IMG_7986Wer sich im Web bewegt, begegnet zwangsläufig auch den Herausforderungen, die Informationen im digitalen Wandel darstellen. Dabei spielen neben der zunehmenden Menge auch die Geschwindigkeit und der Wahrheitsgehalt eine bedeutende Rolle. Die Folgen gezielter Missinformation, mit unterschiedlichen Absichten, werden mehr oder weniger bewusst wahrgenommen und führen zu einer Suche nach Lösungsansätzen, wie man dieser Entwicklung mündig begegnen kann. Philippe Wampflers neues Buch Schwimmen lernen im digitalen Chaos bietet eine hervorragende Grundlage für eine Debatte und gesellschaftliche Aufgabe unserer Zeit, wie Kommunikation trotz Nonsens gelingen kann. Mit der gesellschaftlichen Perspektive möchte ich auch darauf hinweisen, dass sich dieses Buch an alle richtet und es dementsprechend empfehlen. Ich sehe mich an dieser Stelle in einer dreifachen Verantwortung: Als Vater, Teil der Gesellschaft und Lehrer mit Bildungsauftrag. Für alle drei Bereiche finden sich hilfreiche Hinweise und Ratschläge.

In diesem Buch findet sich nicht nur eine Sammlung von praktischen Tipps, wie das Schwimmen im digitalen Chaos gelingen kann, ich versuche auch, Nonsens genau zu erfassen und die wesentlichen psychologischen und auch technischen Zusammenhänge so aufzuzeigen, dass Leserinnen und Leser eigene Schlüsse aus den abgegebenen Ratschlägen ziehen können.

Dieses Versprechen, das Philippe zu Beginn des Buches abgibt, wird in folgenden fünf Kapiteln

  • Das Problem verstehen
  • Wie Nonsens im Netz entsteht
  • Was uns für Nonsens anfällig macht
  • Schwimmen im Nonsens – ein Programm
  • Nonsens und die Zukunft der digitalen Kommunikation – ein Ausblick

erfüllt. Indem er zuerst die Probleme offenlegt und benennt, ihre Dynamik transparent machen, psychologische Aspekte aufführt, mögliche Lösungsstrategien bietet und einen Ausblick wagt, gelingt ihm zu diesem Themenfeld ein Rundumschlag, der ein Grundverständnis bietet und kritische Auseinandersetzung ermöglicht. Die zahlreichen und konkreten Beispiele über Nonsens, Hoaxes oder Fake News machen den komplexen Sachverhalt allgemein zugänglicher bzw. verständlicher, so dass auch Menschen ohne größeres Vorwissen über das Web sich gedanklich zurechtfinden bzw. orientieren können. (Die gedruckten Screenshots und Link-Angaben versprühen ein wenig Blog-Geruch auf dem Papier.) Wer erfahren möchte, weshalb Fake News, die sich gegen Trump richten, nicht geteilt werden sollte und sie nicht gerecht, sondern gesellschaftlich bedenklich sind, wird im Buch Antworten darauf finden. Gewohnt nüchtern und präzise analysiert Philippe neben der Welt, die uns täglich im und außerhalb des Netzes begegnet, nicht nur die Möglichkeiten und gesellschaftliche Verantwortung der Mitgestaltung, sondern auch deren Grenzen. Wie erfolgreiche Kommunikation in der digitalen Transformation gelingen kann wird uns noch längere Zeit beschäftigen. Philippe hat aus meiner Sicht dazu einen sehr lesenswerten Beitrag geleistet.

Anmerkungen

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber mein persönliches Tool-Highlight ist die Empfehlung des Baukastens für Verschwörungstheorien von Michael Lenzinger. Den werde ich auf jeden Fall in meinem Unterricht einsetzen. Womit ich mich inhaltlich die nächsten Wochen näher beschäftigen werde, ist diese Bullshit-Website. Da ich Philippes Arbeit näher verfolge und im regen Austausch mit ihm stehe, war mir der eine oder andere Hinweis und Gedanke bereits bekannt. Trotzdem haben mir die Zerlegung und erneute Zusammensetzung geholfen, mein bisheriges Wissen (neu) zu ordnen und zu strukturieren. Mein Handeln in sozialen Netzwerken werde ich nach der Lektüre gedanklich kritischer und schärfer reflektieren. Auch wenn ich alle Kapitel inhaltlich gleich bedeutend einschätze, werden ohne ein Verständnis für die Tragweite von Falschinformationen die darauffolgenden und notwendigen Fragen erst gar nicht gestellt. Deshalb werde ich mich zukünftig mehr darum bemühen, die Problembeschreibung aus dem ersten Kapitel zumindest in meinem Umfeld allgemein zugänglicher zu machen.

Bildschirmfoto 2018-01-05 um 13.06.56Wer einem sozialen Netzwerk beitritt, kennt das Gefühl, sich zuerst orientiert zu müssen. Neben der Klärung technischer und elementarer Fragen, wie der persönlichen Nutzung und Rolle, beginnt gleichzeitig und mehr oder weniger bewusst die Suche nach sozialen Normen und Ordnungen im digitalen Raum*. Am Beispiel Twitter betrifft das u.a. folgende Aspekte: Was und wie man schreibt, liket, retweetet, verlinkt und kommentiert oder wem man folgt, wann man zurückfolgt, entfolgt, blockt und stummschaltet. Soziale Normen können sich nicht nur zwischen den sozialen Netzwerken unterscheiden, sondern stehen auch in Abhängigkeit zur selbst zusammengestellten Timeline. Hierin mag viellicht auch die größte Attraktivität und Abweichung zum analogen Raum liegen. Als soziale Norm kann bei Twitter der timelineübergreifende Konsens bei gewissen Themen bezüglich der Handlungserwartungen verstanden werden. Zum Beispiel das Duzen oder die Ächtung kopierter, fremder Tweets, die als eigene ausgegeben werden. Nachdem die Anzahl der Lehrenden in sozialen Netzwerken immer stärker zunimmt, möchte ich mit ein paar Gedanken und Fragen zur anfänglich erwähnte Orientierung am Beispiel Twitter beitragen.

Reflexion vs Reichweite

Der aktuell beliebte Hashtag #Twitterlehrerzimmer verdeutlicht ganz gut die Ausgangslage und Schwierigkeiten für Social Media-Neulinge und eine Parallele zur Situation im analogen Lehrerzimmer. Wer schon einmal die Schule gewechselt hat, kennt das beim Betreten anfängliche Abtasten nach sozialen Normen und Ordnungen. Nur ist das Twitterlehrerzimmer öffentlich, für alle transparent und Teil eines größeren digitalen Raumes. Die Handlungswartungen sind nicht rein von Lehrenden geprägt, sondern auch von der restlichen Twitter-Community. Ein besonderes Twitter-Phänomen, das wahrscheinlich aus der ehemaligen Begrenzung auf 140 Zeichen und der damit verbundenen Reduktion auf das Wesentliche resultiert, ist das hohe Ansehen vom Spiel mit der Sprache. Jede kreative Wortschöpfung oder treffende Formulierung wird mit Likes und Retweets belohnt. (Es existieren zahlreiche anonymisierte Accounts mit mehreren Tausend Follower, über die ausschließlich witzige, tiefsinnige oder originelle Tweets generiert werden.) Dass man mit wenig Aufwand schnell und viel Aufmerksamkeit erreichen kann, beflügelt zusätzlich; auch, dass Tweets in Zeitungen, Büchern oder im Fernsehen zitiert werden. Manchmal bleibt beim Wetteifern die nötige Distanz und Reflexion auf der Strecke und erinnert an eine Konditionierung, in der Likes, Interesse und Ansehen als Verstärker dienen. Kann man von Lehrenden erwarten, reflektierter als andere zu twittern? Ich würde das bejahen, da sie ihrer Vorbildfunktion im öffentlichen Raum nachkommen und spätestens bei Äußerungen über die eigene oder fremde Schule, Klassen, Schüler_innen, das Kollegium oder sonstige Interna, die man so auch nicht einem Freund über die Sprechanlage einer Straßenbahn verkünden würde, sorgfältig abwägen müssen. Lehrende erheben übrigens nicht selten für sich den Anspruch, medienkompetenter als andere zu sein.

Entwicklung sozialer Normen

Wie geht man in sozialen Netzwerken mit Trollen, Fake News, Hate Speech oder rassistischen Tweets, die Teil einer gezielten politischen Provokation, sind um? Letzteres wird seit Tagen sehr kontrovers diskutiert. Diese Debatte steht für die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung sozialer Normen in der digitalen Transformation. Die bisherige Handlungserwartung, auf die man sich gegenseitig immer wieder durch den Hashtag #StopMakingStupidPeopleFamous aufmerksam gemacht hat, wird nun in Frage gestellt. Sollte man rassistische Äußerungen tatsächlich ignorieren? Trägt man damit nicht dazu bei, dass diese ohne einen Widerspruch salonfähig gemacht werden? Wer und weshalb Tweets verfasst, spielt aus meiner Sicht hierbei eine wesentliche Rolle. (Wenn sich Lehrende entscheiden, den Weg in die sozialen Netzwerke zu beschreiten, sollten sie für sich geklärt haben, ob, wann und wie sie sich zu politischen Geschehnissen äußern. Neben den Herausforderungen im Social Media-Kontext, die sich durch den Beutelsbacher Konsens ergeben, empfiehlt es sich, eine persönliche Strategie zu entwickeln, die mögliche Mechanismen und aktuelle Erkenntnisse berücksichtigt. Zum Thema Fake News sollte man zum Beispiel diesen Beitrag von Michael Kreil gesehen bzw. gehört haben.) Dass man sich immer wieder an passender Stelle öffentlich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ausspricht, finde ich wichtig und notwendig. Wenn aber bekannt ist, dass eine Partei gezielt rassistischen Aussagen bzw. Provokation platziert, um so eine größere öffentliche Wahrnehmung zu erreichen und im gesellschaftlichen Diskurs die Themen zu diktieren, wird die Sache komplexer.
Ich kann allen Lehrenden nur empfehlen, sich den Debatten anzuschließen, die sozialen Normen in sozialen Netzwerken mitzugestalten und das alles auch in die Schulen zu tragen.

*Mich stört die begriffliche Unterscheidung zwischen RL (Real Life) bzw. offline und digitaler Welt bzw. online, weil eine scharfe Trennung suggeriert wird, die in vielen Fällen gar nicht existiert. Weil es in meinem konkreten Fall um soziale Normen geht, die ich in Kontext des Beitrags am ehesten in Abhängigkeit zum Raum verstehe, werde ich zwischen einem digitalen und analogen Raum differenzieren.

miniature-figures-2919708_1920Als Transparenz-Effekt bezeichne ich zukünftig die kognitive Verzerrung, bei der Menschen schon länger bestehende Elemente eines Systems als neue, meist negative, Veränderung wahrnehmen, weil sie im digitalen Transformationsprozess, insbesondere durch den Beitrag sozialer Netzwerke, transparent werden. Mögliche Faktoren können dabei Informationsmengen, Kommunikationsverhalten oder -inhalte sein. Häufig tritt der Transparenz-Effekt als Bestandteil von Kulturpessimismus auf und weist zum Beispiel begriffliche Indikatoren, wie Verrohung, Verdummung oder andere defizitorientierte Einschätzungen, auf. Nicht selten resultieren solche Urteile aus dem Fehlen eigener Erfahrungswerte, die in der gesteigerten Form zusätzlich von der Vorstellung begleitet werden, dass alles, das man selbst nicht kennt, nicht existiert. Die Bezeichnung Transparenz-Effekt erhebt keinen wissenschaftliche Anspruch, sondern stellt lediglich eine öffentlich formulierten Gedanken bzw. eine Notiz dar, auf die ich in sich wiederholenden Debatten immer wieder verweisen kann.

Stress bleibt Stress

Mindestens zwei Mal im Jahr wähle ich für zwei bis drei Wochen eine Auszeit. Das bedeutet, dass ich alle Möglichkeiten (bis auf das Telefon und die Haustürklingel), eine Benachrichtigung zu erhalten, deaktiviere und mir ausschließlich Zeit für meine Familie, Freunde und mich nehme. Ich lese, schaue oder höre keine Nachrichten und erledige keine (berufliche) Arbeit. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit richtet sich ausschließlich auf die Menschen um mich herum, die ich liebe und schätze. Häufig begegnet mir in diesem Zusammenhang die Bezeichnung Digital Detox. Damit wird suggeriert, man müsse seinen Körper vom digitalen Gift befreien, das über Smartphones, Apps und sozialen Netzwerke unsere Zeit und Aufmerksamkeit transportierenden Venen befällt. Das Framing finde ich fatal. Nicht selten wird dabei ein Gegensatz zwischen digital und analog konstruiert, wie in diesem neulich erschienen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung.
Natürlich hat die digitale Transformation mit der zunehmenden Anzahl an E-Mails, Messenger-Diensten und sozialen Netzwerken meine Kommunikation bzw. mein Verhalten verändert. Die in knalligen Farben aufpoppenden Push-Mitteilungen sind kaum zu übersehen. Nur bleibt das Problem, der alltägliche Stress und der dabei verlorene Blick für das Wesentliche im Leben, aus meiner Sicht unverändert. Wenn ich an meine „analoge Kindheit“ zurückdenke, kann ich mich sehr gut an einige Eltern erinnern, die keinen (freien) Kopf für ihre Kinder oder Partner hatten. Sie dachten an Rechnungen, Versicherungen, die Arbeit oder andere gedankliche Baustellen. Es stimmt, dass ich im Vergleich zu früher (beruflich) viel mehr E-Mails schreiben und erhalten kann. Das kann sehr hilfreich und auch belastend sein. Den Wandel auf Gift zu reduzieren, halte ich aber nicht für zielführend. Es bedarf vielmehr einer Reflexion des eigenen Verhaltens und einen gemeinsam ausgehandelten gesellschaftlichen Konsens.

Smartphones und ihre Nutzung gehören in die Schulen

Bildschirmfoto 2017-12-16 um 20.18.40Natürlich haben sich auch die Möglichkeiten, Menschen an Produkte zu binden, in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt. Ich bin mir auch sicher, dass sich jedes Details eines Smartphones, einer App oder eines sozialen Netzwerks an Ergebnissen der Verhaltensforschung orientiert. Deshalb halte ich es für sinnvoll, den Umgang damit offen, kritisch und transparent auch mit Schulklassen zu diskutieren. Verbote bekämpfen lediglich Symptome und nicht die Ursachen eines Problems. Hier halte ich den Vorstoß, ein Handyverbot an Grund- und Mittelschulen, Frankreichs für einen enormen Rückschritt. Dass ich heute bei Veranstaltungen oder Treffen in der Regel mein Smartphone in der Hosentasche lasse, fast alle Push-Mitteilungen abgestellt habe und mich in regelmäßigen Abständen für eine Auszeit entscheide, war ein langer Entwicklungsprozess, der aus einer ständigen Reflexion meines Nutzungsverhaltes und der Folgen hervorgeht. Die Zeit und Unterstützung hierbei muss man Schüler_innen ebenfalls eingestehen bzw. bieten. Deshalb gehören Smartphones und ihre Nutzung in den Unterricht, wenn man ein mündiges und souveränes Verhalten im digitalen Wandel anstrebt und nicht in die Handy-Garage Colllecta*.

*Falls manche Person wegen meinem letzten Beitrag glauben sollte, die Seite wäre ein Fake, muss ich sie leider enttäuschen.

Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch komme und begründe, weshalb ich denke, dass der Weg als Lehrperson ins Netz nicht nur notwendig, sondern auch bereichernd sein kann, wiederholen sich die Gegenargumente: „Wann soll ich das machen? Ich habe jetzt schon keine Zeit mehr.“ „Das ist nicht mein Fachgebiet. Es muss nicht jeder alles können.“ „Es gibt wichtigere Baustellen.“
Ich kann diese Gedanken sehr gut verstehen. Schließlich hatte ich die gleichen, als ich meinen Twitter-Account eröffnete und die Timeline sich im Sekundentakt mit immer noch besseren Ideen und Anregungen füllte. Meine Abwehrhaltung resultierte aus einer Überforderung. Ich habe Jahre benötigt, um mich in der Informationsflut zurechtzufinden, eine Filtersouveränität zu entwickeln und eine Strategie für ein persönliches Lernnetzwerk aufzustellen.

Bildschirmfoto 2017-12-03 um 12.57.40
Aus einem Interview mit dem dm-Gründer Götz Werner bei der Zeitung Der Standard.

Deshalb habe ich vor einiger Zeit aufgehört, Mitmenschen aktiv zu ermutigen, sich am Web zu beteiligen und setze nun auf Sog und nicht auf “Druck“. Das bedeutet konkret, dass ich die Potenziale des Webs punktuell aufzeige, wenn es sich anbietet und wirken lasse. Als wir zum Beispiel letztes Schuljahr auf Wunsch der Schülerschaft einen Smartphone-Tag durchführen mussten, sammelte ich aus unserer Sitzung heraus über ein Etherpad, das ich in sozialen Netzwerken gepostet hatte, nach Ideen für den Einsatz von Smartphones in den jeweiligen Fächern. Das Ergebnis war beeindruckend. Außerdem versuche ich zahlreiche Angebote und Gelegenheiten zu schaffen, die zum freiwilligen Austausch in lockerer Runde einladen. Natürlich sind das nur kleine Beiträge, die langfristig zum Umdenken führen können. Weil ich ein ungeduldiger Mensch bin und auf der Suche nach weiteren Ansätzen bin, fragte vor ein paar Wochen bei Twitter und Facebook, wie man es schafft, dass Lehrende, die nicht im Web stattfinden und kein besonderes Interesse am Thema Digitalisierung haben, das Mikrobloggen bzw. Bloggen und Vernetzen beginnen und bat danach, die besten Tipps und Ideen in dieses ZUMpad einzutragen, um sie mit allen zu teilen. Mittlerweile ist das zu einer beträchtlichen Sammlung gewachsen, die ich sicherheitshalber hier festhalten möchte. (Das ZUMpad darf natürlich sehr gerne mit weiteren Ideen ergänzt werden.)

 

  • Der Chef muss es selber nutzen und die Kollegen auffordern sich zu beteiligen (wobei sich das jetzt eigentlich auf das ZUM-Pad bezog!) -> Habe ich bei doodle erlebt: ich habe es vor einiger Zeit nutzen wollen -> keiner zeigt Interesse, Chef verwendet für Terminfindung bei AK -> alle nutzen es.
  • Twitterwall bei Veranstaltungen
  • Organisationskultur, anerkennend thematisieren in Konferenzen und Fortbildungen, wenn jemand aktiv ist.
  • Zeit lassen, Zeit geben, nicht mit dem Kopf durch die Wand. Ansonsten immer mal wieder zwischen Tür und Angel mit den Vorteilen wedeln (steter Tropfen höhlt den Stein und so). Das bringt aber alles nix, wenn es von Leitungsebene entweder nicht gewollt oder mit zu wenig Zug und Verbindlichkeit betrieben wird.
  • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gezielt der Mehrwert aufgezeigt werden muss. (Auch wenn diese Mehrwert-Diskussion zum Teil unpassend ist) oder: erzählen, wo man eine konkrete Unterrichtsidee her hat und öfter von bestimmten Blogs erzählen, dann kommen die anderen zum Lesen und kommentieren. Das ist zumindest ein Schrittchen.
  • Vielleicht sollte die Sichtweise von den LehrerInnen auf die SchülerInnen verlegt werden. Diese verlangen längst eine fundierte digitale Bildung. Setzt handwerklich gründlich ich ausgebildete LehrerInnen voraus. Können Sek-LehrerInnen Kurven diskutieren und Romane schreiben und…, bewegen sie sich digital auf Stufe Kindergarten.
  • Primin Stadler: Indem man Mikro-Bloggen und Vernetzen NICHT ins Zentrum stellt (sie sind Mittel zum Zweck). Ich lese zur Zeit gerade Working out loud von John Stepper. Im Zentrum steht dabei der Aufbau von Beziehungen zur Erreichung eines persönlichen Ziels. WOL besteht aus fünf Elementen: 1. being purposeful, 2. building a social network, 3. making you and your work visible, 4. leading with generosity, 5. getting better. Die Circle Guides zeigen, wie man das konkret während zwölf Wochen anpackt. Dass man sich online und (!) offline vernetzt, dazu evt. Twitter nutzt oder sogar ein Blog eröffnet, gehört dazu. Start in Woche 1: Choose a simple goal & list people related to it. Wenn man WOL deutsch übersetzen würde, und auch den ganzen Duktus etwas entamerikanisieren, dann könnte das tatsächlich auch und gerade für LuL funktionieren. „Digitale Werkzeuge“, Arbeitsweisen und Handlungsmuster in die eigenen Beziehungsarbeit mit einbeziehen kann aber sicherlich nicht schaden…
  • Lehrende, die nicht im Web stattfinden und kein besonderes Interesse am Thema Digitalisierung haben“? Das kann nicht klappen. Oder nur dann, wenn sie genau diese Neugierde und Offenheit offline haben, die man auf Twitter (wenn man es richtig macht) erfährt. Es gibt Leute, die das mitbringen und hier sofort umsetzen. Im Kern: Es muss den Leuten selbst etwas versprechen und etwas bringen. Nur als Anweisung zum Zeitgemäß-Sein: Vergiss es.
  • Philippe Wampfler: Immer wieder zeigen, was man macht und was man erfährt. Nicht über Digitales oder Micro-Blogging sprechen, sondern was, was dadurch möglich wird und hängen bleibt. Bei mir sind es zwei Driver: Woher kenne ich so viele Leute? Woher kommen meine Ideen für den Unterricht? Antwort immer: Vom Netz. Das hat für mich bisher als einziges Argument überzeugt. Plus Lehrkräfte, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind, schulen wie man das heute macht.
    Also: Über die Schulter schauen lassen, von einer sicheren Randposition aus. Wie reales Lernen da draußen eben vor allem funktioniert.
  • Lisa Rosa: Genau wie Philippe. Und dann geschah folgendes: Vor 15 Jahren haben die Kollegen vor Ort gelacht, seit 5 Jahren sind sie tolerant, seit 3 Jahren interessiert, seit 2 Jahren laden sie mich ein, meine Sichtweise vorzustellen, seit diesem Jahr bitten sie um Einführung und Beratung.
  • Externe/n Trainer/in einladen zu einem freiwilligen „Wie man …“-Workshop (z.B. „… als Lehrerin Unterrichtsideen auf Twitter findet“ oder was eben schöne Vorteile wären). Nach zwei Monaten wiederholen und dann nochmal. Beim ersten Mal melden sich nur die mit Interesse, beim zweiten Mal haben sie anderen davon erzählt und beim dritten Mal kommen die verbliebenen (vielleicht). Wichtig scheint mir die Position des Trainers als extern, aber aus dem Berufsfeld, damit die Leute sich identifizieren können, sich aber nicht vor einem Kollegenlehrer bloßstellen müssen. Vielleicht jemand von der Nachbarschule, falls es da Kooperationsmöglichkeiten gibt. Nur vorleben reicht in meinen Augen nicht, weil viele Ängste haben, die nur im 1:1-Kontakt abgebaut werden können. Das heißt, sie brauchen schon konkrete Hilfestellungen mit den Benutzeroberflächen und zum Beispiel Privacy-Settings. Ich habe selbst solche Workshops für Reporter-Kollegen geleitet, mit Unterstützung des Unternehmens. Das hat gut funktioniert. Eine wichtige Voraussetzung war in diesem Kontext übrigens, dass man bei Twitter anonym anfangen und herumprobieren kann.
  • Brian Zube: Testreihe über Schulleitung initiieren, bei der Test-Accounts (ggf. auch Blogs) von Digitalisierungsfernem  zu nächstem Digifernen wandern. Oft würden diejenigen, sich niemals selbst bei Netzwerken anmelden – aber wenn so ein Account im Rahmen offiziellen Angebots der Schulleitung (ggf. samt Gerät, damit auch Einrichtungsschwelle wegfällt) herumgereicht wird, vielleicht schnuppern dann doch einige rein  und twittern hier und da mal vorsichtig (habe dsbzgl. keine Erfahrungswerte, nur spontane Idee).
  • Christine Kolbe: | edulabs |medialepfade |Vielleicht Ergebnisse einer Konferenz auf einem Padlet oder anderem Quick-Pulish-Tool festhalten; also über das Erfordernis der Ergebnissicherung ein Tool einführen, das ein bisschen more sexy aussieht (visuelle Usability) / mehr Features hat als Pads. Die Usability ist nicht zu unterschätzen nach unserer Erfahrung. Darauf setzen wir auch in unserer edulabsOER Sammlung: Schön gestaltete Filter und vor allem einheitliche Einstiegskarten zu ganz unterschiedlichen Ideen (auch niederschwellig) zu mehr besserer zeitgemäßer Bildung – kuratiert von der edulabsDE-Community. Also motivierende Inspiration / Best-Practise, die schlüsselfertig mit in die (Vertretungs-)stunde genommen weden kann, scheint mir auch ein wichtiger Faktor. Da eigenen sich ja auch kleine Impulse im Rahmen von Ganzstags/Gesamtkonferenzen und Studientagen.
  • Tobias Raue: Ausbildungslehrer mit eigenem Blog könnten ihre Plattform für Referendare zur Verfügung stellen. Die reflektieren spannende Unterrichtsstunden, Projekte oder Reihen als Blogbeitrag. So nimmt man evtl. die Scheu vor der Veröffentlichung. In NRW z. B. müssen die Refis mindestens eine Stunde mit digitalen Medien zeigen. Vielleicht kann man so eine Stunde reflektieren lassen. Studiensemare könnten das auch institutionalisieren.
  • Unsere Schulleiterin hat mir im Kaffee-Kuchen-Gespräch verraten, sie hätte bereits Bücher zum Thema bestellt und werde diese vor den Weihnachtsferien an von ihr ausgewählte (nach welchen Kriterien auch immer) Kollegen/Kolleginnen – mit der Hoffnung, sie würden sie während der Ferien lesen – austeilen. Kollegium ist TROTZ leichtem Schülerklientel und guter bis sehr guter Ausstattung geprägt von Resignation (noch nicht mal mehr Skepsis sondern Resignation), borniert und von Angst allem was Arbeit bedeuten könnte. Bore-out! Ich bewundere die Frau für ihren Optimismus. Sie wills anpacken!
  • Thorsten Puderbach: Eine Frage auf Twitter stellen, auf die #followerpower hoffen und die Ergebnisse in den entsprechenden Gremien vorstellen.
  • Bob Blume: Zwang und persönliche Vorteile klarmachen: http://bobblume.de/2017/11/26/diskussion-bloggende-lehrer-referendare-und-die-digitale-bildung/ (Habe meine erste sehr resignierte Antwort nochmal reflektiert.)
  • Habe diesbezüglich aufgegeben. Klingt resigniert, ist es auch. Die Mühe kann man sich sparen und seine zeitlichen Ressourcen lieber in andere Projekte stecken.
  • Ein großer deutscher Konzern, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, „digital“ zu werden, hat den Mitarbeitern immer kleine Fragen gestellt und sie ermutigt, „kleine“ Beiträge zu leisten. Und daraus ist mittlerweile eine richtige Blog-Kultur-Landschaft entstanden. Die „Politik der kleinen Schritte“ hat funktioniert.
  • Sich an Geoffrey Moores „Crossing the Chasm“ orientieren. Lehrende ohne Interesse an der Digitalisierung können IMHO in folgende Gruppen unterteilt werden
    (man verzeihe mir die Begriffe, aber „je krasser, desto Beispiel) 🙂
  1. „Agnostiker“ — haben die Vorteile für die eigene Lehrtätigkeit noch nicht erkannt. Hier hilft eine Politik der kleinen Schritte mit „quick wins“ und praxisorientierten Beispielen aus der Berufswelt und das Wecken intrinsischer Motivation. Ich habe enorm guter Erfahrungen gemacht, den „Agnostikern“ die eigene Arbeit zu erleichtern ohne missionierend zu wirken, dann werden auch Vorteile der Digitalität gesehen.
  2. „Nachzügler“ — werden ihre eigene Arbeits- und Lehrmethoden IMHO nur dann umstellen, wenn die normative Kraft des Faktischen so groß ist, dass ein „Mitnutzen“ mehr oder weniger die einzig verbliebene Option ist
  3. „Analogisten“ — werden das Thema schlicht aufgrund Alter oder fachbedingter Möglichkeiten schlicht aussitzen bzw. sich so lange wie möglich verweigern (hier bleibt wirklich nur in professioneller Höflichkeit aufgeben)
  • Armin Hanisch: Zusätzlich sollte (nicht nur) dieser Gruppe vermittelt werden, dass es „die Digitalisierung“ auch in der Bildung nicht gibt. Möglicherweise kann dann in einer dieser Gruppen vorsichtig und schrittweise gestartet werden (ich brauche lange keinen Computer, um jemand z.B. Programmieren zu lehren). Es gibt (hier nur grob angerissen):
  1. Unterricht mit digitalen Werkzeugen und digitalen Medien (und nein, ein Beamer ist kein digitales Werkzeug, mit dem man sich brüsten sollte), ebenso wenig ist das Zeigen einer Abbildung von Guernica in Geschichte oder Kunst per Beamer oder Dokumenten-Kamera kein „digitaler Unterricht“, in diese Richtung geht es erst mit Medien wie z.B. „Repensar Guernica„.
  2. Unterricht zur Nutzung digitaler Werkzeuge (der klassische „IT-Unterricht“, das Arbeiten mit Suchmaschinen oder Geographie-Apps), unglücklicherweise werden hier im schulischen Bereich oft Bedienkompetenzen propiretärer Anwendungen vermittelt anstelle grundlegender Funktionsprinzipien
  3. Unterricht zu „digitaler Mündigkeit“, der Bewusstheit der eigenen Filterblase und des Management des Selbst in der digitalen Welt. Hierzu gehört Wissen um aktuelle Entwicklungen und die Vermittlung grundlegender Kompetenzen (oder einbeliebiges anderes Bausteinchen aus dem Terminologie-Setzkasten) wie Systems Thinking, Nudging, Metadata, Networking, Networks and History of the Internet, Automatisierung (Scripting, Mashups), Urheberrecht, Projektmanagement, etc.
  4. Last, but not least: ich verstehe das „Mikro-Bloggen“ oben als Beispiel. Wie bereits von anderen hier geschrieben ist das Medium der Vernetzung sekundär (später natürlich digital eventuell leichter machbar), aber Vernetzung und Austausch generell sind wichtige Aspekte. Viele Pädagogen haben meiner persönlichen Erfahrung nach immer noch eine „Einzelkämpfer / Individualkünstler-Mentalität“ (durchaus nicht abwertend gemeint) und haben Angst, ein Erfahrungsaustausch oder das Fragen nach Ideen ist das Eingeständnis von Fehlern. Das ist aber wohl so ein „Schul-Mentalitäts-Ding“. 🙂
  • Anti-Elektrosmog-Kristalle an den iPads anbringen, Geistheiler des Vertrauens hinzuziehen.
  • Hat tolle Ansätze drin, erlebe aber, dass Lehrende häufig a) sehr konservativ sind und b) bei der Digitalisierung ihren eigenen Präferenzen den Vorzug geben, anstatt sich auf die Bedürfnisse der Lernenden einzulassen.
  • Wenn ihr euch solche Gedanken macht, seht die Plattformen als Werkzeug und nicht als Lösung. Werdet euch zuerst bewusst, was ihr vermitteln wollt und wählt dann die geeigneten Tools dafür. Niemand kocht Spaghetti in einer Bratpfanne, nur weil der Topf etwas weiter weg steht.

Ich denke übrigens nicht, dass alle Menschen im Netz stattfinden müssen. Für mich geht es um den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und den sich damit eröffnenden Möglichkeiten. Diesen möchte ich alle gewähren. Ob man das letztendlich nutzen möchte, muss jede Person für sich selbst entscheiden.

Letztes Schuljahr durfte ich auf einigen Veranstaltungen das aula-Projekt vorstellen und bewerben. Zu dieser Zeit bezog ich mich hauptsächlich auf Konzept und Theorie, weil mir kaum Erfahrungswerte aus der Praxis vorlagen, von denen ich hätte berichten können. Das möchte ich mit ein paar rückblickenden Betrachtungen nachholen, auch weil ich es Leuten versprach, die alles rund um aula über soziale Netzwerke verfolgen.

aula ≠ Social Media

Theoretisch ist aula ein soziales Netzwerk. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es hier manche Hürden zu überwinden gilt. Man hat zwar eine eigene Profilseite, kann Beiträge posten, liken und kommentieren. Nur dass…
…die Profilseite keine Rolle spielt.
…es dazu (noch) keine App und Push-Benachrichtigungen gibt.
…es kein offenes soziales Netzwerk ist.
…es vorher nicht Bestandteil des Schüleralltags war und von außen eingeführt wurde (Die Entwicklung einer Plattform mit der jeweiligen Schülerschaft hätte sicher zu mehr Akzeptanz geführt, aber auch den zeitlichen und finanziellen Rahmen des Projekts gesprengt.)
Weil aula nicht allen Mechanismen von sozialen Netzwerken unterliegt, muss man an einigen Stellen mehr Energie investieren. Dass Social Media (gedanklich aus Schülersicht) normalerweise nichts mit Schule zu tun hat, mag auch einen Teil zu der einen oder anderen Startschwierigkeit beigetragen haben. Natürlich stellen weder Attraktivität noch Akzeptanz von Instagram & Co kein realistisches Ziel dar. Dass aula aber mehr als ein Mal die Woche im Schulalltag stattfindet, müsste aber möglich sein. Die Entwicklung einer App für iOS und Android konnte bisher aus Kostengründen leider (noch) nicht umgesetzt werden.

Ein Jahr ist kein Jahr

Ein Jahr mit aula war eigentlich gar kein Jahr mit aula. Zu Beginn musste z.B. ein aula-Vertrag ausgearbeitet werden, der erst nach dem Beschluss in der Schulkonferenz (bestehend aus jeweils vier Vertreter_innen der Schülerschaft, des Kollegiums und der Eltern) in Kraft treten konnte. Das war bei uns nicht vor dem 28. November möglich. Somit stand Weihnachten schon vor der Tür und erschwerte einen schwungvollen Einstieg. Aula ist nicht nur ein Projekt, das man nebenher abhandeln kann. Es geht um ein grundlegend verändertes Verständnis von Partizipation. So eine gravierende Veränderung benötigt viel Zeit, Kraft und Kontinuität. Im alltäglichen Schulbetrieb stellt das alle vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen. Deshalb darf aula nicht die Angelegenheit einer Person oder Gruppe sein, sondern sollte von allen Schultern im System Schule getragen werden. Ein ambitioniertes und langfristiges Ziel, würde ich heute sagen. Ob in den monatlichen Schülerratssitzungen, Stufenversammlungen oder in Lehrerkonferenzen sollte aula ein fester Bestandteil sein und immer wieder reflektiert werden. Ein Umdenken kann nur gelingen, wenn die aula-Stunden nicht nur stattfinden, sondern auch gezielt genutzt werden, um Mitbestimmung in all seinen Facetten zu lernen und zu üben. Es genügt nicht, “nur“ partizipative Elemente zur Verfügung zu stellen und darauf zu verweisen.
Die größte Wirksamkeit hat aula meiner Meinung nach damit erreicht, bestehende und fehlende Partizipation transparent zu machen und immer wieder die Frage aufzuwerfen, wo wir unsere Prioritäten setzen wollen. Alle zum Erfolg und Misserfolg von aula beitragenden Faktoren sind mit denen von Partizipation an Schule im Allgemeinen identisch. Es hängt somit in erster Linie nicht vom Konzept ab, sondern von der Priorisierung. Wenn aula-Stunden nicht stattfinden, liegt das nicht daran, dass Lehrende gegen aula oder Mitbestimmung sind, sondern dass Fachunterricht oder andere Aufgaben bei ihnen eine höhere Priorität erhalten. Und genau das gilt es immer wieder zu diskutieren.
Einen weiteren Erfolg von aula sehe ich in der erhöhten Wahrnehmung der SMV (Schülermitverantwortung, in anderen Bundesländern auch SV bzw. Schülervertretung) im Kollegium, durch die Posts und Debatten im und außerhalb des Netzes. Das hat dazu geführt, dass Ideen, an welcher Stelle und wie man die Schülerschaft beteiligen kann, auch immer mehr von allen Lehrer_innen bedacht und formuliert werden.

Neues Jahr, neues Glück

Im zweiten Schuljahr startet aula mit einem neuen Anreiz. Über eine Crowdfunding-Aktion wurden zwischen Februar und April ca. 3400€ gesammelt, die nun für Projektideen eingesetzt werden dürfen. Erste Ideen hat Marina Ende September mit den Stufenversammlungen (Klassen 5/6, Klassen 7/8 und Klassen 9/10) gesammelt. (Hier hat die Badische Zeitung darüber berichtet.) Beim letzten Schul-Barcamp (Hier gibt es einen Beitrag vom ersten Barcamp.) gab es eine Session zum aula-Projekt, bei der folgende Verbesserungsvorschläge und Pläne bezüglich der Umsetzung gemacht wurde:

  • Konkrete Aufgaben für die aula-Stunden sollen ausgetauscht werden (z.B. Pro- und Kontra-Argumente aufbauen, Analyse der bisherigen Kommunikationskultur und Lösungsansätze bei Problemen gemeinsam entwicklen, zielführende Kommentare üben).
  • aula im Fachunterricht (zusätzlich zur aula-Stunde) integrieren. Hierfür sollen das Kollegium nach Schnittpunkten suchen.
  • Smartphones der Schülerschaft zu Beginn des Monats nutzen (Flat noch vorhanden), um sich den Gang zum PC-Raum zu sparen.
  • aula-Plakate in allen Schulräumen aufhängen, die jede Phase einer Idee bis zur Umsetzung visualisieren.
  • aula muss nicht im PC Raum thematisiert werden. Eine Idee herausgreifen und gemeinsam ausbreiten (fehlende Fragen und Antworten usw.) und mit/ohne Beamer allen zeigen, was 
gerade auf dem Tisch liegt.

Bildschirmfoto 2017-11-12 um 15.07.45Ende letzter Woche hat die knapp 30-köpfige Schülervertretung auf der SMV-Hütte geplant, aula noch stärker zu etablieren. Den Anfang haben sie mit drei Ideen, die sie gleich bei aula gepostet und via Snapchat beworben haben, und einer neuen Taktik gesetzt: Meine fünf Stimmen. Der Plan ist es, dass jede_r der 30er-Gruppe mindestens fünf Mitschüler_innen zum Voten motiviert und so die einfache Mehrheit für Ideen erreicht wird. Ob und wie gut das funktioniert, wird sich zeigen. Zumindest bin ich nach dem dreitägigen Aufenthalt mit dem SMV-Team wieder voll motiviert, daran zu arbeiten, dass Partizipation noch besser gelingt.

 

Nicht selten entsteht der Eindruck, der digitale Wandel sei auf Kritiker und Befürworter reduziert, die gleichermaßen Bedrohungsszenarien zeichnen. Das eine Lager spricht von digitaler Demenz und das andere von digitaler Rückständigkeit. Dabei werden komplexe Entwicklungen und Zusammenhänge als schwarz oder weiß, richtig oder falsch vereinfacht dargestellt. Poltische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnungen verändern sich gerade grundlegend. Wir befinden uns mitten in einer digitalen Transformation. Strukturen werden aufgelöst und Machtverhältnisse verschoben. Man kann die Entwicklungen ignorieren oder diskreditieren, aber sich nicht dem Prozess entziehen. Deshalb prallen stark abweichende Vorstellungen und Analysen vom Heute und Morgen aufeinander, im Kampf um die Deutungshoheit. Für Zwischentöne und Komplexität scheint wenig Platz im öffentlichen Diskurs. In der Regel werde ich den Befürwortern zugeordnet, weil ich im Wunsch nach Kontroversität gerne die Potenzialen der Digitalisierung thematisiere und mich für einen positiven Zukunftsentwurf ausspreche. Ausgesucht habe ich mir weder den Kampf noch die Seite.

Nach Schätzungen, die auf Metaanalysen der Verhaltensforschung basieren, beruht unsere Sprache nur zu 2% auf rationalen Fakten und Einsichten und 98% auf Gefühlen, Vorurteilen, Mythen, Gerüchte oder Bewegungen, die unbewusst mitschwingen. Es geht bei Diskussionen und Entscheidungen also nicht um Fakten, sondern um das Framing, das erreicht wird. Wenn Ralf Lankau im Streitgespräch bei der Badischen Zeitung (Das BZ-Interview kann man bisher leider nur in der Papiervariante und als BZPlus-Artikel im Netz lesen. Sobald es freigeschaltet wird, werde ich es hier verlinken.) mit Sebastian Lorenz und mir vom einem digitalen Fukushima spricht, wird im Hirn der Bereich aktiviert, der für Angst zuständig ist. Über diese Art der Kommunikation lassen sich Bücher verkaufen. Lösungen für die Herausforderungen des digitalen Transformation kann ich leider nicht erkennen.

In den Debatten über Bildung im digitalen Wandel taste ich gedanklich immer wieder den zeitlosen Text Standardsituationen der Technologiekritik von Kathrin Passig ab, um für mich zu klären, welches der aufgelisteten Argumente gerade bedient wird. Das scheint übrigens auch für die aktuelle Twitter-Auseinandersetzung zu gelten. Bisher hatte die Beschränkung eines Tweets auf 140 Zeichen das soziale Netzwerk Twitter ausgezeichnet. Man war gezwungen seine Aussagen auf das Wesentliche zu reduzieren und dabei kreative Lösungen zu finden. Seit ein paar Tagen wurde die mögliche Zeichenzahl verdoppelt. Die Reaktionen darauf kann man unter dem Hashtag #280Zeichen nachlesen. Dass so viele Menschen, die mit 140 Zeichen über Offenheit gegenüber Veränderungen des digitalen Wandels geschrieben hatten, jetzt wegen 280 Zeichen die Qualität der Beiträge und noch mehr gefährdet sehen, zähle ich zum Teil als weitere Standardsituationen der Technologiekritik. Die 140 Zeichen-Grenze wurde schon vor der Änderung mit Hilfe von Screenshots von Texten oder Threads (Weitere Tweets an den ersten als Antwort hängen, um einen Erzählstrang zu erhalten.) umgangen. Kathrin Passigs Beitrag eignet sich nicht zur Eigen- oder Fremdanalyse, sondern liefert auch einen wichtigen Aspekt, der das Verhalten erklärt:

„Das eigentlich Bemerkenswerte am öffentlich geäußerten Missmut über das Neue aber ist, wie stark er vom Lebensalter und wie wenig vom Gegenstand der Kritik abhängt. Dieselben Menschen, die in den Neunzigern das Internet begrüßten, lehnen zehn Jahre später dessen Weiterentwicklungen mit eben jenen damals belächelten Argumenten ab. Es ist leicht, Technologien zu schätzen und zu nutzen, die einem mit 25 oder 30 Status- und Wissensvorsprünge verschaffen. Wenn es einige Jahre später die eigenen Pfründen sind, die gegen den Fortschritt verteidigt werden müssen, wird es schwieriger.“

Was jemand damit meint, wenn er beteuert, nicht technikfeindlich zu sein, weil er schließlich selbst seit Jahren Technik nutzt, wird damit zum Teil verständlicher. Eine zielführende Debatte erleichtert es aber nicht. An dieser Stelle teile ich das Plädoyer von Reinhard Wolf, das man hier als PDF kostenlos erhält, für mehr Lernbereitschaft in der Demokratie. Er führt auf und belegt, dass intelligente und gebildete Menschen nicht gegen gefühlsgeleitete Realitätsverweigerung immun sind, sondern lediglich ihre subjektive Meinungen besser mit Argumenten untermauern können. Es gilt somit, besonders im digitalen Wandel, die arrogante Sichtweise, es gäbe „manipulierbare Normalbürger“, zu überwinden und vom hohen Ross des Belehrens auf die Ebene des gemeinsamen Lernens und Lösens komplexer Probleme zu steigen. Für mich als Lehrer bedeutet das einen Rollenwandel bezüglich meiner Schüler, in dem ich mich befinde.
Wer bestehende Systeme ernsthaft in Frage stellt, gerät in innere Konflikte zwischen bisherigen und neuen Denkmustern, Ideen und Überzeugungen. Und genau das ist sehr anstrengend, aber wichtig, wenn gemeinsam ein positiver Zukunftsentwurf entwickelt werden soll, der notwendig ist.

Bildschirmfoto 2017-11-11 um 14.35.40„Es gilt ein neues Weltbild auf neuem Terrain zu entwickeln, anstatt den Kampf der Kulturen auf altbekanntem Boden fortzuführen.“

Hinter dieser Aussage stecken eine Studie, Analysen und Visionen, die ich hier nachzulesen empfehle. Die Befähigung zur Mitgestaltung einer für alle lebenswerten Zukunft sehe ich als eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Wie das im Bildungsbereich aussehen kann, gilt es gemeinsam auszuhandeln. Im und außerhalb des Webs.