Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in: Gudrun Quenzel, Elisa Lehnerer, Katharina Meusburger, Julia Ha & Axinja Hachfeld (Hrsg.): Gemeinsam Demokratie erleben. Wie Schule aussieht, wenn Schüler:innen mehr mitbestimmen. Beltz Juventa, 2026. Das Buch ist als Open Access frei verfügbar und steht unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

„Most children are amazing critical thinkers before we silence them.“ (hooks, 2015)

Welches Wissen und welche Fähigkeiten müssen junge Menschen auf welche Weise erwerben, um die Demokratie zu stärken? Mit dieser Frage sollte sich jede Gesellschaft auseinandersetzen, die nachhaltig, wirksam und zukunftsfähig demokratische Prozesse entwickeln will. Dabei gilt es nicht nur ausfindig zu machen, was einen solchen Weg begünstigt, sondern auch, welche Hindernisse es gibt. Adultismus ist eine wesentliche Hürde auf dem Weg zu einer demokratischeren Gesellschaft. Dieser Beitrag konzentriert sich dabei auf Adultismus in der Schule, da dies ein Ort ist, an dem junge Menschen viel Zeit verbringen und prägende Erfahrungen machen.

Dieser Fokus auf Schule soll nicht davon ablenken, dass Adultismus kein explizit schulisches Problem ist, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Adultismus folgt einer jahrhundertealten Erzählung und Idee und ist in allen Lebensbereichen tief verankert. Familie, Politik und Recht spielen dabei ebenfalls zentrale Rollen. Adultismus ist ein komplexes Thema. Dieser Beitrag kann daher nur eine Anregung und Einladung sein, sich damit intensiv zu befassen. 

Bei Adultismus geht es um Machtstrukturen, die legitimiert werden von einer bestimmten Vorstellung von jungen Menschen sowie davon, welche Rechte und Fähigkeiten man ihnen zu- bzw. abspricht – was entsprechende individuelle, gesellschaftliche und politische Konsequenzen hat. Ein Ziel dieses Beitrags ist es, diese Machtstrukturen und Ideen zu analysieren, zu erfassen und sichtbar zu machen, um sie kritisch diskutieren zu können. Das ist die Voraussetzung für eine gemeinsame Arbeit an notwendigen neuen Strukturen und Vorstellungen, was junge Menschen auszeichnet und welche Rolle sie in einer Gesellschaft spielen sollten. Der Beitrag adressiert diejenigen, die über Macht verfügen und diese mit jungen Menschen teilen und neu aushandeln lassen können.

Was ist Adultismus?

Der Begriff Adultismus setzt sich zusammen aus dem lateinischen adult (erwachsen) und der Endung ismus (für ein Glaubenssystem oder eine Ideologie). Er bezeichnet somit eine Ideologie, die Erwachsene als überlegen gegenüber jungen Menschen versteht und so ein Machtgefälle legitimiert. Ritz definiert Adultismus folgendermaßen: 

Adultismus beschreibt das Machtungleichgewicht, das zwischen jungen Menschen und sogenannten Erwachsenen besteht. Adultismus verweist auf die Einstellung und das Verhalten Erwachsener, die aufgrund einer tradierten ‚Rangordnung‘ davon ausgehen, dass sie allein aufgrund ihres Alters intelligenter, kompetenter, schlicht besser seien als Kinder und Jugendliche und sich daher über ihre Meinungen und Ansichten hinwegsetzen bzw. diese gar nicht erst erfragen. Adultismus ist eine Diskriminierungsform, die durch Traditionen, Regeln, Gesetze und Institutionen festgeschrieben und untermauert wird. (Ritz & Schwarz, 2024, S. 77)

Wie bei allen anderen Ismen geht es somit in erster Linie um eine Machtkonstellation, in der bestimmte Gruppen oder Personen über mehr Rechte, Einfluss oder Besitz verfügen und so in ein Herrschaftsverhältnis treten. Dabei wird diese Herrschaft als „normal“, „natürlich“ und „gerecht“(fertigt) dargestellt, indem darauf verwiesen wird, dass sie schon lange so bestünde, Tradition sei, dass Gesetze diese Machtverhältnisse belegten und in Institutionen, Medien und andere Bereiche der Gesellschaft verankerten. Populäre Aussagen wie „Werd’ erwachsen!“ und „Sei nicht kindisch!“ zeichnen dabei die gegensätzlichen Endpunkte einer normativen Skala.

Junge Menschen lernen durch Adultismus von klein auf, alltäglich und viele Jahre lang, dass Herrschaftsverhältnisse vermeintlich normal sind. An diese Erfahrung und dieses entwickelte Verständnis können andere Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Ableismus usw. anknüpfen. Die primäre Erfahrung begünstigt es, dass Menschen diese annehmen und reproduzieren. Adultismus kann insofern als Nährboden für andere Ismen verstanden werden, da ihn alle Menschen bereits früh erleben – jede Person hatte eine Kindheit und war davon betroffen.

Das Problematische an Definitionen ist, dass sie zwar zu Recht eingefordert werden, weil sie eine notwendige Grundlage für einen Austausch sind. Gleichzeitig können sie aber die Komplexität einer Thematik oftmals nur stark verkürzt darstellen. Bei Adultismus verhält es sich ähnlich wie auch bei Rassismus, Sexismus, Ableismus, Klassismus oder verwandten Themenfeldern: Die Definition täuscht darüber hinweg, wie komplex die Auswirkungen der damit bezeichneten Macht- und Bewertungsstruktur sind und mit wie vielen Herausforderungen ihre Veränderung verbunden ist. Definitionen reduzieren sie oft darauf, „nur“ eine Diskriminierungsform zu sein. In der Folge bleibt eine gesellschaftlich notwendige vertiefte Auseinandersetzung aus.

Es gibt diverse Definitionen von Adultismus, die eine Annäherung an das Thema ermöglichen. Eine weitere ist die Untersuchung folgender drei Perspektiven: Wie funktioniert Adultismus? Wie wirkt Adultismus? Wie wird Adultismus eingesetzt? Die Beantwortung dieser Fragen kann nicht einzeln erfolgen. Die drei Aspekte hängen stets miteinander zusammen; sie bedingen sich gegenseitig. Bestenfalls wird diese Analyse zur lebenslangen Praxis, um ein umfassenderes Verständnis von Adultismus entwickeln zu können.

Wie funktioniert Adultismus?

Adultismus ist ein soziales Konstrukt – ebenso wie Deutschland als Land, Nation und Staat oder auch die Schule. Soziale Konstrukte beruhen auf einer gemeinsamen Idee und gewissen Regeln. Sie funktionieren nur, solange sich die Mehrheit daran hält bzw. halten muss. Dass solche Ideen und Regeln nicht naturgegeben sind und sich verändern können, zeigen die Geschichte Deutschlands und der Wandel der Grenzen, seines Selbstverständnisses und seiner Staatsform. Je älter ein soziales Konstrukt, also die Vorstellung davon, desto „normaler“, „natürlicher“ erscheint sie und umso schwerer kann sie verändert werden. Das lässt sich am Beispiel Schule gut nachvollziehen. Adultismus ist ein soziales Konstrukt, dessen Wurzeln historisch sehr weit zurückgehen und das über Generationen weitergegeben und reproduziert wurde und wird.

Ein zentraler Aspekt von Adultismus ist die weiterhin allgemein dominierende Vorstellung, junge Menschen nur als „unfertige Erwachsene“ und damit vor allem als „Werdende“ anzusehen, jedoch nicht als „Seiende“ zu sehen und zu definieren. Die aktuelle Forschung ist hier allerdings schon weiter. Sie begreift Kindheit 

als historisch veränderbare soziale Konstruktion […], die in dieser generationalen Ordnung bislang den Kürzeren zog. Hierzu gehört der emanzipatorische Anspruch, die jungen Menschen (von frühem Alter an) nicht nur als ‚Werdende‘ (becomings), sondern immer auch als ‚Seiende‘ (beings) mit eigenen Sichtweisen und spezifischen Handlungskompetenzen und -möglichkeiten (agency) zu verstehen sowie diese sichtbar zu machen, zu achten und zu fördern“ (Hengst & Zeiher, 2005; Honig, 2009 in Liebel & Meade, 2023, S. 168).

„Der vielzitierte Spruch ‚Kinder sind die Zukunft‘ wird hiermit als adultistische Wunschprojektion von Erwachsenen demaskiert“ (Liebel & Meade, 2023, S. 168), weil ihnen im Jetzt als Werdende kein gesellschaftlicher Wert zugeschrieben wird. Wichtig ist der Hinweis, dass junge Menschen als „Werdende“ und als „Seiende“ verstanden werden sollten. Ein wesentlicher Denkfehler liegt somit oft im fehlenden Verständnis, dass dieses Und gleichfalls für Erwachsene gilt. Auch sie unterliegen einem steten physischen, psychischen und kognitiven Wandel und sind deswegen nicht nur Seiende, sondern immer auch Werdende.

Diverse Ismen folgen stets der gleichen Logik und Idee, Menschen – meist aufgrund äußerer Merkmale oder negativer Fremdzuschreibungen – zu bestimmten Gruppierungen zu kategorisieren und abzuwerten. Damit werden mögliche Funktionen wie Ausbeutung, Gewalt und Unterdrückung legitimiert. Die Kategorisierung junger Menschen als Kinder und Jugendliche – aufgrund physischer, psychischer und kognitiver Merkmale – lässt das soziale Konstrukt besonders „natürlich“ wirken und erschwert erfahrungsgemäß die notwendige kritische Auseinandersetzung mit Adultismus. Das verdeutlicht eine der Verschränkungen zwischen Funktion und Wirkung.

Wie wirkt Adultismus?

Wie auch andere Ismen wirkt Adultismus auf individueller, institutioneller und kultureller Ebene, was ihn zu einem strukturellen Problem macht. Junge Menschen können ihn verinnerlichen, indem sie die Perspektive und das Verständnis derer übernehmen, von denen sie abgewertet werden. Bei Adultismus betrifft dies die Annahme, dass Erwachsene mehr wert sind als junge Menschen. Das erklärt unter anderem, weshalb auch ältere Schüler:innen jüngere nicht selten als weniger wichtig oder weniger kompetent ansehen bzw. sie nicht ernst nehmen: Sie sind aus ihrer Sicht (noch) weiter vom Ziel entfernt, erwachsen und damit gleichwertig zu sein.

Ein geringeres Selbstwertgefühl, Angst davor, die eigene Meinung zu äußern, ein Rückzug aus demokratischen und sozialen Beteiligungsprozessen, eine Übernahme von Rollen, die auf Gehorsam statt auf Selbstwirksamkeit bauen, aber auch erlernte Hilflosigkeit sind einige der möglichen Auswirkungen von Adultismus. Dabei ist ebenso wie bei anderen Ismen die Absicht irrelevant. Handlungen und Aussagen wirken auch dann rassistisch, wenn sie ohne das Wissen und die Absicht erfolgen, rassistisch zu sein. Genauso verhält es sich beim Adultismus: Wenn Lehrpersonen Schüler:innen verbieten, die Toilette aufzusuchen, weil sie denken, dass diese dadurch wichtigen Unterrichtsstoff verpassen würden, könnte das sogar als gute Absicht interpretiert werden. Das ändert aber nichts daran, dass es adultistisch ist und wirkt.

Adultismus etabliert eine defizitorientierte Perspektive, indem er junge Menschen an den Maßstäben und Vorstellungen Erwachsener misst und bewertet bzw. daran, was gemessen an ihnen (noch) nicht erfüllt wird. Dabei kann aus dem Blick geraten, was junge Menschen unabhängig davon können und was sie auszeichnet. Damit läuft so manches Potenzial Gefahr, verborgen zu bleiben. So ist etwa bekannt, dass junge Menschen besonders kreativ sein und eine andere Perspektive auf Dinge haben können, was zur Lösung komplexer Probleme beitragen könnte. Erwachsene als Norm zu definieren, verhindert es, junge Menschen als gleichwertige und wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu verstehen.

Adultismus begünstigt bei Erwachsenen die Überzeugung, besser als junge Menschen zu wissen, was gut für sie sei oder was sie wirklich wollen. Zugleich begünstigt er eine Sichtweise, die das Alter als wesentliche Erklärung für ein bestimmtes, (für Erwachsene) inakzeptables Verhalten annimmt, anstatt des Charakters oder anderer Faktoren. Adultismus spricht jungen Menschen damit ihre Individualität ab. Das wiederum erschwert auch Erwachsenen die notwendige und gute Beziehungsarbeit, da sie dadurch ihr Gegenüber nicht vollständig verstehen können. 

Wie wird Adultismus genutzt?

Erwachsene handeln nur selten mit der bewussten Absicht und Idee, adultistisch zu sein – allein schon, weil Adultismus als Begriff und Ideologie an sich generell noch immer wenig bekannt ist. Allerdings setzen Erwachsene regelmäßig und sehr bewusst ihre Macht ein, um junge Menschen dazu zu bringen, zu tun, was sie (als Erwachsene) für angebracht oder richtig halten. Der Elefant im Raum heißt in diesem Zusammenhang Erziehung. Jedoch ist bereits der Begriff und die Idee von Er-zieh-ung von adultistischen Vorstellungen geprägt, denn:

Die*der Erzogene*r ist das Objekt des erziehenden Subjektes, das sie*ihn emporheben und in einen vermeintlich vollkommenen Zustand verwandeln will. Das erziehende Subjekt versucht, seinen ‚Zögling‘ nach fremdbestimmten Kriterien und in manipulativer Absicht zu formen und zu dressieren. (Miller, 1980; Mallet, 1987 in Liebel & Meade, 2023, S. 230)

Damit wird auch der Widerspruch einer regelmäßig formulierten, populären Forderung, junge Menschen zur Mündigkeit zu erziehen, deutlich, weil sie nicht fremdbestimmt erlangt werden kann. Das gilt auch für Begriffe wie Demokratieerziehung bzw. für dazugehörige Ideen. Junge Menschen können zur Hörigkeit erzogen werden, aber nicht zu demokratisch denkenden und handelnden Menschen.

Liebel und Meade (2023) zählen sechs Bereiche adultistischer Diskriminierung junger Menschen auf, die miteinander verzahnt sind und sich überschneiden können: Sanktionierung nicht konformen Verhaltens, eingrenzender und paternalistischer Kinderschutz, beschränkter Zugang zu Ressourcen, Herstellung von Normativität, Ausbeutung und Instrumentalisierung sowie generationale Diskriminierung. Unter Herstellung von Normativität verstehen Liebel und Meade (2023) beispielsweise den Verweis von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen fehle es an der nötigen Kompetenz oder „sie seien nicht reif genug, um sich rational und fachkundig zu äußern“ (S. 115). Dabei koppeln die Erwachsenen dieses Können an ihre eigenen Denk- und Sprachgewohnheiten, da sie „ausschließlich sich selbst als reif und entwickelt verstehen“ (Liebel & Meade, 2023, S. 115).

Auf Basis dieser Normativitätsvorstellung identifizieren Erwachsene Probleme und entwickeln vermeintliche Lösungen, ohne junge Menschen gleichberechtigt daran zu beteiligen bzw. ohne dass ihr Wissen und ihre Perspektiven in einen offenen Prozess einfließen. Ein Paradebeispiel für dieses Vorgehen sind Debatten rund um Social Media, Smartphones oder andere Themen, die eine Kultur der Digitalität umfassen – speziell an Schulen. Hier greifen meist zeitgleich einige der oben aufgezählten Bereiche adultistischer Diskriminierungen. 

Besonders der eingrenzende und paternalistische Kinderschutz ist hier hervorzuheben. Er wird beim Bildungspopulismus (Wampfler, 2024) häufig verwendet und zudem medial und politisch verstärkt, um Ängste zu schüren, zu polarisieren und zu übersimplifizieren. Das erschwert oder verhindert eine differenzierte und vertiefte Auseinandersetzung mit komplexen Themen. Nicht umsonst nutzen autokratische und faschistische Kräfte das Narrativ, „unsere Kinder“ vor Gefahren schützen zu wollen, gerne als Deckmantel, um demokratische Errungenschaften anzugreifen. 

Weshalb es adultismuskritische Schulen braucht

Im ersten Abschnitt wies dieser Beitrag mit Blick auf eine starke und zukunftsfähige Demokratie auf die gesellschaftlichen und politischen Folgen von Adultismus hin. Es liegen einige Erkenntnisse vor, die aufzeigen, weshalb Schulen sich dauerhaft – als Teil der Schulkultur – kritisch mit Adultismus auseinandersetzen sollten:

Jahrelang erfahrene Missachtung kann Menschen dazu konditionieren, ihr Unbehagen und ihre Wut an anderen Menschen, die weniger mächtig oder von ihnen selbst abhängig sind, abzureagieren. […] Die Psychologin Alice Miller (1980) […] weist vor allem daraufhin, dass Menschen, deren Gefühlsleben in der frühen Kindheit unterdrückt und deren Willensäußerungen von Anfang an gebrochen wurden, die Möglichkeit genommen wird, in ihrem Erwachsenenleben anderen Menschen mit Achtung zu begegnen. […] Auf diese Weise werden nicht nur adultistische Strukturen und die ungleiche generationale Machtordnung reproduziert, sondern es sich auch gravierende Konsequenzen für die politische Ordnung ergeben. […] Die nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA unternommenen ‚Studien zum autoritären Charakter‘ haben ihrerseits darauf aufmerksam gemacht, wie anfällig Menschen aufgrund ihrer Kindheitserlebnisse für autoritäre und faschistische politische Propaganda werden können. […] Als wichtige Variable des autoritären Charakters wurden ‚autoritäre Unterwürfigkeit‘ und die ‚autoritäre Aggression‘ ermittelt. Autoritäre Unterwürfigkeit sei dem ‚antidemokratischen Potential‘ in hohem Maße förderlich. (Liebel & Meade, 2023, S. 165–167)

Diese Ergebnisse verweisen somit auf die (politisch und gesellschaftlich) destruktiven Folgen von Adultismus. Eine alltägliche Praxis des kritischen Denkens anstelle autoritärer Unterwürfigkeit sollte daher (nicht nur) für junge Menschen das Schulleben bestimmen und prägen. Hinzu kommt eine weitere elementare Hürde, die Adultismus für alle Seiten aufstellt: Erziehung verhindert Beziehung und damit auch die Grundlage für ein wirksames und nachhaltiges Lernen.

Da es sich bei Adultismus um ein gesamtgesellschaftliches und strukturelles Problem handelt, kann dieses auch nur in einer Zusammensetzung erfolgreich angegangen werden, die das berücksichtigt. Für Schulen bedeutet das, gemeinsam als Schulgemeinschaft Strukturen zu bilden und Prozesse zu eröffnen, in denen beides regelmäßig reflektiert und nachgebessert wird. Eine ernsthafte und kritische Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen muss dabei auch alle anderen Ismen mitdenken. Schule als Safer Space zu gestalten, an dem sich alle (jungen) Menschen möglichst sicher und respektiert fühlen können und in dem sie frei von Abwertung oder Gewalt sind, ist in diesem Zusammenhang eine hilfreiche Zielsetzung. 

Adultismus in der Schule (an)erkennen

Schule, aber auch das Bildungssystem insgesamt, entspringt als soziales Konstrukt einer sich wandelnden Idee von Erwachsenen und einer adultistischen Konzeption, die (wiederum) Erwachsene gesetzlich verankern und legitimieren. Deshalb ist es auch nicht befremdlich, dass es traditionell Erwachsene sind, die jungen Menschen erklären, weshalb diese in die Schule gehen sollen, was und weshalb sie dort lernen (sollen) – angeblich für sich selbst, für die eigene Zukunft usw. Schule ist ein Ort der Fremdbestimmung: Hier bekommen junge Menschen gesagt, wo sie wann sein und was sie wie machen sollen.

Die hier beschriebenen Rahmenbedingungen und die dadurch erzeugten Herrschaftsverhältnisse sind ebenso deutlich wie ungünstig für eine demokratische Gesellschaft. Das anzuerkennen und ehrlich zu kommunizieren – auch im Austausch mit jungen Menschen – gehört zu einem ersten, notwendigen Schritt einer kritischen Auseinandersetzung mit Adultismus. Das betrifft auch die Unterrichtsvorbereitung, die Unterrichtsgestaltung und die Leistungsbewertung.

Beispielsweise gaben bei der Jugendstudie Baden-Württemberg 2024 nur 4,4 Prozent der befragten Schüler:innen an, bei der Gestaltung des Unterrichts mitbestimmen zu können. Bei der Leistungsbewertung bzw. Notengebung waren es 5 Prozent (BWKM, 2024, S. 86). Unterricht macht den wesentlichen Teil eines Schultages aus. Zudem sind die Bewertungen bzw. Noten ein zentrales Mittel schulischer Macht. Daher machen diese Zahlen Machtverhältnisse transparent – und damit die Funktion, Wirkung und Nutzung von Adultismus. 

Eine Frage ist besonders hilfreich, wenn es darum geht, Adultismus sichtbar zu machen und zu erkennen: Würde ich einen Menschen in meinem Alter auch so behandeln? (Medienmanufaktur Düsseldorf, 2018) Lautet die Antwort darauf Nein, so handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Adultismus. Mit dieser Frage können einfach alle Interaktionen mit Schüler:innen reflektiert und diskutiert werden. Darüber hinaus bietet sich eine Analyse der Machtverhältnisse aus unterschiedlichen Perspektiven an, beispielsweise eine räumliche Betrachtung: Wie ist der Raum gestaltet? Gibt es eine Hierarchie in der Anordnung, zum Beispiel erhöhtes Vorne durch ein Podest? Wer hat den Raum wie gestaltet? Ob und wie lädt der Raum zur Beteiligung ein? 

Ein Raum wird nicht nur physisch durch Gegenstände geprägt. Wie sind die Redeanteile verteilt? Wer spricht, wie viel und wer nicht? Welche Möglichkeiten der Kommunikation und Beteiligung gibt es? Wer hört (wem) zu und wer (wem) nicht? Wie offen kann wer im Lernraum mit wem sprechen? Welche Regeln gelten im Raum? Wer hat diese aufgestellt? Wie frei und selbstbestimmt wurden sie ausgehandelt? Diese Fragen können auf alle schulischen Bereiche ausgeweitet werden. Am demokratisch erfolgreichsten zu beantworten sind sie, wenn sie mit jungen Menschen gemeinsam gesammelt, gestellt und diskutiert werden. 

Rollen von Schulleitungen und Lehrpersonen

Da es bei Adultismus um Machtstrukturen geht, spielen Schulleitungen eine Schlüsselrolle. Sie verfügen im System Schule über die meiste Macht. Inwieweit sie bereit sind, ihre Macht mit den anderen am Schulleben Beteiligten zu teilen, bestimmt und prägt eine Schulkultur wesentlich. Dabei geht es nicht nur um Schüler:innen. Auch Lehrpersonen, die an schulischen Belangen beteiligt werden und sich einbringen können, neigen dazu, diese demokratische Kultur im Unterricht umzusetzen und zu fördern. Wie das konkret aussehen kann, beschreibt bell hooks:

Wenn ich zu Beginn des Semesters den Kursraum betrete, liegt es an mir, zu vermitteln, dass wir, wie kurz auch immer, zusammen eine Gemeinschaft von Lernenden sein wollen. Damit positioniere ich mich als Lernende. Aber ich will damit nicht sagen, dass ich nicht mehr Macht habe, und ich versuche nicht zu sagen, dass wir hier alle gleich sind. Ich versuche zu sagen, dass wir alle in dem Maße gleich sind, in dem wir gleichermaßen an der Schaffung eines Lernkontextes beteiligt sind. (hooks, 2023, S. 157).

hooks verweist auf eine zentrale Erkenntnis und zugleich auf eine in Bildungsräumen stets bestehende Verbindung zwischen Lehrenden und Lernenden: Erst wenn ein Lernraum als gemeinsamer verstanden, kommuniziert und ermöglicht wird, kann sich das Potenzial des Wissens und der Sichtweisen aller Beteiligten vollständig entfalten. Wenn dann jede Person bereit und fähig ist, sich einzubringen, wechseln die Rollen zwischen Lehrenden und Lernenden, worauf auch schon Freire (2017) hingewiesen hat: „Education must begin with the solution of the teacher-student contradiction, by reconciling the poles of the contradiction so that both are simultaneously teachers and students.“ (S. 45)

Eine adultismuskritische Pädagogik fördert einen gleichwürdigen Dialog und die Partizipation. Sie stärkt damit das Selbstbewusstsein und die Handlungsmacht junger Menschen. Je kohärenter und verbreiteter dieses Verständnis als Angebot in den Schul- und Unterrichtsalltag integriert ist, desto eher nehmen junge Menschen es als authentisch wahr. Das beginnt bereits bei der Idee von Unterricht bzw. bei der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung:

The teacher’s thinking is authenticated only by the authenticity of the students’ thinking. The teacher cannot think for her students, nor can she impose her thought on them. Authentic thinking, thinking that is concerned about reality, does not take place in ivory tower isolation, but only in communication. If it is true that thought has meaning only when generated by action upon the world, the subordination of students to teachers becomes impossible. (Freire, 2017, S. 50)

Junge Menschen ernst zu nehmen, bedeutet auch, sie ihre eigenen Fragen stellen zu lassen. Diese können bei individuellen Lernprozessen als roter Faden dienen. Wenn junge Menschen lediglich auf Fragen antworten müssen, von denen sie wissen, dass die fragende Lehrperson die Antworten bereits kennt, werden sie nicht zu (wirksamem) Lernen und kritischem Denken angeleitet, sondern zum Funktionieren. 

Eine aktive und gleichberechtigte Mitwirkung beschränkt sich aber nicht nur auf das Wie, sondern auch auf das Was und ob mit erzeugten, simulierten Problemen gearbeitet wird oder mit authentischen, die die jungen Menschen tatsächlich betreffen. Beispiele hierfür sind die Schulordnung oder der Umgang mit Smartphones und Social Media. Junge Menschen werden am besten geschützt, indem ihre Rechte geschützt und gefördert werden und indem sie selbstbestimmt, frei, mündig und souverän denken und handeln können.

Konkrete Ansätze und Ideen

Aufklärungsarbeit ist der Ausgangspunkt einer adultismuskritischen Schule. Das bedeutet zunächst, mithilfe von Videos, Podcasts, Büchern oder anderen Medien alle am Schulleben Beteiligten (also auch Eltern) über Adultismus zu informieren. Das befähigt unter anderem Schüler:innen, Machtstrukturen und ihre Funktion, Wirkung und Nutzung zu verstehen sowie sie im Austausch mit Erwachsenen zu spiegeln und infrage stellen zu können. Diese notwendige Aufklärungsarbeit erfolgt kohärenterweise mit jungen Menschen bzw. durch sie. Das kann in Form einer Arbeitsgruppe sein oder im Rahmen anderer bestehender Strukturen, etwa den Gremien der Schüler:innenvertretung.

Es bietet sich auch an, alle bereits bestehenden Beteiligungsstrukturen, -prozesse und -formate, aber auch die Repräsentation junger Menschen in schulisch relevanten Gremien zu überprüfen. In der Regel werden politische Gremien und ihre Arbeit in bestehender Struktur einfach auf junge Menschen übertragen, da sie sich für Erwachsene bewährt haben. Aber was sind tatsächlich adäquate Beteiligungsformate für junge Menschen? Muss von und mit jungen Menschen etwas Neues, Ergänzendes konzipiert und organisiert werden? Junge Menschen müssen die Möglichkeit haben, sich so organisieren zu können, wie es ihnen zusagt. Dafür benötigen sie Unterstützung. 

Einen Schultag als Barcamp zu planen und durchzuführen, bietet allen am Schulleben beteiligten Personen einen konkreten Rahmen und zugleich die Möglichkeit, (sich in) andere(n) Rollen sowie eine demokratische Kultur zu (er)leben: selbstbestimmt, partizipativ, offen, gleichberechtigt, transparent, flexibel, inklusiv und kollaborativ. Safer Space oder Demokratiebildung könnten günstige übergeordnete Themen sein. Sie eröffnen viel Spielraum für diverse Probleme, Fragen, Lösungen, Ideen und Diskussionen.

Mit aula (o. J.) liegt ein Schulkonzept vor, das zwei zentrale Herausforderungen von Schule (und Gesellschaft) angeht: Demokratiebildung und Digitalität. Eine Beteiligungsplattform und eine App bilden dabei den Rahmen. Die inhaltlich tragenden Säulen des Konzepts sind erstens ein Vertrag, den die Schulgemeinschaft aushandelt und der den Beteiligungsraum absteckt und regelt, zweitens regelmäßige aula-Stunden, in denen Ideen eingestellt, diskutiert, verbessert und abgestimmt werden, drittens Moderator:innen, die in den digitalen Räumen helfen, und viertens eine Gruppe von Lehrpersonen und Schüler:innen, die den gesamten Prozess reflektiert, korrigiert und weiterentwickelt. Dabei hat jede Person eine gleichwertige Stimme. 

Junge Menschen benötigen vor allem Mitstreiter:innen, die im Machtungleichgewicht über Macht verfügen: Erwachsene, die sich und ihre(n) Macht(einsatz) kritisch reflektieren und die an strukturellen Veränderungen arbeiten, um Adultismus abzubauen und ihm entgegenzuwirken; Erwachsene, die jungen Menschen möglichst viel und oft Raum und eine Stimme geben bzw. die sie befähigen, sich selbst Bühnen zu bauen und Gehör zu verschaffen; Erwachsene, die jungen Menschen helfen, sich zu organisieren, Verbündete zu finden – innerhalb und außerhalb von Schule – und so Selbstwirksamkeit zu erfahren. Eine adultismuskritische Schule stärkt nicht nur junge Menschen und fördert gute Beziehungen und Lernprozesse, sondern investiert in eine demokratische und zukunftsfähige Gesellschaft. 

Zum Weiterlesen

Ritz, M. & Schwarz, S. (2024). Adultismus und kritisches Erwachsensein. Unrast.

Liebel, M. & Meade, P. (2023). Adultismus. Bertz + Fischer.

Vortrag zu Adultismus und Aula von Dejan Mihajlović

Literatur

aula (o. J.). Verantwortung lernen – Verantwortung tragen. Abgerufen am 1. Juli 2025

BWKM – Baden-Württembergs Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (2024). Jugendstudie Baden-Württemberg 2024. Ergebnisbericht der 7. Jugendstudie. Abgerufen am 1.7.2025

Freire, P. (2017). Padagogy of the Opressed. Penguin/Random House.

hooks, b. (2015, 12. Dezember). Buddhism, the Beats and Loving Blackness. New York Times. Abgerufen am 1. Juli 2025

hooks, b. (2023). Die Welt verändern lernen. Bildung als Praxis der Freiheit. Unrast.

Liebel, M. & Meade, P. (2023). Adultismus: Die Macht der Erwachsenen über die Kinder. Eine kritische Einführung. Bertz + Fischer.

Medienmanufaktur Düsseldorf (2018). Naiv-Kollektiv: Was ist Adultismus? [Video]. YouTube, 19.3.2018.

Ritz, M. & Schwarz, S. (2024). Adultismus und kritisches Erwachsensein. Hinter (auf-)geschlossenen Türen (2. Auflage). Unrast.

Wampfler, P. (2024, 7. Oktober). Pädagogischer Populismus. Schule Social Media.

Nachdem ich vor ein paar Tagen diesen Gedanken zu einer weit verbreiteten Praxis in Social Media veröffentlichte, erhielt ich eine (bei diesem Thema unüblich) große Resonanz (vor allem bei Twitter) und einen Hinweis, dass hierzu ein Handout hilfreich wäre. Deshalb gehe ich in diesem Beitrag auf wesentliche Aspekte und Perspektiven zum Thema Wahl der Klassensprecher:innen etwas näher ein und biete zusätzlich unterstützende Informationen und Ideen an, mit der Hoffnung, dass an mancher Stelle bisherige Zustände und Abläufe kritisch reflektiert, diskutiert und falls nötig korrigiert werden.

Qualen der Wahl

Erfahrungsgemäß gibt es bei Wahlen von Klassensprecher:innen (teilweise stark vereinfacht und überspitzt) zwei sehr beliebte Vorgehensweisen, die auch kombiniert stattfinden können:

Die schnelle Lösung

Am ersten Schultag, zwischen dem Abschreiben des Stundenplans und dem Diktieren der Materialliste, werden Klassensprecher:innen gewählt, um zügig die Pflicht einer To-do-Liste abzuhaken. Die Wahl rangiert damit auf der gleichen Bedeutungsebene wie einen roten Umschlag für das Matheheft zu kaufen.

Die Demokratur

Es werden geeignete Kandidat:innen diktiert bzw. besonders hervorgehoben oder empfohlen, die im Anschluss demokratisch gewählt werden dürfen. Nicht selten wird sich dabei am Notenschnitt der Schüler:innen orientiert, die sich aus der Perspektive der Lehrkräfte meist auch vorbildlich verhalten. 

Beides beinhaltet aus demokratischer Perspektive eine kritisch zu betrachtende Praxis, die mit einer bestimmten Haltung und Vorstellung vom zu wählenden Amt, der Wahl und auch Demokratiebildung zusammenhängt. Der erste Punkt bezieht sich auf die mangelnde Zeit. Zeit ist auch die Währung in Schulen, aus der sich Werte ableiten lassen, die Dingen zugesprochen werden. Wofür viel oder wenig Zeit zur Verfügung steht bzw. zur Verfügung gestellt wird, verdeutlicht und macht transparent, welche Schulkultur vorliegt und Ziele angestrebt werden.

Da Schulen ohnehin hierarchisch strukturiert sind, hängen die Möglichkeiten und Räume der Schüler:innenbeteiligung und -mitbestimmung vom Wohlwollen der Schulleitung und Lehrkräfte ab. Wenn wenig Zeit in die Auseinandersetzung mit den Ämtern und der Wahl von Schüler:innenvertretungen investiert wird, kommt diese Botschaft bei jungen Menschen bewusst und unbewusst an. Sie prägt ihr Verständnis der Schulkultur und ihrer Rolle darin. Solche geringschätzenden Erfahrungen erschweren es auch allen zukünftigen Bemühungen an Schulen, junge Menschen zur Beteiligung zu aktivieren und zu befähigen. Die Bedeutung der Demokratiebildung droht auf diese Weise, die Existenz auf einer To-do-Liste kaum zu übersteigen.

Der zweite Aspekt, der “geeigneten“ Kandidat:innen, greift ein populäres Missverständnis auf, dass Lehrkräfte wüssten, welche Personen weshalb für so ein Amt geeignet seien. Dabei werden z.B. Schüler:innen mit guten Noten oft auch gutes Verhalten zugeordnet (Halo-Effekt) und zusätzlich angenommen, dass solche Leistungen und so ein Verhalten auch zu einem guten Ergebnis für demokratische Prozesse in einer Klasse oder Schule führen würden. Dabei gibt es z.B. in der Psychologie ausreichend Hinweise (Kahneman – Thinking, Fast and Slow), wie schwierig und komplex es ist, zukünftiges Verhalten von Personen innerhalb von Gruppen vorherzusehen und wie sehr und gerne Menschen sich bei dieser vermeintlichen Fähigkeit überschätzen.

(Im meiner knapp 20-jährigen Arbeit mit jungen Menschen im SMV-Bereich war ich lange Zeit sehr überzeugt davon, zu wissen, was gute und geeignete Kandidat:innen ausmacht. Erst nach einigen Jahren hatte die Wahl eines Kandidaten, den ich für völlig ungeeignet hielt und der später das Gegenteil bewies, bei mir zum Umdenken und zur Erkenntnis geführt, wie wenig aussagekräftig meine Erfahrung und scheinbar zuverlässige Eigenschaften in diesem Punkt sein können. Zu viele Kompetenzen und Eigenschaften junger Menschen sind und bleiben, vor allem Lehrkräften, unbekannt.)

Beim einleitenden Beispiel habe ich auf die Perspektive der Lehrkräfte verwiesen, weil sie auch bei der Kommunikation, was als geeignet gilt oder nicht, bedeutend sein kann. Dass Kritik und Widerspruch Elemente demokratischer Prozesse darstellen, wird niemand in Frage stellen. Wie diese aber von jungen Menschen geäußert in Schulen aufgenommen werden, lässt an nicht wenigen Stellen starken Zweifel aufkommen, dass sie gewünscht sind und die Wahrscheinlichkeit senken, dass so ein Verhalten (auch im Kontext von Ämtern der Schüler:innenvertretung und Wahlen) als vorbildlich bezeichnet wird.

Wie wird es richtig gemacht?

Eine einfache Frage, die schwierig zu beantworten ist, weil sie differenziert betrachtet werden muss. Zumindest die juristische Perspektive ist hierzu eindeutig und klar. Ihre Antwort in Baden-Württemberg lautet wie folgt: 

Klassen- und Kurssprecher: innen und deren Stellvertreter:innen werden von Klasse 5 an gewählt.

Die Wahl aller Klassensprecher:innen und ihrer Stellvertreter:innen soll spätestens bis zum Ablauf der dritten Unterrichtswoche im Schuljahr stattfinden, bei Teilzeitunterricht in Blöcken bis zum Ablauf der zweiten Unterrichtswoche des ersten Unterrichtsblocks im Schuljahr. 

[siehe Schulgesetz  §§ 65 und SMV-Verordnung §§ 3]

Man hat somit drei Wochen Zeit die Klassensprecher:innen zu wählen. Ein Zeitraum, der ausreichend Möglichkeiten bietet, das Thema ausführlich anzugehen. (Diese drei Wochen stellen übrigens gleichzeitig eine Frist dar, die erfahrungsgemäß an einigen Schulen unbekannt ist und manchmal weit überschritten wird.)

Eine weitere möglichen Perspektive auf die Frage, wie es richtig gemacht wird, ist, wie eine solche Wahl aus demokratiepädagogischer Sicht vorbereitet und durchgeführt werden sollte. Es ist nämlich besonders wichtig, dass Klassensprecher:innen die Unterstützung von ihren Klassen und Klassenlehrer:innen erfahren. Zuerst widmen wir uns der Klasse: Wie gelingt es, dass Klassensprecher:innen gewählt werden, die möglichst viel Rückhalt von ihrer Klasse erhalten? Erstens ist es wichtig, dass bekannt ist und diskutiert wird, welche Aufgaben, Klassensprecher:innen haben oder auch nicht erfüllen müssen:

Was sind die Aufgaben von Klassensprecher:innen?

Klassensprecher:innen

  • vertreten die Interessen aller einer Klasse
  • geben Ideen und Wünsche einzelner Schüler:innen oder der ganzen Klasse an Lehrkräfte, Schulleitungen oder Elternvertretungen weiter
  • tragen Beschwerden und Kritik den Lehrkräften oder der Schulleitung vor
  • unterstützen einzelne Schüler:innen in der Wahrnehmung ihrer Rechte
  • können bei Schwierigkeiten zwischen Klasse und Lehrkräften vermitteln
  • berufen die Klassenschüler:innenversammlung ein und leiten sie
  • nehmen an den Sitzungen des Schüler:innenrates teil und informieren die Klasse darüber
  • wirken bei Aufgaben mit, die der Schüler:innenrat sich selber stellt
  • können zu geeigneten Punkten zu Klassenpflegschaftssitzungen eingeladen werden

Aus diesen Aufgaben lassen sich die meisten ihre Rechte ableiten: Das Informationsrecht, das Teilnahmerecht an Konferenzen, das Vertretungs- und Vermittlungsrecht, das Beschwerderecht und das Anhörungs- und Vorschlagsrecht.

Was keine Aufgaben von Klassensprecher:innen sind:

  • der verlängerte Arm der Klassenlehrer:innen zu sein
  • Aufpasser:in in der Pause zu sein
  • jeden Streit zu schlichten

Dass das Thema Eignung für ein solches Amt sehr komplex und schwierig ist, darauf wurde bereits hingewiesen. Es erfordert Zeit und eine vertiefte Auseinandersetzung, die man Klassen dafür einräumen sollte. Folgende Auflistung kann dazu als Grundlage und Orientierung dienen:

Was ist hilfreich für Klassensprecher:innen?

  • bereit sein, sich für die Klasse und im Schüler:innenrat zu engagieren
  • neugierig sein und dazulernen wollen
  • frei sprechen und gut argumentieren können
  • Probleme erkennen und formulieren können
  • Kontakt zu möglichst vielen Mitschüler:innen haben
  • Rechte und Pflichte der Schüler:innen kennen
  • bei Problemen und Entscheidungen kompromissbereit sein
  • Mut haben und Neues wagen oder Standpunkte verteidigen

Diese Punkte können mit Klassen diskutiert und von ihnen korrigiert oder ergänzt werden. Was sich in der Praxis auch oft bewährt hat, ist die Arbeit der Klassensprecher:innen aus dem letzten Schuljahr gemeinsam zu reflektieren. (Hierfür ist ein vertrauensvolles Klima nötig.) Besonders junge Menschen und Konstellation in Klassen befinden sich in einem ständigen Wandel. Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Personen die Gelegenheit erhalten, sich in einer anderen Rolle zu erleben, Verantwortung zu übernehmen und herauszufinden und zu zeigen, was in ihnen steckt. 

Das Maß an Rückhalt, die Klassensprecher:innen von ihren Klassen erfahren, hängt u.a. stark davon ab, wie (gut vorbereitet, möglichst gerecht…) eine Wahl abläuft, welche Rechte sie tatsächlich erhalten, eine Schule mitgestalten zu dürfen bzw. wie ernst die Aufgaben, die das Amt mit sich bringt, genommen werden können. Womit wir wieder bei den Personen wären, die in der Hierarchiestruktur von Schulen weiter oben stehen, was auch zur zweiten, noch offene Frage überleitet: Wie gelingt es, dass die Gewählten auch möglichst viel Rückhalt von ihren Klassenlehrer:innen erhalten? 

An dieser Stelle ist die Rolle von Schulleitungen sicher kein unwichtiger Faktor. Ob und wie viel Zeit sie Klassenlehrer:innen einräumen, sich in dem Bereich fortzubilden, sich in Gesamtlehrerkonferenzen dazu auszutauschen und im Unterricht darauf einzugehen, bestimmt ebenfalls den Wert der Demokratiebildung an Schulen. Unabhängig davon haben trotzdem alle Lehrkräfte einen Spielraum, in dem sie entscheiden können, wie viel Zeit und Kraft sie in die Vorbereitung und Durchführung einer solchen Wahl investieren möchten, aber auch in die Pflege und Wertschätzung dieses Amtes im Laufe eines Schuljahres, als Klassenlehrer:innen oder in ihrem Fachunterricht.

Undemokratische Wahlen

Am Ende dieses Beitrags möchte ich zumindest noch kurz anreißen, dass selbst die beste Vorbereitung und Durchführung einer solchen Wahl als undemokratisch gesehen und verstanden werden kann, weil die Praxis einen vor diverse Herausforderungen stellt, die eine Wahl ungenügend beantworten kann. Da Schulen z.B. auch gesellschaftliche Strukturen und ihre Probleme abbilden, stellt sich die Frage, wie damit innerhalb einer Klasse umgegangen wird, wie diese berücksichtigt werden können und müssen. Natürlich finden auch in Schulen Rassismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus und andere Diskriminierungsformen statt. Wie wirken sich diese auf Wahlen aus?

Deshalb verdient neben der elementaren Fragestellung, wer und wie am besten die Interessen aller vertreten kann, auch die Frage, wie man zu solchen Personen kommen kann und welche Lösungen, außer Wahlen, es gibt, deutlich mehr Beachtung. Was bedeutet Demokratie und was ist demokratisch? Allein die Antworten auf diese Frage führen innerhalb von Klassen, Kollegien und Schulen zu sehr kontroversen Auseinandersetzungen. Und genau die braucht es (immer wieder), um einen Konsens auszuhandeln und nicht gegeneinander zu arbeiten. 

Weil die Wahlen der Schüler:innenvertretung gesetzlich verankert sind, sehe ich aktuell wenig Experimentierraum in diesem verbindlichen Rahmen. Trotzdem braucht eine zeitgemäße Demokratiebildung auch Freiräume, um neue Modelle zu entwickeln und zu erproben. Welche erfolgreichen Ansätze es bereits gibt, guten Gründe vorliegen, davon zu lernen und sie zu übernehmen, stelle ich in einem der nächsten Beiträge vor.

adventure-1807524_1920Nach zwei Schuljahren endete diesen Sommer die Pilotphase von aula, das bundesweit an vier Schulen durchgeführt wurde und neben den klassischen Höhen und Tiefen eines jeden Projekts ein einzigartiges Potenzial aufgezeigt hat, wie Demokratie lernen und leben im digitalen Wandel gelingen kann. Meine Erkenntnisse aus diesem Zeitraum, aktuelle Pläne und mögliche Zukunftsszenarien dieses Konzeptes möchte ich mit diesem Beitrag vorstellen. (Den Personen, die eben zum ersten Mal von aula hören und mehr erfahren möchten, empfehle ich meinen ersten, zweiten und dritten Beitrag zu lesen, um das Konzept, die Einführung und Entwicklung exemplarisch anhand einer Schule zu erfassen.)

Was kann aula leisten?

Nach dem ersten Schuljahr hat es trotz zahlreicher Einträge „nur“ die Smartphone-Tag-Idee geschafft, alle Phasen auf der aula-Plattform erfolgreich zu durchlaufen und umgesetzt zu werden. Auf den ersten Blick scheint das wenig und hat vielleicht auch zu diesem Zeitpunkt manche Personen am Projekt zweifeln lassen. Das Scheitern spielte aber eine wesentliche Rolle, weil darüber gelernt wurde, wie und wann eine Idee formuliert, bearbeitet und beworben werden muss oder wie man Kompromisse findet und verfasst, wenn man sein Ziel erreichen möchte. Junge Menschen beteiligen sich auch nicht automatisch, wenn man ihnen plötzlich ein derartig großes und ernstes Angebot zur Partizipation macht. Sei es auch noch so attraktiv. Demokratie muss gelernt werden. Mit allen Anforderungen, die Lernprozesse der gängigen und etablierten Fachgebiete in der Schule mit sich bringen und mit jeglicher Unterstützung, die dafür (differenziert) notwendig ist. (Eine Randnotiz aus meiner jahrelangen Erfahrung als Verbindungslehrer an drei Schulen, als SMV BAG-Leiter beim Schulamt und als SMV Beauftragter beim Regierungspräsidium: Ich habe in diesen Tätigkeiten viele Einblicke in unterschiedliche Schulen erhalten und festgestellt, dass in keinem schulischen Bereich die Diskrepanz zwischen dem, was Lehrende als Maxime und allgemeinen Konsens formulieren und dem, was man in Schulen vorfindet, so groß ist wie bei der Beteiligung von Schüler_innen.) Eine Idee aus dem ersten Jahr, dass bereits ab Klasse 9 der Pausenhof in den große Pausen verlassen werden darf, erreichte zwar über die aula-Plattform nicht die benötigten Stimmen, bewog aber die Schulleitung dazu, sich bei anderen Freiburger Schulen nach deren Regelungen zu erkundigen. Das führte am Ende zu einem Beschluss des Kollegiums, diese Idee unabhängig vom großen, aber leider bei der Abstimmung laut aula-Vertrag nicht ausreichenden Zuspruch der Schülerschaft umzusetzen. Aula hatte nicht nur die Stimmen der Schülerinnen und Schüler sichtbarer gemacht, auch wie man mit ihnen umging hatte sich gewandelt. Im zweiten Jahr waren überzogene Erwartungen, aber auch Skepsis überwunden. 559px-Gartner_Hype_Zyklus.svg.pngWenn man den aula-Projektverlauf mit dem Hype-Zyklus von Jackie Fenn vergleichen würde, befand sich unsere Schule im zweiten Schuljahr im Plateau der Produktivität. Auf der SMV-Hütte wurden Ideen für aula in Teams viel sorgfältiger ausgearbeitet, Plakate und Durchsagen vorbereitet und gemeinsam mit der Schulleitung optimiert. Der Smartphone-Tag sollte monatlich durchgeführt oder ein Snackautomat von den über 3000€, die über Crowdfunding ersammelt wurden, finanziert werden. (Beide Ideen haben es geschafft.) Auf einem schulinternen Barcamp haben Lehrerinnen und Lehrer sich damit auseinandergesetzt, wie man das aula-Konzept an unserer Schule modifizieren kann und sich an einem freien Nachmittag erneut bezüglich der technischen Nutzung fortbilden lassen. Auch im zweiten Jahr gingen nicht alle Pläne auf, aber das Pilotprojekt hatte sich zu einem verankerten Konzept entwickelt und die Schulkultur geprägt.

In den letzen beiden Jahren durften unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder in unterschiedliche Mikros und Kameras sprechen, das aula-Konzept erklären und ihre persönliche Einschätzung abgeben. Da ich die Termine koordinierte, war ich in der Regel mit anwesend, wenn Klassen und Kurse sich mit Journalist_innen oder Interessierten anderer Institutionen über aula austauschten. Weil Außenstehende im Vergleich zu Lehrenden andere Fragen stellen, durch ihre Rolle anders auftreten und wahrgenommen werden, erhielt ich zusätzliche, ehrliche Einblicke in die Sichtweise der Schülerschaft. Sie wurden beispielsweise gefragt, ob und inwieweit aula auch ihr außerschulisches Leben verändert habe. Eine Schülerin meinte, dass sie mittlerweile auch Zuhause mehr mitbestimmen möchte, seitdem sie über aula in der Schule ihre Wünsche und Ideen einbringen kann. Ihre Meinung, Perspektive und Fähigkeiten würden eine Rolle spielen. Ein anderer Schüler erklärte, dass er seit aula auch außerhalb der Schule das Gefühl hat, etwas verändern zu können und dass er bei Diskussionen mit seinen Eltern mittlerweile deren Perspektive mitdenkt. Im Prinzip ist damit eine wesentliche Idee von aula aufgegangen: Sich als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen, Kompromisse auszuhandeln, sich Dinge zuzutrauen und Verantwortung einzufordern und zu übernehmen. Genau das braucht eine demokratische Gesellschaft, heute dringender denn je, bei den weltweiten, politisch besorgniserregenden Entwicklungen. Junge Menschen müssen so früh wie möglich Demokratie lernen und leben, um sie später auch zu verteidigen. Aula kann aus meiner Sicht in der Schule die dafür notwendigen Räume online und offline anbieten. In einem Punkt sind sich nach vielen Gesprächen das Kollegium und die Schülerschaft rückblickend einig: Es ist ein langer, anstrengender und komplexer Prozess, wenn man das Konzept nicht nur als pressewirksame Dekoration installieren, sondern in der Schule ernsthaft verankern möchte.

Wie geht es mit aula weiter?

Technische Perspektive

Bildschirmfoto 2018-08-18 um 10.26.31Was nicht auf dem Homescreen eines Smartphones von jungen Menschen stattfindet, existiert kaum bis gar nicht außerhalb der Schulzeit, war unsere Vermutung nach dem ersten Jahr, die nun durch die sehr aufschlussreiche und ausführliche Evaluation des gesamten Projekts von politik-digital e.V. belegt (die bald veröffentlicht und hier dann auch verlinkt wird). Webanwendungen (Web-Apps) finden in der Welt von Schüler_innen meist nicht statt. Neben dem Theodor-Heuss-Preis, gewann aula auch den mit 20 000€ dotierten Innovationspreis DEMOKRATIE.io und konnte damit die lang ersehnte Entwicklung einer App (für iOS und Android) finanzieren. Durch eine kleine Verzögerung wird aktuell damit gerechnet, dass sie spätestens Ende September im Einsatz sein wird. Parallel dazu kommt ein Relaunch der gesamten aula– Plattform, die neue Funktionen bekommt und deutlich einfacher zu installieren und administrieren sein wird.

An der Pestalozzi Realschule Freiburg

Bildschirmfoto 2018-08-19 um 10.53.20.pngMit Abschluss der Pilotphase endete auch die Finanzierung durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Wir haben uns bei Openion erfolgreich für finanzielle Unterstützung im Rahmen einer Projektpartnerschaft beworben, können damit die nächsten Jahre die mittlerweile überschaubaren Server- und Hosting-Kosten decken und verfügen über zusätzliche Mittel, um beispielsweise weitere Schulungen durchzuführen. Die Umsetzung beider Ideen, der monatliche Smartphone-Tag und die Anschaffung eines Snackautomaten, über die Schulklassen erst am Ende des letzten Schuljahrs erfolgreich abgestimmt hatten, werden Arbeitsgruppen planen, in den Personen aus der Schülerschaft und dem Kollegium vertreten sein werden. Da es sich in beiden Fällen um eine deutliche und sichtbare Änderung des Schulalltags handelt, würde mich eine weiter zunehmende Implementierung des Konzepts durch alle Beteiligten nicht wundern.

Regierungspräsidium Freiburg

Bildschirmfoto 2018-08-19 um 13.50.31Dass aula fast alle Leitperspektiven des aktuellen Bildungsplanes in Baden-Württemberg aufgreift war ein weiteres Argument dafür, im regionalen Raum des Regierungspräsidiums Freiburg schulartübergreifende Fortbildungen im November 2018 anzubieten, in denen man das Konzept kennenlernen kann. Im Februar 2019 folgt darauf ein zweites Angebot an Fortbildungen, in denen in Workshops die aula-Plattform getestet werden kann. Falls es Schulen in der Region geben sollte, die darüber hinaus Informationen wünschen und mit dem Gedanken spielen, das Konzept ernsthafter mit der Schülerschaft und dem Kollegium zu diskutieren und eventuell einzuführen, wird es 2018/19 über LFB Online und nach Absprache mit dem Regierungspräsidium Freiburg die Möglichkeit geben, eine schulinterne Fortbildung zu vereinbaren. (Die jeweiligen Lehrgangsnummern werde ich sobald sie generiert sind an den passenden Stellen in diesem Beitrag angeben.)

Bundesweit

Im Schuljahr 2018/19 werden einige Schulen in Berlin, ein sonderpädagogisches Förderzentrum in Bayern und eine freie Schule in Sachsen Anhalt ebenfalls aula einführen. Außerdem wird aula ab dem Frühjahr 2019 im Rahmen des Programms “Demokratie Leben” vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bereich der kommunalen Jugendbeteiligung bundesweit getestet. Dazu werden noch interessierte Partnerkommunen gesucht. Nähere Infos dazu folgen zeitnah auf www.aula.de. Dort findet ihr auch den kostenfreien Leitfaden für Schulen und die Open Source-Software. (Weil ich häufig nach den Kosten für Schulen gefragt werde, die über keine personellen oder technischen Ressourcen verfügen, um die kostenfreie Software auf eigenen Servern zu installieren, die Daten einzugeben und zu pflegen, möchte ich einen kurzen Einblick in die zu erwartende Größenordnung geben: Das Hosting wird vermutlich nicht mehr als 10€ im Monat und eine Stunde Support in etwa 40€ kosten. Abgerechnet wird immer nach Bedarf. Das Support-Team von politik-digital e.V. veranschlagt einen Tagessatz von 800€ für Schulungen. Wobei deren Kapazitäten aktuell noch begrenzt sind. Die Schulung von aula-Botschafter_innen, die Ausbildung zur Multiplikation des Konzepts, ist kostenlos.)

Themen wie Globale Erderwärmung, Plastik, Atommüll oder Nationalismus stehen in den Bildungsplänen. Dass Menschen die gesellschaftliche Verantwortungen ihrer Handlungen verstehen und übernehmen, erreicht man nicht über das Auswendiglernen und Abfragen von Informationen, sondern Partizipation. Eine Aufgabe von Schulen muss es deshalb auch sein, dass junge Menschen durch möglichst viel und echte Beteiligung Erfahrungen machen und ein Verständnis entwicklen, Teil der Gesellschaft zu sein. Dass ihre Handlungen Folgen haben und dass sie lernen, dafür Verantwortung zu übernehmen. Wenn junge Menschen befähigt werden, sich um ihre aktuellen Angelegenheiten, gemeinsamen Probleme und Wünsche zu kümmern, was durchaus auch die oben exemplarisch aufgeführten Themen sein können, dann können und werden sie als Erwachsene auch für die „größeren“ gesellschaftlichen Herausforderungen die Verantwortung übernehmen und adäquate Antworten finden. Aula erscheint mir in diesem Kontext eine vielversprechende Option für Schule zu sein, die diesen Weg beschreiten möchten.