„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Fridays for Future Freiburg

img_0253Wer ein Gymnasium, die vermeintlich letzte Bastion der Dichter und Denker, besucht, darf davon ausgehen, dass er Immanuel Kants Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei, die so in der Berlinischen Monatsschrift 1784 veröffentlicht wurde, im Unterricht behandeln wird. Als Lernstoff, den es zu verstehen und behalten gilt. Wie eine mögliche Umsetzung aussehen kann, zeichnet sich aktuell in Freiburg bei der von Schülerinnen und Schülern geplanten Fridays for Future-Aktion ab, bei der sie gemeinsam mit fast 60 weiteren deutschen Städten junge Menschen dazu aufgerufen haben, sich EINEN Tag mit Greta Thunbergs wöchentlichem Streik zu solidarisieren, um sich für Klimaschutz und ihre Zukunft einzusetzen.

Nachdem der vor Weihnachten über Social Media-Kanäle gestartet Aufruf der Freiburger Jugendlichen in der letzten Woche eine zunehmende mediale Aufmerksamkeit erhielt und der 18. Januar immer näher rückte, stieg auch in den Schulen der Druck bezüglich der Frage, wie man mit dem geplanten Streikaufruf umgehen soll. Gestern berichtete die Badischen Zeitung von einer Absprache der Freiburger Gymnasien mit den Regierungspräsidium, dass die Schulen den Streikaufruf nicht unterstützen und auch keine Unterrichtsbefreiung erteilen würden. Im heutigen Bericht über den Konflikt ist in der Badischen Zeitung mittlerweile von allen Schularten, bzw. Schulen, in Abstimmung mit dem Kultusministerium, die Rede.

Rechtliche Perspektive

Schulen sind natürlich an einen rechtlichen Rahmen gebunden. Dazu gehört auch die Schulpflicht. Daher kann eine Schulleitung keinen Freischein für einen juristischen Verstoß ausstellen oder diesen unterstützen. Es besteht aber beispielsweise die Option, einen außerunterrichtlichen Lerngang mit einer Klasse zu organisieren, der das an mehreren Stellen im Bildungsplan verankerte und im Unterricht vor- und nachbereitete Thema Klimaschutz vertieft. Auch das Strafmaß bei streikenden Schüler_innen bietet übrigens Spielräume für kreative Lösungen. Die rechtliche Perspektive zu kommunizieren, ist eine Möglichkeit. Es gibt auch andere.

Gesellschaftliche Perspektive

Wer Kants Gedanken zur Mündigkeit nicht nur auswendig lernen lässt, sondern ernst nimmt, müsste sich eigentlich darüber freuen, dass bundesweit junge Menschen als aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger dieser Gesellschaft agieren und Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen. Erst recht in einer Zeit, in der Nationalismus weltweit erstarkt, die Demokratie ins wanken gerät und der Planet sich in Plastik hüllt. Was würde ein im Heute lebender Immanuel Kant über die Jugendlichen sagen, die ihrer Stimme ein Gewicht geben und zwar für Klimaschutz und die eigene Zukunft? Ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht mit Schulausschluss oder harten Konsequenzen drohen würde. Wahrscheinlich würde er mit ihnen einen Dialog suchen, d.h. mit ihnen und nicht über sie sprechen und sie einbinden, in die Entscheidungen, die getroffen werden müssen. So würden junge Menschen erfahren, dass sie als Teil der Gesellschaft ernst genommen werden und lernen, was Demokratie leben bedeutet. Es stellt sich somit die Frage: Wie viel Aufklärung verträgt die Schule?

„Blocken ist Freiheit: Nervige, pöbelnde, hasserfüllte Stimmen aus der eigenen Wahrnehmung zu entfernen, gehört zu den wichtigsten Kulturtechniken in sozialen Netzwerken. Nur Ahnungslose halten Blocken für Zensur.“

Bildschirmfoto 2019-01-03 um 17.51.02Mit diesen Worten hat Sascha Lobo seinen aktuellen Kolumnenbeitrag Lob des Blockens eingeleitet, in dem er das Blocken in sozialen Netzwerken feiert, empfiehlt und sogar von einem digitalen Menschenrecht spricht. Eine Kolumne verstehe ich allgemein eher als einen Impuls, der auch gerne polarisieren darf und keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellt. Weil ich davon ausgehe, dass dieses Verständnis nicht alle teilen, möchte ich hier meine Auffassung kurz begründen und seinen Beitrag um zwei weitere Perspektiven ergänzen.

Die Aussage, dass die Welt immer komplexer wird, ist eine Standard-Folie bei allen Vortragenden, die über die Digitale Transformation referieren. Die Einigkeit in diesem Punkt liegt u.a. daran, dass jeder die zunehmende Komplexität der Welt zumindest gefühlt bestätigen kann. Das Blocken stellt keine Ausnahme dar, unterliegt ebenfalls dieser Komplexität und kann nur im jeweiligen Kontext beurteilt werden. Zwei Betrachtungen zu Wer und Weshalb sollen das exemplarisch verdeutlichen.

Wer blockt?

Wenn Sascha Lobo über das Blocken in sozialen Netzwerken schreibt, dann als jemand, der heute über 731 000 Follower bei Twitter und über 43 000 Abonnenten bei Facebook hat (Ja, ich weiß, dass eine hohe Follower-/Abonnentenzahl nicht automatisch eine hohe Reichweite bedeutet. Das ist aber ein anderes Thema und würde hier den Rahmen sprengen.) oder jemand, der seit vielen Jahren zu den prominentesten Köpfen zählt, die beim Thema „Digitalisierung“ vor die Kamera oder auf die Bühne gebeten werden. Das heißt, dass er durch seine Bekanntheit a.) weitaus mehr Benachrichtigen erhält als Horst aus Buxtehude oder ein Lehrer wie ich und b.) für Trolle, bzw. Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Kommunikation erschweren oder sogar zerstören (möchten), attraktiver ist. Wenn er von Schutz oder Bewahrung der konstruktiven Kommunikation spricht, ist das einen andere Hausnummer und lässt sich nicht kontextfrei auf jeden Account, bzw. jede Person 1:1 übertragen.

Weshalb wird geblockt?

Natürlich hat Sascha Lobo recht, dass Blocken keine Zensur ist und Meinungsfreiheit nicht bedeutet, jede Meinung anhören zu müssen. Was er mit dem Blocken aber u.a. erreichen möchte, beschreibt er so:

„Wenn man die Knalltüten blockt, fällt es leichter, klüger und weniger aggressiv vorgetragene Gegenmeinungen überhaupt wahrzunehmen. Vorher gehen sie oft im Getöse unter.“

In seinem Beitrag fehlt der Aspekt, dass zumindest bei Twitter die gleiche Wirkung mit dem Muten, bzw. Stummschalten erreicht werden kann. (Eigentlich ist das „gemeiner“ als Blocken, weil die stummgeschaltete Person nicht erfährt, dass sie ignoriert wird. Man nimmt so mancher Person auch die Genugtuung, geblockt worden zu sein. Von Person x geblockt zu werden wird bei Twitter nicht selten wie eine Auszeichnung gefeiert.)

Ich kommuniziere seit fünf Jahren über Twitter und genieße ebenfalls die von Sascha Lobo erwähnte Freiheit, das eigene soziale Netzwerk aufzubauen und zu verändern. Dabei habe ich jede Menge Zeit in Debatten rund um das Thema Bildung im digitalen Wandel investiert, sehr viele Lehrerinnen und Lehrer kennengelernt und leider feststellen dürfen, dass manche von ihnen das Blocken bewusst einsetzen, um einer kontroversen Diskussion bequem auszuweichen. Besonders dann, wenn es um ihre eigenen Beiträge geht, die sie gerne im Netz beherzt, aber nicht hinterfragt wissen möchten. Was unterschiedliche (aus meiner Sicht nicht positive) Auswirkungen zur Folge hat. Auch das, woran Lobo zweifelt: Im eigenen Saft zu kochen. Dass meine Berufsgruppe nicht zwingend zur kritikfähigsten zählt, hat verschiedene Gründe. Trotzdem würde ich diese Auswirkungen des konsequenten Blockens nicht allgemein für alle anderen Themen und Gruppierungen wie er ausschließen wollen. Für mich bleibt das Blocken weiterhin nur eine Möglichkeit des Schutzes vor Trollen und die Bestätigung einer gescheiterten Kommunikation. Nichts, das ich feiern würde.

Bildschirmfoto 2018-11-03 um 14.31.05„Soziale Netzwerke eignen sich nicht für Diskussionen.“ Diese Meinung ist weit verbreitet und resultiert aus den Erfahrungen, die jeder selbst schon mal bei Debatten in Social Media gesammelt hat. Begründet wird das oft mit dem Fehlen von Mimik, Gestik oder dem Ton des Gegenübers und der Reduzierung der Kommunikation auf die Schrift. Oder einer enthemmenden Anonymität und veränderten Öffentlichkeit. Die Bewertung, soziale Netzwerke würden sich für Diskussionen nicht eignen, lädt aber auch ein, sich dem Diskurs zu entziehen oder sich von der Verantwortung (bezüglich einer Beteiligung oder dem Verlauf einer Debatte) freizusprechen und unterliegt meiner Meinung nach einem Denkfehler: Es wird zwar wahrgenommen, dass die Möglichkeiten der Kommunikation sich wandeln, es wird aber (gedanklich) daran festgehalten, dass die Kommunikation selbst dabei unverändert bleiben soll.

Es wird mehr und anders kommuniziert, weshalb der Kommunikation im kulturellen Wandel eine entscheidende Rolle spielt. Wie eine adäquate Anrede oder Grußformel am Ende eines Briefes auszusehen hat, habe ich vor ca. 30 Jahren in der Schule gelernt. Weder eine solche klare und einheitliche Etikette noch das gemeinsame Erlernen existieren heute für die Kommunikation in Social Media, weil es u.a. in Schulen nicht stattfindet oder jedes soziale Netzwerk eigenen Regeln unterliegt. Beispielsweise duzen sich bei Twitter die meisten Nutzerinnen und Nutzern untereinander, unabhängig von Bekanntheit, Amt oder Titel. (Was mir das Netzwerk besonders sympathisch macht.) Das Sie wird (zumindest in meinem Umfeld) eher bei einem Streit mit Unbekannten ausgepackt. Eine sich immer schneller ändernde Technik, Wirkung und Anwendung erschwert, dass ein allgemeiner Konsens gefunden und etabliert wird. Auch der Einfluss der Plattformbetreiber selbst, ist in diesem Kontext nicht zu unterschätzen. Es sind in den letzten Jahren schließlich ausreichend Fälle öffentlich und kontrovers diskutiert worden, die belegt haben, dass nicht alle die Auffassung von Facebook teilen, was als gesellschaftlich akzeptabel oder nicht bewertet werden soll.

Wenn Diskussionen über soziale Netzwerke nicht funktionieren, kann das auch bedeuten, dass bereits vorher bestehende kommunikative Defizite vorhanden waren und nun nur sichtbar werden oder dass schlicht die Vorstellungen, wie eine erfolgreiche Kommunikation zu verlaufen hat, voneinander abweichen. Vielleicht trägt auch die überholte Auffassung, Medien seien nur ein Transportmittel, zum Missverständnis sozialer Netzwerke bei. Wer über Social Media diskutieren möchte, wird mit der reinen Übertragung bisheriger Verhaltensmuster scheitern. Neues Wissen und weitere Kompetenzen sind gefragt. Es handelt sich hierbei auch um keine (rein) schulische, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung. Ein gemeinsamer Prozess mit und über Social Media. Immer wieder die eigene Kommunikation selbst und mit Freunden oder Bekannten zu reflektieren, hilft (allen) dabei. (Mich persönlich interessieren zunehmend psychologische Aspekte wie FramingProjektion oder Reaktanz.) Das wird unbequem und langer dauern, aber ist Teil des der Digitalen Transformation. 

Beiträge, die ich als Kolumnist für das Deutsche Schulportal verfasse, veröffentliche ich drei Wochen später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben.

Bildschirmfoto 2018-10-23 um 17.29.53Framing, der aus der Kommunikationswissenschaft stammende Begriff, ist im öffentlichen Diskurs angekommen – spätestens seit der immer stärkeren gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem weltweit zunehmenden Rechtspopulismus. Bei Framing geht es um einen durch Sprache oder Bilder geschaffenen Deutungsrahmen, in dem Informationen verarbeitet werden sollen. Da sich im digitalen Wandel die Ordnung von Gesellschaft grundlegend ändert, wird um Handlungsempfehlungen gerungen – auch im Bildungsbereich.

Der Fokus auf die Technik ist der falsche Weg

Wer von Tablet-Klassen spricht, erzeugt damit einen Deutungsrahmen. Das gedanklich gezeichnete Bild der Tablet-Klasse erzählt eine Geschichte. Natürlich sind Computer der Ursprung des digitalen Wandels und spielen als neues Leitmedium gesellschaftlich eine zentrale Rolle. Trotzdem wird mit Tablet-Klassen der Fokus auf Technik gelegt. Das freut zum einen Unternehmen, die Technik verkaufen möchten und zum anderen diejenigen, die nach Lösungen für die komplexen Herausforderungen des Kulturwandels suchen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die für die Schulentwicklung zuständigen Personen nur aufgrund des Deutungsrahmens Schulen mit Tablets überschütten und glauben, mit dem Kauf alle Aufgaben gelöst zu haben. Es erklärt aber zumindest, dass bundesweit auf den gut besuchten Veranstaltungen zum Thema Bildung im Zeitalter der Digitalität immer noch der Schwerpunkt bei Tablets und Apps liegt. Dabei bleiben die Analyse und Ideen für neue Lernprozesse, Lernsettings und Strukturen häufig auf der Strecke.

Wenn Framing Ängste und Ablehnung schürt

Das Gleiche gilt auch für die Personengruppe, die mit dem Einzug digitaler Technik in den Schulen den Weltuntergang herbei beschwört. Wer beispielsweise von einem digitalen Fukushima spricht, erzeugt bewusst ein Bild, das Digitales als Gefahr und Katastrophe zeichnet, Ängste schürt und eine in diesem Fall ablehnende Handlung gegenüber neuer Technik fördert. Dieser Frame setzt stark auf die dadurch aktivierten Gefühle. Das gilt vor allem für Ängste. Fakten scheinen dabei weniger wirksam zu sein.

Der kulturelle Wandel löst Grenzen auf, ändert Hierarchien und stellt die Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Dabei stehen die, die das bisherige System und die darin erworbenen Privilegien erhalten möchten, denen, die nachrücken und Reformen anstreben, gegenüber. Framing scheint eine beliebte und wirksame Waffe zu sein, im Kampf um die Deutungshoheit. Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang auch einen Blick auf die Titel- und Bildwahl von Plakaten zu werfen, die Veranstaltungen bewerben.

In einer Zeit, in der mehr und vielfältiger kommuniziert wird, benötigt es eine Sensibilität für bewusst oder unbewusst erzeugte Frames. Wer vom Starren auf Handys spricht, aber Menschen nie in Bücher starren sieht, verrät und unterstützt damit eine Haltung. Dasselbe gilt auch für die Beschreibungen Daddeln oder Wischen, die sich in Bezug auf Smartphones und Tablets sprachlich etabliert haben. Sie bestärken das Bild, jegliche Nutzung mobiler Endgeräte sei banal und automatisch minderwertig.

„Framing verstehen” als Bildungsauftrag

Framing darf im Bildungskontext aber nicht auf die Frage der Technik reduziert werden. Die anfangs erwähnten rechtspopulistischen Deutungsrahmen sind ein drängendes gesamtgesellschaftliches Problem und müssen ein elementarer Bestandteil eines jeden Bildungsauftrags sein. Wenn es anscheinend Menschen auch über Framing gelingt, Bilder und Gefühle zu erzeugen, die Gewalt auf den Straßen begünstigen, muss in Bildungsinstitutionen Aufklärungsarbeit geleistet und die Demokratie geschützt werden.

Beiträge, die ich als Kolumnist für das change-Magazin verfasse, veröffentliche ich drei Wochen später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben.

Wenn wir über Smartphones in Schulen diskutieren, geht es häufig nur ums Dafür oder Dagegen. Doch wenn wir die bunten Smartphones verstehen möchten, müssen wir das Schwarz-Weiß-Denken ablegen. Hier gibt es zwar einige Hürden zu überwinden, aber auch einen einfachen Lösungsansatz.

Smartphones sind digitale Schweizer Taschenmesser

Bildschirmfoto 2018-10-19 um 15.10.38Was bei keiner Diskussion fehlen darf, ist der Vorwurf, Menschen würden nur noch auf Smartphones schauen und dadurch andere, bessere Dinge nicht mehr machen. Ein häufiger Denkfehler, indem man nur beschreibt, was man sieht, aber nicht, was wirklich geschieht. Dabei wird unterschlagen, dass ein Smartphone Telefon, Zeitung, Fernseher, Kamera, Buch, Radio, Uhr, Kalender, Wecker, Taschenrechner, Navi, Spielekonsole oder EC-Karte sein kann. Und das ist nur ein Bruchteil an Geräten und Funktionen, die es vereint.

Haltungen sind keine Fakten

Die Angabe „Menschen schauen auf Smartphones“ ist ähnlich aussagekräftig wie „Quelle: Internet“. Das ist nun geklärt, kommen wir zur nächsten potenziellen Stolperfalle: Haltungen und Meinungen mit Fakten gleichzusetzen. Nur wer ergebnisoffen in die Analyse eines Sachverhalts startet, kann am Ende das nötige Verständnis aufbauen, um eine sachliche Einschätzung abzugeben. Ansonsten sucht man nur nach Argumenten, die das bestätigen sollen, was man ohnehin zuvor gedacht hat.

Künstliche Gegensätze und Fronten

Der Klassiker aller Debatten rund um das Thema ist der künstlich geschaffene Gegensatz zwischen analog und digital oder Buch und Smartphone. Wer diese zwei Fronten zeichnet, erzeugt einen nicht vorhandenen Konflikt, gibt eine einfache Lösung für eine komplexe Herausforderung vor und lenkt den Blick von der eigentlichen Fragestellung in Schulen ab: Was kann und möchte ich womit erreichen? Der Fokus sollte auf die Lernenden und Lernprozesse gerichtet sein, wenn man zeitgemäße Bildung wünscht.

Verstehen statt verbieten

Jeder kennt das: Dinge, die einem vertraut sind, findet man gut. Und Sachen, die in kein bekanntes Muster passen, begegnet man erst einmal skeptisch. Offenheit gegenüber Neuem zu bewahren, fällt gerade mit zunehmendem Alter immer schwerer. Wer aber die vielen Veränderungen im digitalen Wandel verstehen möchte, sollte sie aus drei Perspektiven betrachten und folgende Fragen ergebnisoffen und auf sich und die Gesellschaft bezogen untersuchen: Wie funktioniert das? Wie wirkt das? Wie wird das genutzt?

Bildschirmfoto 2018-08-25 um 19.25.32Wenn man sich anschaut, wie viele Funktionen ein Smartphone hat, wird klar, wie umfassend man sich mit dem Gerät befassen müsste, um alle Fragen ausreichend beantworten zu können. Deshalb ist es wichtig, bei Lehrern und Schülern Schritt für Schritt ein Verständnis aufzubauen. Ob man mit WhatsApp oder Instagram beginnt, ist dabei nicht entscheidend, sondern gemeinsam mit Klassen die Funktion, Wirkung und Anwendung zu diskutieren.

Smartphones sind Kulturzugangsgeräte

Smartphones in Schulen zu verbieten, löst keine Probleme. Es verdrängt oder ignoriert sie und lässt Schülerinnen und Schüler allein damit. Smartphones ermöglichen den Zugang zu Informationen, Wissen und persönlichen Lernnetzwerken. Manche nennen sie deshalb auch Kulturzugangsgeräte. Wenn man junge Menschen in Schulen dazu befähigt, diese mündig und souverän zu nutzen, macht man sie nicht nur fit für die Zukunft – man hätte auch die Chance, dadurch etwas mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen.

Bildschirmfoto 2018-08-24 um 20.27.34Alles, was das Zusammenleben ausmacht, entspringt dem, was (junge) Menschen erfahren und (gelernt haben) lernen. Daraus lässt sich ableiten, dass Bildungsinstitutionen nicht die einzige, aber eine wesentliche Rolle spielen und Bildung immer (wieder neu) im gesellschaftlichen Kontext gedacht und diskutiert werden muss. Da sich unsere Gesellschaft seit Jahrzehnten in der Digitalen Transformation befindet, müssen sich Debatten über zeitgemäße Bildung an diesem Prozess orientieren. In sozialen Netzwerken nutze ich bevorzugt die Formulierung Digitaler Wandel, weil sie kürzer ist, ich möglichst viele Mitmenschen erreichen möchte und mir einbilde, dass sie allgemein zugänglicher bzw. weniger abschreckend klingt. Der Begriff Wandel beschreibt aus meiner Sicht aber nur die vielen, „kleineren“ Änderungen, die zum gesamtgesellschaftlichen, komplexen, großen Ganzen führen, zur Transformation. Die Digitale Transformation steht für einen Prozess der grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung. Was bedeutet das aber konkret? Weil die Antwort darauf zu lang und nie abschließend wäre, bildet dieser Beitrag den Anfang einer Reihe, in der ich mich dieser Thematik nähern möchte, um hoffentlich mancher noch schwammigen Vorstellung (auch meiner) zur etwas mehr Schärfe zu verhelfen und Handlungsansätze auszuarbeiten.

Das Digitale steht für die Ursache dieser Transformation und stellvertretend für die Turing-Galaxis, in der die Welt von vernetzten Computer als Leitmedium geprägt ist. Welche gesellschaftlichen Folgen ein Leitmedienwechsel mit sich bringt und welche Phasen dabei durchlaufen werden müssen, kann am Beispiel des Buches vor über 500 Jahren beginnend nachvollzogen werden. Unter Transformation verstehe ich die Entwicklung und den Übergang in neue gesellschaftliche Systeme. Die grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung umfasst alle Lebensbereiche. Oft rücken Wirtschaft und Politik in den Mittelpunkt des häufig fachspezifisch geführten Diskurses, weil hier die Umbrüche besonders deutlich anhand der Automatisierung der Arbeitsprozesse oder bei den strukturellen Problemen von Parteien sichtbar werden. Dabei bräuchte es auch dort eine multiperspektivische Expertise und Betrachtung, weil es sich bei der Digitalen Transformation um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, deren Komplexität u.a. Kollaboration erfordert. Die Veränderungen der Kommunikation wirken spürbar über alle Bereiche hinweg und veranschaulichen zunehmend die Notwendigkeit überfachlicher Überlegungen. Ich glaube, dass jeder Versuch, die Digitale Transformation in ihrer Gesamtheit vereinfacht darzustellen oder zu beschreiben, an der Komplexität, Größe und Dynamik des Prozesses nur scheitern kann. Deshalb führt aus meiner Sicht kein Weg daran vorbei, sich schrittweise ein Verständnis aufzubauen, das mit viel Arbeit und Zeit verbunden ist; auch wenn bei den zahlreichen Veranstaltungen zu dieser Thematik der Wandel gerne als „Spaß mit neuer Technik“ verpackt wird. Unzählige kleine Puzzleteile sind notwenig, um sich einem Gesamtbild zu nähern. Wo man beginnt, ist dabei nicht entscheidend, sondern das man damit anfängt.

Kein anderes technisches Gerät wird in der öffentlichen Debatte seit Jahren so kontrovers diskutiert wie das Smartphone. Seine Wirkungen machen die komplexen Prozesse der Digitalen Transformation spürbar. Sich jederzeit und an jedem Ort einen Zugang zu Informationen zu verschaffen und sich weltweit zu vernetzen und austauschen zu können, hat zu Verschiebungen der Machtverhältnisse geführt und Grenzen aufgelöst. Leider sind die Erklärungen der spürbaren Veränderungen nicht selten undifferenziert, werden auf Chancen und Risiken (Hierzu empfehle ich Philippe Wampflers Beitrag Die Dialektik der Digitalisierung zu lesen.) oder ein Dafür oder Dagegen vereinfacht. Das beginnt meist damit, dass die Smartphone-Nutzung als EINE Handlung zusammengefasst wird, die auch gerne mit auf das Smartphone starren beschrieben wird. Dabei wird unterschlagen, dass dieses Gerät als Telefon, TV-Gerät, Zeitung, (Foto-/Video-)Kamera, Buch, Radio, Uhr, Kalender, Postfach, Wecker, Taschenrechner, Wörterbuch, Navigationsgerät, Spielekonsole, Stoppuhr, Notizbuch, Ticket und EC-Karte (die Liste ist natürlich noch viel länger) genutzt wird und damit für unterschiedliche Handlungen steht. (Lisa Rosa spricht deshalb schon länger von einem Kulturzugangsgerät.) Wahrscheinlich sind diese Vereinfachungen, Positionierungen und undifferenzierten Betrachtungen nur ein Versuch, wieder etwas Klarheit herzustellen, in einer Welt, die grundlegenden Veränderungen der gesellschaftlichen Ordnung unterliegt. Bildschirmfoto 2018-08-25 um 19.25.32Einen aus meiner Sicht sehr gelungen Ansatz, wie man sich den komplexen Prozessen nähern kann, stellt das Dagstuhl-Dreieck dar, das ein ausgewählter Personenkreis aus dem Bereich der Informatik und Medienpädagogik im März 2016 auf einer Tagung entwickelt hat. (Hinweis: Ich habe die Original-Abbildung aus unterschiedlichen Gründen leicht verändert.) Nicht nur, weil es offene und zentrale Fragen stellt, sondern auch verschiedene Perspektiven berücksichtigt und ihre gegenseitige Wechselwirkung wiedergibt: Wie funktioniert das? Wie wirkt das? Wie wird das genutzt? Bei der Wirkung und Anwendung möchte ich hervorheben, auch jeweils die Perspektive des Individuums und der Gesellschaft mitzudenken. Der Einstieg kann über jede der drei Fragen erfolgen. Wählt man das anfangs erwähnte Smartphone als zu untersuchenden Gegenstand aus, stellt man fest, dass allein aufgrund der unzähligen Funktionen, die dieses Gerät leisten kann, eine lange Liste an zu klärenden Fragen entsteht, um ein notwendiges Verständnis zu erreichen und eine seriöse Handlungsempfehlung zu erarbeiten. Wenn also mal wieder eine Person einfache Antworten auf komplexe Probleme liefert, hat sie die Prozesse der Digitalen Transformation nicht wahrgenommen, nicht verstanden oder schlicht ignoriert. Damit wird oft nur der Schein der alten Macht, Kontrolle oder Grenzen aufrechterhalten. Dass an vielen Stellen ein ausreichendes Verständnis für Transformationsprozesse zu fehlen scheint, führt auf verschiedenen Ebenen dazu, auf Entwicklungen mehr oder weniger erfolgreich nur reagieren und nicht selbst welche gestalten zu können. Deshalb befürchte ich, dass die Digitale Transformation in der Breite ankommen muss, um eine mündigere Gesellschaft zu erreichen. Ironischerweise liefern die Dinge, die uns vor Herausforderungen stellen, dafür häufig auch gleichzeitig die Lösungen. Aus diesem Grund setze ich auf das Potenzial des Webs, mobile Endgeräte und den Humanismus, um in diesem komplizierten gesellschaftlichen Prozess gemeinsam eine für alle erstrebenswerte Zukunft zu gestalten. Diesen Beitrag biete ich als einen Anfang dafür an.

adventure-1807524_1920Nach zwei Schuljahren endete diesen Sommer die Pilotphase von aula, das bundesweit an vier Schulen durchgeführt wurde und neben den klassischen Höhen und Tiefen eines jeden Projekts ein einzigartiges Potenzial aufgezeigt hat, wie Demokratie lernen und leben im digitalen Wandel gelingen kann. Meine Erkenntnisse aus diesem Zeitraum, aktuelle Pläne und mögliche Zukunftsszenarien dieses Konzeptes möchte ich mit diesem Beitrag vorstellen. (Den Personen, die eben zum ersten Mal von aula hören und mehr erfahren möchten, empfehle ich meinen ersten, zweiten und dritten Beitrag zu lesen, um das Konzept, die Einführung und Entwicklung exemplarisch anhand einer Schule zu erfassen.)

Was kann aula leisten?

Nach dem ersten Schuljahr hat es trotz zahlreicher Einträge „nur“ die Smartphone-Tag-Idee geschafft, alle Phasen auf der aula-Plattform erfolgreich zu durchlaufen und umgesetzt zu werden. Auf den ersten Blick scheint das wenig und hat vielleicht auch zu diesem Zeitpunkt manche Personen am Projekt zweifeln lassen. Das Scheitern spielte aber eine wesentliche Rolle, weil darüber gelernt wurde, wie und wann eine Idee formuliert, bearbeitet und beworben werden muss oder wie man Kompromisse findet und verfasst, wenn man sein Ziel erreichen möchte. Junge Menschen beteiligen sich auch nicht automatisch, wenn man ihnen plötzlich ein derartig großes und ernstes Angebot zur Partizipation macht. Sei es auch noch so attraktiv. Demokratie muss gelernt werden. Mit allen Anforderungen, die Lernprozesse der gängigen und etablierten Fachgebiete in der Schule mit sich bringen und mit jeglicher Unterstützung, die dafür (differenziert) notwendig ist. (Eine Randnotiz aus meiner jahrelangen Erfahrung als Verbindungslehrer an drei Schulen, als SMV BAG-Leiter beim Schulamt und als SMV Beauftragter beim Regierungspräsidium: Ich habe in diesen Tätigkeiten viele Einblicke in unterschiedliche Schulen erhalten und festgestellt, dass in keinem schulischen Bereich die Diskrepanz zwischen dem, was Lehrende als Maxime und allgemeinen Konsens formulieren und dem, was man in Schulen vorfindet, so groß ist wie bei der Beteiligung von Schüler_innen.) Eine Idee aus dem ersten Jahr, dass bereits ab Klasse 9 der Pausenhof in den große Pausen verlassen werden darf, erreichte zwar über die aula-Plattform nicht die benötigten Stimmen, bewog aber die Schulleitung dazu, sich bei anderen Freiburger Schulen nach deren Regelungen zu erkundigen. Das führte am Ende zu einem Beschluss des Kollegiums, diese Idee unabhängig vom großen, aber leider bei der Abstimmung laut aula-Vertrag nicht ausreichenden Zuspruch der Schülerschaft umzusetzen. Aula hatte nicht nur die Stimmen der Schülerinnen und Schüler sichtbarer gemacht, auch wie man mit ihnen umging hatte sich gewandelt. Im zweiten Jahr waren überzogene Erwartungen, aber auch Skepsis überwunden. 559px-Gartner_Hype_Zyklus.svg.pngWenn man den aula-Projektverlauf mit dem Hype-Zyklus von Jackie Fenn vergleichen würde, befand sich unsere Schule im zweiten Schuljahr im Plateau der Produktivität. Auf der SMV-Hütte wurden Ideen für aula in Teams viel sorgfältiger ausgearbeitet, Plakate und Durchsagen vorbereitet und gemeinsam mit der Schulleitung optimiert. Der Smartphone-Tag sollte monatlich durchgeführt oder ein Snackautomat von den über 3000€, die über Crowdfunding ersammelt wurden, finanziert werden. (Beide Ideen haben es geschafft.) Auf einem schulinternen Barcamp haben Lehrerinnen und Lehrer sich damit auseinandergesetzt, wie man das aula-Konzept an unserer Schule modifizieren kann und sich an einem freien Nachmittag erneut bezüglich der technischen Nutzung fortbilden lassen. Auch im zweiten Jahr gingen nicht alle Pläne auf, aber das Pilotprojekt hatte sich zu einem verankerten Konzept entwickelt und die Schulkultur geprägt.

In den letzen beiden Jahren durften unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder in unterschiedliche Mikros und Kameras sprechen, das aula-Konzept erklären und ihre persönliche Einschätzung abgeben. Da ich die Termine koordinierte, war ich in der Regel mit anwesend, wenn Klassen und Kurse sich mit Journalist_innen oder Interessierten anderer Institutionen über aula austauschten. Weil Außenstehende im Vergleich zu Lehrenden andere Fragen stellen, durch ihre Rolle anders auftreten und wahrgenommen werden, erhielt ich zusätzliche, ehrliche Einblicke in die Sichtweise der Schülerschaft. Sie wurden beispielsweise gefragt, ob und inwieweit aula auch ihr außerschulisches Leben verändert habe. Eine Schülerin meinte, dass sie mittlerweile auch Zuhause mehr mitbestimmen möchte, seitdem sie über aula in der Schule ihre Wünsche und Ideen einbringen kann. Ihre Meinung, Perspektive und Fähigkeiten würden eine Rolle spielen. Ein anderer Schüler erklärte, dass er seit aula auch außerhalb der Schule das Gefühl hat, etwas verändern zu können und dass er bei Diskussionen mit seinen Eltern mittlerweile deren Perspektive mitdenkt. Im Prinzip ist damit eine wesentliche Idee von aula aufgegangen: Sich als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen, Kompromisse auszuhandeln, sich Dinge zuzutrauen und Verantwortung einzufordern und zu übernehmen. Genau das braucht eine demokratische Gesellschaft, heute dringender denn je, bei den weltweiten, politisch besorgniserregenden Entwicklungen. Junge Menschen müssen so früh wie möglich Demokratie lernen und leben, um sie später auch zu verteidigen. Aula kann aus meiner Sicht in der Schule die dafür notwendigen Räume online und offline anbieten. In einem Punkt sind sich nach vielen Gesprächen das Kollegium und die Schülerschaft rückblickend einig: Es ist ein langer, anstrengender und komplexer Prozess, wenn man das Konzept nicht nur als pressewirksame Dekoration installieren, sondern in der Schule ernsthaft verankern möchte.

Wie geht es mit aula weiter?

Technische Perspektive

Bildschirmfoto 2018-08-18 um 10.26.31Was nicht auf dem Homescreen eines Smartphones von jungen Menschen stattfindet, existiert kaum bis gar nicht außerhalb der Schulzeit, war unsere Vermutung nach dem ersten Jahr, die nun durch die sehr aufschlussreiche und ausführliche Evaluation des gesamten Projekts von politik-digital e.V. belegt (die bald veröffentlicht und hier dann auch verlinkt wird). Webanwendungen (Web-Apps) finden in der Welt von Schüler_innen meist nicht statt. Neben dem Theodor-Heuss-Preis, gewann aula auch den mit 20 000€ dotierten Innovationspreis DEMOKRATIE.io und konnte damit die lang ersehnte Entwicklung einer App (für iOS und Android) finanzieren. Durch eine kleine Verzögerung wird aktuell damit gerechnet, dass sie spätestens Ende September im Einsatz sein wird. Parallel dazu kommt ein Relaunch der gesamten aula– Plattform, die neue Funktionen bekommt und deutlich einfacher zu installieren und administrieren sein wird.

An der Pestalozzi Realschule Freiburg

Bildschirmfoto 2018-08-19 um 10.53.20.pngMit Abschluss der Pilotphase endete auch die Finanzierung durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Wir haben uns bei Openion erfolgreich für finanzielle Unterstützung im Rahmen einer Projektpartnerschaft beworben, können damit die nächsten Jahre die mittlerweile überschaubaren Server- und Hosting-Kosten decken und verfügen über zusätzliche Mittel, um beispielsweise weitere Schulungen durchzuführen. Die Umsetzung beider Ideen, der monatliche Smartphone-Tag und die Anschaffung eines Snackautomaten, über die Schulklassen erst am Ende des letzten Schuljahrs erfolgreich abgestimmt hatten, werden Arbeitsgruppen planen, in den Personen aus der Schülerschaft und dem Kollegium vertreten sein werden. Da es sich in beiden Fällen um eine deutliche und sichtbare Änderung des Schulalltags handelt, würde mich eine weiter zunehmende Implementierung des Konzepts durch alle Beteiligten nicht wundern.

Regierungspräsidium Freiburg

Bildschirmfoto 2018-08-19 um 13.50.31Dass aula fast alle Leitperspektiven des aktuellen Bildungsplanes in Baden-Württemberg aufgreift war ein weiteres Argument dafür, im regionalen Raum des Regierungspräsidiums Freiburg schulartübergreifende Fortbildungen im November 2018 anzubieten, in denen man das Konzept kennenlernen kann. Im Februar 2019 folgt darauf ein zweites Angebot an Fortbildungen, in denen in Workshops die aula-Plattform getestet werden kann. Falls es Schulen in der Region geben sollte, die darüber hinaus Informationen wünschen und mit dem Gedanken spielen, das Konzept ernsthafter mit der Schülerschaft und dem Kollegium zu diskutieren und eventuell einzuführen, wird es 2018/19 über LFB Online und nach Absprache mit dem Regierungspräsidium Freiburg die Möglichkeit geben, eine schulinterne Fortbildung zu vereinbaren. (Die jeweiligen Lehrgangsnummern werde ich sobald sie generiert sind an den passenden Stellen in diesem Beitrag angeben.)

Bundesweit

Im Schuljahr 2018/19 werden einige Schulen in Berlin, ein sonderpädagogisches Förderzentrum in Bayern und eine freie Schule in Sachsen Anhalt ebenfalls aula einführen. Außerdem wird aula ab dem Frühjahr 2019 im Rahmen des Programms “Demokratie Leben” vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bereich der kommunalen Jugendbeteiligung bundesweit getestet. Dazu werden noch interessierte Partnerkommunen gesucht. Nähere Infos dazu folgen zeitnah auf www.aula.de. Dort findet ihr auch den kostenfreien Leitfaden für Schulen und die Open Source-Software. (Weil ich häufig nach den Kosten für Schulen gefragt werde, die über keine personellen oder technischen Ressourcen verfügen, um die kostenfreie Software auf eigenen Servern zu installieren, die Daten einzugeben und zu pflegen, möchte ich einen kurzen Einblick in die zu erwartende Größenordnung geben: Das Hosting wird vermutlich nicht mehr als 10€ im Monat und eine Stunde Support in etwa 40€ kosten. Abgerechnet wird immer nach Bedarf. Das Support-Team von politik-digital e.V. veranschlagt einen Tagessatz von 800€ für Schulungen. Wobei deren Kapazitäten aktuell noch begrenzt sind. Die Schulung von aula-Botschafter_innen, die Ausbildung zur Multiplikation des Konzepts, ist kostenlos.)

Themen wie Globale Erderwärmung, Plastik, Atommüll oder Nationalismus stehen in den Bildungsplänen. Dass Menschen die gesellschaftliche Verantwortungen ihrer Handlungen verstehen und übernehmen, erreicht man nicht über das Auswendiglernen und Abfragen von Informationen, sondern Partizipation. Eine Aufgabe von Schulen muss es deshalb auch sein, dass junge Menschen durch möglichst viel und echte Beteiligung Erfahrungen machen und ein Verständnis entwicklen, Teil der Gesellschaft zu sein. Dass ihre Handlungen Folgen haben und dass sie lernen, dafür Verantwortung zu übernehmen. Wenn junge Menschen befähigt werden, sich um ihre aktuellen Angelegenheiten, gemeinsamen Probleme und Wünsche zu kümmern, was durchaus auch die oben exemplarisch aufgeführten Themen sein können, dann können und werden sie als Erwachsene auch für die „größeren“ gesellschaftlichen Herausforderungen die Verantwortung übernehmen und adäquate Antworten finden. Aula erscheint mir in diesem Kontext eine vielversprechende Option für Schule zu sein, die diesen Weg beschreiten möchten.