Jetzt müssen junge Menschen mehr Gehör finden

Beiträge, die ich als Kolumnist für das Deutsche Schulportal verfasse, veröffentliche ich drei Wochen später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben.

photo-1510146758428-e5e4b17b8b6aSeit wegen Covid-19 Schulen im ganzen Land für mehrere Monate schließen mussten und später unter Auflagen wieder öffnen durften, sind alle Beteiligten vor neue Herausforderungen gestellt. Auf eine erzwungene Distanzlehre folgte eine eingeschränkte Präsenzlehre. Es gilt, gemeinsam an neuen Lösungen zu arbeiten. Wer aber an deren Entwicklung bisher nur wenig beteiligt wurde, sind die Schülerinnen und Schüler. Dabei müssten gerade sie beim Aushandeln des Lernens unter veränderten Voraussetzungen gefragt werden. Aus mehreren Gründen. Demokratiebildung ist einer von ihnen.

Kaum eine Lehrkraft würde der Aussage widersprechen, dass Lernende im Mittelpunkt stehen (müssen) und Demokratiebildung wichtig ist. Lernende bei der Suche nach Antworten auf die Fragen, die durch Covid-19 an den Schulen aufgeworfen wurden, kaum bis gar nicht zu beteiligen, steht aber im Widerspruch dazu. So werden junge Menschen weder ernst genommen noch berücksichtigt es ihre Expertisen und Perspektiven. Dabei haben sie eine gewandelte Kommunikation in einer Kultur der Digitalität von klein auf erlebt, dort Erfahrungen gesammelt und sich wertvolles Wissen angeeignet.

Jeder fünfte Jugendliche hat das Gefühl, in der Schule nicht mitbestimmen zu können

Es genügt auch nicht, Demokratiebildung auf eine Unterrichtseinheit zu reduzieren. Gehört und wertgeschätzt zu werden, Teil einer Gemeinschaft zu sein, sich in Bereiche einbringen zu können, die einem wichtig sind, kontroverse Debatten zu führen und Kompromisse auszuhandeln – das sind tragende Säulen der Demokratiebildung. Sie müssen erfahren und gelebt werden, um sie wirklich zu durchdringen. Auch wie und was gelernt wird, muss dabei zur Debatte stehen.

Bildschirmfoto 2020-08-10 um 08.55.18In der aktuellen Jugendstudie Baden-Württemberg 2020 wurden mehr als 2.311 junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren unter anderem gefragt, ob sie den Eindruck haben, dass sie den Alltag an ihrer Schule ein Stück weit mitgestalten können. 20,2 Prozent haben das verneint und gesagt, dass alles festgelegt sei, und 37,6 Prozent haben angegeben, dass es eher schwierig sei. Diese Angaben machen transparent, mit welcher Grunderfahrung demokratischer Prozesse viele Jugendliche ihre Schule verlassen und welche Aufgabe endlich eine deutlich höhere Priorität verdient

Während an manchen Stellen bereits an Konzepten gefeilt wird, wie Unterricht in einer Mischung zwischen Präsenz- und Distanzlehre im neuen Schuljahr aussehen könnte, sollten Schulen sich auch jetzt schon Gedanken machen, wie sie die bestehende und gesetzlich verankerte Vertretung der Schülerschaft und ihre Arbeit unter den gewandelten Bedingungen organisieren und unterstützen können. Wie beeinflussen die veränderten Rahmenbedingungen anstehende Wahlen, Sitzungen oder Projekte? Wie könnten Lösungen dazu aussehen?

Digitale Tools können Demokratiebildung unterstützen

Hier hilft das Internet und bietet digitale Tools, die ein kollaboratives, zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen. Es gibt sogar umfassende Konzepte wie das Projekt aula, das mithilfe einer Plattform alle Schülerinnen und Schüler zu zeitgemäßer Partizipation befähigt und Demokratiebildung zur tragenden Säule der Schulkultur werden lassen kann. Auch hier sollten junge Menschen bei jeglicher Entwicklung, Planung und Umsetzung beteiligt werden. Eine wesentliche Erkenntnis aus der Pandemie ist, dass durch sie Strukturen im Schulalltag – samt ihrer Schwächen und Stärken – sichtbar wurden. Das ist auch eine Chance, die es zu nutzen gilt, um Demokratiebildung auf allen Ebenen von Schule ernsthaft anzugehen und zu verankern.

 

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