Gestern fand die ZEIT Konferenz Schule & Bildung mit der Fragestellung Alles digital?! – Wie guter MINT-Unterricht gelingen kann statt. Dazu wurden die Anwesenden gebeten, unter dem Hashtag #zksb17 zu twittern. Weil ich mit einigen Menschen mit digitalem Bildungshintergrund befreundet und vernetzt bin, dominierte dieser Hashtag meine gestrige Timeline. Dabei stieß ich auch auf die Forderung, dass deutsche Schulen auch Educational Technologists bzw. Learning Designers bräuchten, die Lehrkräfte unterstützen sollen. Ich muss zugeben, dass ich die Begriffe davor noch nicht kannte. Deshalb wurde mir auf Nachfrage freundlicherweise folgende Grafik und Erklärung geliefert.

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„Roles of a Learning Designer” by Regina Obexer & Natasha Giardina / CC BY-NC-ND 4.0

Von einer guten Freundin, die in einer Privatschule arbeitet, erfuhr ich vor ein paar Jahren, dass sie von solchen Leuten, auf die diese Arbeitsbeschreibung aus der Grafik zutrifft, sehr profitiert. Im Thread zum Tweet mit der Forderung nach Educational Technologists schrieb eine Person, dass man dafür aber ganz viel Geld in die Hand nehme müsse, um das flächendeckend umzusetzen. Spätestens wenn es um die ohnehin knappen finanziellen Ressourcen geht, sollte man vielleicht die Frage betrachten, welches Ziel man mit Educational Technologists erreichen möchte und kann.

Wenn es das Ziel sein sollte, ein Kollegium auf dem Weg in den den digitalen Wandel in seinem Tempo, sowohl didaktisch als auch technisch, kompetent zu unterstützen, dann müsste diese Arbeit bei einer erfolgreichen Umsetzung irgendwann eigentlich überflüssig werden. Was wäre aber, wenn Lehrende durch massgeschneiderte Lernsettings und Tools sich erst gar nicht auf den Weg machen, sondern sich der Verantwortung entziehen würden? Die Gefahr besteht, der Verlockung, die (gedankliche) Arbeit an die optimal unterstützenden „Expert_innen“ zu delegieren, nachzugeben. Das liegt u.a. auch an der pragmatischen Lösung für die Fülle an Aufgaben an einer Schule und der dafür ständig fehlenden Zeit. Zuständigkeiten für Themen, mit denen sich aus Sicht eines Kollegiums nicht alle beschäftigen müssen, werden an Personen oder Personengruppen übertragen. Deshalb kümmert sich in der Regel ein Admin um alle technische Fragen oder die Verbindungslehrer_innen um die Interessen der Schülervertretung. Hier liegt aus meiner Sicht auch der Kern einer der größten Herausforderungen im Bereich der Schulentwicklung: Den Aufgabenbereich und das Rollenverständnis der Lehrenden neu auszuhandeln und die digitale Transformation aus der Nerd-Ecke in den Mittelpunkt zu rücken. Educational Technologists erscheinen mir in diesem Prozess wie eine Brückentechnologie, die durch ihren Verbrauch an Ressourcen meist Innovation eher bremst und alte Systeme länger aufrechterhält. An der Idee, dass Lehrende die Herausforderung des digitalen Wandels annehmen, wenn sie nur die dafür notwendigen technischen und didaktischen Hilfestellung erhalten, zweifle ich. (Meine oben erwähnte Freundin bestätigt meinen Zweifel.) Das sich einer Sache Annehmen setzt für mich den Schritt voraus, dass man die Notwendigkeit, eine Verantwortung, einen eigenen Sinn, der in einem persönlichen oder gesellschaftlichen Motiv verankert ist, erkennt. Dafür muss man sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Mir gefällt die Vorstellung, dass alle Lehrenden und Lernenden zu Learning Designern werden und sich gegenseitig unterstützen. Hier gilt es auch zu klären, ob und wie das in den bisherigen Strukturen bzw. unter den aktuellen Rahmenbedingungen möglich ist bzw. wie man diese weiter entwicklen müsste. André Hermes hat hier von einigen Wochen über die Idee der Medienberater_innen geschrieben, die Parallelen zum Aufgabenfeld der Educational Technologists aufweisen. Am meisten sympathisiere ich aber mit dem Ansatz aus seinem Beitrag, Schüler_innen mit einzubinden und ihnen Verantwortung zu übertragen. Vielleicht werden wir irgendwann doch noch alle zu Learning Designern unserer eignen Lernprozesse.