Im September 2016 ist es in Baden-Württemberg soweit und der neue Bildungsplan tritt in Kraft. Wer sich mit den Änderungen für seine Fächer bisher noch nicht auseinandergesetzt haben sollte, kann das hier bei der aktuellen Arbeitsfassung der Sekundarstufe I nachholen.

Natürlich lohnt sich ein Blick auf alle Fächer. Zum Beispiel hat man sich in der Realschule vom Fächerverbund NWA getrennt und kehrt in der Mittelstufe zum Chemie-, Physik- und Biologie-Unterricht zurück. Ich möchte hier aber meinen Fokus auf die Medienbildung richten, weil mit der Reform 2016 auch für die Digitale Bildung die Weichen für das nächste Jahrzehnt gestellt werden.

Fest steht, dass Medienbildung nicht über ein eigenes Fach, sondern über Leitperspektiven in unterschiedlichen Fächern erreicht werden soll. Diese kann man bereits hier für die Klassen 1 bis 10 nachlesen. Eine Ausnahme bildet dabei die Klasse 5 (und wahrscheinlich auch 6), in der es einen Basiskurs geben wird, mit dem eine Sach-, Handlungs-, Reflexions- und Orientierungskompetenz als Grundlage für die folgenden Jahre angestrebt werden.

Was ist neu?

Ich weiß es nicht. Bis auf die Tatsache, dass im Bildungsplan 2004 die themenspezifische Leitperspektive Medienbildung in den Bereich der Informationstechnischen Grundbildung – ITG eingebunden war, fällt mir kein nennenswerter Unterschied auf. Selbst die Stelle, an der die Medienbildung genannt wird, ist unverändert: Am Ende.

Auf den ersten Blick hört sich mein Urteil, dass es bisher keine bedeutenden, erkennbaren Veränderungen gibt, vernichtend an; ist es aber nicht. Wenn man sich die 2004 veröffentlichten Leitgedanken und Kompetenzen (RS) durchliest, stellt man fest, dass diese bereits die wichtigsten Aspekte der Medienbildung umfassen. Von Mediengestaltung bis Urheberrecht ist alles dabei. Das Rad lässt sich nun mal nicht neu erfinden. Was aber neu sein könnte, ist die kleinschrittigere Aufschlüsselung der zu erwerbenden Kompetenzen. Bisher hatten Schulen in der Umsetzung relativ viel Spielraum. Die drei Niveaustufen G (HS/WRS), M (RS) und E (Gym) könnten zu konkreter formulierten Lernzielen und damit höherer Verbindlichkeit führen. Unter Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen kann man sich dazu beim Basiskurs Medienbildung in Klasse 5 einen ersten Eindruck verschaffen. Man darf auf die Anhörungsfassung, die im September 2015 erscheinen soll, gespannt sein.

Die Rolle der LehrerInnen

Mit dem Schuljahr 2015/16 sollen zahlreiche Fortbildungen für LehrerInnen angeboten werden, die sie auf die „neuen“ Herausforderungen vorbereiten sollen. Wenn man aber den Bildungsplan 2004 genauer betrachtet, ist die Forderung, dass Medienbildung in den unterschiedlichen Fächern stattfinden soll, da schon schriftlich festgehalten. Rückblickend auf meine Erfahrung stelle ich fest, dass dies gar nicht oder nicht ausreichend umgesetzt wurde. Das lag entweder an der mangelnden technischen Ausstattung oder Bereitschaft mancher LehrerInnen. Daraus schlussfolgere ich, dass das beste Konzept nichts nützt, ohne vorher die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen zu schaffen und die LehrerInnen ins Boot zu holen, die sich bisher dieser Entwicklung aus unterschiedlichen Gründen verschlossen haben. Die Frage der technischen Ausstattung ist in der Regel eine Frage des nicht vorhandenen Geldes, der jeweiligen Städte und Gemeinden. Hier richte ich meinen Wunsch an das Land, das nicht nur Schulkonzepte entwickeln soll, sondern sich auch gerne finanziell mehr an der Machbarkeit der Umsetzung beteiligen darf. Abzuwarten und darauf zu hoffen, dass sich die (Berührungs-)Ängste und Hemmungen von LehrerInnen bezüglich der Digitalisierung im Bildungsbereich von alleine legen, halte ich für falsch. Fortbildungen anbieten reicht da nicht aus, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Das Problem muss gezielter und aktiver angegangen werden. Hier sehe ich die weitgehend ungenutzte Möglichkeit der Kooperation der Hochschulen und Universitäten mit den umliegenden Schulen. Meiner Meinung nach wird Medienbildung weiter größtenteils unmoderiert und selbständig außerhalb von Schule ablaufen, solange die beiden eben aufgeführten Hindernisse nicht überwunden werden. Die große Chance und Hoffnung sehe ich darin, dass die wesentlichen Faktoren, die Medienbildung erfolgreich stattfinden lassen, nicht in einem Bildungsplan für das nächste Jahrzehnt liegen.

Objektivität anstreben

Mit der Einführung der GFS (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) ist die Anzahl der Referate 2004 an den Schulen in Baden-Württemberg schlagartig angestiegen. Damals verbrachte ich mit einem Kollegen Monate damit, einen Bewertungsbogen zu entwickeln, der uns und den anderen Lehrern zu einer höheren Objektivität in der Beurteilung der Leistung verhelfen sollte. Schließlich hatten wir erlebt, dass wir uns z.B. von rhetorischen Fähigkeiten hatten blenden lassen. Es gab aber auch Fälle, dass uns z.B. ungeschickt gewähltes Bildmaterial andere Stärken im Beitrag nicht mehr wahrnehmen ließ, das zu einer schlechteren Bewertung führte. Natürlich ist jeder Bewertungsbogen immer einer Subjektivität ausgesetzt. Umso notwendiger sehe ich die Bestrebung einer höheren Objektivität, um ein stärkeres Maß an Professionalität zu erreichen. Von der ersten bis zur letzten Fassung wurden alle Elemente des Bogens evaluiert und weiterentwickelt. Das Ergebnis dieser Arbeit findet ihr hier: https://docs.google.com/document/d/1nu-Hu2pk3KRJUQf4wooKEwtuD9I7l1Fk0ahjF_FaK8w/edit?usp=sharing

Allgemeine Nutzung

Der Bewertungsbogen muss spätestens mit der Themenabgabe eines Referats mit den SchülerInnen ausführlich besprochen werden. Ich gehe dabei Zeile für Zeile mit ihnen durch und liefere Beispiele, die ein Kriterium veranschaulichen. Auch die Gewichtung des Handouts und der Präsentation muss vorher festgelegt werden; insofern man ein Handout wünscht und bewerten muss. Bestenfalls ist der Bogen jederzeit für alle zugänglich. Entweder durch eine Kopie, die ihnen mitgegeben wird oder über ein Exemplar an der Pinnwand des Klassenzimmers. Das Gesetz der Transparenz gilt auch für die Kriterien einer Bewertung.

Digitale Nutzung

A.) Ich nutze den Bogen seit einigen Jahren digital auf dem iPad. Dabei importiere ich ihn als PDF-Datei aus Dropbox (Referatbewertungsbogen_cc_by_sa) in die App Notability und überschreibe ihn mit einem iPad-Stift. Mit der Vorlage kann man auch mehrere SchülerInnen gleichzeitig bewerten. Ich benutze dabei verschiedene Farben und mache mir Notizen zum Vortrag und den gestellten Fragen. Wobei es bei drei SchülerInnen schon unübersichtlicher wird – auch das Bewerten.

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Die digitale Nutzung hat mehrere Vorteile:

  • Bewertungsbogen kann nicht auf dem Schreibtisch vergessen werden (Dropbox)
  • Bewertungsbogen muss nicht kopiert werden
  • Bewertungsbogen jederzeit abrufbereit (z.B. für Eltern oder SchülerInnen, Transparenz)
  • Notability verfügt auch über die Cloud-Funktion (so kann man sich auf einem zweiten Endgerät ein Backup der Dateien sichern); bei mir synchronisieren sich die Dateien zwischen einem iPhone und iPad mit WLAN automatisch
  • Bewertungsbogen kann von Notability aus exportiert werden (E-Mail, Dropbox, Google Drive); man könnte so den ausgefüllten Bewertungsbogen Eltern/SchülerInnen mailen

B.) Wer über einen Internetzugang verfügt, kann die Deluxe-Version des Bewertungsbogens hier nutzen: Eine selbstberechnende, anklickbare Exceltabelle von @juwagn. Vielen Dank hierfür!

Ich habe mich erst jetzt entschieden diese Vorlage zu veröffentlichen, weil ich vor einigen Tagen bei einer Diskussion über Tablet-Stifte einen Screenshot davon twitterte. Danach schrieben mich mehrere Lehrerkollegen an und fragten nach dem Original. Falls es zur Nutzung noch offene Fragen geben sollte, kann man mich gerne jederzeit kontaktieren. Ich hoffe, dass euch der Bogen ebenfalls zu mehr Objektivität, Transparenz und Erleichterung verhilft.