„Economics is the mother tongue of public policy, the language of public life, and the mindset that shapes society.“ (Kate Raworth – Doughnut Economics)

Es herrscht die Überzeugung bzw. ein allgemeiner Konsens, dass die Grundlagen zukünftiger Gesellschaften in der Schule gelegt werden. Wer das Buch von Kate Raworth gelesen hat, wird sich deshalb automatisch die Frage stellen, wie die Ideen der Donut-Ökonomie einen Weg in die Schulen finden könnten. Sie erklärt in Doughnut Economics eindrücklich und ausführlich, wie überholt das verbreitete wirtschaftliche Denken ist und liefert konkrete Bilder und Ansätze, die eine zeitgemäße Alternative zum dominierenden Missverständnis und Mythos des grenzenlosen Wachstums darstellen und dabei die verschiedenen Krisen unserer Zeit berücksichtigen. Die Donut-Ökonomie ist ein Wirtschaftsmodell, das darauf abzielt, den ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen, indem es ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Gesellschaft und den Grenzen des Planeten schafft.

Natürlich wäre es der einfachste und übliche Weg, ihre Gedanken, Perspektiven und Ideen aus dem Buch mit Schüler:innen im Unterricht zu besprechen. Es bieten sich zahlreiche Fächer dafür an, einiges an Material liegt vor und lässt sich sicher mit den Bildungsplänen vereinbaren. Andererseits handelt es sich hier nicht nur um ein Thema, sondern um ein Grundverständnis von sich und der Welt, das im besten Fall erfahren und gelebt werden müsste, wenn es nachhaltig und wirksam sein soll. Hier kommt eine Idee ins Spiel, die heute Nachmittag bei einem Kaffee mit einem Kollegen entstanden ist und die ich hier als Anregung teilen möchte (in der Hoffnung, dass an manchen Stellen mit ihr experimentiert wird).

(Kurze Geschichte am Rande: Als ich zum Buch von Kate Raworth twitterte, schlug sie mir vor, mich auf der DEAL-Plattform (Doughnut Economics Action Lab) anzumelden, auf der sich Menschen weltweit vernetzen und austauschen sollen, um mit ihren Expertisen und Perspektiven die Ansätze der Donut-Ökonomie in der Breite ankommen zu lassen. Ein Kollege, der an einer Freiburger Schule unterrichtet und sich beim Thema Nachhaltigkeit engagiert, hat sich vor wenigen Tagen ebenfalls auf der Plattform angemeldet undmich als lokalen Verbündeten entdeckt. Was zum gemeinsamen Kaffee führte. Die Idee der Plattform scheint zumindest bei uns aufzugehen.)

Schule als Staat 

Wer das Projekt „Schule als Staat“ nicht kennen sollte, findet hier einige hilfreiche Links, auch zu Schulen, die es durchgeführt und im Netz dokumentiert haben. Kurz und grob geht es darum, dass eine Schule sich ein Schuljahr lang mit der Idee beschäftigt, einen eigenen Staat, mit eigenen Strukturen und Regeln zu entwerfen und am Ende eines Schuljahres (meist in der letzten Schulwoche) darin ein paar Tage zu leben. Dabei finden in der Regel in verschiedenen Settings (Klassen, Stufenversammlungen, Vollversammlungen usw.) Infos, Diskussionen und Aushandlungsprozesse über Staatsform, Wappen, Namen, Währung und viele andere Dinge statt. 

Eines der wesentlichen Ziele dieses Projektes ist, dass junge Menschen sich ausführlich und vertieft damit auseinandersetzen sollen, welche Werte ihnen wichtig sind, welche Werte sie als Schulgemeinschaft teilen und wie sich eine Gesellschaft daran orientierend erfolgreich organisieren lässt. Normalerweise wird der Schwerpunkt auf die politischen bzw. demokratischen Strukturen und Prozesse gelegt und Vorstellungen, Modelle der Ökonomie (wie z.B. der Homo oeconomicus) werden ohne eine kritische Auseinandersetzung reproduziert. So kann es schnell dazu kommen, dass an vielen Stellen die Frage dominiert, wie sich mit möglichst wenig möglichst viel erwirtschaften lässt. Hier könnte die Donut-Ökonomie ins Spiel kommen. (Bei diesem konkreten Beispiel: hin zu einem anderen Menschenbild– vom rationalen Wirtschaftsmenschen zum sozial anpassungsfähigen Menschen.)

Klassen oder Gruppen stellen sich ab einem bestimmten Zeitpunkt beim Projekt die Frage, welche konkrete Aufgabe sie in dem von ihnen geschaffenen Staat übernehmen möchten. Wenn sie sich auf einen wirtschaftlichen Beitrag einigen, denkt man gewöhnlicherweise über Geschäftsmodelle nach und orientiert sich an Konzepten, die bereits aus ihrer Lebenswelt bekannt sind. Was wäre, wenn hier von Beginn an im wirtschaftlichen Handlungsspielraum des Donuts (siehe Abbildung oben) gedacht werden würde, indem davor die ökologische Obergrenze und die gesellschaftliche Grundlage erfasst worden wären? Was wäre, wenn dabei gemeinsam Ideen entwickelt werden würden, die auf Wiederverwertung zielen und nicht auf eine Wegwerfwirtschaft?

So, wie Schüler:innen bei politischen Fragen diverse Impulse und Zugänge zu den unterschiedlichen Staatsformen erhalten und diese im Anschluss diskutiert werden, lässt es sich auch einführen (und etablieren), Ideen einer zeitgemäßen Ökonomie zu ergründen und zu debattieren. Schule als Staat scheint prädestiniert dafür zu sein, sich die Zeit zu nehmen, junge Menschen neue, eigene Bilder einer Wirtschaft zeichnen zu lassen, die ihren Werten folgt. Wenn schon bei Schule als Staat alles grundsätzlich zur Debatte stehen soll, weshalb nicht auch das Wirtschaftssystem? Weshalb nicht die sieben Leitprinzipien von Kate Raworth an dieser Stelle kennenlernen und diskutieren lassen? Sie arbeitet übrigens in Amsterdam an einem Wirtschaftsraum, der diesen Prinzipien folgt. Weshalb nicht Schüler:innen ihren eigenen Staat als so einen Wirtschaftsraum gestalten und in ihm leben lassen?

Schule als Staat ist ein gewaltiges Projekt, erfordert viele Ressourcen und vor allem eine breite Bereitschaft der Schulleitung und Lehrkräfte, diese Idee mitzutragen. Es braucht auch eine Projektgruppe (aus einigen Lehrkräften und Schüler:innen), die alles koordiniert. Schule als Staat war immer ein besonderer Ansatz, Demokratiebildung, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft auf schulischer Ebene zu erfahren. Mit der Donut-Ökonomie könnten einige weitere, wesentliche und notwendige Aspekte hinzukommen, die Schule jungen Menschen bieten sollte.

Immer mehr Lehrkräfte entdecken durch Digitalität, ihre Strukturen, aber auch als Thema den florierenden Bildungsmarkt für sich und verkaufen ihr Material im Netz, arbeiten vermarktbare Angebote aus oder sogar ganze Geschäftsmodelle. Das ist eine Entwicklung, die einige Fragen aufwirft und die es kritisch zu betrachten gilt.

Dass Lehrer:innen mit ihrer Arbeit (meist zu digitalen Themen) im Netz zusätzlich Geld verdienen (möchten), wird schon länger kontrovers diskutiert und ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Nicht selten geht es bei diesen Debatten eher um rechtliche und moralische (teilweise unklare) Grenzen und Perspektiven: Ob z.B. Leistungen im Rahmen ihrer Arbeit oder für ihren Unterricht erbracht und somit bereits vergütet wurden, was eine doppelte Abrechnung zumindest moralisch fragwürdig erscheinen lassen würde. Weshalb entscheiden sich aber Lehrer:innen überhaupt für den Schritt auf den Bildungsmarkt? Und welche Folgen hat dieses zunehmend populäre Vorgehen?

Motivationen, Werte und Wirkungen

Fragt man Lehrer:innen, weshalb sie für Material oder andere Angebote Geld verlangen, erhält man häufig die Antwort, dass sie Zeit und Expertise investiert haben und deshalb eine Gegenleistung erwarten (können). Klingt zunächst logisch und fair. Dass Menschen bereit sind, für ihr Produkt eine bestimmte Summe zu zahlen, ist außerdem eine (zugegeben besondere Form der) Wertschätzung und Rückmeldung zur Arbeit der Lehrkräfte, die in Schulen oft fehlt und hier sicher auch eine Wirkung entfalten kann. Hinzu kommt, dass Plattformen wie Lehrermarktplatz  (mittlerweile: eduki) diese Wege ebnen. Weshalb also nicht ein paar Euro zusätzlich verdienen? Außerdem sei so etwas eine persönliche Entscheidung und gehe niemanden etwas an.

Und doch ist es nicht so einfach, weil Motivation mit Werten zusammenhängt und diese wiederum mit Wirkungen. Eine Orientierung am Marktwert folgt einer anderen Logik als eine an Werten, die Lehrerinnen beruflich pflegen (oder zumindest sollten). Wahrscheinlich würde niemand widersprechen, seine Arbeit in der Schule an Werten wie (Bildungs-)Gerechtigkeit und Solidarität auszurichten. Wenn ich aber Geld verdienen möchte, generiere ich gezielt Produkte und Angebote, um daraus Kapital  schlagen zu können – was sich nicht mit den genannten Werten in der Schule deckt. 

Womit wir auch bei der Wirkung wären. Wenn ich z.B. mehr Bildungsgerechtigkeit wünsche, muss ich möglichst offene, diverse, kosten- und barrierefreie Angebote und Zugänge schaffen. Das widerspricht aber der Logik von Geschäftsmodellen wie Lehrermarktplatz bzw. eduki und vielen anderen. “Auf eduki teilen Lehrer*innen mehr als 150.000 selbst erstellte und erprobte Unterrichtsmaterialien” steht prominent auf der Seite, zusammen mit der Aufforderung “Material teilen”. Das ist kein Zufall. Damit wird ein Businessplan mit Werten einer Kultur des Teilens verkleidet, der dem völlig entgegenwirkt. Das ist keine Kultur des Teilens, sondern eine des Verkaufens. 

Gut, solche Angebote kosten etwas, dafür erhalten aber Lehrkräfte und Schüler:innen eine Hilfe, die ihnen scheinbar fehlt. Somit eine Win-win-Situation oder sogar noch mehr. Wird damit nicht die Bildung gerettet und geholfen, diese viel thematisierten “Lernlücken“ zu schließen? Das ist eine Geschichte und ein Bild, das von denen gezeichnet wird, die damit Geld verdienen. Die andere Perspektive ist, dass nicht die Bildung gerettet wird, sondern von Defiziten eines Bildungssystems profitiert wird – im wahrsten Sinne des Wortes. 

Was viele unter “Lernlücken“ verstehen, liegt bildlich sehr nahe beim Nürnberger Trichter. Dass die Köpfe junger Menschen mit Wissen befüllt werden und dass aufgrund des entfallenen Präsenzunterrichts nicht mehr bestimmte Wissensportionen von Lehrkräften eingetrichtert werden konnten. Es werden somit keine Lernlücken geschlossen, weil echtes (wirksames und nachhaltiges) Lernen nicht so funktioniert. Es wird damit höchstens eine fast 500 Jahre alte Vorstellung vom Lehren und Lernen digital konserviert. 

Die Logik des Bildungsmarkts hat aber auch weitere didaktische Konsequenzen: Auf Marktplätzen verkaufen sich diejenigen Materialien, die an bequemer Stoffvermittlung orientiert sind, besonders gut. Sie ersparen Lehrkräften Arbeitsaufwand und sind an die Lehrpläne vieler Bundesländer anknüpfbar. Dadurch entsteht aber Unterricht, der schematisch ist und Bedürfnisse der Schüler:innen ausblendet. Die Marktplätze sind dann nicht mehr eine Zweitverwertung ohnehin erstellter Unterrichtsmaterialien, sondern ein Anreiz, Unterrichtsmaterialien gezielt so zu erstellen, dass stofforientierter Vermittlungsunterricht mit wenig Aufwand möglich ist. Hier nutzen die entsprechenden Plattformen aus, dass viele Lehrkräfte zu wenig Zeit haben (oder sich zu wenig Zeit nehmen), um sinnvollen Unterricht vorbereiten zu können.  

Kultur des Teilens und (Unter)Nehmens

Bildungsgerechtigkeit ist aber nicht das einzige Argument, das für eine Kultur des Teilens spricht. Es ist kein Geheimnis, dass die zunehmende Komplexität unserer Welt das Teilen von Wissen und Können erfordert. Open Access, Open Data, Open Source, Open Government oder OER sind keine altruistischen Bemühungen, sondern eine Antwort auf die Komplexität unserer Zeit und Zukunft. Diese Kultur beinhaltet Offenheit, Transparenz, Partizipation und viele anderen Werte, die wenig bis gar nicht in der heutigen Arbeits-, Lehr- und Lernkultur zu finden sind. Diesen kulturellen Wandel einzuleiten und in der Breite zu erreichen, ist eine der größten gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen. 

Deshalb muss so eine Kultur des Teilens bereits in jungen Jahren gelernt und gelebt werden. Diese Aufgabe fällt damit auch auf Schulen und Lehrkräfte. Dass eine Schule keinen Automaten mit Chips und Cola aufstellen und gleichzeitig authentisch das Programm Gesunde Schule durchführen und kommunizieren kann, müsste für alle nachvollziehbar sein. So ähnlich verhält es sich mit der Vermarktung von Bildungsmaterial und -Angeboten von Lehrkräften.

Die Stärke der Kultur des Teilens ist gleichzeitig auch ihre Achillesferse. Alle können sich an Informationen, Expertise und Erfahrungen von anderen frei bedienen und die offenen Angebote für Informationen, Austausch und Vernetzung nutzen. Auf diese Weise, in Kombination mit Personal Branding, lässt sich Scheinexpertise aufbauen oder noch “besser“: in einer Kultur des Teilens erworbenem Know-how ein Preisschild anhängen.

Fazit 

Auch wenn die Idee sympathisch wirkt, dass es hier einen Kompromiss geben könnte, frei nach dem Motto: Das eine tun und das andere nicht lassen, bleibt das nur eine Wunschvorstellung. Die Logik des freien Marktes steht im völligen Gegensatz zu den Werten einer Kultur des Teilens und denen von Schulen. Sie schafft Grenzen und Exklusivität. Sie ist profitorientiert und nicht orientiert an Bildungszielen, dem Interesse von Lernenden oder sogar einer progressiven Bildung – im Gegenteil. So verkommen Begriffe, die für bestimmte Werte und Progressivität stehen, Teil einer Marketing-Strategie und zu Buzzwords. 

Und trotzdem muss man sich am Ende nicht für eine Seite, ein Vorgehen entscheiden. Es muss nur klar sein, dass hier entgegengesetzte Kräfte wirken. Wer tatsächlich etwas bewegen und Entwicklungen im Bildungsbereich unterstützen möchte, stößt nicht Veränderungen zuerst in eine Richtung an, um dann wieder in die entgegengesetzte Richtung zurückzusteuern. Wer authentisch eine Schule im digitalen bzw. kulturellen Wandel unterstützen möchte, schafft offene, transparente, partizipative und interdisziplinäre Netzwerke (vor Ort) und keine Geschäftsmodelle. So viel Ehrlichkeit darf sein. (Allerdings braucht es dafür auch Freiräume, Stellen, Geld und Kompetenzen: Das Bildungssystem darf nicht so aufgestellt sein, dass an entscheidenden Schnittstellen private Anbieter ohne sinnvolle didaktische oder pädagogische Konzepte Angebote platzieren müssen oder können. Ein progressives Bildungssystem macht diese überflüssig.) 

Da ich der Kultur des Teilens viel zu verdanken habe, sie mein Leben in den letzten Jahren geprägt und wie ich arbeite, lerne oder Menschen begegne, grundlegend gewandelt hat, steht für mich dauerhaft fest, in welche Richtung ich Veränderungen anstoßen möchte. (Nicht nur als Lehrer.) Ich lade deshalb alle neuen Kolleg:innen, die den Weg ins Netz gesucht und gefunden haben, herzlich ein, sich der Kultur des Teilens und ihrer Community anzuschließen. Wer Wissen nach ihren Werten teilt, vermehrt es, für alle.

Beiträge, die ich als Kolumnist für das Deutsche Schulportal verfasse, veröffentliche ich drei Wochen später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben.

Seit vielen Jahren gibt es eine kontroverse Debatte darüber, wie sich Unterricht und Lernen verändern müssen, wenn man kulturellen Wandel und digitale Transformationsprozesse berücksichtigen möchte. Der Blick auf die Aus-, Weiter- und Fortbildung kommt dabei oft zu kurz. Aber gerade hier stehen Veränderungen an. Deshalb plädiere ich dafür, sich vom Muster klassischer Fortbildungsveranstaltungen zu lösen und für die Lehrerfortbildung Social Media stärker zu berücksichtigen.

Fortbildungen laufen häufig immer noch nach einem klassischen Muster ab: Eine Person mit Expertise zeigt einigen Lehrkräften, wie etwas funktioniert. Diese kehren an ihre Schule zurück, stellen das Gezeigte dem Kollegium vor und sorgen so dafür, dass Wissen gesichert und multipliziert wird. Dieses Muster widerspricht der gut belegten Einsicht, dass diese Art des Transfers nicht funktioniert, weil sie oft gar nicht stattfindet oder die bestehenden Strukturen und Prozesse an Schulen nicht berücksichtigt werden. Deshalb sind systematische Ansätze notwendig. Auch digitale Fortbildungsformate folgen dem klassischen Muster. Das ist besonders tragisch, weil gerade das Netz ein enormes Potenzial für Lehrkräfte bietet, sich wirksamer und nachhaltiger fort-, weiter und auszubilden.

Wie kann die Lehrerfortbildung über Social Media funktionieren?

Betrachtet man die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte in den Bereichen rund um Digitalität und Bildung, lässt sich beobachten, dass sich Lehrende zunehmend in Social Media über Aktuelles aus Theorie und Praxis informieren. Sie publizieren hier auch eigene Erfahrungen und Erkenntnisse, tauschen sich aus und vernetzen sich. Auf diese Weise haben zahlreiche Lehrkräfte ein breites und vertieftes Wissen erworben, das keine Fortbildung leisten kann. Ein wesentlicher Unterschied liegt dabei nicht nur im veränderten Ablauf und in den neuen Möglichkeiten, sondern im Rollenwandel: Lehrkräfte verstehen sich in diesem Setting als proaktiv Lernende.

Attraktive Angebote unterstützen Lehrkräfte dabei, den Weg ins Netz zu gehen, es für sich zu entdecken, eine Kultur des Teilens zu erleben und sich in einer neuen Rolle wiederzufinden. So können sie einen Wandel der Haltung und des Berufsverständnisses begünstigen. Es müssen auf diesem Weg auch Ängste abgelegt und Selbstwirksamkeitserfahrungen gesammelt werden können. Und das braucht viel Zeit. Deshalb sollte dieser Prozess auch über einen ersten Termin hinaus begleitet werden. Twitter scheint sich hier in den vergangenen Jahren besonders bewährt zu haben. In diesem Netzwerk lassen sich viele Personen aus Wissenschaft und Praxis finden, die öffentlich kommunizieren und erreichbar sind.

Weil Fortbildungen immer auch Teil einer Schulentwicklung sein sollten, muss man sie von Beginn an systemisch denken. Sie benötigen in den Strukturen verankerte (Frei-)Räume, die Lehrkräften gestatten, die notwendige Zeit immer wieder investieren zu können. Sowohl für eigene als auch gemeinsame Reflexionen von Entwicklungen. Es geht beim Potenzial des Digitalen eben nicht nur darum, den Wissenserwerb und Austausch über die bisherigen Grenzen des eigenen Arbeitsumfeldes hinweg zu ermöglichen und zu suchen, sondern auch schulintern voranzutreiben und zu erhalten.

Im Netz gibt es viel Unterstützung beim Wissenserwerb

Um günstige Voraussetzungen für den beschriebenen notwendigen Rollenwandel bei Fortbildungen zu erreichen, müssen beide Seiten sich gleichermaßen verändern. Die, die sich normalerweise fortbilden lassen, müssen die Rolle der sich Fortbildenden einnehmen. Und die, die in der Regel andere fortbilden, müssen ihre Rolle so verstehen, dass sie nicht mehr Wissen vermitteln, sondern andere befähigen und unterstützen, wirksam, nachhaltig und selbstständig Wissen zu erwerben. Das zu erreichen, ist schwieriger, als es scheint. Die gute Nachricht ist, dass im Netz jede Menge Menschen zu finden sind, die einem bei beiden Herausforderungen helfen können. Nur zu.