d64_breitWelche „digitale Bildungsrevolution“ wollen wir? lautet die Fragestellung der vierten D64-Veranstaltung aus der Reihe Lernen in einer digitalisierten Welt, die am Dienstag, den 21. März von 19:30Uhr bis voraussichtlich 21:30Uhr im Grünhof stattfinden wird. Die Frage ist auch gleichzeitig der Titel eines Blogbeitrags von Lisa Rosa, der sowohl online als auch offline in der Filterblase um den Hashtag #DigitalenBildung intensiv diskutiert wurde. Dass der digitale Wandel unser gesellschaftliches Zusammenleben bereits verändert und uns vor neue Herausforderungen stellt, ist kein Geheimnis. Was bedeutet das aber zukünftig für die Institutionen aus dem Bildungsbereich? Welche Änderungen verlangt das für die Lehrenden und Lernenden? Die möglichen Antworten auf diese Fragen sollten zeitnah in einer breiten gesellschaftlichen Diskussion herausgearbeitet werden. Deshalb wird uns Lisa Rosa zunächst mit einer Präsentation einen Überblick über das umfangreiche Thema bieten, um im Anschluss mit dem Publikum eine erstrebenswerte Zukunft zu diskutieren, die unsere Kinder auf das Leben angemessen vorbereitet.

lisa-rosa-e1478514841249Lisa Rosa hat Politische Wissenschaften, Geschichte und Musik studiert und war 20 Jahre Vollzeit-Lehrerin an einer Gesamtschule in Westberlin und an einem Hamburger Gymnasium. Seit 2005 arbeitet sie in der Unterrichtsentwicklung im Referat Gesellschaft des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg. Ihre Interessen und Arbeitsgebiete liegen in den Bereichen Digitale Medien und Bildung, Wissensgesellschaft, Politische Bildung, Lerntheorie und Projektdidaktik. Sie ist bezüglich der Themenfelder um #DigitaleBildung nicht nur eine Vordenkerin, sondern lebt sie auch vor: In Zahlen sind das dann über 22300 Tweets (das macht ca. 7 Tweets täglich), 3 Blogs, 17 Präsentationen bei SlideShare, 4027 Lesezeichen bei diigo, 33 Prezis und 18 Artikel (natürlich Bücher) in der Amazon-Wunschliste. Man kann ihrer Arbeit und ihren Gedanken auf fast allen sozialen Netzwerken folgen und sich jederzeit mit ihr darüber austauschen. Ihr Vortrag „Verlust und Neugewinn: Lernen und Lehren im Medienumbruch“ bietet euch einen Vorgeschmack auf den Abend.

Es wird wieder einen Periscope-Livestream geben, damit auch diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vor Ort seinen können, der Veranstaltungen folgen können. Das Video werde ich, falls es zu keinen technischen Problemen kommen sollte, hinterher bei YouTube auf meinem Kanal zur Verfügung stellen. Der Eintritt ist kostenfrei. Einlass ist ab 19:10Uhr. (Hier geht es zum Link der Facebook-Veranstaltung.)

Nach den ersten vier Monaten des Schuljahres 2016/2017 blicke ich nun auf die Einführung des aula-Projekts zurück, um interessierten Schulen, Lehrenden oder Schüler*innen Einblicke zu ermöglichen, welche Chancen das aula-Konzept bietet, aber auch welche organisatorischen Herausforderungen es zu meistern gilt, falls man sich dafür entscheiden sollte. Eine Information halte ich dabei für wichtig, wenn man abwägt, aula auch an der eigenen Schule zu testen: Das Konzept ist flexibel bezüglich der Schulart, des Umfangs und der Anwendung. Man kann aula mit einem Oberstufenkurs, einzelnen Stufen oder der gesamten Schule, wie es an der Pestalozzi Realschule in Freiburg der Fall ist, umsetzen. Welche Rechte man der Schülerschaft zugestehen möchte, kann ebenfalls weit bzw. eng gefasst werden. Es gab an meiner Schule eine kurze Diskussion, ob die 5. Klassen nicht zu jung und überfordert mit der Form der Beteiligung seien. Wir einigten uns aber darauf, auch ihnen diese Art der Partizipation anzubieten. Die Überlegung war, dass sie aus einer eher passiven Rolle durch die Unterstützung aller am Schulleben Beteiligten langfristig zur aktiven wechseln. Hier gibt es die offizielle Kurzfassung meines Rückblicks bei politik-digital e.V.. (Man findet aula und alle aktuellen Infos jetzt auch bei Facebook.)

In der zweiten Schulwoche fand von Montag bis Mittwoch die doppelstündige aula-Einführung der einzelnen Klassen statt. Dabei wurden zwei Räume mit jeweils 16 PCs parallel mit zwei Klassen so belegt, dass immer der/die Klassenlehrer*in bzw. der/die Co-Klassenlehrer*in dabei sein konnte. Auf diese Weise gelang es uns, dreizehn Klassen innerhalb von drei Tagen in das Konzept einzuführen. Die Doppelstunde beinhaltete ein spielerische Erklärung und Unterscheidung von direkter und indirekter Wahl, Vorstellung der aula-Plattform bezüglich Funktionen, Nutzung und der Idee des Konzepts, das Anlegen eines Profils und die Besprechung des weiteren Vorgehens. Es mussten nämlich für jede Klasse bzw. Klassenraum Moderator*innen (bestenfalls sind das pro Klasse zwei Schüler*innen und ein/e Lehrer/in; in den 5. Klassen haben wir zumindest in diesem Schuljahr auf eine Schülermoderation verzichtet) gefunden und der aula-Vertrag ausgearbeitet bzw. beschlossen werden. Mittlerweile gibt es Tutorials, wie man sich bei aula anmeldet, Ideen einstellt, das Passwort ändert oder das Profil bearbeitet, die einem die Einführung erleichtern. Weitere sind geplant. In der vierten Schulwoche fand am Nachmittag eine dreistündige Moderator*innen-Ausbildung statt, in der ihre Aufgaben geklärt bzw. geübt, Regeln und Umgang mit Verstößen diskutiert und Verbesserungsvorschläge gesammelt wurden.

Zwei Wochen später wurde der aula-Vertrag mit der Schulleitung, Schülerschaft und Teilen des Lehrerkollegiums ausgehandelt. Hier spielte hauptsächlich die Wahl des Rahmens, in dem Schüler*innen eine Entscheidung treffen können, eine Rolle. Unsere Schulleitung schlug die Fassung mit den größtmöglichen Zugeständnissen für die Schülerschaft bezüglich der Entscheidungsbefugnisse vor. Aber auch die Strafmaßnahmen bei Regelverstoß mussten ausgehandelt werden. Hier orientierte man sich an den Wünschen und Vorstellung der Schülervertreter*innen. Die Umsetzung von Ideen kann bzw. konnte erst mit Zustimmung bzw. dem Beschluss der Schulkonferenz, die den aula-Vertrag offiziell ratifiziert, erfolgen. Deshalb befand sich die aula-Plattform bis zur zwölften Schulwoche in einem Testmodus. Alle Schüler*innen konnten in diesem Zeitraum Idee einstellen, für sie voten oder Verbesserungsvorschläge formulieren, um sich mit der Nutzung der Plattform vertraut zu machen.

aula_starttagIn der ersten Schulkonferenz, bestehend aus jeweils vier gewählte Vertreter*innen der Eltern, Schülerschaft und dem Lehrerkollegium, wurde einstimmig das Inkrafttreten des aula-Vertrags beschlossen. Am Morgen danach versammelten sich zur ersten Stunde alle Klassen mit dem gesamten Kollegium in der May Bellinghausen-Halle, um den Start der aula-Plattform, die dafür wieder auf den Ursprungszustand zurückgesetzt wurde (jeglicher Inhalt aus der Testphase wurde gelöscht), gemeinsam einzuläuten. Dabei erhielten die Moderator*innen von der Schulleitung feierlich eine aula-Eule überreicht, die sie symbolisch für das Projekt, aber auch als Erinnerung an die wöchentliche Stunde in ihr jeweiliges Klassenzimmer hingen. Im Anschluss an den gemeinsamen Auftakt kehrten alle Klassen in ihre Räume zurück und besprachen mit den Lehrer*innen ausführlich die Nutzung, die Möglichkeiten und Grenzen des aula-Vertrags. (Insgesamt wurde hierfür eine Doppelstunde investiert. Außerdem habe ich für das Kollegium die wichtigsten Aspekte des Vertrags auf einer DinA4-Seite zusammengefasst.)

Aktuell stehen 69 gepostete Ideen im Schulraum; wobei es einige Doppelungen gibt. Die Vorschläge reichen von neuen Schulbänken bis hin zur überarbeiteten Smartphone-Nutzung in der Schule bzw. dem Unterricht. Eine Idee hat bisher das nötige Quorum von 30% erreicht und ist nun auf dem Tisch, bevor es zur endgültigen Abstimmung kommt. Zwei von 14 aula-Klassenräume wurden bisher nicht genutzt. In manchen Klassen wurden bereits Ideen, wie z.B. Klassenausflüge oder eine neue Regelung der Sitzordnung umgesetzt.

republica17Um ein Budget zu schaffen, das für die Umsetzung größerer Projekte zur Verfügung stehen soll, wurde ein Video aufgezeichnet, das man sich auf dieser Crowdfunding-Plattform (Link folgt nach Kampagnenstart) ansehen kann. Über eine finanzielle Unterstützung der Projekte unserer Schülerschaft würden wir uns sehr freuen. Außerdem dürfen zwei Schüler*innen meiner Schule, mit Marina Weisband und einem Schülervertreter der aula-Pilotschule aus Nottuln das Konzept und die erste Erfahrungen mit aula auf der diesjährigen re:publica 17 in einem Lightning Talk vorstellen.

Persönliche Anmerkungen

  • Jedes soziale Netzwerk bzw. digitale Tool, das nicht ohnehin ein Bestandteil des Lebens junger Menschen ist, hat es schwer. Das bekommt man auch bei der aula-Plattform zu spüren. Schüler*innen sind es gewohnt, sich (meist) einmalig über ne App anzumelden und über Push-Mitteilungen auf Neuigkeiten hingewiesen zu werden. Eine aula-App und Push-Mitteilungen gibt es (noch) nicht und die wiederholte Anmeldung war/ist insofern ein Problem, dass Passwörter nicht notiert und vergessen wurden/werden; wobei man an dieser Stelle wunderbar das Thema Passwortwahl, -nutzung und -verwaltung mit den Klassen aufgreifen kann.
  • Aula ist eine soziales Netzwerk. Deshalb beobachtet man vergleichbare Verhaltensmuster, Chancen und Herausforderungen, die auch Facebook & Co bieten. Sachverhalte oder (nicht) vorhandene Prozesse werden transparent. Es hat schließlich Gründe, dass manche Klassen oder Schüler*innen das Angebot, Ideen zu posten, Verbesserungsvorschläge zu machen oder nur zu voten, wahrnehmen und andere nicht. Darauf können Lehrende nun eingehen und diskutieren. Die Wiederholung von Kommentaren oder Einfällen kenne ich auch aus dem außerschulischen Social Media-Bereich (Wie viele Leute lesen einen Thread, bevor sie auf einen Post oder Tweet reagieren?). Dass es Sinn macht, sich zuerst einen Überblick über bisher Bestehendes zu verschaffen, kann man in den aula-Stunden erarbeiten. Auch die Netiquette, die gerade mühsam in der gesellschaftlichen Debatte auf sozialen Netzwerken verbreitet wird, kann mit aula trainiert werden. Man darf nicht erwarten, dass gleich jede*r Schüler*in die Chance ergreift, ihre Vorstellungen einer besseren Schule umzusetzen. Ich denke, dass die Ein-Prozent-Regel bzw. der Anteil an Lurkern auch für dieses soziale Netzwerk gilt; wobei ich mir auch vorstellen könnte, dass die 1% der Schülerschaft, die eigene Inhalte beiträgt, in diesem geschlossenen, überschaubaren und vertrauteren Umfeld Schule sich langfristig zu mehr Prozent entwickelt.
  • Die längere Testphase bis zum Beschluss der Schulkonferenz hatte Vor- und Nachteile. Der anfängliche Elan ging z.B. an mancher Stelle aufgrund der fehlenden Verbindlichkeit verloren. Andererseits weiß jede/r aus der Praxis, dass zu Schuljahresbeginn viele schulalltäglichen Dinge Ressourcen verschlingen. Der zeitliche Puffer ermöglichte allen Kolleg*innen, sich in eigenem Tempo mit dem Konzept vertraut zu machen; was ich für den breiten Rückhalt eines so umfangreichen Projekts als sehr wichtig erachte.
  • Ein Angebot allein reicht nicht aus, um Beteiligung zu erreichen. Wenn Lehrer*innen die vereinbarte, eine aula-Stunde pro Woche nicht bieten und Partizipation nicht wünschen, bleibt das beste Konzept nur ein Konzept. Die Freiheit der Mitbestimmung braucht eine von allen Beteiligten gewollte Anleitung. Diese kostet viel Zeit, Kraft und ein demokratisches Verständnis, das unserer offenen Gesellschaft ein freiheitliches und friedliches Zusammenleben garantiert.

Seit fast drei Jahren bereise ich bundesweit Veranstaltung zum Thema Digitale Bildung. Anfangs rein als Teilnehmer und mittlerweile zunehmend als Teilgeber oder sogar Veranstalter. Dabei habe ich viele Menschen aus unterschiedlichen Wirkungskreisen der (Digitalen) Bildung online und offline kennengelernt und mich mit ihnen ausgetauscht. In dieser Zeit gab es zwei Konstanten, denen ich diesen Gesprächen begegnete:
a.) Filterblase
Der vertiefte und kontinuierliche Austausch findet immer noch größtenteils in einer Filterblase statt. Diese mag zwar wachsen, bindet aber stets die gleiche Interessengruppe. Die meisten Menschen beschäftigen sich eben berufsbedingt mit Digitaler Bildung und stellen auch da eine Minderheit dar. Das wird auch keine Finanzspritze in neue Technik, wie sie Wanka ankündigte, lösen (Wen das Thema näher interessiert, findet hier von Tobias Hübner eine sehr gute Zusammenfassung der Geschehnisse rund um den Digitalpakt #D.). Man kann nicht leugnen, dass bestehende Veranstaltungsformate größer werden und neue hinzukommen. Nur ändert das am eigentlichen Problem, die kritische Masse zu erreichen, (zu) wenig. Es geht auch nicht um Technik, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die als solche aber noch nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
b.) Durchbruch
Wenn man mit den schon lange Aktiven in diesem Bereich spricht, bekommt man regelmäßig zu hören, dass in den letzten Jahren immer wieder der Durchbruch prophezeit oder ausgerufen wurde, aber sich wenig bis gar nichts änderte. Meist waren es Papiere oder Konzepte, die (noch) auf ihre (breite) Umsetzung warten. Wobei man nicht vergessen darf, dass diese Einschätzung häufig von Menschen stammt, die Dinge bewegen wollen und denen es nicht schnell genug gehen kann. Ein nüchterner(er) Blick zeigt, dass die Bemühungen je nach Bundesland, Stadt/Gemeinde oder Schule unterschiedlich fortgeschritten sind und stark voneinander abweichen können. In NRW gibt es mit Bildung 4.0 einen politischen Motor, im Saarland werden mit der Einführung von Calliope, das von der Bundesregierung finanziert wird, an allen Grundschulen schlagartig Fakten geschaffen und in Hessen sieht die Zukunft der Digitalen Bildung zurzeit nicht rosig aus.

Mich beschäftigt deshalb seit langem die Frage, wie man denn nun die kritische Masse erreichen kann. Wobei die kritische Masse an dieser Stelle eine doppelte Bedeutung hat und auch auf zwei Zielgruppe hinausläuft:
1.) Lehrende spielen eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung jeglicher Form von Bildung. Deshalb kommen wir nicht daran vorbei, Konzepte oder Strategien zu entwickeln, um die zu erreichen, die Neues (Technik, Methoden, Ziele) auf den ersten Blick grundsätzlich verneinen. Diese Gruppe scheint (in Bezug auf Technik) jährlich kleiner zu werden; dabei weicht reine Ablehnung einer kritischen Haltung. Bei einigen vermute ich eine Ursache in der Sorge vor Mehrarbeit, die jede Veränderung zu Beginn erst einmal mit sich bringt. Auf dem Digital Education Day 2016 in Köln tauschte ich mich bei einer Session mit Gleichgesinnten dazu aus. Dort war man sich zumindest darüber einig:

  • Dass sich „jemanden überzeugen zu wollen“ kontraproduktiv auswirkt und man mehr auf lösungsorientierte und einfache Ansätze, die beiläufig im Schulalltag einfließen, bauen sollte.
  • Dass es verpflichtende Elemente Top-down braucht.
  • Dass der Erfolg aller Bemühungen von funktionierender Technik abhängt.
  • Dass man reizvolle Veranstaltungsangebote in der näheren Umgebung braucht. (Vergessen wir nicht die große Gruppe an Interessierten, die nicht nach Berlin, Köln oder Oldenburg fahren können.)

2.) Unter der zweiten Bedeutung der kritischen Masse verstehe ich den Netzwerkeffekt, der auf die gesamte Gesellschaft zielt. Der Moment, wenn eine Sache sich verselbständigt und in der Breite durchsetzt. Das würde den Stellenwert von Digitaler Bildung komplett verändern. Ich bin auch überzeugt, dass sich jetzt schon viele Menschen darüber einig sind, dass das Was und Wie „Bildung“ stattfinden soll, sich ändern muss. Die Debatte darüber findet aber in einem exklusiven Rahmen statt. Wir müssen es schaffen, die (kritische) Masse zu erreichen, indem wir allen einen Zugang zu dieser Debatte ermöglichen, um sich daran zu beteiligen.

Dafür sehe ich zwei notwendige Dinge, die auf der jeweiligen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene für Bewegung in die richtige Richtung sorgen würden:

  • Offene Veranstaltungsformate, die Weiterbildung, Austausch und Vernetzung ermöglichen
  • (echter) politischen Willen, keinen Papiertiger

Meiner Erfahrung nach fühlt sich an den entscheidenden Stellen von einer überschaubaren Anzahl von Menschen bis niemand für Digitale Bildung ernsthaft verantwortlich. Im schlimmsten Fall wird einem auf unterschiedlicheren Ebenen erklärt, dass man nichts unternehmen kann, weil x (x ist eine beliebige Variable und kann für Personen, Strukturen, Gesetze, Ressourcen jeglicher Art oder Sonstiges stehen) es verhindert. Deshalb schlage ich vor, dass sich nun alle fragen, welchen Beitrag sie denn selbst dazu leisten können, um den notwenigen Prozess in Gang zu setzen bzw. zu beschleunigen. Um sich diese Frage zu beantworten, empfehle ich, einige Dinge vorher zu durchdenken:

A.) Zuerst sollte man sich einen Überblick über die Lage bezüglich der Veranstaltungsformate und dem politischen Willen auf der zugehörigen kommunalen, Landes- und Bundesebene machen. Die folgende Grafik soll dazu einen groben Überblick der Angebote und Entwicklungen auf den drei Ebenen veranschaulichen und stellt dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll lediglich bei der gedanklichen Orientierung unterstützen. (Auf das Web, das hier an jeder Stelle zusätzlich greift, habe ich aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet. Blogs, Podcasts, Tweets, Posts und sonstige Netzarbeit sehe ich als verbindendes Element und noch nicht annähernd ausgeschöpftes Potential auf allen Ebenen.)ubersicht_kritischemasse_blog

Ich bin der Auffassung, dass jede Region mindestens ein Format, in der Größe eines Edu Camps oder DEDs pro Jahr anbieten sollte. Dazu bedarf es aber Einrichtungen, die das leisten können. Hier sehe ich primär die Lehrenden als Zielgruppe im Visier. (Natürlich haben sich Barcamps auch als hervorragende Räume der Vernetzung nonformaler und formaler Bildung herauskristallisiert, das zukünftig noch intensiver ausgebaut werden müsste. Auch auf den politischen Willen gehe ich hier nicht weiter ein, weil der Umfang den Rahmen sprengen würde.)

B.) „Verbündete suchen“ kann man als grundsätzliche Devise aussprechen. Kooperationspartnern mit Ressourcenstärke sind dabei von Vorteil. Das können Hochschulen, Landes-/Kreis-/Stadtmedienzentren, Landesakademien, (Jugend-)Bildungswerke, Kulturämter, Bildungsmanagements, Theater oder Museen sein.

C.) Wie erreiche ich aber die Menschen außerhalb der Filterblase bzw. den Netzwerkeffekt? Hier sehe ich die Chance in vielen, bundesweit verstreuten, lokal verankerten Veranstaltungen überschaubarer Größe, deren Charme und Reiz darin liegt, dass man nicht weit reisen muss oder/und die Ausrichter*innen kennt. Das Ziel muss es sein, die dauerhafte und gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit zu erhalten und die Notwendigkeit der Antwort auf die Frage, was sollen unsere Kinder in Schulen und Hochschulen in und für ihre Zukunft lernen, zu vermitteln. Weil ich so ein Format seit letztem Jahr in Freiburg durchführe, stelle ich euch hier eine To-do-Liste zu Verfügung, die ihr nutzen, ergänzen, korrigieren bzw. einfach passgenau auf euch zuschneiden könnt, um selbst solche Veranstaltungen anzubieten.

Thema
Bei der Themenwahl darauf achten, dass es…
nicht zu speziell ist, um ausreichend Interessierte zu generieren.
„gute“ Referent*innen dazu gibt.

Referent*in
Fachlich kompetent, aber auch ansprechend für Laien (Digitales muss raus aus der gesellschaftlichen Nerd-Ecke).
Bestenfalls sollte man Reden/Vorträge vorher schon mal von ihr/ihm gesehen haben.
Ein bezahlbares Hotelzimmer reservieren und die An- und Abreise mit der Person klären. (Dafür braucht man finanzielle Unterstützung von Kooperationspartnern. Hier gibt es sie in NRW.)

Termin
Wie viele? Hängt von eurer Lust und Zeit ab. Zwei Termine pro Jahr sind für eine Person machbar und verleihen dem Thema eine notwendige Kontinuität. Bei mir hat es sich auf je eine Veranstaltung im Frühjahr und Herbst eingependelt.
Wann? Dienstag scheint ein guter Wochentag zu sein, weil die Woche noch frisch und die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Leute noch die Lust und Kraft für ein Zusatzprogramm aufbringen.
Nach anderen Veranstaltungen Ausschau halten (thematisch oder Zielgruppe betreffend relevant, z.B. Elternabend), damit es nicht zu einer Konkurrenzveranstaltung wird. Die Gruppe von Menschen, die man zu solchen Veranstaltung bewegen kann ist überschaubar.

Raum
möglichst zentral, gut erreichbar und für die breite Masse einladen
möglichst günstig bzw. unterstützend bezüglich offener Angeboten
für 10-50 Leute
stabiles WLAN (für ein Live-Streaming)

Werbung
Die persönliche und direkte Ansprache ist die effektivste Werbung. Außerdem müssen wir auch bzw. gerade die Offliner*innen erreichen.
Aufwand von Plakaten oder Pressemitteilungen stand bei meinem erste Event in keiner Relation zur erreichten Zuschauergröße. Kann man also machen, muss man aber nicht. Wenn man einen Artikel über die Veranstaltung in der Presse platzieren kann, ist das aber sicher nicht verkehrt. Bei meiner zweiten Veranstaltung bekam ich von einem lokalen Online-Magazin angeboten, etwas zum Thema zu schreiben und für den Termin zu werben.
Über FB-Veranstaltungen und Werbung via Twitter erreicht man (meiner Erfahrung nach ausreichend) die netzaffinen Menschen.

Web-Community
Live-Streaming kann mit Periscope einfach angeboten werden und ermöglicht auch den Netzaktiven den Zugang zur Veranstaltung. Bei meinem letzten Event hatte ich so konstant zehn bis zwölf zusätzliche Zuschauer*innen. (Die Bundeszentrale für politische Bildung bewarb freundlicherweise mein angekündigtes Streaming, ohne sie gefragt zu haben.)

Energie
Die Planung und Durchführung ist überschaubar, kostet aber trotzdem Kraft. Besonders kräftezehrend ist das Bewerben der Veranstaltung. Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Mal über die Anzahl der Leute, die letztendlich erschienen waren, sehr enttäuscht war. Mein Erwartungshorizont ist mittlerweile realistischer und der Spaß überwiegt.

Jetzt seid ihr dran. Auf welcher der drei Ebenen und in welchem Bereich, könnt ihr etwas dazu beitragen? Mein Call for Participation beginnt mit diesem Beitrag. Belasst es bitte nicht beim klassischen „Man sollte…“. Machen.

Zwei abschließende Ergänzungen
An dieser Stelle bedanke ich mich bei den zahlreichen Menschen aus der On- und Offline-Bildungsgemeinde, die ich bisher kennenlernen durfte und die schon lange viel leisteten und bewegen.
Immer wenn ich Digitale Bildung schreibe, meine ich nicht die Technik, sondern das noch neu auszuhandelnde und durch den digitalen Wandel mögliche und notwendige Lehren und Lernen, das Lisa Rosa hier beschreibt.

Auflistung bestehender Veranstaltungsformate

Deutschland

Schweiz

Österreich