checklist-1622517_1920Immer wieder tauchen in der Bildungsfilterblase der sozialen Netzwerke ausführliche Listen auf, die das Wesentliche, das bedingt durch den digitalen Wandel eingesetzt, gelehrt bzw. gelernt werden muss, zusammenfassen sollen. Aktuell kursiert folgender Vorschlag der Europäischen Kommission. Sind aber diese tabellarischen Übersichten nicht ein Relikt und objektivistischer Lösungsansatz der Gutenberg-Galaxis? Macht es überhaupt Sinn, in einer sich rasant wandelnden Welt, solche vermeintlich allgemein gültigen Listen anzulegen? Tragen sie nicht sogar dazu bei, dass Lehrende nicht für sich oder mit dem Kollegium für die Bildungsinstitution über einen längeren Lernprozess eigene temporär gültige Vorstellungen, die immer wieder an den gesellschaftlichen Wandel und den des Kollegiums angepasst werden, entwicklen? Müssen nicht auch Lehrende zeitgemäß lernen? Listen geben vor und bieten wenig/keine Anreize oder Raum für eigene Fragen und Ergebnisoffenheit.

Als Argument wird meist aufgeführt, dass sie Menschen, die frisch in die Thematik einsteigen wollen, zur Orientierung oder als Stütze dienen sollen. Dabei zeigt die Praxis, dass Schulen, wenn sie Konzepte zu einem neuen Aufgabenfeld ausarbeiten müssen, gerne komplett und unverändert bestehende Entwürfe übernehmen. (Das liegt nicht an deren Bequemlichkeit, sondern daran, dass für solche von oben angeordneten Zusatzaufgaben in der Regel keine zusätzlichen Stunden zur Verfügung gestellt werden.)  Ich habe tatsächlich, in der Tradition als Lehrer und Sammler, zu Beginn alle möglichen Auflistungen von digitalen Tools und Empfehlungen gehortet. Benutzt habe ich sie selten bis nie, weil sie zu umfassend waren oder mich schon optisch erschlugen. Meine aktuelle Vorstellung zeitgemäßer Bildung und mein technisches Know-how habe ich über ein persönliches Lernnetzwerk in einem nie endenden Prozess erarbeitet. Vielleicht sollten wir die knappe und kostbare Ressource Zeit lieber in den Auf- und Ausbau persönlicher Lernnetzwerke und das Netzwerken investieren.

Die Veranstaltungen um den Themenbereich Bildung im digitalen Wandel befinden sich im Aufwind und nehmen in Anzahl und Größe zu. Dabei schwärmen Fortbildungswillige in bundesweit verteilte Workshops, in denen sie Leuchttürme bewundern dürfen. Leuchttürme können Schulen, Projekte oder Einzelpersonen sein. Sie bieten Orientierung bezüglich Inhalt und Erfahrung und schaffen so eine gute Grundlage für eigene Zielvorstellungen von zeitgemäßem Lehren und Lernen. Leuchttürme können aber nicht nur beeindrucken, sondern auch einschüchtern. Mit einem zu tiefen Graben zwischen dem eigenem Ist-Stand und den möglichen Zielen fallen Erklärungen, weshalb man sich (noch) nicht auf den Weg machen kann, leichter als die Suche nach umsetzbaren Lösungsansätzen. Folie_0Das ist kein Plädoyer gegen Leuchttürme, sondern ein Wunsch nach mehr Graswurzeln, die man für die notwendige kritische Masse benötigt, um Bildung im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen. Graswurzelbewegung können starre Strukturen umgehen und einen breiten, basisdemokratischen Konsens auf schulischer, kommunaler, Landes- oder Bundesebene schaffen. Ein Potential des digitalen Wandels liegt in der Möglichkeit der Selbstbefähigung durch Netzwerken. Dafür braucht es möglichst viele Lehrende mit Internet; womit ich den Fokus bewusst auf die wesentliche technische Hürde für den Einstieg reduzieren möchte. Eine Graswurzelbewegung erreicht ihre Wirkung nur dann in der Breite, wenn Lehrende den digitalen Wandel als Chance und nicht als Hindernis erfahren. Deshalb lade ich alle Lehrenden mit Internet ein, die Gelegenheit zu nutzen und sich für ein kurz-, mittel- und langfristiges Handlungsfenster Gedanken zu machen,

  • welche Rolle/n im digitalen Wandel ihnen als angemessen erscheint/erscheinen,
  • wie sich Arbeit in diesem Rahmen wandelt,
  • was sie unter zeitgemäßen Lehr- und Lernformen verstehen und
  • wie notwendig eine Änderung im Bildungssystem erscheint.

Der Blogbeitrag stellt eine Zusammenfassung meiner Workshops Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter in Oldenburg und Freiburg dar. Da es sich um ein Themenfeld handelt, das ständigen Veränderungsprozessen unterliegt, liefere ich lediglich eine aktuelle Übersicht, die den Einstieg in die Thematik erleichtern soll. Um die Motivation dafür zusätzlich anzukurbeln, beginne ich mit dem letzten Aspekt, der Notwendigkeit von Veränderungen, und diesem Video.

Rolle der Lehrenden
Folie2Die klassischen Sitzanordnungen in Schulräumen und Hörsälen halten optisch noch die alten Hierarchiestrukturen aufrecht, die unter den Tischen auf Smartphones in Frage gestellt werden. Für Lehrende bedeutet(e) das Internet Machtverlust, in Bezug auf Wissen und Kontrolle. Das bisherige Rollenverständnis steht im Gegensatz zu den Anforderungen außerschulischer Lebensbereiche. Dass Lernende im Mittelpunkt der Betrachtung von Lehre stehen sollten, ist keine neue Forderung. Wenn man aber die Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft betrachtet, stehen wir zunehmend vor der Herausforderung, zukünftige Generationen darauf vorzubereiten, unbekannte und komplexe Hindernisse in einem sich ständig wandelnden Feld zu meistern, das mit rezeptiven Lernsettings nicht gelingen wird. Nicht belehren, sondern befähigen und differenziert unterstützen. Das Web liefert hierfür notwendige Strukturen und Angebote, die man in der Regel nicht in den Fortbildungskatalogen von Schulen und Hochschulen finden wird. Deshalb bietet es nicht nur an, sondern erscheint mir (langfristig) notwendig, dass Lehrende ihre digitalen Identität aktiv mitgestalten und sich ein geeignetes Netzwerk aufbauen. Folgende Frage, deren Antwort ein berufsbegleitender Prozess sein sollte, gilt es immer wieder aufs Neue zu klären: Welche Rolle der Lehrenden kann den Anforderungen unserer aktuellen und zukünftigen Gesellschaft an die Lernenden gerecht werden?

Arbeit
Folie_03Immer mehr Lehrende twittern, bloggen und posten in diversen sozialen Netzwerken über ihre Arbeit, diskutieren, tauschen sich aus und entwickeln gemeinsam Ideen. Die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit verschwimmt. Neue Räume entstehen im Netz. Man teilt nicht nur Gedanken, sondern auch Zeit. Das Angebot des Webs, die Welt ständig verfügbar zu wissen, ist verlockend. Deshalb sind Sensibilisierung und Strategien für eine ausgewogene Work-Life-Balance notwendig. Durch Fortbildungsformate wie Barcamps, MOOCs (Massive Open Online Course) oder Webinare entstehen neue Optionen der Offline- und Online-Vernetzung, aktiver und zeitlich flexibler Teilnahme und Mitbestimmung bezüglich Angebot und Ablauf. (Wer echten Barcamp-Spirit erleben möchte, sollte an einem der EduCamps teilnehmen, die im Frühjahr an wechselnden Standorten und im Herbst in Hattingen stattfinden. Im MOOC-Bereich kann ich allen den kostenfreien ichMOOC empfehlen. Ende 19. April startet aus dem gleichen Hause Leuchtfeuer 4.0, ein ebenfalls kostenfreier MOOC rund um das Thema Coworking Spaces, Makerspaces und andere Räume, die Arbeit und Bildung verändern.) Die Transparenz der Arbeit kann Synergieeffekte generieren, aber auch zu kritischem Feedback führen, das eine adäquate Reaktion erfordert. Daran muss man sich gewöhnen und den Umgang erlernen. Der Pool an OER-Materialien wächst und steht für eine „Share“-Kultur, die ein Umdenken in Bezug auf Besitz von Wissen und ein neues Selbstverständnis als Produzierende erfordert. Wie viel Zeit man in die Arbeit im und um das Web investieren möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wie man damit beginnen kann, skizziere ich später unter Startanleitung.

Lehren und Lernen
Bildschirmfoto 2017-04-13 um 01.05.57Während der digitale Wandel alle Bereiche des Zusammenlebens durchdringt, können Lehr- und Lernformen nicht isoliert betrachtet werden, sondern verlangen nach einem adäquaten Konzept. Einige Lehrende (darunter auch ich) vertreten aktuell die Auffassung, dass ein persönliches Lernnetzwerk (PLN) zeitgemäß Lehren und Lernen verbindet, indem der Lernende sich die Lehrenden selbst aussucht, sein Netzwerk individuell gestaltet und es über Reflexion der Lernprozesse optimiert. Lisa Rosa hat hier dazu eine lesenswerte Zusammenfassung der Entwicklung vom Lernen als reines Informationen aufnehmen, behalten und anwenden bis hin zum Lernen als Netzwerken verfasst.
Welches Rüstzeug junge Menschen heute oder in Zukunft brauchen werden, wird im Netz kontrovers diskutiert. Man verweist dabei in Debatten gerne auf das 4K-Modell des Lernens, das SAMR Modell, Design Thinking oder Web Literacy. Das SAMR Modell wird auch gelegentlich als Brücke oder weicher Übergang zu den oft zitierten 21st Century Skills angepriesen. Mir sagt eher das 4K-Modell zu, zu dem ich hier auch einen Blogbeitrag mit konkreten Beispiele aus der Praxis veröffentlicht habe, der die Theorie dahinter verdeutlichen soll.
Bildschirmfoto 2017-04-13 um 01.11.50Auch wenn die Technikschlacht um WLAN, Tablets und Apps immer wieder die Diskussionen zu dominieren scheint, findet die größte Hürde einer zeitgemäßen Vorstellung von Bildung im Kopf statt. Ich befürchte, dass die Gutenberg-Galaxis immer noch unser Denken und Handeln defniniert. Die Material sammelnden Herden, die Jahr für Jahr auf der Didacta ihre Rollkoffer mit vorgegebenen Fragen und Antworten auf Papier befüllen, könnten ein Indiz dafür zu sein. Oder die nie enden wollende Liste an Forderungen nach neuen Fächern, die ich als verzweifelte Versuche verstehe, immer komplexer werdenden Herausforderungen einer Gesellschaft im digitalen Zeitalter mit bewährten Strategien des letzten Jahrhunderts zu klären. Es kostet Kraft und Zeit, sich davon zu lösen und die Welt als Turing-Galaxis zu verstehen. Axel Krommer sprach in seinem Impulsreferat in Freiburg davon, dass der bisherige Gutenberg-Rahmen durch die neuen Medien der Turing-Galaxis auf den Kopf gestellt wird. Ich gehe sogar weiter und behaupte, dass der Rahmen völlig verschwindet. Die Endlichkeit eines Buches wird durch die Unendlichkeit des Wissens ersetzt. Deshalb fällt es uns wahrscheinlich auch so schwer, keine Kontrolle oder einen Rahmen zu haben, der eingrenzt und uns Halt bietet. Sind die Fächer, das Tempo, die Taktung, die Noten, die Prüfung, die Klassen oder die Schule noch zeitgemäß? (Wenn man einmal damit anfängt, bisherige Strukturen ernsthaft in Frage zu stellen, gibt es gedanklich kein Zurück mehr.)

Gute Gründe für eine Graswurzel
Meine Arbeit im Netz (PLN) hat mich daran erinnert, wie es ist, mündig zu sein. Ein Gefühl, das im trägen Tanker Schule schnell verloren gehen kann. Dort folgt jede Anweisung einer klaren hierarchischen Abfolge. Da das Arbeitsfeld der Lehrer*innen stetig um zusätzliche Aufgaben erweitert wird, bleiben daran die meisten Gedanken auch hängen. Sodass am Ende das Gefühl entstehen kann, Anweisungen von oben bestimmten das Wann und Was gedacht werden soll. Ich nehme mir wieder die Zeit quer zu denken und Dinge zu machen, die auf keiner TOPe-Liste stehen oder von mir erwartet werden. Eine wiedergewonnene Freiheit, die ich immer mehr zu schätzen weiß. Durch das D64-Netzwerk erhalte ich viele unterschiedliche Einblicke in aktuelle Entwicklungen des digitalen Wandels, die ich gelegentlich in meinen Unterricht einfließen lassen kann, um mit Klassen darüber zu diskutieren und sie (zumindest gefühlt) ein wenig auf das, was sie nach der Schule erwarten wird, vorzubereiten. Lehrende haben durch das Web die Möglichkeit für Lernende ein Knotenpunkt zur Außenwelt zu sein. In offenen Fortbildungsformaten oder meinem persönlichen Lernnetzwerk bestimme und gestalte ich mit. Deshalb fahre ich so gerne zu Barcamps. Seitdem ich zweimal im Jahr selbst Veranstaltungen durchführe, genieße ich die Unabhängigkeit der Themen- und Referent*innenwahl und bin nicht mehr ausschließlich auf externe Angebote angewiesen. In meinem persönlichen Lernnetzwerk existieren keine Hierarchien, weil der Fokus in der Regel auf dem Inhalt und nicht den Personen liegt. Das gängige Du besiegelt das. Das Spannendste am Netz sind aber die nicht planbaren Entwicklungen. Mit Markus Neuschäfer gab ich im September letzen Jahres auf der Fachtagung der SPD-Bundestagsfraktion Bildung in einer digitalisierten Welt einen Workshop im Paul-Löbe-Haus zum Thema Partizipation in der Schule mit digital gestützten Methoden und OER. Das Besondere daran war, dass wir uns vorher weder kannten noch gesehen hatten und die komplette Planung und Vorbereitung über Messenger und Webdienste lief. Oder dass ich mit Andreas und Anselm, die ich ebenfalls über das Netz kennenlernte, einen YouTube-Kanal bzw. iTunes mit Content über Bildung befülle, hatte ich auch nicht so geplant. Dieses Unerwartete macht das Web so einzigartig.

Startanleitung
Die oben verlinkten PLN-Wikipediabeitrag und Lisa Rosas Handreichung bieten eine bereits gute und ausführliche Anleitung, wie man die Arbeit im Netz beginnen kann. Ich möchte das nur um ein paar Punkte ergänzen. Die einleitend genannten Veranstaltungen eignen sich hervorragend für einen Anfang. Einstieg erleichternde Faktoren sind dabei,

  • dass der persönliche Kontakt die Hemmschwelle senkt und die Vernetzung mit „Fremden“ nicht mehr so fremd erscheinen lässt.
  • dass ein gemeinsamer Start mit anderen Neulingen das Gefühl senkt, mit dem Wissensstand im Netzwerk allein zu sein.
  • dass durch die Workshops und Vorträge die Dichte an interessanten Menschen, mit denen man sich vernetzen könnte, hoch ist.

In sozialen Netzwerken Fuß zu fassen braucht Zeit. Die Ein-Prozent-Regel nimmt euch vielleicht ein wenig den Druck, gleich loslegen zu müssen. Wenn ich etwas nicht verstehe, frag(t)e ich Personen, die schon länger dabei sind. Das kann man über Direktnachrichten privat oder über Tweets und Postings öffentlich machen. Wenn man die Scham, etwas nicht zu wissen, abgelegt hat, hat man das Tor zum Netzwerken erreicht.

Jetzt bist du an der Reihe: Weiter Leuchttürme bestaunen oder Graswurzel sein und über sich hinauswachsen?

Foto 09.04.17, 08 51 07Am Freitag hielt ich beim educational Barcamp der Universität Freiburg (Mehr dazu hier und bei Twitter unter dem Hashtag #fredu17.) eine Session zum Thema Lehren und Lernen im 21. Jahrhundert, die etwa nach der Hälfte der Zeit von zwei, drei Leuten „gesprengt“ wurde, weil sie die Debatte in eine Richtung lenkten, die ich bei einem Barcamp weder erwartete noch für zielführend halte. Nachdem große Bedenken bezüglich der Gewährleistung von Datenschutz geäußert wurden, stellte man den Mehrwert Digitaler Bildung grundsätzlich in Frage, indem man Studien forderte, die diesen belegen sollen. Die restliche Zeit des 45 minütigen Zeitfensters gelang es mir leider nicht mir in die anfängliche Spur der Debatte zurückzukehren. Meine persönliche Unzufriedenheit und die Gespräche hinterher, in denen zahlreiche Session-Teilnehmer*innen mir ebenfalls ihr Bedauern über die Entwicklung mitteilten, warfen in mir die Frage auf, ob und wie man zukünftig verhindern kann, dass Diskussionen über Digitale Bildung in ideologischen Grabenkämpfen enden. Dabei scheinen zwei Faktoren eine bedeutende Rolle bei der Strategiesuche zu spielen: Die am Gespräch beteiligte/n Person/en und die Gründe, weshalb Bedenken geäußert werden. In meinem letzen Fall waren das ca. 30 Menschen aus dem Hochschulbereich und der Wirtschaft, die mit sehr differenziertem Vorwissen und Interesse vor Ort waren. Bei Gruppen sympathisiere ich aktuell mit der Strategie, die Menschen, die den Weg der Digitalen Bildung frisch beschreiten (möchten) oder für einen Austausch offen sind, nicht abzuschrecken und (weiter) zu motivieren, indem man eine solche Debatte durch ein kurze und für einen Großteil sofort einleuchtende Begründung der Notwendigkeit von Digitaler Bildung abschließt; und zwar so, dass im Anschluss ein kontroverser Diskurs mit den Bedenkenträger*innen für alle Beteiligten weiterhin möglich erscheint. Hierfür startete ich in sozialen Netzwerken gestern einen Aufruf, die besten Gründen für Digitale Bildung in diesem Etherpad festzuhalten. Ich freue mich über jede weitere Beteiligung. Um das Ergebnis zu sichern und einen weiteren Austausch zu begünstigen, werde ich alle dort genannten Argumente mit den freiwilligen Personenangaben unter diesem Beitrag verlinkt veröffentlichen.
Die Argumente Datenschutz und (fehlender) Mehrwert habe ich in den Debatten der letzten Jahre häufig als Verhinderungsdiskurs erlebt, der immer in einer Sackgasse endete, weil die Parteien lediglich ihre Positionen bestätigen und nicht miteinander, sondern gegeneinander sprachen. Weil Ängste oder (negative) persönliche Erfahrungen nicht selten geäußerte Bedenken begründen, sind solche Gespräche emotional aufgeladen und drohen auf der sachlichen Ebene weder zu beginnen noch zu enden. In 1:1-Situationen tendiere ich momentan dazu, mehr zuzuhören und nachzufragen, um die Beweggründe zu erfahren. Wenn ich Argumente formuliere, versuche ich nur solche zu verwenden, die nicht deren Vorstellung angreifen, sondern meine bewerben. Das kostet viel Zeit und Kraft. Meine begrenzten Ressourcen investiere ich deshalb mittlerweile mehr in Leute, die Unterstützung wünschen oder offene, kontroverse und zielführende Debatten suchen. Und welche Strategie/n verfolgst du?

(Ich bin mir dessen bewusst und bitte das zu entschuldigen, dass Bedenkträger*innen begrifflich stark verkürzt eine Gruppe von Menschen beschreibt, die ich als solche subjektiv wahrnehme. Die Verkürzung soll aber keine (Ab)Wertung darstellen, sondern lediglich eine Vereinfachung, weil ich den Fokus auf die Sache und nicht die Personengruppe richten möchte.)

Die besten Gründe für Digitale Bildung

(Immer wieder werden wir (als nach vorne blickende Menschen) in Diskussionen verwickelt, in denen die Notwendigkeit Digitaler Bildung grundsätzlich in Frage gestellt wird. Deshalb bitte ich euch, hier nur euren besten Grund oder größten Antrieb zu notieren, um so vielleicht eine Sammlung guter Argumente zu erhalten, die uns nicht nur für die nächste Debatte rüstet, sondern vielleicht auch dazu bewegt, die eigene Motivation oder aktuelle Haltung neu zu durchdenken. Würde mich freuen, wenn ihr zu eurer Begründung auch den Namen dazuschreiben würdet, um eventuell darauf eingehen bzw. nachfragen zu können. Muss aber auch nicht sein.)

Mein Beitrag hierzu: Der digitale Wandel ist unumkehrbar und stellt uns vor komplexe Herausforderungen, die mit dem bisherigen Verständnis von Lehren und Lernen nicht lösbar sein werden. Ein Ziel muss es sein, die zukünftigen Generationen zu befähigen, unbekannte Hürden in einem sich ständig wandelndem Feld zu meistern.

  1. Bob Blume: Digitale Bildung impliziert das Verständnis einer komplexer werdenden Welt, deren Reflexion und diskursive Zusammenhänge zunehmend online verhandelt, bestätigt und kritisiert werden. Digitale Bildung ist heutzutage vor allem auf sprachlichen Zusammenhängen basierende Gesellschaftspolitik. Ohne sie ist ein Verständnis der Welt nicht möglich.
  2. Richard Heinen: Schule hat immer schon die Aufgabe auf das Leben in der Welt vorzubereiten und zwar auf die Welt wie sie heute ist und morgen sein wird. Nicht wie sie gestern war.
  3. Digitale Medien sind ein normaler Evolutionsschritt. Da brauchts keiner Argumente.
  4. Mrs. Meyr: Ziel von Schule ist es, Lernende auf die heutige und die zukünftige Lebenswelt vorzubereiten – das geht nur mit „Digitaler Bildung“. Außerdem kann man Lernprozesse mit Hilfe digitaler Medien effizienter und vielschichtiger gestalten.
  5. Andreas Ott: Digitalisierung ändert unsere Gesellschaft und Arbeitswelt von Grund auf. Um unsere Schüler auf diese Zukunft vorzubereiten, haben wir (vor allem als berufliche Schule) die Aufgabe, sie mit dem Wissen und den Fertigkeiten auszustatten, die sie benötigen, um fit für den Beruf und die Zukunft zu werden. Diese Aufgabe hatte Schule übrigens schon immer.
  6. Christiane Schicke: Wir brauchen digitale Bildung, weil ohne sie eine vollständige Teilhabe an unserer Gesellschaft nicht mehr möglich ist.
  7. Digitale Bildung muss in der Schule vermittelt werden, weil sie die einzige Institution ist, die (zumindest theoretisch) alle Menschen unter 16 erreicht.
  8. Christian Wettke: In einer zunehmend digitalisierten Welt haben digitale Medien das gedruckte Wort als Leitmedium abgelöst. Wir als Schule haben seit jeher die Aufgabe, unsere Schülerinnen und Schüler zu mündigen und teilnahmefähigen Mitgliedern der Gesellschaft mitzuerziehen. In einer digitalisierten Gesellschaft braucht es für diesen Erziehungs- und Bildungsauftrag „Digitale Bildung“. Noch dazu ist die Lebenswelt der meisten Kinder und Jugendlichen stark digital geprägt. Die Schule hat als Institution hier die Chance, durch digitale Bildung die Schülerinnen und Schüler „dort abzuholen, wo sie sind“ und die Zukunft der Bildung aktiv mitzugestalten.
  9. Ines Bieler: Bildung ist weder digital noch analog. Wenn ich als Lehrkraft für gute Bildung verantwortlich bin, wähle ich meine Methoden, Tools entsprechend den Erfordernissen und zwar wähle ich die aus dem Repertoire, das mir zur Verfügung steht. Im 21. Jahrhundert sind das auch digitale Werkzeuge. Warum also nicht? Es sollte so selbstverständlich sein wie Füller, Bleistift und Papier.
  10. Elke Noah: Die Schule muss die SuS bei der Digitalisierung der Gesellschaft begleiten. Schule soll SuS befähigen, selbständig denkend und handelnd an der Gesellschaft teilzunehmen. Das wird nur gelingen, wenn die Schule auch in digitalen Belangen mitzieht.
  11. Philippe Wampfler: Schule basiert auf Kommunikation. Kommunikation läuft heute in einem professionellen Setting primär und zu großen Teilen digital.
  12. Christoph Schmitt: Digitalisierung ist kein technologisches Ereignis, sondern eine kulturelle Entwicklung. Und zwar eine enorm vielschichtige, rasante und unumkehrbare. Um sich da zurechtzufinden, braucht’s Digital Literacies. Neue Lesarten von Welt, Mensch, Leben. Ganz anders als bisher. 
  13. Die Digitalisierung findet statt. 
  14. Mike Müller: Bedenkt man, wie stark die Digitalisierung schon jetzt unser Leben beeinflusst, z.B. durch Social Bots oder Fake News, ist Digitale Bildung unabdingbar, um unsere Schüler auch weiterhin zu mündigen Bürger zu erziehen, die sich in der digitalen Welt auskennen.
  15. Thomas Spahn: The revolution will not be televised – and it won’t stop in front of our school gates.
  16. edulabs: Digitale Bildung eröffnet didaktisch neue Möglichkeiten: Mit digital gestützten Methoden lässt sich vieles (leichter/anders/neu) umsetzen, was schon länger gefordert wird: Kollaboratives, projektorientiertes Arbeiten, Binnendifferenzierung, Inklusion.
  17. Damian Duchamps: Über viele Jahrhunderte sammelte man das Wissen der Welt auf Papier zwischen den Deckeln von Büchern. Wissen entstand in kleinen Stuben, Instituten und im papierschriftlichen und mündlichen Austausch. Diese Prozesse wandern wie die Sammlung von Wissen zunehmend in den digitalen Raum. Neue Formen von Wissen entstehen, etwa durch die Kombination unvorstellbarer Mengen an Daten. Bildung muss diesem Wandel folgen, um Menschen den Zugang zu ermöglichen. Ein System, das das Digitale aus Bildung ausklammern möchte, wird Benachteiligte hervorbringen. Für mich ist das vergleichbar der Rolle von Latein. Über eine lange Zeit wurde auf Latein gepredigt, war die Bibel für einfache Menschen unverständlich. Die normalen Menschen verstanden kein Latein, da es ihnen niemand beibrachte. Eine Welt blieb ihnen in großen Teilen verschlossen. Manche brachten es sich selbst bei, wenn sie die Möglichkeit hatten. Ohne digitale Bildung wird es wieder diese Spaltung der Gesellschaft geben.
  18. Nina Oberländer: Digitalisierung ist ein Mindset (mir fehlt eine gute Übersetzung für den Begriff). Es bedeutet vernetzt denken zu können, durch Wissen und Information navigieren zu können, als menschlicher Filter und Verteiler für Information agieren zu können, mit Komplexität umgehen zu können, Muster zu erkennen und mit Multi-Logik statt linearem Denken zu arbeiten. Das derzeitig vorherrschende Schul-System dient eher dem Ziel gleichzumachen – durch einheitliche Beschulung und Notensysteme, Beurteilungen von einer Instanz – dem Lehrer, der Lehrerin. Für die Zukunft brauchen wir viel kreative und ungewöhnliche Lösungen, Vertrauen in uns selbst, Wissen um unsere Kompetenzen und die Fähigkeit in der Vernetzung mehr zu können als allein. Im Sinne der Zukunft der Einzelnen aber auch im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Zukunft brauchen wir Digitale Bildung oder wie ich eher sagen würde Vernetzte Bildung.
  19. Beat Rueedi: Endlich barrierefreies Lernen unterwegs.
  20. Peter Ringeisen: Auch wenn es nur die Verbreitung von Text- und Bildgrundlagen für Unterrichtszwecke beträfe, wäre es sinnvoll, digitale Medien der Hektographie, dem Episkop und dem auf Filmspulen festgehaltenen Bewegtbild vorzuziehen, weil die damit erstellten Texte, Hörtexte, Bilder, Filme und multimediale Präsentationen flexibler zu handhaben und ästhetischer zu gestalten sind. Hinzu kommt zum einen, dass mit digitalen Medien eine neue Qualität weltweiter Kommunikation möglich wird, die den Schülerinnen und Schülern nicht vorenthalten werden sollte, und zum anderen, dass die von Schülerinnen und Schülern mithilfe digitaler Medien erstellten Produkte eine Mehrdimensionalität erreichen können, die vernetztes Lernen gestatten und abbilden.  – [Nach nochmaligem Lesen der Aufgabenstellung:] Vernetzte Bildung (wie Nina Oberländer).
  21. Torsten Becker: Variatio delectat.
  22. Jürgen Drewes und Lisa Rosa: Kollaboration – Kommunikation – Kreativität – kritisches Denken.
  23. Hannelore Reitmeyer: Mit digitalen Werkzeugen wird es möglich, Bildung und Wissen im Massenformat (automatisches Feedback, Online-Vorlesungen ect.) zu vermitteln. Dabei ist es notwendig,  nicht nur das „traditionelle “ Wissen zu vermitteln, sondern auch das Wissen über die Prozesse, die im Hintergrund der digitalen Lebenswert ablaufen (Überwachung, technische Abläufe, mathematische Grundlagen). Wird dieses Wissen nicht (zumindest rudimentär) in der breiten Masse der Bevölkerung verankert, besteht die Gefahr, dass bald nicht mehr wir die Algorithmen , sondern die Algorithmen uns beherrschen. Orwell und Co lassen grüßen.
  24. Rüdiger Fries: Bildung erschließt den Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe und zu einer selbstbestimmten Lebensführung. Um dieses Versprechen auch in Zukunft einlösen zu können, brauchen wir ein Grundverständnis von den epochalen gesellschaftlichen Veränderungen durch die zunehmende Mediatisierung und Digitalisierung. Wir müssen uns vergegenwärtigen, wie unter ihren Bedingungen gelernt, gearbeitet und gelebt werden kann.
    Insgesamt stehen Jugendliche vor der Herausforderung, sich auf eine immer komplexere Welt mit immer weniger vorhersehbaren Entwicklungen und individuellen Lebensplanungen einstellen zu müssen. Bildung muss Schülerinnen und Schülern deshalb auch Orientierung sowie eine kritische und aktive Teilnahme an gesellschaftlichen Entwicklungen ermöglichen.Dafür ist Medienbildung notwendig. Verstanden als Fähigkeit zur Reflexion in mehrfacher Hinsicht; nämlich mit Blick auf medienethische Prinzipien, gesellschaftliche und kulturelle Konsequenzen einer digital und medial geprägten Welt sowie die eigene Medienpraxis. Außerdem umfasst Medienbildung eigene Informations- und Gestaltungskompetenz sowie den eigenständigen und kreativen Umgang mit Medien. Jugendliche sollten einen Weg finden, von bloßen Konsumentinnen und Konsumenten des Digitalen zu Macherinnen und Machern zu werden und lernen, wie sie ihre Zukunft aktiv und individuell mitgestalten. Darüber hinaus erleichtern digitale Medien die Umsetzung von Lehr- und Lernformen, die Lehrkräfte darin unterstützen, den Unterricht so zu gestalten, dass Schülerinnen und Schüler die Kompetenzen weitgehend selbstbestimmt und eigenverantwortlich erwerben sowie die Fähigkeit zu Kreativität, kritischem Lernen, Kooperation und Kommunikation entwickeln können. – [So steht es auch im Landeskonzept Medienbildung des Saarlandes]
  25. Christian Dorn: Die Digitalisierung ist ein komplexer gesellschaftlicher Prozess und will gestaltet werden. Wer aber an der Gestaltung konstruktiv mitwirken will, muss die zugrunde liegenden Mechanismen nicht nur im Alltag anwenden können, sondern auch durchdringen. Die Lernenenden müssen dafür auf eine Digitale Bildung zurückgreifen können.
  26. Marc Langebeck: Der Lebensweltbezug beim Lernen ist Grundvoraussetzung für den Aufbau von Wissen. Da die SuS sich permanent in ihrer kleinen begrenzten digitalen Welt bewegen, hat Schule die Verpflichtung diese Welt zu erweitern, zu sichern und zu erklären. Sich gemeinsam dieser Herausforderung zu stellen, ist alternativlos.
  27. Walter Staufer: Der digitale Wandel findet statt. Wir nehmen über Medien an der Gesellschaft teil. Aber wir müssen über digitale Bildung die Prinzipien verstehen, um den digitalen Wandel zu gestalten.
  28. Thorsten Puderbach: Die Digitalisierung ist da und als Lehrer ist es unsere Pflicht, die Schülerinnen und Schüler auf die aktuelle aber vor allem neue Welt vorzubereiten. Als Schule haben wir die Wahl diese Vorbereitung (im Sinne einer Digitalen Bildung) aktiv mitzugestalten oder später (evtl. korrigierend) hinterherzulaufen.
  29. Maxim Loick: Die digitale Sphäre lernt grundlegend anders als wir das aus der Schule unserer Tage kennen: Abgucken ist im digitalen Grundvoraussetzung, während es in der Schule als Betrug gebrandmarkt wird.
  30. Endlich Ruhe! Geistige Arbeit darf in Ruhe und hoch individualisiert vollzogen werden. Wir brauchen aber dafür auch andere Lernräume, eine andere päd. Architektur.
  31. Jochen Gollhammer: Gesellschaften ändern sich, Technik ändert sich, das Bildungssystem ändert sich. Es erscheint völlig unlogisch und unrealistisch, dass die Digitalisierung vor Bildungseinrichtungen halt macht. Gleichwohl sehe ich im digitalen Lernen bzw. der digitalen Bildung keine Bildungsrevolution. Für mich ergeben sich damit nur mehr Möglichkeiten im Unterricht mein Repertoire zu erweitern. Eine Symbiose aus analogem und digitalem Unterricht erscheint mir erstrebenswert. Im Mittelpunkt muss weiterhin die Schülerin und der Schüler stehen.
  32. Enno Schröder: Lasst uns endlich die Vorteile der digitalen Revolution uch in der Schule sinnvoll nutzen, als immer nur die Gefahren in den Vordergrund zu stellen. Datenschutz muss auch sein, sollte aber nicht alles ausbremsen. Außerdem muss Lehren und Lernen vollkommen neu überdacht werden, das fängt schon bei den Räumlichkeiten in der Schule an. Und noch eins, Lernen nimmt einem keiner ab, es braucht Anreize und lebenslange Neugierde bei Schülern und bei Lehrern.
  33. Saskia Müller: Dabei sind diese kritischen Töne, so selbstverständlich uns das Kritisierte heute erscheinen mag, durchaus ernst zu nehmen. Dass ausgerechnet der Stammvater der westlichen Denkkultur, Sokrates, im Dialog mit Phaidros auf jene Kulturtechnik der Schrift einteufelt, die ihn dank seines Schülers Platon heute noch rezipierbar sein lässt, erscheint nur auf den ersten Blick absurd. Auf den zweiten ist gerade das, was Sokrates in seiner Schilderung eines Gesprächs den altägyptischen König Thamus sagen lässt, unvermindert bedeutsam: „Nicht also für das Erinnern, sondern für das Gedächtnis hast du ein Hilfsmittel erfunden. Von der Weisheit aber bietest du den Schülern nur Schein, nicht Wahrheit dar. Denn Vielhörer sind sie dir nun ohne Belehrung, und so werden sie Vielwisser zu sein meinen, da sie doch insgemein Nichtswisser sind und Leute, mit denen schwer umzugehen ist, indem sie Scheinweise geworden sind, nicht Weise.
  34. Mathias Aebischer: Angesichts der allgemein anerkannten Notwendigkeit lebenslangen Lernens ist klar, dass Vor- und Nachwissen der Lernenden sich zunehmend unterscheiden werden. Wir brauchen deshalb eine individuellere Lernbegleitung als mit traditionellem Unterricht alleine realisierbar wäre. Die Digitalisierung ist folglich Voraussetzung zur Skalierung individueller Bildung. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht zielführend alle Kinder auf denselben Bildungsstand zu bringen, ungeachtet ihrer Begabungen – obwohl natürlich ein breites Fundament gelegt werden muss. Doch wenn alle dasselbe können sollen, dann produziert unser Bildungwesen nur Mittelmass.
  35. Sara-Sophie Scharnhorst: Es ist Unsinn einen Bereich des Lebens in der Schule auszuschließen, zumal der Bereich des Digitalen  sehr zur Kreativität und kritischem Denken anregt. Letztlich ist es eine Frage, welchen Menschen wir haben wollen: Den Abnicker bzw. einen an das System angepassten Menschen, oder einen, der das System (oder die Systeme, in denen der sich bewegt) kritisch hinterfragt und zu einer gewissen Mündigkeit sowie Kreativität und Mitgestaltung fähig ist?  Letzteres ist nicht zu erreichen, wenn man den (Lebens-) Bereich des Digitalen aus der Schule verbannt. Dieses Video verbildlicht es schön: https://www.youtube.com/watch?v=kQjtK32mGJQ
  36. Vom Verbot und der Verteufelung digitaler Medien lernen Kinder nicht den verantwortungsvollen Umgang mit diesen. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, in der Schule eine mediale Ethik zu entwickeln und die großartigen Möglichkeiten individualisierten Lernens unseren Kindern als Chance für ihr Leben nahe zu bringen. (neumann279@googlemail.com)
  37. Wir sollten endlich die Kompetenzen, die sich Kinder und Jugendliche weitestgehend ohne Eltern und Schulen angeeignet haben, für Lernprozesse nutzen. Ein belehrender Unterricht wird dabei kontraproduktiv sein. Pädagogische Kreativität ist die Herausforderung der Gegenwart und Zukunft. (thtthi@aol.de)
  38. Christine Kolbe: Jugendkultur im 21. Jh. ist Digitalkultur – Lernumgebungen tun gut daran, sich mit den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen zumindest überschneidend zu verbinden.
  39. Tom Mittelbach: Die Entwicklung des Digitalen ist exponentiell. Es ist eine Revolution im Gange. Es existiert nun ein weiteres Leitmedium. Wer sich digitaler Bildung/Weiterbildung verschließt, der verschließt sich der Zukunft. In naher Zukunft wird die künstliche Intelligenz normal sein und das wird geschehen . Unabhängig davon, ob Einzelne dies gut heißen oder nicht. Ob die politischen Verantwortlichen sich endlich politisch einmischen in die Gestaltung der digitalen Zukunft. Wir dürfen dieser Zukunft nicht einzig den global Playern überlassen. Bildung hat mit der Lebenswelt der Adressaten zu tun und mit der eigenen. Somit muss sie digital sein, nicht ausschließlich, das ist die Welt auch nicht, aber eben doch.