Beiträge, die ich für Online-Portale verfasse, veröffentliche ich später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben. Dieser erschien im Online-Dossier des Deutschen Kinderhilfswerks.

Voraussetzungen 

Um ein Verständnis dafür entwickeln zu können, was Teilhabe an Schulen in einer Kultur der Digitalität bedeuten und wie sie gelingen kann, empfiehlt es sich, die Voraussetzungen der Partizipation im Bildungssystem vorab, grundsätzlich und ehrlich zu betrachten, damit Ressourcen gezielt investiert und adäquate Erwartungen erzeugt werden. Auch wenn Schulen als Orte verstanden werden müssen und möchten, an denen demokratische Prozesse gelernt und erfahren werden sollen, liegen an sich hierarchische Strukturen vor, in denen Schüler:innen die geringste Macht besitzen und Erwachsene die Lern- und Schulkultur bestimmen.

Deshalb hängt es vom Willen und der Bereitschaft von Personen in den Bildungsministerien bis hin zur Lehrkraft im Klassenzimmer ab, ob und wie viel Partizipation an Schulen stattfinden und erreicht werden kann. Sie bestimmen, inwieweit für Beteiligung ein Nährboden geschaffen und Räume geöffnet werden. Wer eine wirksame und nachhaltige Teilhabe junger Menschen erreichen möchte, benötigt einen möglichst breiten Konsens aller am Schulleben beteiligten Erwachsenen darüber, günstige Voraussetzungen für Partizipation erzeugen zu wollen. Das bedeutet primär, dafür auch Macht und Verantwortung an Schüler:innen zu übergeben.

Partizipation sollte nicht als ergänzendes, mögliches Element von Unterricht (miss)verstanden werden, sondern als Fundament des Lernens. Wer wirksame und nachhaltige Lernprozesse erreichen möchte, orientiert sich an dem Ziel, junge Menschen zu eigenständigem und selbstverwaltendem Lernen zu befähigen. Diese Beteiligung und Gestaltung ihrer Lernprozesse erlaubt ihnen persönlich die kulturelle Teilhabe, ermöglicht es ihnen aber auch zukünftig, ihr Potenzial bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme einzubringen. Es zeigt sich zunehmend, dass die immer höhere Komplexität der gesellschaftlichen Herausforderungen eine Zusammenarbeit aller erfordert. Die Pandemie oder die Klimakrise belegen, dass es nur gemeinsam funktioniert.

Kultur der Digitalität 

Der Rahmen und Raum, in dem Teilhabe gelingen muss und kann, hat sich in den letzten Jahrzehnten durch eine Kultur der Digitalität gewandelt. Damit ist die Kultur einer global vernetzten, von Digitalität geprägten Welt gemeint, in der zeit- und ortsunabhängig unzählige Zugänge zu Informationen, Austausch und Zusammenarbeit möglich sind. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen und Optionen, wofür und wie junge Menschen befähigt werden müssen und beteiligt werden können. Das hat Auswirkungen auf alle Handlungsfelder von Schule und Bildung.

Weil gelingende Teilhabe möglichst barrierefreie und niedrigschwellige Zugänge braucht, sollten bei der Wahl digitaler Anwendungen die Kenntnisse und technischen Voraussetzungen der Schüler:innen berücksichtigt werden. Dazu gehören auch die Rahmenbedingungen, die zu Hause vorliegen. Welche Geräte, Systeme werden genutzt und sind bekannt? Besteht überall und jederzeit ein Zugang zum Internet? Allein diese beiden Fragen zeigen auf, dass viele unterschiedliche Rahmenbedingungen beim Einsatz von digitalen Programmen zur Beteiligung beachtet werden müssen.

Hinzu kommt, dass junge Menschen ein anderes Kommunikationsverhalten pflegen. Sie informieren und tauschen sich viel über soziale Netzwerke aus, nutzen dabei eigene Sprachcodes und Bewertungen von Interaktionen. Sie arbeiten auch weniger mit Browsern und mehr mit fest installierten Apps auf Smartphones. Deshalb bietet es sich an, Lösungen einzusetzen, die auch auf mobilen Endgeräten für Schüler:innen attraktiv funktionieren. Weil sich Hard- und Software ständig weiterentwickeln, richten sich der Fokus und die Empfehlungen im Folgenden eher auf digitale Settings im Allgemeinen, welchen Angebotscharakter sie haben und welche Möglichkeiten sie auf welche Weise schaffen sollten, als auf konkrete Produkte.

Schulische Handlungsfelder für Teilhabe 

Mit dem Leitfaden Demokratiebildung wurde in Baden-Württemberg im Juni 2019 eine ganzheitliche Betrachtung veröffentlicht und an alle Schulen als verbindliche Zielformulierung kommuniziert, wie Demokratiebildung stattfinden und erreicht werden soll. Hierbei wurden die Handlungsfelder (1) Fachunterricht, fächerverbindender/-übergreifender Ansatz, (2) Schulkultur und (3) außerschulische Kooperationen benannt. Nicht selten wird Demokratiebildung als „ein Thema“ verstanden und darauf reduziert, es im Politik- oder Gemeinschaftskundeunterricht zu vermitteln. Natürlich stellt Fachwissen eine wichtige Grundlage dar. Teilhabe ist aber ein wesentliches Element der Demokratiebildung oder demokratischen Bildung. Sie muss erfahren und gelebt werden. Deshalb bietet sich eine Orientierung an diesen Handlungsfeldern an.

1. Unterricht 

Mit der Jugendstudie Baden-Württemberg erfassen seit 2011 die Jugendstiftung und der Landesschülerbeirat alle zwei bis drei Jahre u.a., wo Schüler:innen Beteiligung in der Schule erfahren. Der Unterricht, der zeitlich den Großteil von Schule umfasst, stellt dabei einen Raum dar, in dem in der Regel am wenigsten Teilhabe ermöglicht wird. Damit wird noch einmal deutlich, dass hier die anfangs benannte Bereitschaft und der Wille von Lehrkräften entscheidend sind, ob und wie Partizipation gelingt.

Dabei bietet der Unterricht fachunabhängig einige Beteiligungsmöglichkeiten. Angefangen bei weniger gewichtigen Themen wie der Sitzordnung, bis hin zur Partizipation bei der Unterrichtsgestaltung oder sogar gemeinsamen Aushandlung, wann und wie Leistungen erfasst werden sollen. Auch die Evaluation von Unterricht eröffnet nicht nur eine grundsätzliche Möglichkeit, Schüler:innen mitbestimmen zu lassen, sondern auch die Wirksamkeit und Qualität von Lernprozessen zu steigern.

Beteiligung ist kein Selbstzweck, sondern Bestandteil demokratischer Prozesse und befähigt zu selbstorganisiertem, eigenverantwortlichem und nachhaltigem Lernen. Die richtigen digitalen Tools schaffen hierfür Voraussetzungen, asynchron, sprich zeit- und ortsunabhängig, offen und transparent, solche Prozesse zu kommunizieren, zu organisieren und kollaborativ zu gestalten. Sie können auch eine Anonymität liefern, die an manchen Stellen gefragt bzw. notwendig ist und den Schutz der Privatsphäre, wie in Artikel 16 der Kinderrechte aufgeführt, sichert. Etherpads, webbasierte Editoren, wie das ZUMPadCryptPad oder Yopad sind hierfür bestens geeignet.

Ein besonders wirksames und nachhaltiges Lernen findet dann statt, wenn junge Menschen beim Wissenserwerb weniger als Nutzende und mehr als Produzierende agieren (können), konkret über die Erstellung eigener Lernprodukte. In einer Kultur der Digitalität können das Videos, Podcasts, Blogbeiträge oder die Produktion von OER (Open Educational Resources) sein. Ein Potenzial des kulturellen Wandels durch Digitalität liegt im Kollektivwissen, das sich durch den globalen Zugang und Austausch entwickelt hat. Um daran partizipieren zu können, müssen im Unterricht die Grundlagen dafür gelegt werden.

Zu den Grundlagen gehört es, ein Verständnis für die Kultur der Digitalität zu erwerben. Mithilfe des Frankfurt-Dreiecks, das Vertreter:innen aus der Medienpädagogik, Informatik und Kulturwissenschaft entwickelt haben, kann das besonders gut gelingen. Dabei wird sich einem Gegenstand aus drei Perspektiven über Analyse, Reflexion und Gestaltung genähert: technologisch und medial, mit Blick auf die Strukturen und Funktionen, gesellschaftlich und kulturell, um die Wechselwirkungen aufzugreifen und durch die Betrachtung der Interaktionen. Auf diese Weise werden junge Menschen befähigt, sich souverän und mündig im Netz zu bewegen, weil sie z.B. besser verstehen können, wie ein soziales Netzwerk wie TikTok funktioniert, wirkt und genutzt wird, ihr eigenes Verhalten bewusster wahrnehmen, reflektieren lernen und erfolgreicher gestalten können. Ein Beispiel hierfür ist Feroza Aziz, die mit einem Video auf der chinesischen Plattform TikTok auf das Vorgehen gegen Muslime in China aufmerksam machen konnte und viral ging, indem sie ihre politische Botschaft mit einem Schminkvideo ummantelte und damit auch auf Diskussionen um Zensur auf der Plattform einging (Zhong 2019).

Durch Lernprodukte im Netz kann auch die internationale Zusammenarbeit im Bildungswesen, wie sie in Artikel 28 der Kinderrechte vereinbart steht, gefördert werden. Das können beispielsweise Projekte sein, bei denen Klassen ihr Leben oder regionale Besonderheiten aus ihrer Perspektive beschreiben und sich so mit Kindern auf anderen Kontinenten austauschen und von- und miteinander lernen. Gleichzeitig können sie auf diese Weise Selbstwirksamkeit und persönlich sinnstiftendes Lernen erfahren. Teilhabe ist auch ein wesentliches Element der Persönlichkeitsbildung.

2. Schulkultur 

a) Schülervertretungen 

Mit den verschiedenen Formen der Schülervertretung wurden in Deutschland nach dem Krieg Organe der Mitbestimmung und zur Demokratisierung von Gesellschaft in den Schulen eingeführt und gesetzlich verankert. Auch in diesem Bereich bietet die Kultur der Digitalität neue Möglichkeiten, die angestrebten Ziele und Werte mit der Einführung der Schülervertretungen zu verwirklichen. Das beginnt mit den Zugängen zu Informationen und geht bis zur Teilhabe an bestehenden Lösungsfindungen und Entscheidungsprozessen. Das gilt für die Arbeit der Organe der Schülervertretung und aller sonstigen schulischen Gremien.

Wenn Sitzungen, Protokolle, Ergebnisse und Projekte, d.h. ihre Planungen und Umsetzungen, digital dokumentiert, aufbereitet und allen auf den schulischen Kanälen zur Verfügung gestellt werden, wird erst Teilhabe und im nächsten Schritt Beteiligung ermöglicht. Je höher die Transparenz von Informationen, Strukturen und Prozessen aller schulischen Belange, die Schüler:innen betreffen, umso mehr Teilhabe ist möglich. Durch digitale Texte, Audio- und Videodateien können hierbei viel stärker diverse und barrierefreie Zugänge erreicht werden.

b) aula – Schule gemeinsam gestalten 

Wer die Herausforderungen der Demokratiebildung und der digitalen Transformation im Rahmen der Schulkultur zeitgleich angehen möchte, hat mit aula (ausdiskutieren und live abstimmen) ein besonders geeignetes Konzept, das unter der Leitung von Marina Weisband von politik-digital e.V. entwickelt und 2016 zum ersten Mal an vier Pilotschulen in Deutschland eingeführt wurde. Es besteht aus einem von allen am Schulleben Beteiligten gemeinsam entwickelten Vertrag, der Rahmenbedingungen der Mitbestimmung regelt, aus im Schulalltag integrierten und regelmäßigen aula-Stunden und aus einer (freien) Software. 

Mit aula können alle Schüler:innen über eine digitale Plattform und App ihre Ideen einbringen, wie sie ihre Schule verändern und verbessern möchten. Um diese Vorschläge auch umsetzen zu dürfen, müssen sie Mehrheiten überzeugen und die Ideen so entwickelt und ausformuliert haben, dass sie im Rahmen des vereinbarten Vertrages umsetzbar wären. Sie lernen auf diese Weise diverse Perspektiven zu berücksichtigen und wie komplex es sein kann, gemeinsam Kompromisse auszuhandeln. Vor allem erfahren sie aber, dass ihre Stimme ein Gewicht haben und einen Beitrag leisten kann. 

3. Außerschulisches Wirken 

Ein enormes Potenzial der Kultur der Digitalität stellt der Zugang zu Expertise dar. Noch nie war es dank des Internets und sozialer Netzwerke so einfach Expert:innen aus der ganzen Welt mit einzubeziehen, durch sie globale Bezüge herzustellen, um damit u.a. eine Sensibilisierung für und Achtung vor der natürlichen Umwelt zu erlangen, womit gleichzeitig eines der in der UN-Kinderrechtskonvention vereinbarten Ziele erreicht werden kann. Aber auch die lokalen Zugänge müssen hier mitgedacht werden, weil sich Kinder im kommunalen Radius physisch bewegen.

Dabei geht es nicht nur darum, durch eine Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartner:innen aus der Region zusätzliche Expertisen während der Unterrichtszeit in die Schulen zu holen, sondern Kindern auch einen Überblick zu verschaffen, welche Akteure und Unterstützungsmöglichkeiten kommunal vorliegen und wie sie auf diese zugreifen können, um beispielsweise Bildungsungerechtigkeit besser entgegenwirken zu können. Digitalität kann hier den Informationsfluss und eine wirksame und nachhaltige Vernetzung erleichtern.

Das wahrscheinlich bekannteste und bedeutendste außerschulische Beispiel für eine solche globale Zusammenarbeit ist die Fridays-for-Future-Bewegung, die 2018 durch die damals 15-jährige Greta Thunberg ausgelöst wurde. Weltweit sind junge Menschen ihrem Vorbild gefolgt und haben über das Internet und soziale Netzwerke sich und andere informiert und mobilisiert, ihnen Mut gemacht, sich ihnen ebenfalls anzuschließen. Sie haben dazugelernt und sich mithilfe digitaler Möglichkeiten lokal und global organisiert, sich untereinander, aber auch mit diversen Expert:innen ausgetauscht und vernetzt, sich Gehör verschafft, die Klimakrise in ihrer Tragweite verdeutlicht und bekämpft.

Fazit 

Digitale Teilhabe an Schulen ist nicht primär eine Frage der Soft- und Hardware, sondern eine pädagogische, didaktische und vor allem eine Frage der Haltung der für Bildung verantwortlichen Akteure, die sich an den globalen und gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen orientieren und daraus legitimieren muss. Beispiele wie die Digitale Transformation oder die Corona-Pandemie belegen, dass aufgrund einer zunehmenden Komplexität die Beteiligung vieler notwendig ist, um überhaupt Lösungen zu finden, die in demokratischen Gesellschaften akzeptiert werden. Digitale Strukturen und Beteiligungsformate können das unterstützen.

Deshalb muss Partizipation das Fundament des Lernens (wie und wofür Wissen erworben wird) und schulischen Lebens sein, das junge Menschen fachlich und demokratisch befähigt, Lösungen gemeinsam zu entwickeln und Kompromisse zu tragen. Es ist die Aufgabe der Politik, der Schulleitungen und Lehrer:innen, im Unterricht, auf schulkultureller Ebene und im außerschulischen Wirken dafür einen Rahmen zu schaffen und für günstige Voraussetzungen für solche Beteiligungsprozesse zu sorgen.

Ein hilfreicher Indikator bei der Auswahl von digitalen Plattformen oder sonstiger Software ist der Blick auf die Rolle der Schüler:innen, die ihnen dabei zukommt. Werden hierarchische Machtstrukturen reproduziert oder werden junge Menschen durch das digitale Setting befähigt und unterstützt, selbstständig, eigenverantwortlich und souverän handeln zu können? Digitale Teilhabe kann aber vor allem nur dann gelingen, wenn sie von Beginn an gemeinsam mit jungen Menschen ausgehandelt wird.

Beiträge, die ich als Kolumnist für das Deutsche Schulportal verfasse, veröffentliche ich drei Wochen später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben.

Vor einigen Jahren wurden digitale Plattformen im Bildungsbereich als zentraler Baustein und Lösung für „digitale Bildung“ propagiert. Durch den Fernunterricht aufgrund der Pandemie hat sich ihre Einführung und Nutzung in Deutschland in kurzer Zeit massiv gesteigert. Sie wurden seit dem vergangenen Jahr so intensiv wie noch nie in Schulen eingesetzt. Ein geeigneter Zeitpunkt, um auf diese Erfahrungen zurückzublicken, Entwicklungen zu betrachten und zu prüfen, welche Ziele mit den digitalen Plattformen bisher erreicht wurden.

Software wird im Bildungsbereich in der Regel von Erwachsenen für Erwachsene konzipiert. Junge Menschen werden bei der Entwicklung nicht beteiligt, sollen die Software aber später nutzen. Das wirkt sich bei den digitalen Produkten auf das gesamte Design aus. Ästhetik, Strukturen, Funktionen und Angebotscharakter werden so auf Bedarfe und Nutzung von Lehrkräften ausgerichtet. Und die der Schüler:innen werden, wenn überhaupt, nur aus der Sicht der Erwachsenen vermeintlich berücksichtigt. Das hat mehrere Konsequenzen.

Lernprozesse werden oft unverändert in den digitalen Raum übertragen

So ist zum Beispiel fraglich, wie erfolgreich die angestrebten Ziele mit dem Einsatz solcher Plattformen erreicht werden. Häufig werden Lernprozesse einfach digital abgebildet und aus dem physischen Klassenraum in den digitalen Raum übertragen. Digitale Plattformen sollen dabei für mehr Effizienz und Effektivität beim Lernmanagement, bei der Kommunikation und Verwaltung sorgen. Eine zentrale Frage bleibt bestehen: Werden auf diese Weise junge Menschen ausreichend auf eine Kultur der Digitalität vorbereitet und zur sozialen Teilhabe befähigt?

Der Begriff und die Beschreibung einer „Kultur der Digitalität“ entstammen dem gleichnamigen Buch von Felix Stalder von 2016. Darin nennt er Referentialität, Gemeinschaftlichkeit und Algorithmizität als wesentliche Merkmale dieser Kultur. Grob vereinfacht zusammengefasst: Mit „Referentialität“ sind digitale Bezüge, wie zum Beispiel Links und Hashtags, gemeint, mit „Gemeinschaftlichkeit“ die Entwicklung gemeinsamer Ideen, Fragen und Lösungen und mit „Algorithmizität“ Algorithmen, die erfassen und bestimmen, an welcher Stelle etwas wahrgenommen und angezeigt wird. Soziale Netzwerke funktionieren zum Beispiel nach diesen Prinzipien.

Das Agieren im Internet sorgt nicht automatisch für Medienkompetenz

Mit der Nutzung digitaler Plattformen wird bei Pädagog:innen gern die Vorstellung verbunden, dass „junge Menschen etwas im Internet machen“ und somit dieser Erfahrungs- und Lernraum in einer Kultur der Digitalität abgedeckt sei. Diese Annahme ist aber falsch. Die digitalen Plattformen aus dem Bildungsbereich ermöglichen oft nur eine intern-isolierte Kommunikation und sind nicht automatisch ein Teil der Kultur der Digitalität. So sind Beiträge zwar online, können aber nicht von außen wahrgenommen, referenziert und weiterentwickelt werden. Den Umgang mit einer digitalen Identität und die Fähigkeit, sich souverän im Netz zu bewegen, lernen junge Menschen auf diese Weise nicht.

Die Herausforderungen und Potenziale einer Kultur der Digitalität verdeutlichen, dass reformpädagogische Ansätze notwendig sind, bei denen Lernende im Mittelpunkt stehen und zu selbstständigem und eigenverantwortlichem Lernen befähigt werden. Wenn digitale Plattformen sich daran orientieren würden, müssten Schüler:innen bei ihrer Entwicklung beteiligt werden. Sie müssten mit der Plattform unterstützt und befähigt werden, eigene Lernprozesse zu initiieren, zu verstehen, zu verbessern, ihr Wissen mit anderen zu teilen und mit ihnen gemeinsam daran zu arbeiten, sich die Welt erschließen und sie mitgestalten zu können.

Digitale Plattformen müssen Jugendliche befähigen, ihr Lernen zu organisieren

Einen Ansatz, der in diese Richtung geht, verfolgt beispielsweise die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft mit der Software „lernlog“. Hier wurden von Beginn an Schüler:innen in die Entwicklung der Software miteinbezogen, die sich aktuell in der Betaphase befindet. Dass es To-do-Listen geben soll, kam zum Beispiel von ihnen. „lernlog“ legt den Schwerpunkt auch nicht auf die Durchführung und Verwaltung von aufgabenbezogenem Lernen, wie die meisten anderen digitalen Plattformen, sondern auf die digitale Begleitung und Befähigung junger Menschen bei der Organisation ihres Lernens.

Wer digitale Plattformen im Bildungsbereich entwickelt oder einsetzt, sollte sich immer wieder fragen: Inwieweit werden überholte Strukturen und Prozesse einfach nur digitalisiert? Wem sollen sie nützen? Welche Ziele sollen mit ihnen erreicht werden? Auch wenn digitale Plattformen auf den ersten Blick als rein technische Herausforderungen erscheinen, besitzen sie eine kulturelle Dimension. Deshalb müssen sie stets Teil einer Antwort darauf sein, welche Lernkultur erreicht werden kann und muss.

Der Großteil der Gesellschaft ist (in allen Fachgebieten) auch 2021 mit Themen rund um Digitalität nicht ausreichend vertraut und betrachtet die Entwicklungen in diesem Bereich aus einer Außenperspektive. Aus diesem Blickwinkel entsteht immer häufiger der Eindruck, dass alle, die sich für Digitalität in der Bildung einsetzen, die gleichen unterstützenswerten Ziele haben und die gleichen Werte teilen. Doch dieser Eindruck täuscht. Neben dem gemeinsamen Wunsch nach Veränderung liegen erhebliche Unterschiede in den Bereichen der Ziele, der Werte und Normen, der legitimen Methoden und der fachlichen Expertise vor. Dass diese Unterschiede im öffentlichen Diskurs oft nicht wahrgenommen werden, führt zu (bildungs)politischen und gesellschaftlichen Problemen.

Das Gleiche

Der Konsens, der zwischen unterschiedlichen Akteur:innen im Bildungsdiskurs besteht, hat eine minimale Basis: die Ablehnung des Status quo und den Wunsch nach Veränderung – unter Einbezug digitaler Medien und Technologie. Doch diese gemeinsame Basis wird sofort verlassen, wenn man sich auf ein neues, konkretes und streitbares Bild verständigen muss. Jöran Muuß-Merholz erklärte mir vor kurzem in einem Gespräch (das diesen Abschnitt wesentlich prägt), dass er das an Begriffen festgemacht. Es gibt viele Leitbegriffe, wie Bildung für das 21. Jahrhundert oder zeitgemäße Bildung, die sich inhaltlich darüber definieren, einen anderen Zustand als zuvor erreichen zu wollen.

Dieses Phänomen, Ablehnung als Konsens, gibt es auch nicht nur in der Bildung, sondern findet sich in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Wenn es an die Formulierung geht, wie wir es denn haben wollen, unterschied Jöran allgemeine Zielformulierungen von konkreten. Lernende in den Mittelpunkt zu stellen, Mündigkeit, Freiräume zu schaffen oder junge Menschen besser auf die Zukunft vorzubereiten, sind Aussagen, denen kein Mensch widersprechen würde. Wenn es aber um konkrete Veränderungen von Strukturen und Prozessen geht, wie z.B. die Auflösung von Fächern, ein gewandeltes Rollenbild von Lehrer:innen, ernsthafte Beteiligung von Schüler:innen oder die Abschaffung von Noten, gehen die Meinungen stark auseinander.

(Vor etwa vier Jahren beschloss ich, zukünftig zeitgemäße Bildung statt den damals populären Begriff Digitale Bildung zu verwenden. Rückblickend ist mir nun klar, weshalb ich damals dafür zuerst viel Gegenwind erntete, aber langfristig immer mehr Zustimmung erhielt. Die Punkte, mit denen ich die Begriffswahl in einem späteren Beitrag begründete, stehen eben für Ablehnung des Bisherigen und für allgemeine Ziele. Wer will schon eine unzeitgemäße Bildung? Über die Jahre hat der Scheinkonsens zeitgemäße Bildung zu einem Buzzword verkommen lassen, hinter dem die unterschiedlichsten Dinge subsumiert werden oder gar nichts, weil er wie ein Aufkleber verwendet wird.)

Werte und Ziele

Viele Menschen handhaben Digitalität wie Essen lange Zeit. Sie wird konsumiert, die Zusammensetzung, Prozesse und glokalen (global + kommunal) Zusammenhänge sind unbekannt oder uninteressant, weil alles am besten schnell gehen und günstig sein muss. Da sich die Erkenntnis, dass Essen mehr als Nahrungsaufnahme ist und aus ökologischer und ökonomischer Sicht gesellschaftlich kritische Voraussetzungen schafft, seit Jahren immer stärker durchsetzt, hoffe ich, dass die gleiche Einsicht zunehmend auch bei Digitalität erreicht werden kann. Für welche Werte wir einstehen und Ziele wir anstreben, spielt eine wesentliche Rolle, wenn es um konkrete Maßnahmen geht. 

Die Kultur der Digitalität ermöglicht ein freieres, gerechteres und solidarischeres Zusammenleben, aber auch ein überwachteres, undemokratischeres und ausbeutenderes. Im Bildungsbereich gibt es hier viele unterschiedliche Strömungen, die teilweise entgegensetzt zueinander stehen. Eine Gruppierung setzt sich z.B. für einen offenen Zugang zu Informationen, freie Lizenzen und eine gerechtere Bildung ein, lebt eine Kultur des Teilens und sammelt sich u.a. unter den Begriffen wie Open Access oder OER. Andere haben vor Jahren verstanden, dass auch der Bildungsmarkt beim Thema Digitalität steigende wirtschaftliche Möglichkeiten bietet und haben Geschäftsmodelle entwickelt, um von den Defiziten eines überholten Bildungssystems zu profitieren.

Auch an Veranstaltungen lässt sich erkennen, welche Werte und Ziele verfolgt werden. Auf der einen Seite gibt es offene, partizipative Formate, wie Barcamps, die von einer Community gestaltet werden und ihrer Beteiligung leben und die diese Kultur weit über die Veranstaltung hinaus verbreitet. Dem entgegengesetzt werden intransparente und hierarchisch geprägte Hochglanz-Events organisiert, die sich mit bedeutenden Namen schmücken und auf Pressewirksamkeit und Aufmerksamkeit setzen. 

Expert:innen

Vor einigen Tagen postete ich in sozialen Netzwerken eine dreistufige Anleitung, wie Personen auf einfache Weise zu Expert:innen bzw. als solche wahrgenommen werden können: 

1.) Erstelle eine Präsentation mit Slides, auf den jeweils KI, Algorithmen, Bitcoins, Daten, 4K, Transformation, AR, VR und Cyber steht.

2.) Suche diese Begriffe bei Twitter, wähle die Tweets mit den meisten Likes und lerne sie auswendig.

3.) Fertig. Expert:in für über 90% der Menschen.

Das war nur teilweise ein Scherz, weil viele Beiträge, die ich in den letzten Jahren erleben durfte, eine Vermutung und Rückschlüsse zulassen, dass einige Personen auf eine zumindest ähnliche Weise vorgehen. Auch die nächsten vier Schritte und Empfehlungen, die ich zwei Tage danach ergänzte, entspringen diesen Erfahrungen: 

1.) Erstelle eine eigene Website.

2.) Suche nach Beiträgen zu Themen rund um Digitalität, die viel geteilt und geliket wurden.

3.) Schreibe sie (mit Buzzwords) erneut, in eigenen Worten: Personal Branding.

4.) Fertig. Super-Expert:in für über 120% der Menschen.

So amüsant das auf den ersten Blick auch klingen mag, ist es gar nicht. Die Orientierung und Differenzierung bezüglich tatsächlich vorliegender Expertisen wird durch fehlende Referentialität (für ein Personal Branding) und den Missbrauch der Kultur des Teilens erschwert. Die Anzahl derer, die wegen Bildung und Digitalität den Weg ins Netz suchen und finden, um sich darüber zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen, steigt jährlich. Damit steigt auch die Zahl derer, die nicht mehr den Ursprung von Gedanken und Texten kennen und eine vermeintliche Expertise anerkennen und reproduzieren. 

Schicke und wirkungsträchtige Websites kann man heute schnell und einfach erstellen (lassen). Und selbst wenn ursprüngliche Quellen genannt und verlinkt werden, kann allein durch die vermeintliche Akquise (auch hierfür kann jede Person, ohne großen Aufwand, populäre Themen und Beiträge im Netz ausfindig machen) und Sammlung für viele Menschen der Expert:innen-Anschein erweckt werden. So wird in einer Kultur der Digitalität aus einem Kleider machen Leute ein Webseiten machen Leute.

(Was Expertise rund um Digitalität bedeutet, ist an sich ein sehr komplexes und kontrovers diskutiertes Thema. Abonnentenzahlen, Follower und Klicks sind keine qualitativen Kriterien. Auch wenn die Orientierung daran seit Jahren im Journalismus, in der Politik oder anderen Bereichen zu beobachten ist. Dass Personen nicht am Diskurs im Netz teilnehmen oder ihnen nicht kennen, ist ein zuverlässiger Indikator, dass in ihrer bisherige Fachexpertise der sich wandelnde kulturelle Rahmen unbekannt ist und nicht berücksichtigt wird. Andersherum ist im Netz zu sein (und z.B. das Twitterlehrerzimmer und was dort geteilt wird, zu kennen), nicht zwangsläufig ein Beleg für eine Expertise.)

Folgen

Der bereits beschriebene Scheinkonsens, alle wollen das Gleiche, und die erschwerte Orientierung bei der Expertise sind der Nährboden für Digitalwashing. So können diverse Interessen auch erfolgreich digital ein- und verkleidet werden, ohne dass sie der große Teil des Publikums als das erkennt, was sie oft sind: Nämlich Initiativen, die weder gesellschaftliche Veränderungen anstoßen noch ermöglichen – im Gegenteil. Die daraus resultierenden Folgen können für Politik und Gesellschaft schwerwiegend sein, wenn beispielsweise notwendige Veränderungen hinausgezögert, gehemmt oder sogar verhindert werden. Diesen Gedanken möchte ich auch an ein paar Beispielen etwas ausführen.

Es gibt kein effektiveres, effizienteres und (presse)wirksameres Digitalwashing als Wettbewerbe. Man verleiht anderen eine Auszeichnung (in der Regel ist Aufmerksamkeit der Preis), sich selbst Deutungshoheit (und scheinbare Expertise) und erzeugt nach außen den Eindruck, etwas bewegt zu haben. Wenn man besonders geschickt ist, werden die Aktionen als Ehrenamt oder gesellschaftliches Engagement sprachlich gerahmt. Das schafft eine allgemeine Anerkennung, Solidarität und wirkt gleichzeitig auch präventiv gegenüber Kritiker:innen, weil (vermeintliches) Ehrenamt vielleicht ein Ziel verfehlen kann, aber gute Absichten der Antrieb sind und Kritik moralisch verwerflich erscheinen lässt.

Auch die oben angeführten Hochglanz-Veranstaltungen sind ein beliebtes Element von Digitalwashing, weil mit möglichst geringem Aufwand maximale Effekte erreicht werden können. Die vor wenigen Monaten gestartete Initiative Digitale Bildung der Bundesregierung ist ein Paradebeispiel für viele in diesem Beitrag aufgeführten Punkte. Exemplarisch möchte ich das an der Hochglanz-Veranstaltung am 27. April aufzeigen. Der Begriff Kulturwandel, der eine wie weiter oben beschriebene allgemeine Zielformulierung darstellt, wurde (als populär im Netz identifiziert und) prominent als Buzzword gewählt, um der Veranstaltung einen innovativen Anstrich zu verleihen.

Nichts, weder an der Veranstaltung noch an der Initiative, deutet auf einen Kulturwandel hin. Es herrschen viel Intransparenz auf verschiedenen Ebenen, hierarchische Exklusivität und schon lange fehlen Ansätze nötiger struktureller Veränderungen. Auch die Auswahl der Expert:innen passt in das Bild, das in diesem Beitrag skizziert wurde. So landete Lehrer Schmidt als Experte auf dem Podium, dessen Expertise darin besteht, Erklärvideos bei YouTube hochzuladen und knapp eine Million Abonnenten zu haben. Wer immer noch denkt, dass solche Beiträge auch nur ansatzweise etwas mit Innovation oder erstrebenswerten Lernen zu tun haben, dem empfehle ich Axel Krommers Text zur Schule als chinesischem Zimmer

Ein weiteres Beispiel ist Anika Buche, deren Expertise sich mir bis heute nicht erschließt, die aber ihr (gerne als “ehrenamtlich” geframtes) Projekt EduSense (eine Website, die Content von anderen sammelt und “kostenlos” zur Verfügung stellt) vorstellen durfte, das mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Philippe Wampfler hat hier einige zusammengetragen und an EduSense gerichtet. Der aktuelle Stand ist, dass ein Sharepic gepostet wurde, auf dem steht, dass ihnen Transparenz wichtig sei. Die Fragen wurden aber immer noch nicht beantwortet. (Um ein Beispiel für authentisches Ehrenamt zu liefern: Die ZUM. Hier setzen sich seit über 20 Jahren viele Menschen für eine offene Lernkultur ein.) 

Die Werte und Ziele, die durch diese ausgewählte Runde dominant vertreten und kommuniziert wurden, waren nicht die einer offenen und bildungsgerechten Kultur, sondern kommerzieller Interessen. So wurde darüber gesprochen, dass Lehrer Schmidt Arbeitsblätter zu seinen Erklärvideos verkauft, man bei Sofatutor Nachhilfe erhalten und bezahlen kann und wie Finanzmodelle für Schulbuchverlage aussehen könnten. Dass OER, zu dem die Bundesregierung aktuell eine Strategie entwirft, mit keinem Wort in der Veranstaltung “Kulturwandel digitales Lernen” erwähnt wurde, war eine klare Botschaft. So wundert es auch nicht, dass vor wenigen Tagen 15 bekannte Bildungsanbieter gemeinsam in einem offenen Brief an das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerkonferenz ihre Unterstützung und Zusammenarbeit beim milliardenschweren “Corona-Aufholpaket” angeboten haben.

Es geht nicht darum, dass Leute im Bildungsbereich kein Geld verdienen können sollen oder dass das verwerflich wäre. Vom Staat sollte man aber erwarten können, dass beim Thema Bildung staatliche Gelder in Strukturen, Prozesse fließen (müssen), die nicht kommerzielle Interessen in den Mittelpunkt stellen, sondern die der Lernenden verfolgen. Am besten in Angebote, die eine zeitgemäße und gerechte Bildung ermöglichen und nicht in die, die von Defiziten des Bildungssystems profitieren. Das Dilemma selbst der Politik, die ernsthaft etwas verändern möchte, ist auch, dass wie in allen anderen Bereichen, wenig bis keine Expertise bei digitalen Themen vorliegt und sie sich auf Einordnungen von Expert:innen verlassen müssen. 

So kommt es zu problematischen Entwicklungen in diesem Wettkampf um unterschiedliche und teilweise intransparente Interessen. Wer den Zugang zu den Entscheidungsebenen erhält, ist dabei eine zentrale Frage, deren Antwort über Werte und Ziele bestimmt. Ein letztes, konkretes Beispiel ist Max Maendler, der als Gründer von Lehrermarktplatz bei der Konsultation der OER-Strategie der Bundesregierung (bei der es auch um hohe Summen und Fördertöpfe geht) auch mit am Tisch saß und auf sein (Geschäfts-)Modell verwies, das nicht nur das Gegenteil von OER darstellt, sondern auch dieser Kultur entgegenwirkt.

Die Selbstinszenierung von Macher:innen, die sich mit vermeintlichen Erfolgsstories, wie z.B. dem Hackathon #WirFürSchule** schmücken und die Bildung retten werden, scheint zunehmend auf fruchtbaren Boden zu fallen. So wurde nun auch aus diesem Kreise der Zukunftsrat gegründet, der seine Ergebnisse der Kultusministerkonferenz präsentieren, die diese wiederum am besten in Gesetze gießen soll. (Ich wüsste übrigens nicht, was im ebenfalls geplanten „nationalen Curriculum“ stehen könnte, was nicht schon gesagt oder aufgeschrieben wurde. Allein im KMK-Papier »Bildung in der digitalen Welt« von 2016; wozu demnächst eine Ergänzung erscheinen wird.)

Wie werden welche Ziele im Bildungsbereich in einer Kultur der Digitalität angestrebt, erreicht, gehemmt oder verhindert? Dieser Beitrag soll auch denen, die mit der Materie nicht so vertraut sind, eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Fragen erleichtern. Am Ende bleibt der Wunsch an die unterschiedlichen Entscheidungsebenen (von der Politik, über den Journalismus bis hin zur Verwaltung), sich zu befähigen, eine differenzierte Betrachtung und Einordnung der Akteure erzielen zu können. Mein Engagement verstehe ich verstärkt in dem Punkt u.a. darin, die Unterschiede deutlicher und transparenter zu kommunizieren.

Silver Linings

Falls Personen, die die Herausforderungen der Digitalen Transformation angehen und eine Kultur der Digitalität ermöglichen möchten, bis hierhin gelesen haben und sich nun fragen, was sie denn Konkretes tun können, um im Bildungsbereich nötige Veränderungen zu begünstigen und zu ermöglichen, schließe ich mit drei konkreten Empfehlungen ab:

Kommunale Netzwerke stärken

Kommunale Räume für Vernetzung und Austausch zu schaffen, ist eine der größten Notwendigkeiten, die gleichzeitig auch enorme Potenziale birgt, wenn es darum geht die komplexen Probleme unserer Zeit zu lösen. In diesem Beitrag führe ich die Idee etwas genauer aus und beschreibe auch wie und welche Veranstaltungen in diesem Kontext durchgeführt werden sollten.

In strukturelle Veränderungen investieren

Ohne grundlegende Veränderungen von Strukturen, die erst wirksame und nachhaltige Prozesse ermöglichen, bleibt alles nur Kosmetik und Strohfeuer. Deshalb ist jedes Engagement in diese Richtung gut investiert. Auch wenn diese Arbeit meist undankbar, langwierig und zäh ist. Es hilft deshalb sehr, hier stabile Netzwerke zu schaffen, die langfristig und genau gemeinsam daran arbeiten. 

Kultur des Teilens leben

Die Kultur des Teilens, die ich im Netz kennengelernt habe, hat meine Denk- und Arbeitsweise grundlegend (auch qualitativ) verändert. Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen. Die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit ist hoch und der Preis dafür, dass Offenheit und Vertrauen (auf Referentialität) ab und zu missbraucht werden, gering.

**Persönliche Einordnung: Max Maendler und Verena Pausder erfassten und nutzten mit #WirFürSchule 2020 das Momentum, die Aufbruchsstimmung zu Beginn der Pandemie und die Hoffnung, dass jetzt vielleicht der Zeitpunkt gekommen sei, bei digitalen Themen endlich Fortschritte zu erreichen. Gleichzeitig kam dem Projekt auch die Bereitschaft und Solidarität vieler entgegen, die sich einbringen und helfen wollten. So haben sich viele seit Jahren engagierte Menschen daran beteiligt. Der Hackathon hat keine Community (wie z.B. EduCamps) geschaffen, sondern eine bestehende Netz-Community für sich gewinnen können. Es war auch kein klassischer Hackathon, weil Personen auch mit bereits fertigen Produkten teilnahmen und diese dort bewarben. 

Ich war als Pate für das Themenfeld Soziale Gerechtigkeit mit dabei. (Man findet mich namentlich nicht auf der Website, weil ich dort weder als Pate erscheinen noch als Juror agieren wollte, sondern nur einer Bekannten helfen, der ich zuvor meine Unterstützung zusagte, bevor ich wusste, dass es um dieses Projekt geht.) Weil viele wesentliche Fragen (allein für Pat:innen), die eine zentrale Arbeit erledigen mussten, von Beginn an im Raum standen und sogar bis zum Veranstaltungsbeginn ungeklärt blieben, hatte ich nicht den Eindruck, dass es darum ging, erfolgreiche, wirksame und nachhaltige Prozesse zu erzielen.

Gleichzeitig wurde im Slack-Kanal, über den alles Organisatorische lief, immer wieder begeistert kommuniziert und gefeiert, welche Zeitung über das Projekt berichtete oder bedeutende Person für das Projekt als Schirmherrin gewonnen werden konnte. Auch die Methoden, die eingesetzt wurden, um das Potential sozialer Netzwerke auszuschöpfen, haben mich irritiert. Das hinterließ zusätzlich zu den offenen Fragen bei mir den Eindruck, dass die angestrebte Außenwirkung, dieses Projekt sei groß, bedeutend und erfolgreich, wichtiger als die eigentlich kommunizierten Ziele waren. Aus meiner Sicht wurden hier viele instrumentalisiert, damit sich Max Maendler und Verena Pausder als erfolgreiche Macher:innen präsentieren können. Um es kurz auf den Punkt zu bringen, was

#WirFürSchule meiner Meinung nicht war:

1.) Wir

2.) für Schule