Gestern bin ich auf einen Tweet gestoßen, indem sich ein Lehrer über einen Schüler, der in die Hose pinkelte, lustig gemacht hat. Weil mir das Thema auf diese Weise nicht zum ersten Mal begegnet, möchte ich ein paar Dinge ansprechen, die meiner Meinung nach eine (breitere) gesellschaftliche Debatte verlangen.

Als ich vor einigen Jahren Twitter beitrat und in meiner Biografie Lehrer angab, wurden mir relativ schnell Accounts in die Timeline gespült, die Unterhaltsames aus der Schule verarbeiteten. Mal mehr und mal weniger lustig. Anfangs machte ich auch mit und muss zugeben, mir wenige, ernsthafte Gedanken über schulische oder rechtliche Aspekte gemacht zu haben. Die Verlockung der Aufmerksamkeit ist da und wirkt auf Menschen unterschiedlich stark. Dass eine Kerstin Brune schon lange und erfolgreich über ihren Schulalltag twittert, macht es nicht nur akzeptabler, sondern lebt es auch vor. Humor ist gesund und Schule kann sowieso ne ordentliche Dosis davon vertragen. Außerdem fühlen sich Likes gut an und zusätzliche Follower noch mehr. Das Wohnzimmer-Stimmung eines Social Media-Accounts begünstigt das Ausblenden von Verantwortung und Konsequenzen. Das Bewusstsein dafür setzte bei mir erst ein, als ein Kollege mein Verhalten an einer Stelle kritisierte und mich auf die generelle Problematik aufmerksam machte. Seitdem bin ich sensibilisiert und orientiere mich (auch in sozialen Netzwerken) noch stärker am Sokrateischen Eid. Social Media sollte nicht nur ein Bestandteil der Lehrerfort- und -ausbildung sein, sondern auch im Unterricht den notwendigen Raum einnehmen. (Die in Baden-Württemberg immer noch geltende Handreichung des Kultusministerium von 2013 hat durch ihre Verbote lediglich das Problem aus dem schulischen in den privaten Bereich verlagert und bietet Schülerschaft und Kollegien bis heute keine Unterstützung auf der Suche nach Lösungen.)

Natürlich kostet das Kraft und Zeit, Kritisches anzusprechen. Es droht auch die Gefahr, im stets hippen Narrativ des Webs, als Spaßbremse oder spießig zu gelten, wenn man aus eigener Sicht problematische Tweets/Postings anspricht. Und dann ist da noch die Dynamik und Gefahr der Empörungskultur, die eigenen Gesetzen folgt. Die Grenzen der Satire wurden nach Böhmermanns Erdogan-Gedicht letztes Jahr breit, emotional und kontrovers diskutiert. Mit Humor verhält es sich wahrscheinlich ähnlich. Was geht oder nicht, handeln wir letztendlich durch unser Verhalten im Netz gerade aus. Ich wünsche mir Lehrer_innen, die über soziale Netzwerke ihre Schüler_innen als Mensch bestärken und unterstützen und nicht über Häme nach Reichweite eifern. Lehrende sind keine besseren Menschen und können auch nicht unfehlbar sein, haben aber berufsbedingt eine größere (auch rechtliche) Verantwortung als andere. Darüber sollte man sich vor jeder Veröffentlichung bewusst sein.

Ergänzungen

  • Ich mag die Tweets von Kerstin Bruno und schätze (sehr) Humorvolles aus dem Schulalltag bei Twitter & Co. Mein Wunsch ist es, dass zukünftig Inhalte und Verhalten im Web mehr miteinander reflektiert werden.
  • Weil sich in diesem Zusammenhang immer wieder das Argument „Wenn nicht bekannt ist, um wen es geht, schadet es auch keinem“ wiederholt: Das Problem ist, dass man in den meisten Fällen sehr wohl Näheres ermitteln kann, wenn man es darauf anlegt. Außerdem geht es nicht nur um den Schaden an der Person, sondern um gesellschaftliche Werte. Sich groß machen, indem man Mitmenschen klein macht, gehört nich zu meinem gesellschaftlichen Verständnis.
  • Klarname und Profilbild helfen zumindest mir dabei, mich an die Verantwortung der digitalen Identität zu erinnern und unterstützen mich, sachlicher und zielführende zu diskutieren.
  • Weil ich die oben verlinkte Social Media-Handreichung als noch ausbaufähig beschreibe, erhielt ich von Florian Karsten den Hinweis, dass bei ihm am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) in Stuttgart alle Referendar_innen einen Vortrag zum Thema Soziale Medien und folgenden Leitfaden erhalten.

IMG_28462015 wurde im Auftrag vom Langenscheidt-Verlag Smombie zum Jugendwort des Jahres gewählt. Wie so viele andere Jugendwörter des Jahres stand auch dieses im Verdacht, speziell für diese Wahl kreiert worden zu sein. Wer auch immer es in die Welt gesetzt hat, hat damit dem negativen Einfluss von Smartphones und soziale Netzwerken ein Bild verliehen, das sich bis heute unwiderruflich in viele Köpfe gebrannt hat. Die seelen- und willenlosen Wesen, die auf zu kleine Bildschirme starren, an denen das echte Leben völlig vorbeizieht, prägen so mache Debatte in Schulen und Elternhäusern. Dabei dürfen auch die Themen Cyber-Mobbing, Cyber-Sucht bzw. -Cyber-Kranksein, digitale Demenz, Sexting, Grooming, Porno-Content, Narzissmus und Selbstinszenierung oder auch gerne mal in diesem Kontext der Rundumschlag mit der allgemeinen Verrohung der Gesellschaft nicht fehlen. Weshalb gibt es so wenig positive Narrative in Bezug auf Smartphones und soziale Netzwerke? Wahrscheinlich liegt ein Teil der Antworten in diesem zeitlosen Text von Kathrin Passig. Vielleicht braucht es auch einfach mehr Menschen, die neue Bilder zeichnen. Bilder, die einladen, sich auf Neues einzulassen, zu forschen und zu entdecken, zu beobachten und nachzufragen und im besten Fall mitzumachen. So ein Bild zeichnet Stephan Porombka mit seinem neuen Buch ES IST LIEBE und greift ein Thema auf, das wichtiger nicht sein könnte und doch bisher kaum in Erscheinung tritt. Wie lieben wir in Zeiten von Snapchat, WhatsApp, FaceTime oder Instagram? Was ist neu und was ist geblieben? Was macht das mit uns und denen, die wir lieben? Ein Buch, das Liebe betrachtet, bewahrt und bewegt. Für mich bietet es zusätzlich eine Möglichkeit mit jungen Menschen in der Schule ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam das zu diskutieren, das unser aller Leben ausmacht: Es ist Liebe.

Bildschirmfoto 2017-03-12 um 15.09.55Soziale Netzwerke sind schon lange keine Kanäle mehr, in denen man ausschließlich Freunde und Bekannte informiert, wo man zuletzt im Urlaub war oder wie einzigartig man das eigene Kind findet. Das gesellschaftliche Zusammenleben kann man nicht (mehr) in online und offline trennen. Für meinen Workshop (hier geht es zu den Slides meiner Präsentation) in Oldenburg notierte ich mir in den letzten Monaten lediglich die Live-Stream-Angebote meiner Facebook-Timeline. Die Liste fiel lang aus. Hier nur ein paar Beispiele: Reden von Parteitagen, die Bundespressekonferenz, die Polizeipressekonferenz zum Fall der ermordeten Studentin in Freiburg, Demonstrationen aus unterschiedlichen Ländern, Lesungen des SZ-Magazins, Podiumsdiskussionen, TV-Sendungen (z.B. Monitor), musikalische Auftritte (z.B. Konzert der Beginner) oder ein Champions League-Spiel hätte ich mir ansehen können. Die Relevanz sozialer Netzwerke auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene kann allein durch diese kurze Aufzählung erahnt werden. Information und Kommunikation haben sich rasant und ohne eine breite öffentliche Debatte weiterentwickelt. Meine Zustimmung oder mein Unmut eines gelesenen oder gesehenen Beitrags werden transparent, Bekanntschaften neu bewertet bzw. geprüft und Diskussionen werden mittlerweile mit bekannten und unbekannten Mitmenschen geführt. Ein Resultat davon findet man auch in den Kommentarspalten umstrittener Beiträge im Web. Wie gehe ich mit Leuten um, deren politische Meinung ich nicht teile? „Entfreunden“ oder das Gespräch suchen? Ab wann kann oder sollte man Dinge nicht unkommentiert stehen lassen? Welchen Einfluss haben soziale Netzwerke auf politische Meinungsbildung bzw. Entscheidungen? Wie frei bin ich in der Wahl der wahrnehmenden Beiträge, wenn Algorithmen meine Timeline mitbestimmen? Was bedeuten all diese Fragen für unsere Gesellschaft und mich als Einzelperson? Ist die Demokratie durch das Web gefährdet? Welche Rolle spielen Daten (aus soziale Netzwerken)? Wir streiten gerade Werte, Normen und Rollen neu aus. Es geht um unser zukünftiges Zusammenleben. Weshalb das ohne junge Menschen geschehen soll, leuchtet mir nicht ein. Deshalb wüsche ich mir Social Media im Unterricht. Für diejenigen, die an dieser Stelle denken sollten, dass junge Menschen ohnehin schon viel zu viel in sozialen Netzwerken abhängen und Digital Natives sich die Kenntnisse automatisch erwerben: Die digitale Identität und souveränes Bewegen im Web müssen gelernt werden. Und ich behaupte, dass es nicht wenige Menschen sind, die dabei eine Unterstützung benötigen. Es bietet sich auch an, zu erarbeiten, wo und wie man gute und seriöse Social Media-Accounts findet und auf einige davon hinzuweisen, um eine Orientierung im Web zu erleichtern.

Lehrende in Social Media
Bildschirmfoto 2017-03-12 um 15.13.43Soziale Netzwerke stehen auch für den digitalen Wandel. Man scheitert, wenn man sich mit zwischen zwei Buchdeckel gepresstem Wissen über dieses Thema „ausreichend“ informieren möchte. Die Webkultur ist durch die unzähligen Perspektiven bedingt greifbar, entwickelt sich permanent weiter und ist an die eigene Person geknüpft. Deshalb möchte ich Lehrenden, die noch diesbezüglich am Anfang stehen, (m)einen möglichen Weg skizzieren, wie man zu Grundwissen gelangen kann:
1.) Sozialen Netzwerken beitreten
Erwachsene und junge Menschen unterscheiden sich sowohl in Wahl als auch Nutzung sozialer Netzwerke. Es empfiehlt sich beides im Blick zu behalten. Die Ein-Prozent-Regel nimmt euch vielleicht ein wenig den Druck, gleich loslegen zu müssen. Zuerst empfiehlt es sich zu lurken und dabei den nächsten Schritt zu beachten.
2.) eigene und fremde Nutzung beobachten und diskutieren
Auch hier gilt es das Gespräch mit Jung und Alt zu suchen. Ich debattiere und reflektiere (kritisch) regelmäßig mit Freunden meine und mit Schüler*innen deren Nutzung sozialer Netzwerke. Allen, die nicht komplett auf Literatur verzichten möchten und Anregungen für einen zielführenden Dialog mit jungen Menschen suchen, empfehle ich das Buch Generation Social Media.
3.) eigene Rolle in den unterschiedlichen Kanälen herausarbeiten
Das ist ein langer Prozess, der erst richtig beginnen kann, wenn man sich einen Überblick verschafft hat. Er mündet in den Rollen des Lernenden und des Lehrenden. Vorbilder helfen dabei, sich zu orientieren und ein eigenes Social Media-Verständnis zu entwickeln. Meines war und ist Philippe Wampfler. Er ist auf dem Gebiet nicht nur ein Vorreiter, sondern arbeitet transparent und ist immer für einen (kontroversen und sachlichen) Austausch zu haben.
4.) Webkultur in die (Hoch)Schulen einfließen lassen
Daran versuche ich mich mehr oder weniger erfolgreich seit einigen Jahren. Wie ich es bisher umgesetzt habe und zukünftig möchte, erkläre ich nun anhand einiger Beispiele. Dabei geht es nicht um vollständige Unterrichtsentwürfe, die man 1:1 kopieren kann, sondern um Impulse und Anknüpfungspunkte, die Kolleg*innen dazu ermuntern und befähigen sollen, eigene bzw. passgenaue Konzepte und Szenarien für ihre Schulart, Klasse oder Unterrichtselemente zu entwickeln.

Social Media im Unterricht
Natürlich bieten auch von Schüler*innen produzierte und hochgeladene Video- oder Blogbeiträge die Möglichkeit, Themenfelder sozialer Netzwerke zu behandeln. Ich möchte aber den Fokus auf die politischen bzw. gesellschaftlichen Fragestellungen richten, weil wir uns meines Erachtens in einem Umbruch befinden, in dem wir junge Menschen nicht allein lassen, sondern mitnehmen sollten.

  • Im Fachunterricht
    Inhalte des Fachunterrichts werden (zumindest gefühlt) immer lauter von Klassen hinterfragt. Soziale Netzwerke können die Legitimation von Inhalten unterstützen, einen Aktualitätsbezug erleichtern und einen Transfer in die außerschulische Welt ermöglichen. Die größte Herausforderung, Social Media in den Fachunterricht zu integrieren, besteht im Schule-Web-Konflikt: Ein Thema nur einem Fach zuzuordnen. In der Schule denkt und lernt man (noch) in Fächern; im Web nicht. Darunter leiden manche der folgenden Beispiele:

Politik/EWG

  1. Wahlen/Bundestagswahlen 2017 und das Web
    Die Klasse soll die Suchmaschine bing öffnen, Bundestagswahlen 2017 Termin in die Maske eingeben, nach Bildern suchen und das Ergebnis diskutieren. Folgender Zeitungsbeitrag ist im Anschluss als Diskussionsgrundlage möglich.
  2. Politische Farbe
    Martin Schulz setzte nach der Wahl zum SPD-Kanzlerkandidaten folgenden Tweet ab, der die Notwendigkeit der Kenntnis politischer Farben deutlich macht.
  3. Der Twitter-Account @TagesschauVor20 bietet sowohl für den Politik- als auch Geschichtsunterricht Material. Hiermit könnte man die Wahlbeteiligung diskutieren.
  4. Recherche nach (politischen) Begriffen
    In diesem Beispiel hat Moritz Hoffmann die Behauptung, der Begriff Altparteien käme aus der NS-Rhetorik, aufgegriffen und zuerst hier mit Googles Ngram Viewer nach der Häufigkeit gesehen (wobei man ngram auch kritisch betrachten kann und deshalb eher als Indizien- und keinen Beweise-Lieferaten sehen sollte) und danach hier die Verwendung des Begriffs in den Plenarprotokollen des Bundestages auflisten lassen. Man kann sowohl diese Art der Recherche bzw. den Umgang mit Behauptungen in sozialen Netzwerken als auch die Potenziale beider Suchmaschinen im Unterricht thematisieren.
  5. Politische Hashtags
    Im Rahmen der Berufsorientierung an Schulen könnte man mit Schüler_innen, die mit dem Gedanken spielen, in der Pflege zu arbeiten, alle Tweets lesen und diskutieren lassen, die man zum Hashtag  findet. (Das würde sich auch für den Ethik-Unterricht anbieten.) Den Hintergrund zum Hashtag findet man hier.

Geschichte

  1. Euthanasie
    Folgender Post wurde als (stummer Impuls) Unterrichtseinstieg verwendet; wobei ich ergänzend hinzufügen muss, dass wir ein paar Tage zuvor im Augustinermuseum die Ausstellung Nationalsozialismus in Freiburg besucht hatten und dabei eine ähnliche Kalkulation eines Exponats in Bezug auf Menschen mit geistiger, körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung diskutierten.
  2. Propaganda (Sharepics)
    Die medialen Möglichkeiten von Propaganda im Laufe der Geschichte vergleichen und bewerten. (Hierzu bietet sich auch dieser Beitrag der SZ über Propaganda-Videos bei YouTube an.)
  3. Politische Rededuelle
    Die Bundespräsidentenwahl in Österreich beschäftigte auch meine Klasse Ende des letzten Jahres. Manche verfolgten sogar die Rededuelle zwischen Hofer und Van der Bellen. Dabei beschäftigte sie der Erfolg Hofers, den wir mithilfe diese YouTube-Reihe diskutierten: Der Meister, Der Falschspieler, Der Zerstreuer, Das Opfer und Der Held. (Später berichteten mir Schüler*innen, sich die Videos mit den Eltern angesehen und danach mit Reden anderer Politiker*innen verglichen zu haben.)
  4. Geschichtsbewusstsein an außerschulischen Lernorten
    Leider sind die Bilder des Projekts Yolocaust von Shahak Shapira nicht mehr zu sehen. Auf der Seite sah man eine kleine Auswahl von Selfies in diskutierbaren Posen, die am Holocaust-Mahnmal in Berlin gemacht und in unterschiedlichen sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden. Sobald man auf das Feld eines der Bilder ging, erschien ein auf das Foto perfekt zugeschnittener Hintergrund aus einem der Vernichtungslager, der die Posierenden in den geschichtlichen Kontext bettete. (Das Projekt zeigte ich damals in den Klassen 8-10, das im Anschluss diskutiert wurde.) Das Ergebnis des Projekts kann man auf der oben verlinkten Seite nachlesen und ebenfalls im Unterricht thematisieren.
  5. Der Twitter-Account @historsicheOrte bietet sich für unterschiedliche Einsatzszenarien im Geschichtsunterricht an.

Philosophie/Ethik

  1. Dieses Video dauert 15 Minuten und stellt unser aktuelles Zusammenleben in der heutigen Art und Weise in Frage und eine Grundlage für zahlreiche Diskussionen.
  2. Digitale Mündigkeit
    Dieser Vortrag von Chaos macht Schule erläutert nicht nur seine Idee von Digitaler Mündigkeit, sondern liefert auch konkrete und einfache Beispiele (ab Minute 22), wie man diese auch als Laie im Unterricht erreichen kann. Wenn man z.B. einer Klasse verdeutlichen möchte, dass eine WhatsApp-Nachricht nicht nur den Weg von einem zum nächsten Smartphone im Raum hinterlegt, kann man das hiermit eindrucksvoll zeigen
  3. Liebe und Sexualität
    Wer für das Kapitel Liebe und Sexualität (aus dem neuen Bildungsplan 2016 in Baden-Württemberg) nach einer guten Idee suchen sollte, empfehle ich das Buch von Stephan Porobmka ES IST LIEBE zu lesen und einzusetzen. Hier habe ich das kurz begründet.

Deutsch

  1. Framing
    Folgender Beitrag kann als Grundlage dienen. Eine mögliche Aufgabenstellung könnte die Analyse von Social Media-Beiträge unterschiedlicher Politiker*innen sein.
  2. Hommage an Barbara
    Barbara hat sich durch ihre Aufkleber einen Namen in den sozialen Netzwerken gemacht. Hier hat eine 9.Klasse in der Schweiz die Idee der Aufkleber im Deutschunterricht aufgegriffen und ein Projekt daraus gemacht. (Sicher auch im Kunstunterricht möglich.)
  • Auch Lehrende werden krank und müssen vertreten werden. Bildschirmfoto 2017-03-12 um 16.59.59Aus dem Druck, Material für den Vertretungsunterricht suchen bzw. bereitstellen zu müssen, kann eine Chance werden, Social Media-Themenfelder, die (noch) nicht in den Bildungsplänen verankert sind, aufzugreifen und Vertretungsstunden nicht nur qualitativ attraktiver für Schüler*innen zu gestalten. Besonders reizvoll erscheinen dabei aktuelle Themen, die das Web bewegen und im Unterricht in einen fachlich, pädagogisch und didaktisch begleitenden Dialog geführt werden können. Jedes der folgenden Beispiele kann und sollte aus unterschiedlichen (ethische, gesetzliche, persönliche, gesellschaftliche) Perspektiven diskutiert werden.
  1. Digitale Identität
    Die Videos des ichMOOCs bieten eine hervorragende, vorstrukturierte Diskussionsgrundlage. (Man könnte auch mit Klassen am ichMOOC teilnehmen.) Zur Frage, wie man mit rechten oder rassistischen Kommentaren auf der eigenen FB-Seite umgehen kann, empfiehlt sich folgender Beitrag von Michel Abdollahi.
  2. Technische Entwicklungen
    Aktuellen Videos aus dem Netz diskutieren. Meine letzten Videos waren der 3D-Drucker, der Häuser in 24 Stunden baut und den neuen Roboter von Google.
  3. Panik im Netz
    Die Süddeutsche hat hier einzigartig dokumentiert und visualisiert, wie aus dem Münchner Amoklauf ein Terroranschlag mit 67 Zielen wurde. Nachdem die Informationen besprochen wurden, kann man mit Schüler*innen Regeln gegen die Panik im Netz in Kleingruppen erarbeiten und im Plenum vorstellen lassen. Abschließend kann man die Ergebnisse mit folgender Seite vergleichen und diskutieren. (Auf der oben verlinkten Seite räumt die Süddeutsche Zeitung auch eigene Fehler ein. Es würde sich anbieten, im Anschluss über die Notwendigkeit einer Fehlerkultur (im Web) zu diskutieren.)
  4. Netiquette
    Ich würde auch hier im Vorfeld Regeln erarbeiten lassen und sie hinterher mit existierenden Formulierungen vergleichen. Hier die Variante der Tagesschau.
  5. Viralität
    Bilder und Videos können aus unterschiedlichen Gründen viral gehen und auch missverstanden werden. Hierfür könnte man den Tweet mit dem Auschwitz-Selfie oder das Video der Mädchen-Gruppe, die bei einem Baseballspiel einen Selfie-Marathon hinlegt und das im Netz für Häme und Spott sorgte, diskutieren.
  6. Fakes im Netz
    Dieser halbstündige Beitrag eines Jugendkanals des Bayrischen Rundfunks geht der Frage nach, wie gefährlich Fakes im Netz sind. Hier erhält man Tipps, wie man Fake News entlarven kann. Auch dieser Post des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz liefert einige hilfreiche Links.
  7. Daten (sozialer Netzwerke)
    Wenn man mit Klassen über Daten diskutieren möchte, kann es schnell zu abstrakt werden, das einen persönlichen Bezug herzustellen und die Relevanz aufzuzeigen erschweren kann. Mit Data-Selfie kann man Schüler*innen ganz konkret zeigen, welche Daten Facebook sammelt und welche Analysen möglich sind. Die unbekannte Datenmasse und Arbeit damit wird greifbar bzw. transparent. Die SZ hat hier darüber berichtet.
  8. Quellenempfehlungen
    Auf folgende Social Media-Accounts kann man hinweisen, um eine Orientierung im Web zu erleichtern: Mimika bei Facebook und Twitter, BILDblog bei FacebookTwitter und als Blog oder die Hoaxmap.
  9. Wahrheiten (im Web)
    Zuerst kann man dieses Video zeigen und darüber diskutieren (lassen). Im Anschluss könnte man diesen Artikel lesen lassen und noch einmal (über „Wahrheiten“ im Web) diskutieren (lassen).
  10. Kommentarspalten
    Ich habe mit meiner Klasse Kommentarspalten analysiert, indem wir gemeinsam die einzelnen Kommentare (unter stark polarisierenden Beiträge im Netz) nach Argumenten, Sachlichkeit und Konstruktivität untersuchten. Dabei besprachen wir auch rhetorische Mittel und ob bzw. wie man antworten könnte.
  11. Darknet
    Diese niederschwellige und informative ARD-Doku über das Darknet bietet eine gute Diskussionsgrundlage.
  12. Social Bots
    Es gibt unzählige Beiträge über Social Bots bezüglich Wahl- bzw. Meinungsmanipulation. Hier zwei Beispiele, wie man Social Bots konstruktiv einsetzen kann: Facebook Bot und Chatbot-Anwalt. (Web-Begriffe werden häufiger schwammig bzw. ungenau diskutiert. Man könnte hier auch klare Definitionen mit der Klasse erarbeiten.
  13. Werther-Effekt und Papagenoeffekt
    Wie und ob man über Suizide (von Prominenten) berichten sollte, spielt gerade in sozialen Netzwerken immer wieder eine Rolle. Zuletzt war das beim Linkin-Park-Sänger Chester Bennington der Fall. Sowohl der Werther-Effekt als auch der Papaganoeffekt bieten sich an, dabei diskutiert zu werden.  Folgender Beitrag von Stefan Niggemeier erweitert die Diskussionsgrundlage.

Dieser Blogbeitrag soll immer wieder durch weitere Unterrichtsbeispiele und -ideen ergänzt werden. Ich lade hiermit alle Lehrenden herzlich dazu ein, sich über die Kommentarfunktion (besonders für den Bereich Fachunterricht) daran zu beteiligen. Vielen Dank.