Die unsichtbare Seite des Rassismus – Warum es nicht genügt, kein*e Rassist*in zu sein

Vor wenigen Tagen wurde von der Social Media-Abteilung der Polizei Freiburg bei Facebook ein Beitrag gepostet, der die Betrugsmasche thematisierte, bei der das Profil eines Prinzen aus Nigeria oder das einer attraktiven Slawin zu Personen via Mail Kontakt aufnehmen, um sie dazu zu bewegen, ihnen Geld zu überweisen. Weil der Beitrag auf einer rassistischen Idee basierte, diese reproduzierte und stärkte, wies ich mit einem Kommentar darauf hin. Was danach geschah, eignet sich gut, um aufzuzeigen, was Rassismus ist, wie er funktioniert, wirkt und genutzt wird. Dieser Text soll und kann helfen sichtbar zu machen, was für viele Menschen noch unsichtbar ist, um sich einem gleichberechtigten Miteinander und würdevollem Leben für alle zu nähern. 

Was passiert ist

Auf der Facebook Seite der Polizei Freiburg wurde am 30. Oktober morgens folgender Text gepostet: 

Zu diesem Text haben sie folgendes Bild mit einer KI erstellt, bearbeitet und gepostet:

(Ich stelle das Bild hier bewusst in zwei Teilen dar, um seine Verbreitung als Sharepic nicht zu begünstigen, aber dennoch die Kritik daran zugänglich und verständlich machen zu können. Außerdem wird dadurch deutlicher, dass und wie der hinzugefügte Text eine zusätzliche Bedeutung entfaltet.)

Folgenden Hinweis habe ich daraufhin als Kommentar gepostet:

Weshalb basiert der Beitrag auf einer rassistischen Idee und reproduziert sie?

Hier gibt es verschiedene Ebenen. Den Beitrag selbst, den Beitrag im Kontext der anderen Beiträge des Facebook-Accounts der Polizei Freiburg und die Reaktionen auf meinen Hinweis.

Weshalb ist der Beitrag an sich problematisch?

 1. Verwendung stereotypischer Bilder: Es wurden vereinfachte, verallgemeinernde und klischeehafte Darstellungen gewählt. So entstehen häufig Vorurteile und unreflektierte Wiederholungen in den Medien und der Gesellschaft. 

 2. Verstärkung von Vorurteilen: Indem die Polizei diese Stereotype nutzt, werden bereits bestehende Vorurteile gegen schwarze Menschen gestärkt. Es entsteht die Botschaft, dass Menschen mit bestimmtem Aussehen oder aus bestimmten Regionen eher zu betrügerischen Absichten neigen, was die Diskriminierung gegenüber diesen Gruppen verstärken kann.

 3. Fehlende Sensibilität im Umgang mit Betrugsaufklärung: Die Polizei versucht zwar, über eine Form von Betrug aufzuklären, aber die gewählte Darstellung verfehlt eine sachliche Aufklärung und konzentriert sich stattdessen auf überzeichnete Stereotype. Es wäre möglich gewesen, allgemeine Hinweise zu geben, ohne bestimmte Ethnien oder visuelle Klischees einzubeziehen. Eine neutrale Darstellung ohne Bezug zu Hautfarbe oder Herkunft wäre zielführender und sensibler gewesen.

Das sind wesentliche Punkte, die ich später noch ergänzen werde. Zunächst möchte ich aber ein paar Gedanken zum Bild teilen.

Wer ein Sharepic erstellt und im Netz veröffentlicht, muss damit rechnen, dass es sich (wie jeder Content) unkontrolliert verbreiten und aus dem Kontext gerissen werden kann. Deshalb ein kleines Gedankenexperiment: Was wäre, wenn ein A*D-Account dieses Sharepic (ohne eigenen, zusätzlichen Text) posten würde? Wie würde das verstanden werden und wirken? Die Antwort darauf, weshalb das Sharepic dort gut funktionieren würde, hat ChatGPT oben bereits geliefert: Die rassistischen Stereotype decken sich mit der rassistischen Erzählung der A*D. Hier wird auch deutlich, dass und wie der Text der Polizei Freiburg im Sharepic s|eine eigene Wirkung entfaltet und einen problematischen Kontext erstellt. (Das gleiche Sharepic, ohne den Text der Polizei Freiburg darauf, würde als A*D-Beitrag allein nicht so gut funktionieren.)

Nun aber ein paar Aspekte zur zweiten Ebene, dem Posting im Kontext anderer, vorheriger Beiträge und das fortsetzend mit einer Auseinandersetzung mit dem KI-generierten Bild. Seit Jahren folge ich dem Account Polizei Freiburg und nehme die Beiträge in meiner Timeline regelmäßig wahr. (Über meine ehrenamtliche Arbeit bei D64 setze ich mich mit einer zivilgesellschaftlichen Perspektive u.a. mit der Social Media-Arbeit von Politik, Verwaltung, Medien und Wirtschaft kritisch auseinander.) Deshalb fiel mir auch sofort eine Besonderheit zu allen bisherigen Visualisierung auf.

Auf diesen Screenshots der letzten Beiträge des Facebook-Accounts Polizei Freiburg wird offensichtlich, was üblicherweise nie zu erkennen ist, wenn es sich um Beiträge handelt, mit denen auf etwas Problematisches oder Kriminelles  aufmerksam gemacht werden soll: Gesichter.

Alle Personen, sowohl Polizist*innen als auch Täter*innen und auch Opfer, werden immer aus einer Perspektive dargestellt, die keinen Blick auf ihr Gesicht zulässt oder sie tragen Kapuzen, Masken oder verdecken ihr Gesicht auf eine andere Weise. Oft wird auf eine Darstellung der Täter*innen ganz verzichtet. Das ist kein Zufall, sondern folgt einer bestimmten Logik, die sehr wahrscheinlich Schutz und einen sensiblen Umgang beabsichtigt. 

Weshalb fiel der hier kritisch diskutiere Beitrag der Polizei Freiburg nicht in ihr bisher klares Raster? Weshalb entschied man sich in diesem einen Fall für ein Bild mit Gesichtern? Zumindest ist eine Sache unbestritten: Es wurde hier etwas anders gehandhabt als alle andere zuvor. 

Eine mögliche und wahrscheinliche Antwort auf das Weshalb findet sich in der „Meistererzählung“, die Gilda Sahebi in ihrem Buch Wie wir uns Rassismus beibringen erläutert. Es geht bei dem Begriff bzw. der Idee dabei um dominante, gesellschaftlich verbreitete Geschichten oder Erklärungen, die eine bestimmte Sichtweise auf die Welt vermitteln und oft als objektive Wahrheit oder Norm betrachtet werden. Diese Erzählungen prägen die kollektive Wahrnehmung und beeinflussen unser Verständnis von Geschichte, Kultur, Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Strukturen.

Gilda Sahebi nutzt den Begriff „Meistererzählung“, um auf Muster in Erzählungen hinzuweisen, die bestimmte Vorurteile und Machtstrukturen zementieren und marginalisierte Gruppen systematisch benachteiligen. Solche Meistererzählungen können etwa sein, dass bestimmte ethnische Gruppen eher zu Kriminalität neigen, dass Migration immer eine Bedrohung darstellt, oder dass westliche Kultur anderen Kulturen überlegen ist. Genau das leistet das Posting der Polizei Freiburg. Sie erzählt in ihrem Beitrag eine Geschichte und lässt sie durch Gesichter und Namen zusätzlich realer wirken. Auch das ist eine Besonderheit und wird sich bei anderen Beiträgen nicht finden.

Deshalb ist es wichtig, solche Erzählungen zu dekonstruieren und eine differenzierte Sichtweise einzunehmen, um alternative Erzählungen zu schaffen, die inklusiver sind und die Realität besser widerspiegeln, ohne Vorurteile und Stereotype zu verstärken. (Es gibt keine Geschichte mit einem Bild von einem fiktiven Jürgen, der seine Frau verprügelt und das vor Gewalt warnt, die von Männern ausgeht und wo das Deutschsein oder in Deutschland zu wohnen, eine Relevanz erhält bzw. seine Gewalt erklärt. Da wird in der Meistererzählung in der Regel von einem Familiendrama gesprochen oder psychischen Problemen, bedingt durch viel Stress oder traumatische Erfahrungen.)

Reaktionen auf meinen Hinweis

Hier möchte ich unterscheiden zwischen den Reaktionen des Facebook-Accounts der Polizei Freiburg und mir bekannten und unbekannten Personen.

Social Media-Team der Polizei Freiburg  

Ein Grund, weshalb ich dieses Mal meinen Hinweis als Kommentar hinterlassen habe, ist die Tatsache, dass es sich um eine staatliche Institution handelt und als solche in der zu Beginn aufgeführten Machtstruktur eine wesentliche Rolle spielt. Außerdem geht es um eine Facebook-Seite mit über 52 000 Abonnent*innen, die viele Menschen im Raum Freiburg erreicht und lesen. Auch hier möchte ich darauf hinweisen, dass natürlich auch bei Facebook ein Machtgefüge besteht. Ich trete allein als einzelner Bürger auf, mit ca. 2300 „Freunden“ (wobei ein ordentlicher Teil davon im ehemaligen Jugoslawien oder Finnland lebt und kein Deutsch spricht). Der Account der Polizei vertritt eine Behörde und genießt damit auch ein gewisses Ansehen und wird als seriös, sachlich wahrgenommen.

Mit folgendem Kommentar reagierte das Social Media-Team (wie viele und welche Personen das betrifft, bleibt unklar):

Es hätte mehrere Möglichkeiten gegeben, auf meinen Hinweis zu reagieren: den Beitrag löschen, intern diskutieren und klären, wie man damit umgehen möchte; ob der Beitrag erneut gepostet werden soll und falls ja, wie oder aufgreifen, etwas nicht gesehen und bedacht zu haben. Man hätte auch ein wenig Zeit investieren können, wer das sagt, um daraus eine Expertise und Absicht ableiten zu können. Es braucht nur einen Klick auf meine verlinkte Website, um sich dazu zu informieren. (Ein wichtiger Unterschied besteht auch darin, dass das Social Media-Team hier beruflich agiert und ich privat.) Es wurde entschieden, zu antworten, dem Beitrag an sich und meinem Kommentar mehr Aufmerksamkeit zu geben und meinen Hinweis zu ignorieren.

„Wir stellen hier also nichts als die Realität dar, damit sollte man im Jahr 2024 klarkommen können. Und ja, die Kriminellen haben es explizit auf „reiche“ Deutsche abgesehen. Dass sie damit auch mal eine arme Rentnerin treffen, die sie um ihre gesamtes Erspartes bringen, ist ihnen völlig egal.“

Dieser Teil der Reaktion macht besonders deutlich, wie Rassismus, Machtstrukturen und die Meistererzählung funktionieren. Was hier die Realität sein soll und welche Geschichte wie erzählt wird, entscheidet das Social Media-Team der Polizei Freiburg. Wenn sie schreibt, dass es Kriminelle auf Deutsche abgesehen haben und man sich dazu ihr KI-generiertes Bild ansieht, kommt die Botschaft an, wer die Kriminellen sind bzw. wie sie aussehen. Mit der Namensauswahl von Akeem und Svetlana wird auch sprachlich definiert, wer fremd ist und wer (reiche) Deutsche sein können. Es gibt sicher auch Kriminelle, denen es egal ist, dass auch mal eine arme (deutsche) Rentnerin, um ihr Erspartes gebracht wird. Das ist weder ein sachlicher noch relevanter Beitrag an dieser Stelle. Alles, was er leistet, ist hier bewusst eine Realität zu zeichnen, die bestimmte Emotionen (bei Mitlesenden) erzeugt.

(Weil immer wieder erklärt wurde, dass die Kriminellen sich selbst als „afrikanischer Prinz” oder “russisches Model” ausgeben und beschreiben würden, habe ich meinen Spam-Ordner nach solchen Scams abgesucht und im Oktober eine Mail von Mara Schulte gefunden, bei der ich noch eine offene Zahlung habe, eine von  J. Walter Booth, der mir finanzielle Hilfe anbietet, eine von Beate Haupert, bei der ein Entschädigungsfond in Höhe von 950.000 Euro auf mich wartet oder eine von Maxim Lang, der mich bittet, meine 20.000 Euro abzuholen. Mit Akeem und Svetlana wurde eine Auswahl getroffen, die in der Sache nicht relevant ist, aber rassistische Narrative stärkt.)

Das meint „Die Unsichtbarkeit verhindert eine gemeinsame Grundlage für Debatten und notwendige Veränderungen“. Ich glaube ihnen, dass sie die kritischen Aspekte, die ich aufgeführt habe, nicht nachvollziehen können. Weshalb das so ist, sollte mittlerweile verständlich sein. Hinzu kommt aber ein weiterer problematischer Aspekt, der durch ihren Kommentar hier transparent wird: Ihre Aufgaben und Ziele, die sie mit ihrem Account bei Facebook verfolgen. Was sich beobachten lässt, ist, dass behördliche (und auch Accounts in anderen Kontexten) durch den Fokus auf Reichweite die eigentliche Sache aus dem Blick verlieren. 

Zum Beispiel bringen Beiträge mit Bildern scheinbar mehr Reichweite, weil erfahrungsgemäß mehr Menschen damit interagieren. Weshalb wahrscheinlich das Social Media-Team der Polizei Freiburg jeden Beitrag bebildert. Was Reichweite in sozialen Netzwerken bringt, sind Verkürzungen komplexer Sachverhalte und Polarisierungen. (Was das KI-generierte Bild geleistet hat.) Was ist, wenn die Logik sozialer Netzwerke den Aufgaben und Zielen der Polizei widerspricht? Erfordert eine gute Kommunikation einer staatlichen Institutionen nicht, zu differenzieren und den Umgang mit Komplexität zugänglich zu machen? (Was soziale Netzwerke nicht begünstigen.)

Nachdem sich ein paar Menschen meiner Kritik am Beitrag angeschlossen und sich bei der Polizei gemeldet hatten, wurde das ursprüngliche Bild entfernt, gegen ein anderes ausgetauscht und der Text zum Beitrag u.a. mit einem Disclaimer verändert:

Wozu hat das geführt? Während der Beitrag durch die vielen Interaktionen vom Algorithmus mit Reichweite belohnt wurde, wurde meine Kritik weiterhin vielen angezeigt, konnte aber ab dem Zeitpunkt, wo das Bild ausgetauscht wurde, nicht mehr richtig nachvollzogen werden. Deshalb ist es in solchen Fällen in sozialen Netzwerken ein übliches und seriöses Vorgehen, einen Beitrag zu löschen und einen neuen zu teilen oder zumindest die Veränderung prominent zu begründen. Hier entschied man sich für zweiteres. Nur, dass keine Notwendigkeit einer Veränderung eingestanden wurde, sondern der Druck von „einigen Personen“ als Begründung aufgeführt wurde. Kurz: Wir sehen da kein Problem, aber ein paar andere. 

Die Betrachtung der Machtstrukturen, wie sie genutzt werden und wirken, ist im Umgang mit Kritik beim Thema Rassismus nicht unerheblich: Es wurde also eine Lage erzeugt, bei der Kritik nicht mehr nachvollzogen werden kann, aber Kritiker prominent im Disclaimer markiert werden. Aus der täglichen Arbeit bei Facebook ist der Person oder den Personen (noch einmal: die das beruflich machen) das alles bewusst. Dass und welche Gedanken sie sich zur Sichtbarkeit und Reichweite machen, zeigt allein ihr Kommentar davor. Viele Menschen haben gelesen und verfolgt, wer was geschrieben und wie reagiert hat. Die Botschaft, wie man mit Kritik umgeht und wer das Problem ist, kam unbewusst und bewusst an. Wie viele von Rassismus Betroffene, werden sich in Zukunft zweimal überlegen, ob sie in Zukunft etwas sagen?

Weitere Einblicke, wen der Beitrag anspricht und was er für Ideen und Aussagen begünstigt oder fördert, liefert ein Blick in die Kommentarspalten und die (fehlende) Moderation bzw. Duldung:

Rassismus spricht Menschen Individualität ab und stellt sie als Teil einer homogenen Masse dar. Das macht es (psychologisch) leichter, negative Eigenschaften auf sie zu projizieren und sie als etwas Bedrohliches (unbekannte Masse, die gefährlich wirken und Angst auslösen kann) zu kommunizieren, abzuwerten oder zu hassen.

Von wo hier Applaus geerntet wird und dass die Messerstechereien und Gruppenvergewaltigungen genannt werden, ist kein Zufall. Dass solche Kommentare ohne jegliche Einordnung stehengelassen werden, ist Teil des Problems (von Rassismus) und verdeutlicht das Verständnis der zuständigen Personen. Es kann nicht oft genug gesagt und betont werden: alles ist politisch. Auch diese Kommentare und die fehlende Moderation sind und wirken politisch.

Das gilt auch für die Kommentare, die sich an mich richten:

Das ist zwar alles nicht strafrechtlich relevant. Menschlich und politisch aber schon. Zumindest ein Verweis auf eine Netiquette wäre hier angebracht. Es wird aber eine bestimmte Kultur toleriert und, wenn man ehrlich ist, sogar gefördert. 

Diese Kommentare führen zum letzten Aspekt, auf den ich hier noch eingehen möchte. Auf meine Nachfrage, mit wem ich kommunizieren würde, wurde mir geantwortet, aus gutem Grund ohne Namenskürzel zu schreiben: um sich vor Hass und Hetze gegen ihre Person und Familien im Netz zu schützen. Was ist dann mit meinem Schutz und meiner Familie? Hinzu kommt, dass ich vor Jahren diesen Account der Polizei Freiburg um Unterstützung bat und auf Schutz hoffte, als ich eine anonyme Mail erhielt, bei der mir im rassistischen Kontext gedroht wurde, mich zu zertreten und unseren Wohnblock nachts anzuzünden. Eine Antwort erhielt ich nie.

Eine Behörde, die Beiträge im Netz teilt und auch weiterhin nicht kritisch sieht, die rassistische Erzählungen stärken, trägt nicht zum Schutz aller Bürger*innen bei.  

Was „wir“ sehen, entscheidet wer „wir“ ist und werden

Die unsichtbare Seite des Rassismus ist eine der größten gesellschaftlichen Hürden, die es zu überwinden gilt. Das Unsichtbare erschwert den von Rassismus Betroffenen das Leben doppelt, indem sie ihm ausgesetzt sind und Erfahrungen abgesprochen oder Hinweise relativiert oder ignoriert werden. Die Unsichtbarkeit verhindert eine gemeinsame Grundlage für Debatten und notwendige Veränderungen. Rassismus sichtbar zu machen, ist das Ziel meiner Hinweise und dieses Beitrags. (Dass Hinweise, wie Vorwürfe verstanden werden, ist ein Teil von Rassismus. Weshalb das so ist und wie sich das ändern lässt, ist am Ende hoffentlich klarer.) Er richtet sich somit an die, die lernen, erkennen und verstehen möchten, für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft. 

Unsichtbar ist Rassismus dann, wenn die Betroffenen-Perspektive oder das notwendige Wissen fehlen. Was auf die meisten Menschen (noch) zutrifft. Um das notwendige Wissen zu erlangen, benötigt es eine dauerhafte und vertiefte Auseinandersetzung. Wobei dem Wissen ohne die Betroffenen-Perspektive immer etwas fehlen wird (das mit Empathie und ähnlichen Perspektiven nicht vollständig, aber gut kompensiert werden kann) und die Betroffenen-Perspektive ohne das Wissen nicht ausreicht. Das erklärt übrigens, weshalb auch Betroffene rassistische Aussagen und Handlungen als solche nicht erkennen und werten können. (Das doppelt Perfide daran ist, dass dieses Defizit ein Resultat rassistischer Strukturen und Prozesse ist und dass diese Tatsache wiederum als Beleg missverstanden und genutzt wird, um zu behaupten, dass etwas nicht rassistisch gewesen sein kann, weil das sogar Betroffene sagen würden.)

Rassismus ist eine Machtstruktur, die unser Denken und Handeln bestimmt und sich durch ihre Unsichtbarkeit erhält und verbreitet. Ausnahmslos jede Person lernt und verinnerlicht von klein auf Rassismus. (Solange er für die meisten Menschen unsichtbar bleibt, kann er nicht dekonstruiert und angegangen werden.) Das geschieht alltäglich bewusst und unbewusst über Beobachtungen, Erfahrungen und Wertungen. Deshalb denkt und handelt jede Person immer wieder rassistisch, was im Gegensatz zum sehr populären und stark wirkenden Missverständnis steht, es gäbe im privaten oder beruflichen Umfeld bzw. in irgendeiner Institution, Organisation oder sonstigen Gruppierung keinen Rassismus. Wenn z.B. jemand in die Straßenbahn steigt, dessen Erscheinungsbild dem ähnelt, was medial-politisch seit vielen Jahren als „krimineller Flüchtling“ beschrieben wird und ich reflexhaft an meine Gesäßtasche und den Geldbeutel greife, ist das eine Folge von Rassismus.

Ja, ich mache diese Bewegung tatsächlich, habe sie lange Zeit unbewusst gemacht und arbeite daran, sie mir abzugewöhnen. Wer sensibilisiert ist und darauf achtet, wird im Alltag unzählige Male rassistische Aussagen oder Handlungen (bei sich und anderen) erkennen. Das anzusprechen, zu diskutieren und gemeinsam an Veränderungen zu arbeiten, ist notwendig. Wann es thematisiert und darauf hingewiesen wird oder nicht, hängt oft davon ab, wer, wann und was sagt oder macht und ob man die Kraft und Lust hat, einen Austausch zu suchen oder ob und wie erfolgreich man den Verlauf einschätzt. Der Facebook-Account der Polizei Freiburg und mein hinterlassener Kommentar gehören in diesen Zusammenhang. 

Dominanzkultur

Es ist kein Zufall, dass sich Männer (und Frauen) der Mehrheitsgesellschaft (Gruppe in der Gesellschaft, die kulturell, sozial oder ethnisch die Mehrheit bildet und die Normen, Werte und Machtstrukturen prägt; kurz: nicht Akeem und Svetlana), die mir geschrieben oder geliket haben, um mir zu erklären, dass ich mich verrannt hätte, falsch liegen oder sogar false racism betreiben würde. Hier möchte ich ihre Reaktionen in den Mittelpunkt rücken, bezüglich der Machtstrukturen von Rassismus beleuchten und erklären, weshalb es eine Rolle spielt, wer und wie bei diesem Thema antwortet (und wer nicht) und weshalb Dominanzkultur das erklärt.

Bell Hooks verwendet den Begriff „Dominanzkultur“, um eine Gesellschaft zu beschreiben, die auf Hierarchien und Machtstrukturen basiert und in der bestimmte Gruppen andere dominieren. Diese Dominanzkultur ist durch Systeme wie Rassismus, Sexismus, Klassismus und andere Formen von Diskriminierung geprägt, die bestimmte Gruppen privilegieren und andere benachteiligen. Die Dominanzkultur ist tief in den gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen verankert und beeinflusst unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln. 

Was erklärt, dass in der Regel Privilegierte bei Hinweisen auf Diskriminierungen widersprechen oder den Drang verspüren und die Notwendigkeit sehen, widersprechen zu müssen. Zum einen ordnen sie ihre Stimme als bedeutend ein, die Aufmerksamkeit verdient. Hier gilt: Je höher in der Hierarchie, desto dominanter der Auftritt. Zum anderen sollen damit die Machtstrukturen erhalten werden. Soziale Netzwerke machen diese Dynamik besonders transparent, wenn eine auf Rassismus bezogene Privilegierte Person schreibt, dass es sich nicht um Rassismus handle und andere ebenfalls Privilegierte liken und die Machtstrukturen bestätigen. 

Dass Hinweise auf rassistische Handlungen und Aussagen oft als belehrend und missionarisch wahrgenommen werden, liegt u.a. daran, dass allgemein oft angenommen wird, bereits genug über Rassismus zu wissen und es sich um ein Problem handelt, das Privilegierte als ein (verständlicherweise) unangenehmes Thema sehen, das sie ausblenden können und möchten. Von Rassismus Betroffene haben leider nicht dieses Privileg. Für sie hat Rassismus keine Pause-Taste zu bieten. 

Zur Dominanzkultur zählt auch das Selbstverständnis von Privilegierten, sich nicht selbst mit Rassismus auseinandersetzen und Bücher lesen zu müssen, sondern sich alles über Rassismus erklären zu lassen. Nicht selten von Betroffenen. Dass sie die Bildungsarbeit von Privilegierten für Privilegierte leisten müssen, deckt sich mit der Logik der Machtstrukturen. Auch das von Privilegierten oft geäußerte „Mich überzeugt das nicht.“, bei Debatten über Rassismus, stellt die Machtverhältnisse klar. Diese Dynamik ist für Betroffene unglaublich belastend, weil sie sich ständig erklären müssen und es (aufgrund der Machtstrukturen) doch nie ausreichend können werden. Es wird ihre Zeit und Kraft gebunden und ist eine weitere Funktion von Rassismus, wie schon Toni Morrison treffend beschrieb: 

“The function, the very serious function of racism is distraction. It keeps you from doing your work. It keeps you explaining, over and over again, your reason for being. Somebody says you have no language and you spend twenty years proving that you do. Somebody says your head isn’t shaped properly so you have scientists working on the fact that it is. Somebody says you have no art, so you dredge that up. Somebody says you have no kingdoms, so you dredge that up. None of this is necessary. There will always be one more thing.” 

„Die Funktion, die sehr ernste Funktion von Rassismus ist Ablenkung. Er hält dich davon ab, deine Arbeit zu tun. Er zwingt dich immer wieder dazu, deinen Daseinsgrund zu erklären. Jemand sagt, du hättest keine Sprache, und du verbringst zwanzig Jahre damit, zu beweisen, dass du eine hast. Jemand sagt, dein Kopf sei nicht richtig geformt, also arbeiten Wissenschaftler daran, das Gegenteil zu beweisen. Jemand sagt, du hättest keine Kunst, also gräbst du danach. Jemand sagt, du hättest keine Königreiche, also gräbst du danach. All das ist nicht notwendig. Es wird immer noch etwas geben.“

Ein kurzer persönlicher Einblick zu diesem Punkt: Ich habe die letzten Tage wenig und schlecht geschlafen. Das hat sich auch auf mein privates und berufliches Leben ausgewirkt. Ich war für Menschen nicht da und konnte Arbeiten nicht erledigen. Mich haben seither Menschen beleidigt und verbal angegriffen, ich musste Accounts blocken und mich bei vielen Personen rechtfertigen bzw. ertragen, dass sie meine Expertise und Wissen relativiert oder ignoriert haben. Auch das ist bzw. war für viele unsichtbar. Woran ich erkennen konnte, ob sich eine Person vertieft mit Rassismus auseinandergesetzt hat? Sie haben mich gefragt, wie es mir geht.

Bell Hooks fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den Strukturen der Dominanzkultur und plädiert für eine Kultur der Gerechtigkeit und Gleichheit, in der Macht nicht missbraucht wird, sondern Beziehungen auf Respekt und Mitgefühl basieren. Das kann nur gelingen, wenn Menschen die Mechanismen der Dominanzkultur erkennen und hinterfragen können, um Veränderungen herbeizuführen und eine inklusive, gerechte Gesellschaft zu fördern.

Wie geht es besser?

Einige Personen haben in der Debatte zu diesem Beitrag gefragt, wie es besser gemacht werden könnte. Worüber die Polizei Freiburg aufklären wollte, nennt sich Vorschussbetrug und kann hier bei Wikipedia in seinen vielfältigen Varianten nachgelesen werden. Der Nigeria-Scam und Internet Love Scam, vor denen von der Polizei Freiburg gewarnt werden sollte, sind nur zwei Formen dieses Betrugs. Auf dieser Webseite der Deutschen Vertretung in Nigeria wird gezeigt, wie Aufklärungsarbeit aussehen kann, die keine rassistischen Ideen reproduziert.

Was jede Person tun kann

1.) Betroffenen und Expert*innen zuhören, ihr Wissen und ihre Erfahrungen nicht ignorieren oder relativieren. Nur Rassismus zu verurteilen oder Hashtags zu posten, genügt nicht. (Hierzu empfehle ich auch einen Blick in den Beitrag, was Aktivist*innen von Influencer*innen unterscheidet.)

2.) Fortbildung: Sich selbst einzulesen, schlau zu machen und mit anderen in den Austausch zu gehen, ist sicher ein guter und notwendiger erster Schritt. Im eigenen privaten und beruflichen Umfeld eine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus anzugehen, ein möglicher nächster. Jeder Schritt, sei er noch so klein, ist hilfreich. 

3.) Verbündete sein und von Rassismus Betroffenen zur Seite stehen. Antirassistische Arbeit ist nicht glorreich, sondern oft einsam, weil man sich vielen Menschen und tief verwurzelten Überzeugungen gegenübergestellt erlebt, die von Unwissenheit und Ignoranz getragen werden. (Bei diesem Fall nicht allein gewesen zu sein, und Menschen um mich gehabt zu haben, die für die Sache und mich da waren, danke ich herzlich an dieser Stelle.

Was die Polizei Freiburg tun kann

4.) Gemeinsame Kommunikationsstrategie: Ob Facebook oder X. Nach außen stehen und wirken die Social Media-Accounts für die gesamte Polizei Freiburg. Hier braucht es aus meiner Sicht einen internen Prozess und eine gemeinsam entwickelte und besprochene Strategie. Facebook & Co sind eben nicht nur eine App, Software und etwas Technisches, das man an eine Gruppe auslagern kann. (So handhaben das übrigens viele Institutionen, Unternehmen, Vereine, Parteien und sonstige Gruppierungen.) Die Tatsache, dass die Polizei Freiburg bei X überhaupt weiterhin aktiv ist und damit einer Plattform Relevanz gibt, die offen faschistische Pläne unterstützt und menschenfeindliche Beiträge fördert, kann an dieser Stelle vielleicht auch diskutiert werden. 

5.) Selbstkritischer Prozess: Es braucht eine Organisationsentwicklung (mit externer professioneller Beratung und Begleitung), die gegenüber Diskriminierungen aller Art sensibilisiert und alle Personen handlungsfähig macht und unterstützt. Dabei geht es sowohl darum, Diskriminierungen erkennen zu können als auch diskriminierende Strukturen, Prozesse und Produkte anzugehen. Das bedeutet u.a., dass eine vielfältige Gesellschaft auch eine vielfältige Zusammensetzung in allen Ebenen benötigt. Wäre jemand im Social Media-Team oder eine Führungskraft, der*die Akeem oder Svetlana heißt oder in Nigeria familiäre Wurzeln hat, wäre der Beitrag so sicher nicht gepostet worden.

6.) Vertrauens- und Verständnisarbeit: Ein offener und regelmäßiger Austausch mit dem Zivilbevölkerung bezüglich Diskriminierungen, wäre sicher hilfreich. Wie viel hier schon geleistet wird, weiß ich nicht. „Wenn sie sich beschweren wollen, steht ihnen das jederzeit über den Beschwerdeweg offen, Informationen erhalten Sie hier“ habe ich bei der Kommunikation mit dem Social Media-Team als Hinweis erhalten. Eine Möglichkeit, auch anonym eine Beschwerde einreichen und Unterstützung erhalten zu können, finde ich hilfreich. Wer z.B. eine rassistische Erfahrung mit der Polizei macht, wird hier kaum das nötige Vertrauen mitbringen, sich erkennen zu geben und einen Vorfall zu schildern. Weshalb das bestenfalls ein externes Angebot sein sollte.     

Gegen Rassismus zu sein ist nicht genug

Es gibt nicht umsonst unzählige Bücher, Podcasts, Radiobeiträge, Filme, Dokumentationen, Social Media-Kanäle, Serien oder Personen und Personengruppen vor Ort, die einen Zugang zum Thema bieten. Es sind nicht nur Bemühungen, Rassismus sichtbar zu machen und gemeinsam angehen zu können. Es ist auch ein Anliegen, seine Komplexität, diversen Geschichten, tiefen Verwurzelungen und Vielschichtigkeit aufzuzeigen. Es ist ein Kampf, um auch als Individuum wahrgenommen und gehört zu werden. Ein Kampf, um auch als gleichberechtigter und gleichwertiger Teil der Gesellschaft leben zu können. Es ist ein Kampf für eine demokratischere Gesellschaft. 

Rassismus wurde eingeführt, um die Sklaverei, Ausbeutung, Völkermord, Gewalt und diskriminierende Strukturen vor sich und anderen zu rechtfertigen. Es ist eine Frage von Macht und Machtmissbrauch in einer Dominanzkultur, die auf Kosten anderer gegründet wurde und sich davon nährt. Weshalb vieles, was ich in diesem Beitrag geschildert habe, auch die Probleme beschreibt, denen arme Menschen, Frauen, Behinderte oder andere Gruppierungen ausgesetzt sind, die ebenfalls Benachteiligungen erfahren. Weshalb antirassistische Arbeit und der Einsatz für eine gerechte und demokratische Gesellschaft auch immer antisexistische, antiklassistische, antiableistische usw. Arbeit (in der Fachsprache wird das intersektionale Arbeit genannt) sein muss. 

An alle, die bis hierhin gelesen haben: Danke für eure Zeit und die Bereitschaft, euch darauf einzulassen. Ich hoffe, verständlich gemacht haben zu können, dass alle mit Rassismus sozialisiert wurden und sich deshalb dem rassistischen Denken und Handeln nicht entziehen können. Das zu leugnen und sich davon zu distanzieren, verhindert nur eine notwendige gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung. Ich weiß, dass Hinweise auf rassistische Ideen und Handlungen unangenehm sind, weil sie Menschen verunsichern und irritieren. Deshalb erfordert es ein gegenseitiges Vertrauen und beidseitige Anerkennung der Verletzlichkeit. 

Hierfür braucht es möglichst viele Räume, in denen ein Hinweis auf eine rassistische Idee oder Handlung nicht gleichgesetzt wird mit der Vorwurf, ein*e Rassist*in zu sein und ein gemeinsames Verständnis und Konsens herrscht, sich gegenseitig zu helfen, Rassismus zu dekonstruieren und anzugehen. Eine Gesellschaft muss ein gesundes, gutes Miteinander finden, weil die gewaltigen Probleme unserer Zeit nur gemeinsam erfolgreich angegangen und gelöst werden können. Je vielfältiger das Wissen und diverser die Perspektiven am Verhandlungstisch, desto demokratischer und erfolgreicher die Lösungsansätze und wirksamer und nachhaltiger die Entscheidungen.

7 Comments

  1. Lieber Dejan,danke für deinen Beitrag und all die anderen Beiträge zum Thema Rassismus und  Demokratiebildung und, und, und… Ich lese deine Texte immer gern, weil sie fundiert sind, gut recherchiert und verständlich geschrieben. Was du alles machst und auf die Beine stellst, ist echt krass gut!Das tut mir wahnsinnig leid, dass du dich mit solch unqualifizierten Kommentaren auseinandersetzen musst! Was für eine unnötige Zeit- und Nervenverschwendung. Und das geht einem halt auch persönlich nahe, schrecklich.Bleib dran und hoffentlich gehts dir bald wieder besser!Liebe GrüßeSibylle–Gesendet mit der WEB.DE Mail App

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  2. Vielen Dank für diese komplexe Darstellung. Du hast als bloßgestellte und diskriminierte Person, Dein Name war ja sicher nicht unwesentlich für die Antwort, die Du bekommen hast… viel Arbeit geleistet für andere, – mich, die diese Art der Diskriminierung so nicht an sich, erfahren.

    Danke, ich kann jetzt die Mechanismen von Rassismus wieder etwas besser verstehen.

    Ich schreibe keine Kommentare. Aber Dich im Schweigen hängen zu lassen, geht nicht, ich will auf Deiner Seite sein.

    Wie geht es Dir?

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  3. Ein Freund von mir hat mir den Artikel weitergeleitet und mich gefragt, was ich davon halte.
    Daraufhin habe ich mir den Blogeintrag durchgelesen und hier ist meine Antwort an ihn:

    Lieber ****,
    vielen Dank für die Info.

    Ich habs mir durchgelesen, was Dejan geschrieben hat.

    Ich finde, er hat mit allem recht, was die Analyse angeht. Es ist tatsächlich die dauernde Fortschreibung von existierenden Rassismen, wenn die ihr inneliegenden Strukturen nicht erkannt und unbewusst reproduziert werden.

    In der Umsetzung seiner Kritik kommt er allerdings sehr oberlehrerhaft daher: er gibt allen Beteiligten gute Ratschläge, wie sie ihre Blindheit in dem Thema überwinden könnten und ’sich bessern könnten‘. Seiner Meinung nach.

    Aber er stellt an keiner Stelle die Frage: wie könnte ich mich vielleicht ein bisschen lockerer machen und vielleicht mal an irgendeiner Stelle ein wenig Humor entwickeln?! Leider bleibt so alles doch sehr kritisierend und auf eine Art anprangernd, was die polarisierte Gesellschaft kaum mehr aushält. Er ist in seiner Art einer von denen, weshalb die AFD Leute und rechte Ärsche so laut und stark geworden sind, sich noch tiefer vergraben und wir offensichtlich immer weniger Gelassenheit im Umgang von Problemen haben.

    Leider sind wir alle Rassisten, es ist gut, wenn wir uns das auch eingestehen. Leider sind sogar die Opfer von Rassismus selbst oft auch entsetzliche Rassisten.

    Das wäre doch mal ein guter Start, solidarischer und auf Augenhöhe miteinander zu reden und die moralinsauren Traktate etwas sparsamer zu verbreiten.

    Beste Grüße

    Wendelin

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    1. Die Ironie an deinem Kommentar ist, dass im Text genau erklärt wird, was du schreibst und weshalb du es schreibst. Was wiederum belegt, dass das Lesen (als Wahrnehmen der Wörter) allein eben nicht genügt, wenn Personen nicht bereit oder in der Lage sind, sich selbstkritisch zu reflektieren. (Es steht übrigens nirgends, dass alle Rassist*innen sind, sondern dass alle rassistisch sozialisiert wurden.) Man hätte so viel zum Text schreiben können und dann bleibt nur ein feiger und plumper Kommentar aus der Anonymität heraus übrig. Ach “Wendelin“.

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      1. Hallo Dejan,

        ich habe mich deinem Thema und Text zugewandt und dir im Prinzip in deiner Analyse recht gegeben. Damit du weißt, wo du mal einen Kaffee bekommen kannst, um dieses Thema zu vertiefen, falls dir danach sein sollte:
        http://www.wendelin-ackermann.de (Freiburg) Von wegen anonym.

        Wenn ich schreibe, dass wir alle Rassisten sind, dann meine ich dies un-ironisch genau so. Und zwar ausnahmslos! Am schlimmsten sind diejenigen die vorgeben, nicht rassistisch zu sein.

        Dem zweifelsfrei zugrundeliegende Problematik von Rassismus allerorten ein Gesicht zu geben ist eine wichtige Aufgabe. Soweit die Sachebene und Analytik.

        Auf der Beziehungsebene scheinen Anti-Rassismus Diskussionen jedoch oft gegen die Wand zu laufen und starken Widerspruch hervorzurufen. Sind also nicht nur nicht zielführend sondern geradezu kontraproduktiv. Warum? Niemand möchte herablassend an den Pranger gestellt werden. Wenn die Analysen im Duktus von lückenlosen Beweisen daherkommen und -wahrscheinlich ungewollt- unterschwellig geißeln. Was einer permanenten subtilen Unterstellung gleichkommt: nämlich dass das Gegenüber die Absicht gehabt habe, rassistisch zu sein. Dies ist jedoch oft nicht der Fall. Das könnte man öfters mal vorher abklären, bevor man die große Rassismus-Kanone hervorkramt. Hier käme Augenhöhe ins Spiel und Solidarität mit jemandem, der es vielleicht nicht besser weiß und unwissend Stereotype reproduziert, ohne sich dessen bewusst zu sein und ohne das zu wollen.

        Weniger universitäre Arroganz und mehr soziale Kompetenz wirken mitunter Wunder im echten Leben. Denn ohne das Herz seines Gegenübers durch Empathie zu erreichen kann man einschüchtern und dominieren, aber kaum Veränderung bewirken.

        Beste Grüße

        Wendelin

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  4. Danke Dejan, für diesen sehr guten Artikel. Deine Beschreibung, wie Rassismus funktioniert, trifft weiter gedacht imho auf jede Art von Diskriminierung zu. Man kann problemlos im Text „Rassismus“ durch „Ableismus“, „Antisemitismus“ oder „Queerfeindlich“ ersetzen, und es stimmt weiterhin jede Aussage.

    Vor allem der Punkt, nicht Betroffene würden sich gern von Betroffenen erklären lassen, was denn nun die jeweilige Diskriminierung sei, und oftmals auch noch in Abrede stellen, wie es hier im Beispiel mit der Polizei ja auch passiert ist, holt einige selbst erlebte Situationen wieder hoch.

    Liebe Grüße, Melanie

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    1. Liebe Melanie,
      vielen Dank für deine wertschätzende Rückmeldung. Ich teile deine Einordnung, mit der Ähnlichkeit bzw. Gemeinsamkeit der Ismen. Das ist mir in den letzten Jahren, als ich begann, mich in die anderen Bereiche einzulesen, auch immer wieder aufgefallen (und ist nur logisch, wenn man die Machtstrukturen betrachtet) und erklärt die Intersektionalität bzw. die Notwendigkeit, die Ismen stets gemeinsam zu denken und anzugehen.
      Schöne Grüße aus Freiburg

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