Damit sich Menschen in flexiblen, kollaborativen, offenen Netzwerken, Prozessen und wandelnden Rollen kritisch denkend bewegen können, braucht es ein komplett neues Mindset. Wie erreicht man aber, dass eine allgemeine Bereitschaft entsteht und wächst, sich geistige Freiräume zu bilden, die in der Digitalen Transformation so unabdingbar sind? Es kann sich nur etwas entfalten, wenn der dafür nötige Raum vorhanden ist. Das gilt auch für begehbare Räume. Das Potenzial des Webraums muss deshalb in seinen Formaten, aber auch baulich lokal gedacht werden.
Räume
Ich denke, dass es eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe im Transformationsprozess ist, Menschen, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben, über für alle attraktive Angebote in Form von Austausch, in dem jede Person einen Beitrag leisten und eine Wertschätzung erfahren kann, zusammenzuführen. Nach der Maxime „Think globally, act locally.“ würde das offene, unkommerzialisierte, kommunale Räume bedeuten. Deren Notwendigkeit erklärt sich auf mehreren Ebenen.
- Dass sich Teile der Gesellschaft (politisch) radikalisieren, ist auch eine Folge der zunehmenden Komplexität durch die Digitale Transformation. Mit abnehmendem Verständnis der Veränderungen, steigt die Attraktivität der einfachen Antworten und Filterblasen, die es zu überwinden gilt.
- Um komplexe Herausforderung zu lösen, braucht es unterschiedliche Expertisen und Perspektiven. Kommunal (auch auf Landes- und Bundesebene) ist dieses Potenzial in den meisten Fällen noch unangetastet.
- Die zufälligen Begegnungen mit Themen und Personen im Web, fernab der Algorithmen von Facebook & Co. Diese kulturelle Bereicherung braucht es auch offline, vor Ort.
Formate
Neben der baulichen Gestaltung sind auch Formate und Strukturen, in denen Gesellschaft aufeinandertrifft entscheidend. Der Großteil an Veranstaltungen zeichnet sich auch 2018 noch primär durch eine Aneinanderreihung von Vorträgen aus. Nur die Bezeichnung hat sich gewandelt. Man spricht heute von Keynote, was an der Frontalbeschallung nichts ändert. Die steigende Zahl an Barcamps oder Open Space-Konferenzen und deren Beliebtheit zeigen, dass mehr Beteiligung gewünscht ist und lässt hoffen. Aufbau und Struktur von Parteien und klassischen Vereinen scheinen immer weniger Menschen anzusprechen. Es braucht Möglichkeiten, sich zeitgemäß zu engagieren. Offene lokale Netzwerke, denen man je nach Wunsch und Lage unverbindlich, passiv, projektbasiert oder aktiv und längerfristig gestaltend beiwohnen kann.
Die gesellschaftliche Weiterentwicklung ist ein Dauerzustand und geht nicht weg. Wer Smart Cities anstrebt, braucht Smart Citizens. Dazu werden sie aber nicht automatisch, in denen man ihnen die neuste Technik in die Hand drückt, sondern indem attraktive kommunale Räume geschaffen werden, in denen auch Offline-Netzwerken funktionieren kann.

Allein die steigende Komplexität gesellschaftlichen Zusammenlebens bedingt, sich in flexiblen, kollaborativen, offenen Netzwerken, Prozessen und wandelnden Rollen kritisch denkend bewegen zu können (Können steht für die dafür voraussetzende Bereitschaft, das zu erlangende Vermögen und die notwendigen Möglichkeiten.). In anderen Worten: Netzwerken können. (Was leider häufig mit Vernetzung gleichgesetzt wird.) Neben Freiräumen in allen Bereichen erfordert das Kreativität und Zusammenführen vielfältiger Expertisen und Perspektiven. Das bedeutet auch traditionelle Handlungsmuster zu überwinden und neue Wege zu beschreiten, die nach den Kriterien bisheriger Systeme keinen Anreiz bieten. Dafür muss losgelöst von einfachen Kausalbeziehungen und nicht in hierarchischen Baumstrukturen oder isoliert nebeneinander existierenden Objekten gedacht werden. Die Digitale Transformation setzt Systemdenken mit der Maxime „Think globally, act locally.“ voraus. Ein etwas besser, etwas anders reicht nicht mehr. Es braucht ein komplett neues Mindset.
Zeit scheint dabei die kostbarste Ressource zu sein. Zeit, um die Voraussetzungen für diese Prozesse zu entwicklen und umzusetzen. Wenn investiert wird, dann meist in Technik. Mit neu gekaufter Technik scheint der „digitalen Wandel“ sichtbar, greifbar, verständlich, pressewirksam und funktioniert auch ohne Änderung von Strukturen und Systemen. Dadurch wird nicht selten ohne systemische Betrachtung nur ein Faktor verändert, es werden negative oder gar keine Auswirkungen festgestellt und dann schlussgefolgert, dass Veränderungen nichts bringen oder sogar schlecht sind. Den bisher vielversprechendsten Ansatz liefert immer noch Google mit der Regel, dass ihre Mitarbeiter_innen 20% ihrer Arbeitszeit dafür verwenden dürfen, um eigenen Ideen und Interessen nachzugehen, kreativ zu sein und zu experimentieren. (Einige der daraus resultierenden Produkte zählen heute zu ihren größten Erfolgen.) Bei einer 5-Tage-Woche bedeutet das genau einen Tag, der einem zur Verfügung steht. Man stelle sich vor, welche Schulentwicklungsprozesse mit dieser Ressource möglich wären. Beachtenswert ist auch die Weiterentwicklung des ursprünglichen Ansatzes mit
Ende September trafen sich ca. 20 Menschen aus unterschiedlichen Bildungsbereichen zum