d64_breitWelche „digitale Bildungsrevolution“ wollen wir? lautet die Fragestellung der vierten D64-Veranstaltung aus der Reihe Lernen in einer digitalisierten Welt, die am Dienstag, den 21. März von 19:30Uhr bis voraussichtlich 21:30Uhr im Grünhof stattfinden wird. Die Frage ist auch gleichzeitig der Titel eines Blogbeitrags von Lisa Rosa, der sowohl online als auch offline in der Filterblase um den Hashtag #DigitalenBildung intensiv diskutiert wurde. Dass der digitale Wandel unser gesellschaftliches Zusammenleben bereits verändert und uns vor neue Herausforderungen stellt, ist kein Geheimnis. Was bedeutet das aber zukünftig für die Institutionen aus dem Bildungsbereich? Welche Änderungen verlangt das für die Lehrenden und Lernenden? Die möglichen Antworten auf diese Fragen sollten zeitnah in einer breiten gesellschaftlichen Diskussion herausgearbeitet werden. Deshalb wird uns Lisa Rosa zunächst mit einer Präsentation einen Überblick über das umfangreiche Thema bieten, um im Anschluss mit dem Publikum eine erstrebenswerte Zukunft zu diskutieren, die unsere Kinder auf das Leben angemessen vorbereitet.

lisa-rosa-e1478514841249Lisa Rosa hat Politische Wissenschaften, Geschichte und Musik studiert und war 20 Jahre Vollzeit-Lehrerin an einer Gesamtschule in Westberlin und an einem Hamburger Gymnasium. Seit 2005 arbeitet sie in der Unterrichtsentwicklung im Referat Gesellschaft des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg. Ihre Interessen und Arbeitsgebiete liegen in den Bereichen Digitale Medien und Bildung, Wissensgesellschaft, Politische Bildung, Lerntheorie und Projektdidaktik. Sie ist bezüglich der Themenfelder um #DigitaleBildung nicht nur eine Vordenkerin, sondern lebt sie auch vor: In Zahlen sind das dann über 22300 Tweets (das macht ca. 7 Tweets täglich), 3 Blogs, 17 Präsentationen bei SlideShare, 4027 Lesezeichen bei diigo, 33 Prezis und 18 Artikel (natürlich Bücher) in der Amazon-Wunschliste. Man kann ihrer Arbeit und ihren Gedanken auf fast allen sozialen Netzwerken folgen und sich jederzeit mit ihr darüber austauschen. Ihr Vortrag „Verlust und Neugewinn: Lernen und Lehren im Medienumbruch“ bietet euch einen Vorgeschmack auf den Abend.

Es wird wieder einen Periscope-Livestream geben, damit auch diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vor Ort seinen können, der Veranstaltungen folgen können. Das Video werde ich, falls es zu keinen technischen Problemen kommen sollte, hinterher bei YouTube auf meinem Kanal zur Verfügung stellen. Der Eintritt ist kostenfrei. Einlass ist ab 19:10Uhr. (Hier geht es zum Link der Facebook-Veranstaltung.)

Nach den ersten vier Monaten des Schuljahres 2016/2017 blicke ich nun auf die Einführung des aula-Projekts zurück, um interessierten Schulen, Lehrenden oder Schüler*innen Einblicke zu ermöglichen, welche Chancen das aula-Konzept bietet, aber auch welche organisatorischen Herausforderungen es zu meistern gilt, falls man sich dafür entscheiden sollte. Eine Information halte ich dabei für wichtig, wenn man abwägt, aula auch an der eigenen Schule zu testen: Das Konzept ist flexibel bezüglich der Schulart, des Umfangs und der Anwendung. Man kann aula mit einem Oberstufenkurs, einzelnen Stufen oder der gesamten Schule, wie es an der Pestalozzi Realschule in Freiburg der Fall ist, umsetzen. Welche Rechte man der Schülerschaft zugestehen möchte, kann ebenfalls weit bzw. eng gefasst werden. Es gab an meiner Schule eine kurze Diskussion, ob die 5. Klassen nicht zu jung und überfordert mit der Form der Beteiligung seien. Wir einigten uns aber darauf, auch ihnen diese Art der Partizipation anzubieten. Die Überlegung war, dass sie aus einer eher passiven Rolle durch die Unterstützung aller am Schulleben Beteiligten langfristig zur aktiven wechseln. Hier gibt es die offizielle Kurzfassung meines Rückblicks bei politik-digital e.V.. (Man findet aula und alle aktuellen Infos jetzt auch bei Facebook.)

In der zweiten Schulwoche fand von Montag bis Mittwoch die doppelstündige aula-Einführung der einzelnen Klassen statt. Dabei wurden zwei Räume mit jeweils 16 PCs parallel mit zwei Klassen so belegt, dass immer der/die Klassenlehrer*in bzw. der/die Co-Klassenlehrer*in dabei sein konnte. Auf diese Weise gelang es uns, dreizehn Klassen innerhalb von drei Tagen in das Konzept einzuführen. Die Doppelstunde beinhaltete ein spielerische Erklärung und Unterscheidung von direkter und indirekter Wahl, Vorstellung der aula-Plattform bezüglich Funktionen, Nutzung und der Idee des Konzepts, das Anlegen eines Profils und die Besprechung des weiteren Vorgehens. Es mussten nämlich für jede Klasse bzw. Klassenraum Moderator*innen (bestenfalls sind das pro Klasse zwei Schüler*innen und ein/e Lehrer/in; in den 5. Klassen haben wir zumindest in diesem Schuljahr auf eine Schülermoderation verzichtet) gefunden und der aula-Vertrag ausgearbeitet bzw. beschlossen werden. Mittlerweile gibt es Tutorials, wie man sich bei aula anmeldet, Ideen einstellt, das Passwort ändert oder das Profil bearbeitet, die einem die Einführung erleichtern. Weitere sind geplant. In der vierten Schulwoche fand am Nachmittag eine dreistündige Moderator*innen-Ausbildung statt, in der ihre Aufgaben geklärt bzw. geübt, Regeln und Umgang mit Verstößen diskutiert und Verbesserungsvorschläge gesammelt wurden.

Zwei Wochen später wurde der aula-Vertrag mit der Schulleitung, Schülerschaft und Teilen des Lehrerkollegiums ausgehandelt. Hier spielte hauptsächlich die Wahl des Rahmens, in dem Schüler*innen eine Entscheidung treffen können, eine Rolle. Unsere Schulleitung schlug die Fassung mit den größtmöglichen Zugeständnissen für die Schülerschaft bezüglich der Entscheidungsbefugnisse vor. Aber auch die Strafmaßnahmen bei Regelverstoß mussten ausgehandelt werden. Hier orientierte man sich an den Wünschen und Vorstellung der Schülervertreter*innen. Die Umsetzung von Ideen kann bzw. konnte erst mit Zustimmung bzw. dem Beschluss der Schulkonferenz, die den aula-Vertrag offiziell ratifiziert, erfolgen. Deshalb befand sich die aula-Plattform bis zur zwölften Schulwoche in einem Testmodus. Alle Schüler*innen konnten in diesem Zeitraum Idee einstellen, für sie voten oder Verbesserungsvorschläge formulieren, um sich mit der Nutzung der Plattform vertraut zu machen.

aula_starttagIn der ersten Schulkonferenz, bestehend aus jeweils vier gewählte Vertreter*innen der Eltern, Schülerschaft und dem Lehrerkollegium, wurde einstimmig das Inkrafttreten des aula-Vertrags beschlossen. Am Morgen danach versammelten sich zur ersten Stunde alle Klassen mit dem gesamten Kollegium in der May Bellinghausen-Halle, um den Start der aula-Plattform, die dafür wieder auf den Ursprungszustand zurückgesetzt wurde (jeglicher Inhalt aus der Testphase wurde gelöscht), gemeinsam einzuläuten. Dabei erhielten die Moderator*innen von der Schulleitung feierlich eine aula-Eule überreicht, die sie symbolisch für das Projekt, aber auch als Erinnerung an die wöchentliche Stunde in ihr jeweiliges Klassenzimmer hingen. Im Anschluss an den gemeinsamen Auftakt kehrten alle Klassen in ihre Räume zurück und besprachen mit den Lehrer*innen ausführlich die Nutzung, die Möglichkeiten und Grenzen des aula-Vertrags. (Insgesamt wurde hierfür eine Doppelstunde investiert. Außerdem habe ich für das Kollegium die wichtigsten Aspekte des Vertrags auf einer DinA4-Seite zusammengefasst.)

Aktuell stehen 69 gepostete Ideen im Schulraum; wobei es einige Doppelungen gibt. Die Vorschläge reichen von neuen Schulbänken bis hin zur überarbeiteten Smartphone-Nutzung in der Schule bzw. dem Unterricht. Eine Idee hat bisher das nötige Quorum von 30% erreicht und ist nun auf dem Tisch, bevor es zur endgültigen Abstimmung kommt. Zwei von 14 aula-Klassenräume wurden bisher nicht genutzt. In manchen Klassen wurden bereits Ideen, wie z.B. Klassenausflüge oder eine neue Regelung der Sitzordnung umgesetzt.

republica17Um ein Budget zu schaffen, das für die Umsetzung größerer Projekte zur Verfügung stehen soll, wurde ein Video aufgezeichnet, das man sich auf dieser Crowdfunding-Plattform (Link folgt nach Kampagnenstart) ansehen kann. Über eine finanzielle Unterstützung der Projekte unserer Schülerschaft würden wir uns sehr freuen. Außerdem dürfen zwei Schüler*innen meiner Schule, mit Marina Weisband und einem Schülervertreter der aula-Pilotschule aus Nottuln das Konzept und die erste Erfahrungen mit aula auf der diesjährigen re:publica 17 in einem Lightning Talk vorstellen.

Persönliche Anmerkungen

  • Jedes soziale Netzwerk bzw. digitale Tool, das nicht ohnehin ein Bestandteil des Lebens junger Menschen ist, hat es schwer. Das bekommt man auch bei der aula-Plattform zu spüren. Schüler*innen sind es gewohnt, sich (meist) einmalig über ne App anzumelden und über Push-Mitteilungen auf Neuigkeiten hingewiesen zu werden. Eine aula-App und Push-Mitteilungen gibt es (noch) nicht und die wiederholte Anmeldung war/ist insofern ein Problem, dass Passwörter nicht notiert und vergessen wurden/werden; wobei man an dieser Stelle wunderbar das Thema Passwortwahl, -nutzung und -verwaltung mit den Klassen aufgreifen kann.
  • Aula ist eine soziales Netzwerk. Deshalb beobachtet man vergleichbare Verhaltensmuster, Chancen und Herausforderungen, die auch Facebook & Co bieten. Sachverhalte oder (nicht) vorhandene Prozesse werden transparent. Es hat schließlich Gründe, dass manche Klassen oder Schüler*innen das Angebot, Ideen zu posten, Verbesserungsvorschläge zu machen oder nur zu voten, wahrnehmen und andere nicht. Darauf können Lehrende nun eingehen und diskutieren. Die Wiederholung von Kommentaren oder Einfällen kenne ich auch aus dem außerschulischen Social Media-Bereich (Wie viele Leute lesen einen Thread, bevor sie auf einen Post oder Tweet reagieren?). Dass es Sinn macht, sich zuerst einen Überblick über bisher Bestehendes zu verschaffen, kann man in den aula-Stunden erarbeiten. Auch die Netiquette, die gerade mühsam in der gesellschaftlichen Debatte auf sozialen Netzwerken verbreitet wird, kann mit aula trainiert werden. Man darf nicht erwarten, dass gleich jede*r Schüler*in die Chance ergreift, ihre Vorstellungen einer besseren Schule umzusetzen. Ich denke, dass die Ein-Prozent-Regel bzw. der Anteil an Lurkern auch für dieses soziale Netzwerk gilt; wobei ich mir auch vorstellen könnte, dass die 1% der Schülerschaft, die eigene Inhalte beiträgt, in diesem geschlossenen, überschaubaren und vertrauteren Umfeld Schule sich langfristig zu mehr Prozent entwickelt.
  • Die längere Testphase bis zum Beschluss der Schulkonferenz hatte Vor- und Nachteile. Der anfängliche Elan ging z.B. an mancher Stelle aufgrund der fehlenden Verbindlichkeit verloren. Andererseits weiß jede/r aus der Praxis, dass zu Schuljahresbeginn viele schulalltäglichen Dinge Ressourcen verschlingen. Der zeitliche Puffer ermöglichte allen Kolleg*innen, sich in eigenem Tempo mit dem Konzept vertraut zu machen; was ich für den breiten Rückhalt eines so umfangreichen Projekts als sehr wichtig erachte.
  • Ein Angebot allein reicht nicht aus, um Beteiligung zu erreichen. Wenn Lehrer*innen die vereinbarte, eine aula-Stunde pro Woche nicht bieten und Partizipation nicht wünschen, bleibt das beste Konzept nur ein Konzept. Die Freiheit der Mitbestimmung braucht eine von allen Beteiligten gewollte Anleitung. Diese kostet viel Zeit, Kraft und ein demokratisches Verständnis, das unserer offenen Gesellschaft ein freiheitliches und friedliches Zusammenleben garantiert.

d64_breitEs ist wieder soweit. Die mittlerweile dritte D64-Veranstaltung aus der Reihe Lernen in einer digitalisierten Welt findet am Dienstag, den 04. Oktober von 19:30Uhr bis voraussichtlich 21:30Uhr im Grünhof statt. Dieses Mal wird in einer besonderen Weise über ein Thema referiert und diskutiert, das weitaus mehr als einen Abend füllen kann und wird: #DigitaleBildung. Täglich spuckt das Web unter dem Hashtag #DigitaleBildung immer wieder neue Antworten auf Fragen, die viele Lehrende, Eltern und auch Schüler*innen immer mehr beschäftigen (sollten): Wie soll die Schule in Zukunft aussehen? Welche Ziele sollen dabei wie erreicht werden? Welche Rolle spielen dabei die Lernenden und Lehrenden? Welche Technik ist notwendig und welcher Einsatz wäre dabei sinnvoll? Ein endlos langer Fragenkatalog, der sich ständig zu erweitern scheint. Einige Schulen in Freiburg und Umgebung haben bereits interaktive Whiteboards (digitale Tafeln), Tablet-Klassen oder arbeiten mit Smartphones im Unterricht. Trotzdem stehen auf dem Gebiet immer noch viele Fragen offen. Deshalb plane ich zu diesem Thema mehrere Menschen mit digitalem Bildungshintergrund nach Freiburg einzuladen, um allen Interessierten diesbezüglich unterschiedliche Perspektiven zu ermöglichen.

krommer-kleinDen Auftakt macht dabei Axel Krommer. Er hat Deutsch und Philosophie studiert und ist u.a. Mitglied in der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e.V. und akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Uni Erlangen. Axel Krommer begleitet und beobachtet über Jahre die Entwicklung im Web und auch außerhalb, rund um den Hashtag #DigitaleBildung. In einem interaktiven und lockeren Format wird er gemeinsam mit dem Publikum Potentiale und Stolperfallen zum Thema beleuchten. Es wird wieder einen Periscope-Livestream geben, damit auch diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vor Ort seinen können, der Veranstaltungen folgen können. Das Video werde ich, falls es zu keinen technischen Problemen kommen sollte, hinterher bei YouTube auf meinem Kanal zur Verfügung stellen. Der Eintritt ist kostenfrei. Einlass ist ab 19:10Uhr. (Hier geht es zum Link der Facebook-Veranstaltung.)

Falls sich Lehrer*innen (gerne auch andere) auf die Veranstaltung vorbereiten möchte, um Axel Krommer konkretere Fragen stellen zu können, empfehle ich folgende drei Texte: