielt einzusetzen. Als durchgängiges Unterrichtskonzept kommt es für mich aus den oben aufgeführten Gründen aber nicht in Frage.

Welches Lernen möchte ich mit meinem Unterricht erreichen?

4K_ModellSeitdem ich auf das 4K-Modell des Lernens gestoßen bin, versuche ich fachunabhängig mit allen mir zur Verfügung gestellten und selbst einbringenden Ressourcen Lernprozesse mit zeitgemäßer Kommunikation, Kollaboration, kritischem Denken und Kreativität zu ermöglichen und zu verankern. Mich beschäftigt dabei auch die Frage, wie man mehr Partizipation im bestehenden Unterricht und System erreichen kann. Das gelingt mir manchmal über eine freie Wahl von Themen, Arbeits- und Präsentationsformen oder dem Einbeziehen der Lebenswelt junger Menschen. Das Flipped Classroom-Konzept sehe ich in diesem Zusammenhang noch in keiner bedeutenden Rolle. Vielleicht wird sich das irgendwann durch eine Entwicklung der bereits erwähnten Potenziale ändern.

B.) YouTube macht Schule

film-589491_1920Wenn man auf den YouTube-Kanal von MrWissen2go geht, erscheint direkt schon das erste Erklärvideo, indem Mirko Drotschmann damit wirbt, alles verständlicher als mancher Lehrer zu erklären. Mit über 500 000 Abonnenten hat er, neben Daniel Jung mit ca. 290 000 Abonnenten und TheSimpleClub mit ca. 85 000 Abonnenten, die Nase vorn. Ich nenne diese drei Erklärvideo-Kanäle, weil sie zumindest in meiner Schule zu den bekanntesten im Kontext mit Schulwissen gehören. Sie vereint auch, dass sie sich bewusst als Gegenspieler zur Schule positionieren, um so einfach Sympathiepunkte zu ernten. Schließlich finden alle Schule doof. Dass man mit Klicks bei YouTube auch Geld verdienen kann, ist schon lange kein Geheimnis mehr; wobei die größeren Beträgen wohl bei den daraus resultierenden zusätzlichen Plattformen, anderen Angeboten jeglicher Art oder Auftritten als Referent bzw. Experte zum Thema Bildung erzielt werden. So wundert es nicht, dass hier eine Marktlücke im deutschsprachigen Raum entdeckt und besetzt wurde. Die Süddeutsche Zeitung fragte hier vor kurzem, ob diese Angebote aber auch gut für die Schüler seien. Christian Spannagel und Karsten Wolf haben das in diesem Artikel, meiner Meinung nach mit überzeugenden Argumenten, bejaht. Ich bin mir nicht sicher, wie viel verletzter Ego dazu beiträgt, dass Erklärvideos noch (gefühlt) überwiegend negativ von Lehrenden bewertet werden. Mich persönlich irritiert es nur, wenn die Macher als Bildungsexperten oder Bildungsrevolutionäre bezeichnet werden oder sich sogar selbst als solche bezeichnen. Dafür sind sie mir in der Regel zu monothematisch aufgestellt. Und als Vordenker kann ich sie nicht sehen, weil sie Salman Khans Idee kopiert haben.

Manche Clips lassen sich aus Lehrerperspektive gut in den Unterricht integrieren, manche weniger. YouTube ist ein soziales Netzwerk, in dem sich junge Menschen täglich bewegen, was umso mehr dafür spricht, es in den Unterricht miteinzubeziehen. Fehler und falsche Inhalte sehe ich als Herausforderung und kein Problem. Angebote zu filtern und auf Qualität zu prüfen gehört zu den Kompetenzen, die heute schon dringend notwendig sind. Auch die Transparenz der technischen und wirtschaftlichen Mechanismen dahinter finde ich nicht weniger wichtig. Mittendrin in diesem YouTube-Szenario stößt man auf Lehrer_innen, die nun in Konkurrenz zu MrWissen2go & Co auftreten und die Welt auch außerhalb der Schulzeit erklären möchten. Ob das sein muss, bleibt jedem selbst überlassen. Hoffentlich ist allen dabei bewusst, dass sie auch im Netz ihrer Vorbildfunktion nachkommen sollten. Das kann spätestens dann schwierig werden, wenn sie der Verlockung von Fame und Reichweite als Maxime verfallen.

Bildschirmfoto 2017-05-21 um 15.19.53Wir teilen unsere Gedanken, Ideen, Projekte und Probleme im Netz, um Mitmenschen daran teilhaben zu lassen, uns auszutauschen oder mit unterschiedlichen Perspektiven kollaborativ an Lösungen zu arbeiten. Strukturelle Hürden werden überwunden, neue Kontakte geknüpft, Synergieeffekte entstehen und zuvor nicht denkbare Möglichkeiten eröffnet. Dieses konstruktive Potential der offenen Netzkultur sollte auch in jeder Stadt einen zeitlichen und örtlichen Rahmen finden, weil sich die durch die Digitalisierung entstehenden Herausforderungen nicht auf das Web beschränken. Letzte Woche traf ich mich mit Benedikt, Philip und Olav, um für den Bildungsbereich im Freiburger Raum gemeinsam ein Konzept zu entwickeln. Das folgende Ergebnis ist nicht in Stein gemeißelt und bildet ein flexibles Anfangsgerüst, das sich den Entwicklungen des Projekts immer wieder anpassen wird.

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Am 26. September startet um 19.30Uhr im Grünhof das erste zweistündige Meetup, zu dem Lehrende und Lernende aus allen Bildungsbereichen (formale, non-formale, politische, kulturelle oder sonstige Bildung) eingeladen sind, sich in einem und lockeren Format über zeitgemäße Bildung im digitalen Wandel auszutauschen. Das bisherige Know-how spielt dabei keine Rolle, sondern das Interesse. Im ersten Zeitfenster sollen vorerst zwei greifbare Best-Practice-Beispiele vorgestellt und diskutiert werden. Die Open Space-Methode im Anschluss bietet Raum und Zeit, um an selbst gewählten Themen in den gewünschten Formaten weiter zu arbeiten. Das kann von einer gemeinsamen Entwicklung konkreter Projektideen bis zu kontroversen Debatten über allgemeine Fragestellungen alles sein.

Zeitfenster_BNF_02Ein denkbares Szenario wäre auch, dass sich das Meetup zu einem Barcamp mit jeweils zwei Sessions entwickelt. Grundsätzlich wird alles begrüßt, was Raum für eigene Themen, Fragen und Austausch zulässt.

Um die notwendige Kontinuität zu gewährleisten, planen wir alle zwei Monate am jeweils dritten Dienstag (gleiche Zeit, gleicher Ort) ein Meetup Offenes Bildungsnetzwerk Freiburg durchzuführen. Der 21. November und der 16. Januar im nächsten Jahr sind auch schon reserviert. Hier findet ihr den Facebook-Link, über den ihr euer Interesse bekunden, eine Zusage machen oder die Veranstaltung sehr gerne bewerben könnt. Wir laden euch herzlich dazu ein, eine offene Bildungskultur in Freiburg mitzugestalten und euch am 26.09.17 oder den anderen Terminen im Grünhof kennenzulernen.

(Fragen, Ideen und Anregungen bitte an mihajlovic.freiburg@gmail.com senden.)

DSC03156Letztes Wochenende fand das EduCamp in der Landesakademie Bad Wildbad statt, zu dem knapp 200 Menschen aus allen Teilen der Republik (und Lichtenstein) angereist waren, um sich über Lehr- und Lernformen auszutauschen, die den digitalen Wandel nicht nur berücksichtigen, sondern dessen Potentiale auch nutzen. Dabei waren das offene Barcamp-Format, das Angebot und die Zusammensetzung in vielerlei Hinsicht besonders. Hier findet man noch die Workshops vom Freitag und die Sessionpläne und die Etherpad-Protokolle vom Samstag und Sonntag. Eine lockere, fast familiäre Stimmung und die bunte Mischung an Bildungsinteressierten prägten das 18. EduCamp. DSC02939In der Session zum 4K-Modell des Lernens diskutierten z.B. Schüler*innen, Lehrende, Leute aus Unternehmen, der non-formalen Bildung und dem Kultusministerium miteinander über neue Bildungskonzepte. Durch die Betrachtung der Herausforderungen aus allen Perspektiven erreichte nicht nur diese Debatte ein derart hohes Maß an Qualität, das man sich häufiger wünscht. Wir brauchen noch mehr Raum bzw. Möglichkeiten für Diskussionen auf Augenhöhe aller am (Schul)leben Beteiligten. Damit das zukünftig besser gelingen kann, rief ich dazu auf, sich in diese Liste einzutragen, um das EduCamp auch als Startschuss für regionales Netzwerken zu nutzen. Bernd Schinko und sein Team signalisierten nach dem erfolgreichen Auftakt, dass dabei die Landesakademie in Bad Wildbad auch weiterhin eine Rolle spielen wird.

Bildungsinteressierte Netzwerken in Baden-Württemberg
Man benötigt möglichst viele Verbündete, um die kritische Masse an Menschen zu erreichen, die notwendig ist, zeitgemäße Bildung auch an allen (Hoch)Schulen ankommen zu lassen. Die folgende Liste, die ich immer wieder aktualisieren werde, soll diese Suche und das Netzwerken erleichtern. Twitter hat sich in den letzten Jahren als DAS soziale Netzwerk für Bildungsinteressierte entwickelt. (Unter dem Hashtag #ecbw17 kann man alle Tweets zum EduCamp in Bad Wildbad in Ruhe nachlesen. Alle Tweets der letzten Woche hat Christiane freundlicherweise hier zusammengetragen.) Deshalb habe ich bestehende Accounts mit den Namen auf der Liste verlinkt. Außerdem schlage ich vor, zukünftig in sozialen Netzwerken unter #NetzBaWü Idee, Fragen, Projekte, Veranstaltungen oder sonstige Informationen bezüglich zeitgemäßer Lehr- und Lernformen mit regionalem Bezug übersichtlicher zu bündeln und auszutauschen. (Unser Nachbarbundesland macht das bereits seit einiger Zeit unter #BayernEdu.) Bildung sollte nicht mehr auf den Ort Schule und dessen zeitliche Vorgaben reduziert werden. Bildung ist ein lebenslanger Prozess, an dem wir alle von- und miteinander lernen.DSC03024

Die Liste ist nach Orten alphabetisch sortiert. Am Ende stehen am Netzwerk Interessierte anderer Bundesländern und Teilzeit-Baden-Württemberger*innen.

  • Bad Friedrichshall, Adrian Sauer, Realschullehrer, kontakt@herr-sauer.de
  • Bad Mergentheim, Ulf Neumann, Leiter KMZ Main-Tauber, Lehrer GS, SeminarGS
  • Bad Wildbad, Bernd Schinko, Leiter der Landesakademie Bad Wildbad
  • BadWildbad/Baden.Baden, Oliver Hintzen, Landesakademie Bad Wildbad
  • Bad Wildbad, Ulrike v. Altrock, Landesakademie, Akademiereferentin, Lehrerin GMS, ulrike@von-altrock
  • Bad Wildbad, Astrid Pietschmann, Landesakademie Bad Wildbad
  • Bad Wildbad, Nicolai Köhler, Schüler/Schülersprecher
  • Bad Wildbad, Andreas Erb, Landesakademie Bad Wildbad
  • Baden-Baden/Rastatt, Alexander Fischer, Leiter Medienzentrum Mittelbaden, Realschullehrer
  • Biberach Riß (Schemmerhofen), Tom Mittelbach, Fachlehrer GMS, Multimediaberater
  • Biberach Riß, Sebastian Stoll, Realschullehrer
  • Fellbach, Stefan Sasse, Akademie Fellbach, Gymnasiallehrer Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde,
  • Freiburg, Dejan Mihajlovic, Realschullehrer
  • Freiburg, Philip Stade, Gymnasial-/Gemeinschaftsschullehrer (auf Suche)
  • Freiburg, Niclas Reuter, FSJ/Landeszentrale für politische Bildung
  • Freiburg, Benedikt Sauerborn, Walter-Eucken-Gymnasium
  • Freiburg, Rebecca Davies, Koordinatorin Sprachpraxis, Englisches Seminar, Uni Freiburg, rebecca.davies@anglistik.uni-freiburg.de
  • Freiburg, Mark Engler, Technik KMZ Freiburg, mark.engler@kmz-freiburg.de
  • Freiburg, Peter Bergmann, Realschullehrer an Lessing-Realschule in Freiburg
  • Freiburg, Ernst Schreier, Netzwerkbetreuer, Droste-Hülshoff-Gymnasium Freiburg und Linux-Multi, schreier@dhg-freiburg.de
  • Freiburg, Jonathan Heimburger, Landeszentrale für politische Bildung
  • Freiburg/Breisach, Olav Richter, Martin-Schongauer-Gymnasium Breisach, openreli.de
  • Gerabronn, Mandy Schütze, 1. Vorsitzende ZUM.de / Gymnasiallehrerin Geo/Ethik
  • Hardthausen am Kocher, Jörg Lohrer, Leitungsteam rpi-virtuell, Religionslehrer
  • Heidenheim, Daniel Mattes, Lehrer am Max-Planck-Gymnasium (Ch, Bio, NwT, Phy)
  • Karlsruhe/Rastatt, Norman Mewes, Lehrer Sek.II (BS) und Fachberater Schulentwicklung
  • Karlsruhe/Rastatt, Jan Hambsch, Lehrer (gewerbl. BS) und Fortbildner
  • Karlsruhe, Saskia Ebel, Walter-Eucken-Schule, saskia.ebel@wes.karlsruhe.de
  • Karlsruhe, Torsten Traub, Realschullehrer (M, EWG)
  • Mannheim, Thomas Bantle, Max-Hachenburg-Schule (kfm. BS), #tabletBS, Netzwerk, Technik, Moodle
  • Mannheim, Thomas Schmidt, Max-Hachenburg-Schule, tabletBS, #greenscreen, #müllertrifftschmidt
  • Mannheim, Marek Müller, Max-Hachenburg-Schule, tabletBS, #greenscreen, #müllertrifftschmidt
  • Mosbach, Tilo Bödigheimer, Konrektor (SBBZ Lernen)
  • Nagold, Heinz Krettek, Netzwerkberater Annemarie-Lindner-Schule, Hausw. Schule mit SGGS Gymnasium, krettek@als-nagold.de
  • Offenburg (Bühl), Bob Blume, Gymnasiallehrer
  • Pforzheim-Enzkreis, Sabine Strauß, Kunsterzieherin, Leitungsteam Medienzentrum
  • Reutlingen, (Mössingen), Matthias Förtsch, Lehrer und Abteilungsleiter Schulentwicklung
  • Schömberg/Calw, Christian Braun, Gymnasial-/Berufsschullehrer
  • Sindelfingen, Ulrich Stoltenburg, Seminarleiter GS
  • Sinsheim, Bastian Höger, Kfm. Schule (BWL, M, DV), bald Multimediaberater
  • Stuttgart/Sindelfingen, Konrad Eisele, Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (GS)
  • Stuttgart (Keltern-Dietlingen), Daria Burger, Berufsschullehrerin, Multimediaberaterin in Stuttgart
  • Stuttgart/Leinfelden, Burkhart Firgau, Immanuel-Kant-Realschule Leinfelden, Lehrer (Kunst, Technik,Physik), stv. Schulleiter; Landesbildungsserver BW
  • Stuttgart, Thomas Ebinger, Dozent für Konfirmandenarbeit (ptz Stuttgart)
  • Stuttgart, Stephanie Wössner, Lehrerin am Albeck Gymnasium Sulz (Eng, Frz), Medienpäd. Referentin am Landesmedienzentrum BW
  • Stuttgart, Wibke Tiedmann, stellvertretende Referatsleiterin Landesinstitut für Schulentwicklung Stuttgart, Elementar- und Primarbereich
  • Stuttgart, Uli Sailer, Referent Landesmedienzentrum BW, LandesNetzWerk Elternarbeit der AJS-BW, Medienakademie BW e.V.
  • Stuttgart, Filiz Tokat, Freie medienpädagogische Referentin, Landesmedienzentrum BW, Filiz.Tokat@web.de
  • Stuttgart, Stefan Voß, Referent für digitale Medien am Landesinstitut für Schulentwicklung (Ref. 33), Gymnasiallehrer (Latein, ev. Rel.), Netzwerkberater
  • Tübingen/Sindelfingen, Christian Wettke, Gymnasial-/Berufsschullehrer
  • Tübingen/Stuttgart, Alexander Mittag, Landesinstitut für Schulentwicklung in S Referat 41 Bildungplanarbeit, Leiter Bildungsplankommission Informatik, Gymnasiallehrer  (Inf, M, Ph)
  • Tübingen/Ravensburg, Sebastian Frey, Medienpädagogischer Berater LMZ/Lehrerfortbildung RP-Tübingen, KMZ Ravensburg
  • Tübingen, Juliane Richter, Leibniz-Institut für Wissensmedien
  • Tuttlingen, Ulrich Günther, Fritz-Erler-Schule BS (M, Inf), u.guenther@fes-tuttlingen.de

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  • Tobias Rodemerk, Gymnasial-/Berufsschullehrer, Abordnung an das LS Referat43, Lehrerfortbildner
  • Oldenburg, Andreas Hofmann, Lehrer und medienpäd. Berater in Niedersachsen, im Herzen Baden-Württemberger
  • Julia Rheinhardt, Lehrerin am Gymnasium (gerade zwischen NDS und BaWü)
  • Andreas Schenkel, Lehrer Ph, M, IT, Hessische Lehrkräfteakademie, Hessischer Bildungsserver
  • Niedersachsen, Saskia Müller, Lehrerin Robert Dannemann Oberschule, Kommunalpolitikerin, saskiamuemue@web.de
  • Kaiserslautern, Birgit Lachner, Gymnasiallehrerin (Ch, M), Workshops und Fortbildungen (GeoGebra, Chemie digtal, Wikis, …)
  • Eutin, Michael Stammeier, Dipl.-Hdl., StR, Wirtschaft, Englisch, Religion, Berufliche Schule des Kreises Ostholstein
  • München, Martin Rist, #HPEdu & Vorstand Bündnis für Bildung, martin.rist@hp.com

checklist-1622517_1920Immer wieder tauchen in der Bildungsfilterblase der sozialen Netzwerke ausführliche Listen auf, die das Wesentliche, das bedingt durch den digitalen Wandel eingesetzt, gelehrt bzw. gelernt werden muss, zusammenfassen sollen. Aktuell kursiert folgender Vorschlag der Europäischen Kommission. Sind aber diese tabellarischen Übersichten nicht ein Relikt und objektivistischer Lösungsansatz der Gutenberg-Galaxis? Macht es überhaupt Sinn, in einer sich rasant wandelnden Welt, solche vermeintlich allgemein gültigen Listen anzulegen? Tragen sie nicht sogar dazu bei, dass Lehrende nicht für sich oder mit dem Kollegium für die Bildungsinstitution über einen längeren Lernprozess eigene temporär gültige Vorstellungen, die immer wieder an den gesellschaftlichen Wandel und den des Kollegiums angepasst werden, entwicklen? Müssen nicht auch Lehrende zeitgemäß lernen? Listen geben vor und bieten wenig/keine Anreize oder Raum für eigene Fragen und Ergebnisoffenheit.

Als Argument wird meist aufgeführt, dass sie Menschen, die frisch in die Thematik einsteigen wollen, zur Orientierung oder als Stütze dienen sollen. Dabei zeigt die Praxis, dass Schulen, wenn sie Konzepte zu einem neuen Aufgabenfeld ausarbeiten müssen, gerne komplett und unverändert bestehende Entwürfe übernehmen. (Das liegt nicht an deren Bequemlichkeit, sondern daran, dass für solche von oben angeordneten Zusatzaufgaben in der Regel keine zusätzlichen Stunden zur Verfügung gestellt werden.)  Ich habe tatsächlich, in der Tradition als Lehrer und Sammler, zu Beginn alle möglichen Auflistungen von digitalen Tools und Empfehlungen gehortet. Benutzt habe ich sie selten bis nie, weil sie zu umfassend waren oder mich schon optisch erschlugen. Meine aktuelle Vorstellung zeitgemäßer Bildung und mein technisches Know-how habe ich über ein persönliches Lernnetzwerk in einem nie endenden Prozess erarbeitet. Vielleicht sollten wir die knappe und kostbare Ressource Zeit lieber in den Auf- und Ausbau persönlicher Lernnetzwerke und das Netzwerken investieren.