Wenn Wissen erworben wird, hebt sich die Erfahrung von anderen Lernprozessen dadurch ab, dass das Lernen unmittelbar und persönlich erlebt wird. Die Erfahrung liefert dabei nicht nur eine weitere Perspektive, die nötig ist, um ein vertieftes Verständnis mancher Sache zu erreichen, sondern auch ein bessere Grundlage, sich und das eigene Handeln reflektieren zu können. Eine kulturpragmatische Antwort auf die komplexen Herausforderungen der Digitalen Transformation, die einem in der Netzkultur häufiger begegnet, lautet, selbst Erfahrungen zu sammeln und diese mit anderen auszutauschen. Und soziale Netzwerke spielen dabei eine zentrale Rolle.

Was hat Lernen durch Erfahrung mit der Digitalen Transformation zu tun?

photo-1535223289827-42f1e9919769Wer sich mit den Transformationsprozessen beschäftigt, stellt immer wieder fest, dass eine fehlende Erfahrung in der Kultur der Digitalität zu Missverständnissen und Denkfehlern führen kann. Wenn Leute sich beispielsweise über soziale Netzwerke äußern, ohne ernsthaft Teil dieser Netzkultur zu sein, wird in deren Schilderungen, Bewertungen und gerne dann auch Abwertungen die fehlende Perspektive deutlich. Es bleibt dann stets eine Außenansicht, die in der Regel ungeeignete Maßstäbe ansetzt. (Ähnliches beobachte ich in Bildungsdebatten um 4K-Skills.)

Ich habe zahlreiche Texte zur Agilität, den 21st Century Skills oder sonstigen Fähigkeiten und Kompetenzen, die Menschen aufgrund des kulturellen Wandels heute und morgen benötigen, gelesen. Richtig verstanden habe ich aber alles immer erst dann, wenn Wissen durch persönliche und unmittelbare Erfahrungen gebildet und verknüpft wurde. Wer agil und kollaborativ arbeitet erlebt sich und die Lernprozesse anders. Meinen Erfahrungen nach lässt sich das „andere, neue Mindset“, das seit Jahren bei jeder Rede rund um den digitalen Wandel eingefordert wird, nur dadurch erreichen.

Welchen Unterschied das Lernen durch Erfahrung bedeuten kann, wird klarer, wenn es um die Körperlichkeit, Sinne und Räume geht. Wer z.B. über virtuelle Realitäten in fremde Länder oder in andere Zeiten reist und erkundet, erfährt andere Lernprozesse, die auch an Körper und Raum, wie man sich und die Umgebung wahrnimmt, gebunden sind. 

Was bedeutet das für Lehrende?

Selbst viele Erfahrungen zu sammeln und für ihre Schüler_innen möglichst viel Räume dafür zu schaffen. Mit den aktuellen Strukturen des Bildungssystems ist das sicher keine einfache Aufgabe, aber genau so lautet die Beschreibung einer jeden Herausforderung der Digitalen Transformation. Für mich persönlich löse ich das seit Jahren über die Arbeit in Vereinen, Projekten und mit Personen, die agil sind und wirken. Von und mit ihnen erfahre und lerne ich, komplexe Aufgaben zu lösen, meine Rolle in einem Team immer wieder neu zu definieren, meine Stärken herauszufinden und auf ihre zu vertrauen.

Linda Breitlauch, die in der Fachrichtung „Intermedia Design“ an der Hochschule Trier lehrt und forscht, wurde gestern beim netzkultur_festival von einer Grundschullehrerin gefragt, was sie empfehlen würde, wenn Kinder, die deutlich jünger als zwölf sind, Fortnite spielen würden. Sie riet (wie auch bei Brettspielen) dazu, zusammen mit den Kindern zu spielen und darüber mit ihnen in den Dialog zu treten und bezog sich nicht nur auf Eltern, sondern auch auf Lehrende. Die Spielerfahrung eröffnet nicht nur ein besseres Verständnis der Sache, bezüglich Funktion, Wirkung und Anwendung, auch die Rolle, in der man sich befindet und in der man wahrgenommen wird, ändert sich dadurch. So kann eine Diskussion geführt werden, die auf einer aktiven Auseinandersetzung mit der Thematik beruht.

Das alles klingt nicht nur nach zusätzlicher Arbeit, das ist es auch. (Nur dass hier Ziele, Settings und der Personenkreis frei gewählt werden können, was einen gewaltigen Unterschied ausmacht und bei mir Spaß bedeutet.) Wer auf einfache und bequeme Lösungen hofft, hat die Komplexität und Tragweite der globalen, gesellschaftlichen Umbrüche noch nicht durchdrungen und wird sich immer mehr wundern und weniger verstehen. Das Lernen durch Erfahrung ist ein wesentliches Element eines notwendigen Kulturpragmatismus, dem Vertrauen und Zutrauen, gemeinsam eine Lösung zu finden, und sich miteinander auf den Weg zu machen.

Beiträge, die ich für Online Magazine verfasse, veröffentliche ich zwei Wochen später auf diesem Blog, um meine Texte auf einer Website gebündelt zu haben. Dieser erschien bei was wäre wenn.

Es herrscht Einigkeit, dass Bildung zum einen Spiegel der Gesellschaft ist, aber auch der Schlüssel zu zukünftigen Entwicklungen und deshalb immer dort angesetzt werden muss, wenn Veränderungen notwendig sind, sie verankert werden und nachhaltig wirken sollen. Wer also die Dynamik der Digitalen Transformation, globaler Umbrüche und einen grundlegenden Wandel gesellschaftlicher Ordnung betrachtet, landet zwangsläufig bei der Frage und Debatte, wie Bildung in einer Kultur der Digitalität aussehen sollte. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass das deutsche Bildungssystem ein riesiger und komplexer Tanker ist, in dem Kursänderungen (zu) viel Zeit beanspruchen. So kann auf Transformationsprozesse, wenn überhaupt, nur stark verzögert reagiert werden. Kann aber trotz dieses Widerspruchs eine heute und morgen notwendige Bildung gelingen? Ja, sie kann – wenn sie nicht auf Bildungseinrichtungen reduziert oder abgeschoben wird.

Bildung ist das Ergebnis von Gesellschaft 

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Foto: Fionn Große

Wer über Bildung spricht, denkt meist automatisch in Institutionen, trennt nach Alter, Schulart oder Zielgruppen, trennt nach Fächern oder Zeiten, wann Angebote stattfinden. Es wird zugeordnet und sortiert. Einrichtungen und Rahmen werden gedanklich in den Vordergrund gerückt und nicht der Vorgang, sich zu bilden, Wissen zu erwerben, zu lernen. Dabei könnten sich dort vielleicht einige Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden lassen, teilweise auch bei uns selbst: Wie bilden wir uns heute? Welche neuen Möglichkeiten gibt es und nutzen wir auf welche Art und Weise? Wie lernen wir von- und miteinander? Schließlich befinden wir uns alle in dieser global vernetzen Welt voller Veränderungen, in der wir uns neu zu sortieren und zurechtzufinden versuchen. Wir probieren und scheitern, reflektieren und versuchen es erneut und entwickeln uns permanent weiter. Manche erlangen so Expertise für noch unerschlossene Bereiche, fernab der klassischen Bildungswege. Es ändert sich nicht nur was, sondern auch wie, wann, wo oder mit wem wir lernen und uns bilden. 

Ja, es kostet anfangs etwas Anstrengung, sich davon zu lösen, den Begriff Lernen nicht als schulisches Lernen (in dem Bezug oft auch als Auswendiglernen oder das auf einen Test Lernen) zu verstehen, sondern als einen Prozess, der uns täglich mal mehr oder weniger bewusst begleitet. Ein Lernen, das ohne Note oder Zertifizierung auskommt und trotzdem tiefgründig und nachhaltig sein kann. Wir lernen ständig hinzu, sei es aus einem Gespräch, das wir geführt, einer Handlung, die wir beobachtet oder einem Text, den wir gelesen haben. Dabei brechen wir nicht nach 45 Minuten ab und wechseln das Thema, die Zusammensetzung der Gruppe oder sogar den Ort. Wir lernen und bilden uns bei der Arbeit, in der Straßenbahn, beim Musik hören oder beim Feiern mit Freunden weiter. Es geschieht ganz beiläufig, selbstverständlich und wandelt sich.  

Und während die Welt sich grundlegend ändert, scheint sich die Diskrepanz zwischen dem Lernen wie es innerhalb und außerhalb von Bildungseinrichtungen stattfindet zu vergrößern. Was jedoch beide Bereiche eint, sind die zunehmend komplexeren Herausforderungen der Digitalen Transformation, die nur zusammen mit unterschiedlichen Expertisen und Perspektiven gemeistert werden können. Deshalb brauchen Bildungseinrichtung und Lehrende auch keine noch längeren To-do-Listen, sondern neben politischer auch eine gesamtgesellschaftliche Unterstützung und Beteiligung. Es braucht weniger Orte, an denen man schon alles weiß, kann und das zu vermitteln versucht, sondern mehr Lernräume, an denen einiges noch und nur miteinander herausgefunden werden kann und erarbeitet werden muss. Und miteinander bedeutet über die Grenzen von Bildungsinstitutionen hinaus, also auch interdisziplinär und multiperspektivisch. Im Kontext von think global, act local wird kommunaler (städtischer) Raum als (urbaner) Lernraum aufgefasst und gestaltet.

Google Maps fürs Lernen im Niemandsland 

Im Prinzip müssen gemeinsam lerntopografische und allgemeinzugängliche Karten für den kommunalen Raum entwickelt werden. So, dass jede Person weiß, wo sie vor Ort bestimmte Informationen findet, auf Fachkundige treffen oder ihr Wissen einbringen kann. Als würde man beispielsweise die unzähligen YouTube-Videos, die einem die Welt erklären, die erstellenden Personen und die Produktion auch physisch und kommunal abbilden und greifbar machen. So etwas verlangt ein verändertes Selbstverständnis von allen an Bildungsprozessen beteiligten Personen und deren Einrichtung: sich weniger als abgeschossene Einheit, sondern als ein (kommunal-)zivilgesellschaftlicher Bestandteil zu verstehen, als eine Haltestelle auf einer Karte lebenslangen Lernens. Dieses Umdenken führt einerseits zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung, vergrößert aber zugleich die Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, indem sich der Kreis an Personen mit unterschiedlichen Kenntnissen und Erfahrungen erweitert. Im Prinzip müssten einige Elemente vom Lernen im Netz in den physischen und kommunalen Raum übertragen und geformt werden: Ein offener Zugang zu Informationen und Expert_innen, attraktive Gelegenheiten, davon zu erfahren oder auch diverse Möglichkeiten für Vernetzung, Austausch und Kollaboration.  

Weil Transformationsprozesse Grenzen auflösen, befinden sich viele Problemstellungen im gesellschaftlichen Niemandsland, außerhalb und zwischen den Systemen und Strukturen, ohne klare Zuständigkeiten. Deshalb werden entweder oft eigene Lösungen entwickelt, die nicht funktionieren, weil sie nur aus der eigenen Perspektive gedacht wurden oder es wird erst gar nicht investiert, weil es von bisherigen Systemen aus blickend, keinen Sinn ergibt. Was bringt also z.B. ein Smartphone-Verbot in der Schule, wenn es außerhalb der Schulzeit ständig im Einsatz ist? Aus schulischer Sicht und dem Verständnis, diese Geräte als reine Störfaktor zu betrachten, scheint das Problem dadurch zwar gelöst zu sein, aber alle anderen persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen bleiben weiterhin unangetastet und lediglich aus dem Sichtfeld der Schule gedrängt. Die Kultur der Digitalität hat wie wir kommunizieren, uns informieren, arbeiten oder von- und miteinander lernen grundlegend verändert. Deshalb braucht es auch grundlegend andere Vorgehensweisen und Lösungen. Wer befähigt denn die Gesellschaft an kultureller Teilhabe oder zu einem souveränen und mündigen Auftreten im Netz? Freunde und Bekannte, die Elternhäuser, die Schulen, die Hochschulen, der auszubildenden Betrieb oder die Vereine? Eins ist sicher: Alleine klappt das nicht. Nur wo können viele von ihnen aufeinandertreffen? Wo können sie über Fragen diskutieren, Wissen und Erfahrungen austauschen und gemeinsame Konzepte entwickeln?

Was wäre, wenn das gesamte (kommunale) Wissen und Können, zu den vielen unerforschten Bereichen des kulturellen Wandels für alle offen, zugänglich und transparent wäre? Wenn sämtliche Expert_innen bekannt wären und gemeinsam an Konzepten arbeiten würden? Wenn keine Hierarchien, fachliche Grenzen und sonstigen Tellerränder den Dialog erschweren würden? Wenn der Antrieb ein humanistischer wäre, der sich am großen Ganzen, der Vernunft und gesellschaftlicher Verantwortung orientiert? Diese Ansätze gibt es vielleicht bereits mancherorts. Im kommunalen Raum kommen sie noch (zu) selten bis gar nicht vor. Aber hier findet ein Großteil von Bildung statt.

Not the system, change the people  

Wahrscheinlich besteht ein Denkfehler vieler gescheiterten Bemühungen, eine zeitgemäße Bildung anzustreben, unter anderem darin, Systeme verändern zu wollen, die sich selbst erhalten und größtenteils auf Verwaltung des Bisherigen ausgelegt sind. Es wird aber niemals gelingen, mit einem riesigen Bildungstanker flexibel Wellen zu surfen. Muss es auch nicht. Wer Innovation wünscht, muss neue Wege gehen. Und da diese Systeme nicht vom Himmel gefallen, sondern menschengemacht sind, muss eben dort auch wieder angesetzt werden, um das notwendige Mindset für das digitale Zeitalter zu erreichen. Wo könnte das besser gelingen als im bereits erwähnten Niemandsland, zwischen den Systemen und Strukturen? Wo Zuständigkeiten unklar sind, ist Spielraum für Neues. Und neues Denken braucht Freiräume 

Es braucht kritisch denkende Menschen, die Komplexität bewältigen oder ertragen können und sich nicht durch einfache, vermeintliche Antworten ködern lassen. Menschen, die nicht vor der Vielzahl an Dystopien erstarren, sondern souverän und mündig die Zukunft gestalten können und möchten. Wahrscheinlich würde John F. Kennedy an dieser Stelle aufrufen, nicht zu fragen, was Bildung für euch tun kann, sondern zu fragen, was ihr für Bildung tun könnt. Wer Bildung als lebenslange und gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht, muss nicht auf Erlaubnis oder eine Anordnung warten, um sich Verbündete zu suchen, um attraktive Räume für Austausch, Vernetzung und Kollaboration zu eröffnen. Das Netz bietet heute zudem einfache Möglichkeiten, sich zu organisieren, sichtbar zu machen und andere zur Beteiligung zu animieren. Weshalb nicht Treffen durchführen, Projekte umsetzen oder Kooperationen initiieren?

Veranstaltungen können ein guter Auftakt für einen zivilgesellschaftlichen Aufbruch zu zeitgemäßer Bildung sein. Oft beanspruchen sie das auch für sich und schmücken sich als neue und innovative Konzepte, sind es aber selten. Events zu “digitaler Bildung“ erfreuen sich nämlich großer Beliebtheit und schießen in den letzten Jahren bundesweit wie Pilze aus dem Boden. Dabei werden gerne vermeintliche “All inclusive und sorglos“-Pakete geschnürt, die besten Hard- und Software-Lösungen versprochen und die innovativsten Speaker_innen aus der Ferne der Republik eingeflogen. Nicht selten reist die geballte Expertise dann nach beeindruckenden Vorträgen wieder ab und hinterlässt die Wirkung eines Strohfeuers. Diese Konzepte gehören zum großen Bildungstanker. Es fehlen Freiräume für agiles Denken und Handeln abseits der klassischen Pfade. 

Am Beispiel von Veranstaltungen, Treffen oder sonstigen Räumen für einen Austausch lässt sich exemplarisch an sechs Punkten veranschaulichen, welche Aspekte bedacht werden sollten, um Bildung in der Kultur der Digitalität als gemeinsame Aufgabe ankommen zu lassen und lerntopografische Karten online und offline zu zeichnen:

1.) Jedes Angebot sollte Teil eines größeren Konzepts, einer langfristigen Strategie, eines nie endenden Prozesses sein, der unter Berücksichtigung der restlichen, folgenden Punkte erarbeitet werden sollte. Sonst bleibt es nur ein Tropfen auf den heißen Stein, verpufft in der Wirkung und erzeugt im schlimmsten Fall sogar Frust.

2.) Die Angebote müssen offen und transparent sein. Die Wahl der Orte, der Zeit oder über welche Kanäle kommuniziert wird, entscheiden dabei mit über die allgemeine Zugänglichkeit. 

3.) Es braucht eine möglichst interdisziplinäre und diverse Zusammensetzung an Personen und Themen, weil nur mit einer Vielfalt an Expertisen und Perspektiven die komplexen Herausforderungen unserer Zeit gelöst werden können.

4.) Die Angebote müssen unterschiedliche Möglichkeiten der Beteiligung und Selbstbestimmung enthalten. Es braucht kein weiteres Abfahren kommunikativer Einbahnstraße, sondern einen Rahmen, in dem Inhalte und Abläufe mitgestaltet werden können.

5.) Weil nicht immer alle Personen die Angebote wahrnehmen können, erst später davon erfahren oder am Tag selbst keine Gelegenheit hatten, sich mit allen auszutauschen und zu vernetzen, ist Anschlussfähigkeit bezüglich Personen und Themen ein wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Prozesse. Deshalb sind Anknüpfungsmöglichkeiten, über das Angebot hinaus, besonders wichtig.

6.) Wertschätzt die „Propheten“ im eigenen Land! Nicht selten ist die lokale, regionale Vielfalt an Expertise gar nicht bekannt, weil sie scheinbar oft viel Kosten und weit weg sein muss, um etwas wert zu sein. Dabei haben gerade diese Personen ein eigenes Interesse daran, nachhaltige und wirksame Prozesse vor Ort anzustoßen oder haben Einblicke in die lokalen Begebenheiten.  

Spannend wird es, wenn auch das Lernen und Lernsetting in Schulen und Hochschulen mit diesen Aspekten durchdacht werden. Dann wird deutlich, welches Potenzial hier noch brach liegt und Veränderungen noch ausstehen; sei es beim Mindset, bei den Ressourcen oder Räumen. Es geht hier aber nicht um Visionen, die in einer fernen Zukunft liegen könnten. Einiges findet bereits statt. Ein Blick in soziale Netzwerke legt offen, dass sich immer mehr Menschen über Grenzen hinweg zusammenschließen, sich in flexiblen Strukturen organisieren und die neugewonnen Möglichkeiten nutzen, die eine Kultur der Digitalität bietet, um ihre Angebote und Anliegen sichtbar zu machen und einzuladen, Bildung neu zu denken, zu gestalten, gemeinsam, global denkend und lokal handelnd. Ihre Antwort auf Bildung im 21. Jahrhundert lautet: Your society needs you!

 

nffg_sharepic_01Netzkultur entsteht aus der Kommunikation über digitale Netzwerke. Weil es aber kein rein technischer, sondern ein kultureller Wandel ist, kann er nicht in online und offline getrennt werden und betrifft somit die gesamte Gesellschaft. Weder diese Erkenntnis noch die vielen Fragen, die Netzkultur aufwirft, haben es bisher in die breite Öffentlichkeit geschafft. Der Austausch dazu findet meist im Netz oder in Metropolen statt. Wie könnte es gelingen, Netzkultur allgemein zugänglicher zu machen und den Diskurs in die Breite zu öffnen? Genau diese Frage wurde im Oktober letzten Jahres bei einer Barcamp-Session von freiburg_gestalten diskutiert und die Idee des netzkultur_festivals in Freiburg geboren. 

Die vernetzte Welt erfordert, dass global, aber auch lokal gedacht und gehandelt wird. Wir packen diese Herausforderungen mit dem netzkultur_festival freiburg_gestalten an, bei dem Name und Farbgebung Programm sind und zusammenfassen, worum es am 19. Oktober gehen soll: Netzkultur im lockeren Rahmen eines Festivals zu diskutieren, zu erfahren, zu verstehen und uns zu befähigen, nicht nur zuzusehen, sondern den digitalen Wandel nach unseren Werten zu gestalten. Weil die kulturellen Veränderungen und Problemstellungen jeden betreffen und auch nur gemeinsam gelöst werden können, richtet sich unser Angebot immer an alle, mit und ohne Vorwissen. Wir wollen nicht nur thematisch vielfältig sein, sondern auch in der Zusammensetzung. Daher ist jede Person herzlich eingeladen, dabei zu sein.

Netzkultur ist durch den digitalen Raum entstanden, wirkt aber nicht nur dort. Deshalb sollte sich die Debatte nicht auf die Kreise der Netzaffinen beschränken. Allein wie kommuniziert wird oder werden kann wandelt sich grundlegend und beeinflusst auch alle Lebensbereiche derer, die nicht im Netz stattfinden. Mit dem netzkultur_festival möchten wir interessierte Personen aus der regionalen Raum mit unterschiedlichen Expertisen und Perspektiven zusammenzubringen, um Impulse zu setzen, sich auszutauschen und vernetzen zu können.

Das netzkultur_festival möchte primär die Potenziale vor Ort nutzen und sichtbar machen. Wir streben an, die Digitale Transformation möglichst wirksam und nachhaltig zu gestalten und für alle zugänglich zu sein. Eine Option sehen wir darin, entgegen der üblichen Praxis, die „Propheten“ im eigenen Land wertzuschätzen. Deshalb haben wir uns grundsätzlich vorgenommen, ca. 70% lokale und 30% überregionale Speaker_innen zu gewinnen. Weil Netzkultur in der Regel auf Bundesebene oder in Metropolen wie Berlin und Hamburg diskutiert wird, wollen wir sie endlich kommunal aufgreifen und Raum für einen breiten, öffentlichen Diskurs schaffen.

Beim netzkultur_festival erwartet euch eine bunte Mischung aus Impulsvorträgen, Diskussionsrunden und Workshops in den Räumen des Kreativparks Lokhalle. Die genaue Gestaltung der Angebote überlassen wir den Expert_innen, die sie auf der Website vorstellen. Das Ganze wird musikalisch umrahmt und endend in einer Feier am Ende des Tages. Wir haben bereits einige Zusagen von spannenden Speaker_innen, andere Gespräche befinden sich noch im laufenden Prozess. Die Planung des Tages ist, wie die Website, noch nicht abgeschlossen. Aktuelles zum Tag wird neben der Website über Facebook und Twitter kommuniziert.

Das netzkultur_festival greift nicht nur technische Fragen auf, sondern auch kulturelle, ethische, politische, philosophische oder psychologische. Seid dabei und meldet euch mit dem Kauf eines kostenlosen Tickets an. (Es besteht keine Anmeldefrist. Bei 120 Personen wird der Ticketverkauf eingestellt. Wer auf die Warteliste möchte, mailt uns an die unten aufgeführte Adresse. Wenn Tickets storniert werden, informieren wir die Personen dieser Liste, dass sie nachrücken. Deshalb bitten wir auch alle, sich nur dann ein Ticket zu sichern, wenn eine Teilnahme verbindlich geplant wird und es möglichst früh wieder zu stornieren, falls sich herausstellen sollte, dass die Teilnahme doch nicht möglich ist.)

Damit das netzkultur_festival kostenfrei und für alle offen sein kann, finanzieren wir den Tag über Sponsoren. Falls ihr die Idee ebenfalls unterstützen möchtet oder ein Thema habt und eine Person kennt, das, bzw. die auch Raum erhalten sollte, schreibt uns einfach an: orga@netzkulturfestival.de