Wann, wo oder wie Menschen lernen unterlag lange einer Trennung in formale und non-formale Bildung, nach Alter oder geprüfter Leistung der Lernenden. In Zeiten des digitalen Wandels weichen bisherige Strukturen auf und ermöglichen neue und scheinbar grenzenlose Lernräume. Seit einigen Jahren beschäftigt mich der Gedanke, dass man die sich im Web entwickelnden Lernnetzwerke nicht nur online auf- und ausbauen sollte, sondern diesen Prozess auch vor Ort ermöglichen müsste. Einige Institutionen aus Freiburg haben sich nun bereit erklärt, mit einem Barcamp einen Versuch zu wagen. Ein Barcamp bietet als offenes und partizipatives Format den besten Rahmen für eine Eröffnung und Weiterentwicklung eines städtischen oder regionalen Lernnetzwerkes, das mögliche strukturelle oder bürokratische Hürden überwinden kann.

barcamp-freiburgDie Grundidee hinter dem (ersten) Barcamp Lernräume besteht darin, dass möglichst viele und unterschiedlich am Bildungswesen Beteiligte aus Freiburg und Umgebung gemeinsam einen Tag lang Lernräume entstehen lassen, in denen alle als Lernende jeglichen Alters auf Augenhöhe zusammenfinden, sich austauschen, vernetzen und dabei vielleicht auch gesellschaftlich und kommunal ein neues Kapitel aufschlagen. Eine Stadt als Lernnetzwerk, wie sie Harold Jarche hier beschreibt, wäre eine mögliche Entwicklung.

Die Planung und Umsetzung des Barcamps steht stellvertretend für ein vielfältiges Miteinander an Stelle eines Nebeneinanders. Nach einem ersten Treffen mit dem KMZ (Kreismedienzentrum), der LpB (Landeszentrale für politische Bildung) und der VHS (Volkshochschule) Anfang Juli ist der Mitgestaltungskreis mittlerweile beachtlich gewachsen. Folgende Institutionen wirken bisher alle gleichwertig mit und entscheiden selbst, an welcher Stelle und wie viel Know-how, technische, räumliche, personelle oder finanzielle Unterstützung sie beitragen möchten:
KMZ (Kreismedienzentrum)
VHS (Volkshochschule)
Landesakademie Bad Wildbad
LpB (Landeszentrale für politische Bildung – Außenstelle Freiburg)
ZELF (Zentrum für Lehrerfortbildung, PH Freiburg)
Stadtjugendring Freiburg
JBW (Jugendbildungswerk)
KH (Katholische Hochschule Freiburg)
D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt
Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
Initiative D21
Offenes Bildungsnetzwerk Freiburg
Zukunftsbauer
Freiburger Schülerrat
Staatliches Schulamt Freiburg
Amt für Schule und Bildung der Stadt Freiburg
• Badische Zeitung
Open Government Data (Stadt Freiburg)

Natürlich können sich uns jederzeit noch gerne weitere Institutionen, Gruppierungen oder Personen bei der Planung und Umsetzung anschließen.

Das Barcamp wird am 17. März 2018 in Freiburg stattfinden. Der Austragungsort, der genaue Tagesablauf und alle sonstigen Aspekte werden Ende November beim großen Orga-Treffen besprochen. Zeitnah an dieses Treffen wird eine Website veröffentlicht, die über alle Details und aktuelle Änderungen informieren wird.

Aktualisierung

Mittlerweile haben sich D64, die Initiative D21, das OBNF, die Zukunftsbauer, der Freiburger Schülerrat, das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, das Staatliche Schulamt Freiburg, das Amt für Schule und Bildung der Stadt Freiburg, die Badische Zeitung und Open Government Data der Stadt Freiburg dem Mitgestaltungskreis angeschlossen. Die anfänglich kleine Idee hat sich nun zu einer großen Veranstaltung entwickelt, auf die man sehr gespannt und voller Vorfreude blicken kann. Das Barcamp Lernräume wird an der Pädagogischen Hochschule Freiburg stattfinden. Alle weiteren und aktuellen Infos findet man auf dieser Website, bei Facebook oder bei Twitter.

d64_breitUnter dem Titel „Lernen in einer digitalisierten Welt“ wird D64 eine langfristige Veranstaltungsreihe in Freiburg installieren, die sich dem Thema Digitales und Bildung widmet. Der erfolgreiche Auftakt dazu, der hier angekündigt wurde, fand am 07.10.2015 an der PH Freiburg statt, den man auch über einen Periscope-Livestream mitverfolgen konnte. Diese Aufzeichnung habe ich in vier Teile zerlegt und auf meinem YouTube-Kanal zur Verfügung gestellt.

philippeDie zukünftigen Veranstaltungen werden sich auf einen Referenten mit einem Thema beschränken. Der Ablauf, Impulsvortrag mit anschließender Podiumsdiskussion, und der Hashtag #LernenDigitalD64 bleiben aber erhalten. Anfang 2016 wird Philippe Wampfler, der nächste Hochkaräter der digitalen Szene, mit dem Thema Social Media die Veranstaltungsreihe im neuen Jahr eröffnen. Allen, die sich jetzt schon darauf etwas einstimmen möchten, empfehle ich sein Buch Generation „Social Media“ oder seinen Blog zu lesen. Sobald Datum und Ort feststehen, werde ich die Information über meinen Blog, Twitter- und Facebook-Account bekanntgeben. Stay tuned.

LeDiWeFür den 07.10.2015 haben Saskia und ich als D64-Mitglieder im KG V Raum 103 der PH Freiburg eine Podiumsdiskussion zum Thema „Lernen in einer digitalisierten Welt“ organisiert. Diese Auftaktveranstaltung soll auch regional die notwendige Auseinandersetzung mit dem Thema beflügeln, da mit den neuen Bildungsplänen 2016 die Medienbildung in Baden-Württemberg als eine von sechs übergeordneten Leitperspektiven verbindlich eingeführt wird. Weitere Veranstaltungen zu diesem Thema sind langfristig geplant. Da die Digitalisierung (im Bildungsbereich) zwangsläufig alle Gruppierungen der Gesellschaft betrifft, möchte ich darauf hinweisen, dass nicht nur Dozentinnen und LehrerInnen, sondern auch Eltern und SchülerInnen herzlich willkommen sind.

Unter der Moderation von Saskia Esken (MdB, stellvertretende netzpolitische Sprecherin und Berichterstatterin der SPD-Fraktion für #DigitaleBildung) werden Prof. Dr. Jürgen Handke (Autor: Patient Hochschullehre, Handbuch Hochschullehre Digital und Das Inverted-classroom-Model) und Martin Lindner (Autor: Die Bildung und das Netz) über neue Möglichkeiten des Lernens in der Hochschule und Schule und die Perspektive der Lernenden diskutieren. Die Veranstaltung erhebt nicht den Anspruch Patentrezepte zu liefern, sondern soll zum An- und Weiterdenken anregen und mögliche Wege, die eine Schule oder Hochschule gehen kann, aufzeigen. Deshalb freuen wir uns über Fragen und Anmerkungen vom Publikum vor Ort und der Netzgemeinde (Mit dem Hashtag #LernenDigitalD64 kann man sich via Twitter an der Debatte beteiligen.); auch schon gerne vor der Veranstaltung. Ein Periscope-Livestream ist geplant. Den Link werde ich via Twitter und Post in der Facebook-Veranstaltung bekanntgegeben.

Folgender Ablauf ist vorgesehen:

18:30Uhr Empfang/Einlass

18:50Uhr Begrüßung durch Saskia Esken, die auch durch den Abend moderiert

19:00Uhr kurze Impulsreferate von Prof. Dr. Jürgen Handke zum Thema Hochschullehre Digital und von Martin Lindner zum Thema Guerilla Lernen – Schule aus der NutzerInnen-Perspektive

19:30Uhr Podiumsdiskussion unter Beteiligung des Publikums und der Netzgemeinde via Twitter mit dem Hashtag #LernenDigitalD64 (evtl. Livestream über Periscope)

20:30Uhr „Get together“ und informeller Austausch

21Uhr Ende der Veranstaltung

Wir freuen uns auf euer Kommen.

Anlass

Nach mehreren Diskussionen mit Tom Mittelbach und Karl Berstein über die Lehrerrolle, -ausbildung und -arbeitsbedingungen haben wir beschlossen über dieses stets aktuelle Thema zu bloggen und möglichst viele Beiträge zu sammeln, um diesbezüglich ein breites Meinungsbild zu erhalten. Daher hoffen wir, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen der Blogparade anschließen und die drei folgenden Fragen beantworten:

(Natürlich kann man die Fragen im Kontext einer veränderten bzw. digitalisierten Welt diskutieren. Muss man aber nicht zwingend. Ich bin überzeugt, dass es auch Änderungen des Lehrerdaseins bedarf, die abseits der Digitalisierung neu gedacht werden sollten.)

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text nur die männliche Form verwendet. Gemeint ist stets sowohl die weibliche als auch die männliche Form.

1.) Was sollte ein guter Lehrer morgen leisten können?

Seitdem ich den YouTube-Beitrag von Axel Krommer gesehen habe, beschäftigt mich die Frage, ob dieses Auflösen alter Strukturen auch einen Wandel der Lehrerrolle erfordert. Oder bleiben die Zutaten, die einen “guten“ Lehrer ausmachen, unverändert? Die Hard Skills und Soft Skills werde ich gesondert betrachten.

Hard Skills

Für die Hard Skills bedeutet das grob zusammengefasst, dass man sich sicher im Netz bewegen sollen könnte. Das gelingt nur durch eine aktive digitale Identität: Werft euch in die Fluten des WWW und erstellt Accounts in den diversen Netzwerken, produziert, konsumiert und reflektiert. Alles andere wird nicht funktionieren. Einsteigern empfehle ich hier den ichMOOC. Wer sich der Technik verschließt, macht sich das Lehrerleben nicht leichter – im Gegenteil. An dieser Stelle möchte ich auf eine erfahrene Quelle aus dem Lehrerzimmer verweisen:

In wenigen Tagen verabschiede ich einen Kollegen, der seit 1972 als Realschullehrer arbeitet. Er hat das geschafft, wonach jeder Lehrer strebt: über vierzig Jahre lang mit Herzblut zu unterrichten, dabei von allen Kollegen geschätzt und Schülern respektiert und meist auch geliebt zu werden. Ich habe ihn gefragt, ob er glaubt, dass man heute als Lehrer andere Fähigkeiten bräuchte als früher. Seine Antwort war, dass die Begegnung mit dem Schüler zählt. Das würde sich nie ändern. Trotzdem gab er zu, in den letzten Jahrzehnten sich von der Lebenswelt der Jugendlichen immer weiter entfernt zu haben. Dieser (technische) Graben entstand für ihn übrigens nicht erst mit der Erfindung des Smartphones, sondern mit der Einführung digitaler Uhren in den 70ern. Da die „aktuelle“ Technik an das Web gekoppelt ist, sorgt aus heutiger Sicht ein Verzicht darauf für eine mindestens doppelt so tiefe Kluft zwischen Pult und Klasse.

Ergänzung: Lehrer, die lauthals stolz darauf sind, kein Smartphone zu besitzen und nicht im Netz aktiv zu sein, setze ich mit Schülern gleich, die nach/vor einer Arbeit rumposaunen, nichts darauf gelernt zu haben. Und sich als Lehrer darauf auszuruhen, dass es noch nicht „von oben“ gefordert wurde, spricht meines Erachtens nicht für Mündigkeit. Zu viele Schüler surfen seit Jahren mehr oder alleine im Datenmeer. Manche wachsen daran, manche verlieren sich dabei und ertrinken. (Dieser Zustand macht mir persönlich am meisten zu schaffen.) Ich möchte nicht darauf warten, dass mir jemand sagt, dass ich dafür verantwortlich bin. (Und an alle, die hier reflexartig „Wofür soll ich noch verantwortlich sein?!“ aufschreien, zuallererst für das Wohl der Schüler.) Schüler sind auf der Suche nach Vorbildern, auch im Netz.

Soft Skills

Zukünftige Lehrer werden ein hohes Maß an Flexibilität und immerwährende Offenheit gegenüber Neuem mitbringen müssen, da sich das Was und das Wie im Web in einer ständigen Entwicklung befinden. Trello ist schon wieder out und Slack ist die Zukunft. Ich kenne Kollegen, deren Unterricht sich nach Jahrzehnten immer noch komplett auf das Wissen aus dem Studium stützt. Das wird zukünftig nicht mehr funktionieren ohne den Unterricht und die eigene Gesundheit an die Wand zu fahren.

(Nicht auf das Digitale bezogen: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass jeder Schüler in seiner Schulzeit das Gefühl erlebt, als Mensch erkannt zu werden. Hierfür wären Lehrer mit ausreichend Empathie und Zeit notwendig. Beides droht aus verschiedenen Gründen immer weniger zu existieren.)

Hardest Skill (Jenseits der Digitalisierung)

Die wohl notwendigste Änderung bezüglich der Lehrer von morgen ist die Mündigkeit. Diese kann nicht studiert werden; man muss sie erfahren und leben, um sie unterrichten zu können. Wer nicht gelernt hat, zu widersprechen, wenn es nötig ist, und sich für seine Meinung stark zu machen, kann diese Haltung auch nicht an Schüler weitergeben. Überspitzt formuliert brauchen wir Lehrer, die kontroverse und konstruktive Debatten auf allen Ebenen führen können (können = können und dürfen) und keine reinen Noten und Listen verwaltenden Sachbearbeiter und Jasager. Hierfür müssten auch die Lehrerausbildung und die Arbeitsbedingungen geändert werden.

2.) Wie müsste man dafür die Lehrerausbildung ändern?

Mozilla nennt es Web Literacy: Reading the Web, Writing the Web and Participating on the Web. Diese Befähigungen am Web teilzunehmen, gehört meiner Meinung nach an alle Hochschulen. Die Hochschulstrukturen sind zu starr und behäbig. Eigenes Denken verlangt Freiräume und Flexibilität. Wer Web Literacy umsetzen möchte, muss auf alte Hierarchien verzichten und auf mündige Studenten setzen. Transparenz, konstruktive Kritik und Partizipation müssen selbstverständlich sein – in beide Richtungen. Hochschulleiter und Dozenten, die das ermöglichen, gibt es schon. Wir brauchen mehr davon.

3.) Wie müsste man dafür die Schule/Arbeitsbedingungen ändern?

Alles, das ich als Antwort auf die zweite Frage geschrieben habe, gilt auch hier (ersetze Hochschule = Schule, Hochschulleiter = Schulleiter und Dozenten = Lehrer). Um diese neuen Strukturen umzusetzen, braucht es eine Demokratisierung der Schulen. Schulleiter benötigen sowohl die Freiheit als auch das Recht, sich ihr eigenes Kollegium/Team zusammenstellen zu können. (Es wandert nicht umsonst jährlich eine beträchtliche Zahl an Schülern an die Privatschulen.) Schulen brauchen echte Evaluation und mehr zeitliche und finanzielle Ressourcen für die eigentlichen Belange. Der Schüler und das Lernen muss wieder im Vordergrund stehen und nicht das Portfolio.

Diese Blogparade hat keine zeitliche Begrenzung. Bitte informiert, Karl, Tom oder mich, wenn ihr einen Blogbeitrag erstellt habt. Vielen Dank im Voraus.

Blogparaden-Beiträge

1.) Karl Berstein: Die Lehrer/innen-Ausbildung – eine kleine und schmerzhafte Abrechnung!

2.) Tom Mittelbach – Professionalisierung der Beziehhungsarbeit zwischen LehrerInnen und SchülerInnen.

3.) Stefanie Weber – Warum unser Bildungssystem krankt. Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.

4.) Herr RauLehrer von morgen heute denken

5.) PaukerblogLehrer von morgen heute denken

6.) Monika HeusingerDie Rolle von Lehrenden in der Zukunft

7.) Phillipe WampflerDie Lehrkräfte von morgen heute denken

8.) Maik RieckenDie Lehrkraft von morgen

9.) Jürgen – Lehrer von morgen heute denken