Beiträge, die ich als Kolumnist für das change-Magazin verfasse, veröffentliche ich drei Wochen später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben.

Wenn wir über Smartphones in Schulen diskutieren, geht es häufig nur ums Dafür oder Dagegen. Doch wenn wir die bunten Smartphones verstehen möchten, müssen wir das Schwarz-Weiß-Denken ablegen. Hier gibt es zwar einige Hürden zu überwinden, aber auch einen einfachen Lösungsansatz.

Smartphones sind digitale Schweizer Taschenmesser

Bildschirmfoto 2018-10-19 um 15.10.38Was bei keiner Diskussion fehlen darf, ist der Vorwurf, Menschen würden nur noch auf Smartphones schauen und dadurch andere, bessere Dinge nicht mehr machen. Ein häufiger Denkfehler, indem man nur beschreibt, was man sieht, aber nicht, was wirklich geschieht. Dabei wird unterschlagen, dass ein Smartphone Telefon, Zeitung, Fernseher, Kamera, Buch, Radio, Uhr, Kalender, Wecker, Taschenrechner, Navi, Spielekonsole oder EC-Karte sein kann. Und das ist nur ein Bruchteil an Geräten und Funktionen, die es vereint.

Haltungen sind keine Fakten

Die Angabe „Menschen schauen auf Smartphones“ ist ähnlich aussagekräftig wie „Quelle: Internet“. Das ist nun geklärt, kommen wir zur nächsten potenziellen Stolperfalle: Haltungen und Meinungen mit Fakten gleichzusetzen. Nur wer ergebnisoffen in die Analyse eines Sachverhalts startet, kann am Ende das nötige Verständnis aufbauen, um eine sachliche Einschätzung abzugeben. Ansonsten sucht man nur nach Argumenten, die das bestätigen sollen, was man ohnehin zuvor gedacht hat.

Künstliche Gegensätze und Fronten

Der Klassiker aller Debatten rund um das Thema ist der künstlich geschaffene Gegensatz zwischen analog und digital oder Buch und Smartphone. Wer diese zwei Fronten zeichnet, erzeugt einen nicht vorhandenen Konflikt, gibt eine einfache Lösung für eine komplexe Herausforderung vor und lenkt den Blick von der eigentlichen Fragestellung in Schulen ab: Was kann und möchte ich womit erreichen? Der Fokus sollte auf die Lernenden und Lernprozesse gerichtet sein, wenn man zeitgemäße Bildung wünscht.

Verstehen statt verbieten

Jeder kennt das: Dinge, die einem vertraut sind, findet man gut. Und Sachen, die in kein bekanntes Muster passen, begegnet man erst einmal skeptisch. Offenheit gegenüber Neuem zu bewahren, fällt gerade mit zunehmendem Alter immer schwerer. Wer aber die vielen Veränderungen im digitalen Wandel verstehen möchte, sollte sie aus drei Perspektiven betrachten und folgende Fragen ergebnisoffen und auf sich und die Gesellschaft bezogen untersuchen: Wie funktioniert das? Wie wirkt das? Wie wird das genutzt?

Bildschirmfoto 2018-08-25 um 19.25.32Wenn man sich anschaut, wie viele Funktionen ein Smartphone hat, wird klar, wie umfassend man sich mit dem Gerät befassen müsste, um alle Fragen ausreichend beantworten zu können. Deshalb ist es wichtig, bei Lehrern und Schülern Schritt für Schritt ein Verständnis aufzubauen. Ob man mit WhatsApp oder Instagram beginnt, ist dabei nicht entscheidend, sondern gemeinsam mit Klassen die Funktion, Wirkung und Anwendung zu diskutieren.

Smartphones sind Kulturzugangsgeräte

Smartphones in Schulen zu verbieten, löst keine Probleme. Es verdrängt oder ignoriert sie und lässt Schülerinnen und Schüler allein damit. Smartphones ermöglichen den Zugang zu Informationen, Wissen und persönlichen Lernnetzwerken. Manche nennen sie deshalb auch Kulturzugangsgeräte. Wenn man junge Menschen in Schulen dazu befähigt, diese mündig und souverän zu nutzen, macht man sie nicht nur fit für die Zukunft – man hätte auch die Chance, dadurch etwas mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen.

Bildschirmfoto 2018-08-24 um 20.27.34Alles, was das Zusammenleben ausmacht, entspringt dem, was (junge) Menschen erfahren und (gelernt haben) lernen. Daraus lässt sich ableiten, dass Bildungsinstitutionen nicht die einzige, aber eine wesentliche Rolle spielen und Bildung immer (wieder neu) im gesellschaftlichen Kontext gedacht und diskutiert werden muss. Da sich unsere Gesellschaft seit Jahrzehnten in der Digitalen Transformation befindet, müssen sich Debatten über zeitgemäße Bildung an diesem Prozess orientieren. In sozialen Netzwerken nutze ich bevorzugt die Formulierung Digitaler Wandel, weil sie kürzer ist, ich möglichst viele Mitmenschen erreichen möchte und mir einbilde, dass sie allgemein zugänglicher bzw. weniger abschreckend klingt. Der Begriff Wandel beschreibt aus meiner Sicht aber nur die vielen, „kleineren“ Änderungen, die zum gesamtgesellschaftlichen, komplexen, großen Ganzen führen, zur Transformation. Die Digitale Transformation steht für einen Prozess der grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung. Was bedeutet das aber konkret? Weil die Antwort darauf zu lang und nie abschließend wäre, bildet dieser Beitrag den Anfang einer Reihe, in der ich mich dieser Thematik nähern möchte, um hoffentlich mancher noch schwammigen Vorstellung (auch meiner) zur etwas mehr Schärfe zu verhelfen und Handlungsansätze auszuarbeiten.

Das Digitale steht für die Ursache dieser Transformation und stellvertretend für die Turing-Galaxis, in der die Welt von vernetzten Computer als Leitmedium geprägt ist. Welche gesellschaftlichen Folgen ein Leitmedienwechsel mit sich bringt und welche Phasen dabei durchlaufen werden müssen, kann am Beispiel des Buches vor über 500 Jahren beginnend nachvollzogen werden. Unter Transformation verstehe ich die Entwicklung und den Übergang in neue gesellschaftliche Systeme. Die grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung umfasst alle Lebensbereiche. Oft rücken Wirtschaft und Politik in den Mittelpunkt des häufig fachspezifisch geführten Diskurses, weil hier die Umbrüche besonders deutlich anhand der Automatisierung der Arbeitsprozesse oder bei den strukturellen Problemen von Parteien sichtbar werden. Dabei bräuchte es auch dort eine multiperspektivische Expertise und Betrachtung, weil es sich bei der Digitalen Transformation um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, deren Komplexität u.a. Kollaboration erfordert. Die Veränderungen der Kommunikation wirken spürbar über alle Bereiche hinweg und veranschaulichen zunehmend die Notwendigkeit überfachlicher Überlegungen. Ich glaube, dass jeder Versuch, die Digitale Transformation in ihrer Gesamtheit vereinfacht darzustellen oder zu beschreiben, an der Komplexität, Größe und Dynamik des Prozesses nur scheitern kann. Deshalb führt aus meiner Sicht kein Weg daran vorbei, sich schrittweise ein Verständnis aufzubauen, das mit viel Arbeit und Zeit verbunden ist; auch wenn bei den zahlreichen Veranstaltungen zu dieser Thematik der Wandel gerne als „Spaß mit neuer Technik“ verpackt wird. Unzählige kleine Puzzleteile sind notwendig, um sich einem Gesamtbild zu nähern. Wo man beginnt, ist dabei nicht entscheidend, sondern das man damit anfängt.

Kein anderes technisches Gerät wird in der öffentlichen Debatte seit Jahren so kontrovers diskutiert wie das Smartphone. Seine Wirkungen machen die komplexen Prozesse der Digitalen Transformation spürbar. Sich jederzeit und an jedem Ort einen Zugang zu Informationen zu verschaffen und sich weltweit zu vernetzen und austauschen zu können, hat zu Verschiebungen der Machtverhältnisse geführt und Grenzen aufgelöst. Leider sind die Erklärungen der spürbaren Veränderungen nicht selten undifferenziert, werden auf Chancen und Risiken (Hierzu empfehle ich Philippe Wampflers Beitrag Die Dialektik der Digitalisierung zu lesen.) oder ein Dafür oder Dagegen vereinfacht. Das beginnt meist damit, dass die Smartphone-Nutzung als EINE Handlung zusammengefasst wird, die auch gerne mit auf das Smartphone starren beschrieben wird. Dabei wird unterschlagen, dass dieses Gerät als Telefon, TV-Gerät, Zeitung, (Foto-/Video-)Kamera, Buch, Radio, Uhr, Kalender, Postfach, Wecker, Taschenrechner, Wörterbuch, Navigationsgerät, Spielekonsole, Stoppuhr, Notizbuch, Ticket und EC-Karte (die Liste ist natürlich noch viel länger) genutzt wird und damit für unterschiedliche Handlungen steht. (Lisa Rosa spricht deshalb schon länger von einem Kulturzugangsgerät.) Wahrscheinlich sind diese Vereinfachungen, Positionierungen und undifferenzierten Betrachtungen nur ein Versuch, wieder etwas Klarheit herzustellen, in einer Welt, die grundlegenden Veränderungen der gesellschaftlichen Ordnung unterliegt. Bildschirmfoto 2018-08-25 um 19.25.32Einen aus meiner Sicht sehr gelungen Ansatz, wie man sich den komplexen Prozessen nähern kann, stellt das Dagstuhl-Dreieck dar, das ein ausgewählter Personenkreis aus dem Bereich der Informatik und Medienpädagogik im März 2016 auf einer Tagung entwickelt hat. (Hinweis: Ich habe die Original-Abbildung aus unterschiedlichen Gründen leicht verändert.) Nicht nur, weil es offene und zentrale Fragen stellt, sondern auch verschiedene Perspektiven berücksichtigt und ihre gegenseitige Wechselwirkung wiedergibt: Wie funktioniert das? Wie wirkt das? Wie wird das genutzt? Bei der Wirkung und Anwendung möchte ich hervorheben, auch jeweils die Perspektive des Individuums und der Gesellschaft mitzudenken. Der Einstieg kann über jede der drei Fragen erfolgen. Wählt man das anfangs erwähnte Smartphone als zu untersuchenden Gegenstand aus, stellt man fest, dass allein aufgrund der unzähligen Funktionen, die dieses Gerät leisten kann, eine lange Liste an zu klärenden Fragen entsteht, um ein notwendiges Verständnis zu erreichen und eine seriöse Handlungsempfehlung zu erarbeiten. Wenn also mal wieder eine Person einfache Antworten auf komplexe Probleme liefert, hat sie die Prozesse der Digitalen Transformation nicht wahrgenommen, nicht verstanden oder schlicht ignoriert. Damit wird oft nur der Schein der alten Macht, Kontrolle oder Grenzen aufrechterhalten. Dass an vielen Stellen ein ausreichendes Verständnis für Transformationsprozesse zu fehlen scheint, führt auf verschiedenen Ebenen dazu, auf Entwicklungen mehr oder weniger erfolgreich nur reagieren und nicht selbst welche gestalten zu können. Deshalb befürchte ich, dass die Digitale Transformation in der Breite ankommen muss, um eine mündigere Gesellschaft zu erreichen. Ironischerweise liefern die Dinge, die uns vor Herausforderungen stellen, dafür häufig auch gleichzeitig die Lösungen. Aus diesem Grund setze ich auf das Potenzial des Webs, mobile Endgeräte und den Humanismus, um in diesem komplizierten gesellschaftlichen Prozess gemeinsam eine für alle erstrebenswerte Zukunft zu gestalten. Diesen Beitrag biete ich als einen Anfang dafür an.

adventure-1807524_1920Nach zwei Schuljahren endete diesen Sommer die Pilotphase von aula, das bundesweit an vier Schulen durchgeführt wurde und neben den klassischen Höhen und Tiefen eines jeden Projekts ein einzigartiges Potenzial aufgezeigt hat, wie Demokratie lernen und leben im digitalen Wandel gelingen kann. Meine Erkenntnisse aus diesem Zeitraum, aktuelle Pläne und mögliche Zukunftsszenarien dieses Konzeptes möchte ich mit diesem Beitrag vorstellen. (Den Personen, die eben zum ersten Mal von aula hören und mehr erfahren möchten, empfehle ich meinen ersten, zweiten und dritten Beitrag zu lesen, um das Konzept, die Einführung und Entwicklung exemplarisch anhand einer Schule zu erfassen.)

Was kann aula leisten?

Nach dem ersten Schuljahr hat es trotz zahlreicher Einträge „nur“ die Smartphone-Tag-Idee geschafft, alle Phasen auf der aula-Plattform erfolgreich zu durchlaufen und umgesetzt zu werden. Auf den ersten Blick scheint das wenig und hat vielleicht auch zu diesem Zeitpunkt manche Personen am Projekt zweifeln lassen. Das Scheitern spielte aber eine wesentliche Rolle, weil darüber gelernt wurde, wie und wann eine Idee formuliert, bearbeitet und beworben werden muss oder wie man Kompromisse findet und verfasst, wenn man sein Ziel erreichen möchte. Junge Menschen beteiligen sich auch nicht automatisch, wenn man ihnen plötzlich ein derartig großes und ernstes Angebot zur Partizipation macht. Sei es auch noch so attraktiv. Demokratie muss gelernt werden. Mit allen Anforderungen, die Lernprozesse der gängigen und etablierten Fachgebiete in der Schule mit sich bringen und mit jeglicher Unterstützung, die dafür (differenziert) notwendig ist. (Eine Randnotiz aus meiner jahrelangen Erfahrung als Verbindungslehrer an drei Schulen, als SMV BAG-Leiter beim Schulamt und als SMV Beauftragter beim Regierungspräsidium: Ich habe in diesen Tätigkeiten viele Einblicke in unterschiedliche Schulen erhalten und festgestellt, dass in keinem schulischen Bereich die Diskrepanz zwischen dem, was Lehrende als Maxime und allgemeinen Konsens formulieren und dem, was man in Schulen vorfindet, so groß ist wie bei der Beteiligung von Schüler_innen.) Eine Idee aus dem ersten Jahr, dass bereits ab Klasse 9 der Pausenhof in den große Pausen verlassen werden darf, erreichte zwar über die aula-Plattform nicht die benötigten Stimmen, bewog aber die Schulleitung dazu, sich bei anderen Freiburger Schulen nach deren Regelungen zu erkundigen. Das führte am Ende zu einem Beschluss des Kollegiums, diese Idee unabhängig vom großen, aber leider bei der Abstimmung laut aula-Vertrag nicht ausreichenden Zuspruch der Schülerschaft umzusetzen. Aula hatte nicht nur die Stimmen der Schülerinnen und Schüler sichtbarer gemacht, auch wie man mit ihnen umging hatte sich gewandelt. Im zweiten Jahr waren überzogene Erwartungen, aber auch Skepsis überwunden. 559px-Gartner_Hype_Zyklus.svg.pngWenn man den aula-Projektverlauf mit dem Hype-Zyklus von Jackie Fenn vergleichen würde, befand sich unsere Schule im zweiten Schuljahr im Plateau der Produktivität. Auf der SMV-Hütte wurden Ideen für aula in Teams viel sorgfältiger ausgearbeitet, Plakate und Durchsagen vorbereitet und gemeinsam mit der Schulleitung optimiert. Der Smartphone-Tag sollte monatlich durchgeführt oder ein Snackautomat von den über 3000€, die über Crowdfunding ersammelt wurden, finanziert werden. (Beide Ideen haben es geschafft.) Auf einem schulinternen Barcamp haben Lehrerinnen und Lehrer sich damit auseinandergesetzt, wie man das aula-Konzept an unserer Schule modifizieren kann und sich an einem freien Nachmittag erneut bezüglich der technischen Nutzung fortbilden lassen. Auch im zweiten Jahr gingen nicht alle Pläne auf, aber das Pilotprojekt hatte sich zu einem verankerten Konzept entwickelt und die Schulkultur geprägt.

In den letzen beiden Jahren durften unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder in unterschiedliche Mikros und Kameras sprechen, das aula-Konzept erklären und ihre persönliche Einschätzung abgeben. Da ich die Termine koordinierte, war ich in der Regel mit anwesend, wenn Klassen und Kurse sich mit Journalist_innen oder Interessierten anderer Institutionen über aula austauschten. Weil Außenstehende im Vergleich zu Lehrenden andere Fragen stellen, durch ihre Rolle anders auftreten und wahrgenommen werden, erhielt ich zusätzliche, ehrliche Einblicke in die Sichtweise der Schülerschaft. Sie wurden beispielsweise gefragt, ob und inwieweit aula auch ihr außerschulisches Leben verändert habe. Eine Schülerin meinte, dass sie mittlerweile auch Zuhause mehr mitbestimmen möchte, seitdem sie über aula in der Schule ihre Wünsche und Ideen einbringen kann. Ihre Meinung, Perspektive und Fähigkeiten würden eine Rolle spielen. Ein anderer Schüler erklärte, dass er seit aula auch außerhalb der Schule das Gefühl hat, etwas verändern zu können und dass er bei Diskussionen mit seinen Eltern mittlerweile deren Perspektive mitdenkt. Im Prinzip ist damit eine wesentliche Idee von aula aufgegangen: Sich als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen, Kompromisse auszuhandeln, sich Dinge zuzutrauen und Verantwortung einzufordern und zu übernehmen. Genau das braucht eine demokratische Gesellschaft, heute dringender denn je, bei den weltweiten, politisch besorgniserregenden Entwicklungen. Junge Menschen müssen so früh wie möglich Demokratie lernen und leben, um sie später auch zu verteidigen. Aula kann aus meiner Sicht in der Schule die dafür notwendigen Räume online und offline anbieten. In einem Punkt sind sich nach vielen Gesprächen das Kollegium und die Schülerschaft rückblickend einig: Es ist ein langer, anstrengender und komplexer Prozess, wenn man das Konzept nicht nur als pressewirksame Dekoration installieren, sondern in der Schule ernsthaft verankern möchte.

Wie geht es mit aula weiter?

Technische Perspektive

Bildschirmfoto 2018-08-18 um 10.26.31Was nicht auf dem Homescreen eines Smartphones von jungen Menschen stattfindet, existiert kaum bis gar nicht außerhalb der Schulzeit, war unsere Vermutung nach dem ersten Jahr, die nun durch die sehr aufschlussreiche und ausführliche Evaluation des gesamten Projekts von politik-digital e.V. belegt (die bald veröffentlicht und hier dann auch verlinkt wird). Webanwendungen (Web-Apps) finden in der Welt von Schüler_innen meist nicht statt. Neben dem Theodor-Heuss-Preis, gewann aula auch den mit 20 000€ dotierten Innovationspreis DEMOKRATIE.io und konnte damit die lang ersehnte Entwicklung einer App (für iOS und Android) finanzieren. Durch eine kleine Verzögerung wird aktuell damit gerechnet, dass sie spätestens Ende September im Einsatz sein wird. Parallel dazu kommt ein Relaunch der gesamten aula– Plattform, die neue Funktionen bekommt und deutlich einfacher zu installieren und administrieren sein wird.

An der Pestalozzi Realschule Freiburg

Bildschirmfoto 2018-08-19 um 10.53.20.pngMit Abschluss der Pilotphase endete auch die Finanzierung durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Wir haben uns bei Openion erfolgreich für finanzielle Unterstützung im Rahmen einer Projektpartnerschaft beworben, können damit die nächsten Jahre die mittlerweile überschaubaren Server- und Hosting-Kosten decken und verfügen über zusätzliche Mittel, um beispielsweise weitere Schulungen durchzuführen. Die Umsetzung beider Ideen, der monatliche Smartphone-Tag und die Anschaffung eines Snackautomaten, über die Schulklassen erst am Ende des letzten Schuljahrs erfolgreich abgestimmt hatten, werden Arbeitsgruppen planen, in den Personen aus der Schülerschaft und dem Kollegium vertreten sein werden. Da es sich in beiden Fällen um eine deutliche und sichtbare Änderung des Schulalltags handelt, würde mich eine weiter zunehmende Implementierung des Konzepts durch alle Beteiligten nicht wundern.

Regierungspräsidium Freiburg

Bildschirmfoto 2018-08-19 um 13.50.31Dass aula fast alle Leitperspektiven des aktuellen Bildungsplanes in Baden-Württemberg aufgreift war ein weiteres Argument dafür, im regionalen Raum des Regierungspräsidiums Freiburg schulartübergreifende Fortbildungen im November 2018 anzubieten, in denen man das Konzept kennenlernen kann. Im Februar 2019 folgt darauf ein zweites Angebot an Fortbildungen, in denen in Workshops die aula-Plattform getestet werden kann. Falls es Schulen in der Region geben sollte, die darüber hinaus Informationen wünschen und mit dem Gedanken spielen, das Konzept ernsthafter mit der Schülerschaft und dem Kollegium zu diskutieren und eventuell einzuführen, wird es 2018/19 über LFB Online und nach Absprache mit dem Regierungspräsidium Freiburg die Möglichkeit geben, eine schulinterne Fortbildung zu vereinbaren. (Die jeweiligen Lehrgangsnummern werde ich sobald sie generiert sind an den passenden Stellen in diesem Beitrag angeben.)

Bundesweit

Im Schuljahr 2018/19 werden einige Schulen in Berlin, ein sonderpädagogisches Förderzentrum in Bayern und eine freie Schule in Sachsen Anhalt ebenfalls aula einführen. Außerdem wird aula ab dem Frühjahr 2019 im Rahmen des Programms “Demokratie Leben” vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bereich der kommunalen Jugendbeteiligung bundesweit getestet. Dazu werden noch interessierte Partnerkommunen gesucht. Nähere Infos dazu folgen zeitnah auf www.aula.de. Dort findet ihr auch den kostenfreien Leitfaden für Schulen und die Open Source-Software. (Weil ich häufig nach den Kosten für Schulen gefragt werde, die über keine personellen oder technischen Ressourcen verfügen, um die kostenfreie Software auf eigenen Servern zu installieren, die Daten einzugeben und zu pflegen, möchte ich einen kurzen Einblick in die zu erwartende Größenordnung geben: Das Hosting wird vermutlich nicht mehr als 10€ im Monat und eine Stunde Support in etwa 40€ kosten. Abgerechnet wird immer nach Bedarf. Das Support-Team von politik-digital e.V. veranschlagt einen Tagessatz von 800€ für Schulungen. Wobei deren Kapazitäten aktuell noch begrenzt sind. Die Schulung von aula-Botschafter_innen, die Ausbildung zur Multiplikation des Konzepts, ist kostenlos.)

Themen wie Globale Erderwärmung, Plastik, Atommüll oder Nationalismus stehen in den Bildungsplänen. Dass Menschen die gesellschaftliche Verantwortungen ihrer Handlungen verstehen und übernehmen, erreicht man nicht über das Auswendiglernen und Abfragen von Informationen, sondern Partizipation. Eine Aufgabe von Schulen muss es deshalb auch sein, dass junge Menschen durch möglichst viel und echte Beteiligung Erfahrungen machen und ein Verständnis entwicklen, Teil der Gesellschaft zu sein. Dass ihre Handlungen Folgen haben und dass sie lernen, dafür Verantwortung zu übernehmen. Wenn junge Menschen befähigt werden, sich um ihre aktuellen Angelegenheiten, gemeinsamen Probleme und Wünsche zu kümmern, was durchaus auch die oben exemplarisch aufgeführten Themen sein können, dann können und werden sie als Erwachsene auch für die „größeren“ gesellschaftlichen Herausforderungen die Verantwortung übernehmen und adäquate Antworten finden. Aula erscheint mir in diesem Kontext eine vielversprechende Option für Schule zu sein, die diesen Weg beschreiten möchten.