Anselm Maria Sellen, Andreas Hofmann und ich haben mit Perlen von Säuen ein Format ins Leben gerufen, das Lehrende und Lernende anregen, informieren oder unterhalten KANN. Die kurze Version zur Entstehungsgeschichte und wohin das alles irgendwann führen soll, kann man sich hier bei JRA (Jöran ruft an) anhören. Ausführlicher findet man es hier auf unserem YouTube-Kanal. Nachdem von einigen Zuschauern der Wunsch geäußert wurde, dass sie gerne (z.B. beim Joggen) nur Zuhörer wären, bieten wir mittlerweile hier die datensparsamere Audio-Variante als Podcast bei iTunes. Natürlich twittern wir auch unter @PerlenvdSaeuen und dem Hashtag #PvdS.

Perlen LogoDie vierte Folge mit dem Titel Schule 2050 soll eine ganze Reihe von Ausgaben zu diesem Thema einleiten. Dazu wollen wir auf die dort genannten und noch ausstehenden Gedanken in Zukunft tiefer eingehen. Immer wieder werden wir auch Experten einladen, die uns zu einer weiteren Perspektive oder kontroversen Debatte  verhelfen sollen.

Falls ihr Fragen, Anregungen oder sonstige Gedanken haben solltet, die ihr uns mitteilen wollt, erreicht ihr uns auch klassisch via Mail unter perlenvondensaeuen@gmail.com.

Am 23.02.2016 fand im Grünhof in Freiburg die zweite D64-Veranstaltung, zu der hier noch weitere Informationen zu finden sind, der „Lernen in einer digitalisierten Welt“-Reihe statt. Das Format, zuerst ein kurzer Impulsvortrag und im Anschluss eine Podiumsdiskussion, blieb erhalten. Geändert haben sich die Anzahl der Referenten, die Themenwahl, die Länge der Diskussionsrunde und die Teilnehmer*innen. Es wird auch zukünftig immer nur einen Experten geben, zu einem für die breitere Masse zugänglicheren Thema, ausreichend Zeit für eine offene Debatte und ein Publikum, das möglichst viele Lager der Gesellschaft widerspiegelt. Damit wird das Ziel angestrebt, dass Diskussionen über Digitales im Bildungsbereich nicht mehr ausschließlich in den „Experten“-Filterblasen der sozialen Netzwerke, sondern auch in die Mitte der Gesellschaft stattfinden.

Vor und mit knapp 40 Menschen sprach Philippe Wampfler am Dienstagabend über das Thema Social Media und Schule. Philippe_D64Zusätzlich wurde die Veranstaltung via Periscope-Stream von 83 Leuten verfolgt und von zwölf Personen nachträglich angesehen. Der erste Stream brach nach einer halben Stunde ab, was ich leider erst 20-30 Minuten später bemerkte. Deshalb besteht das hier hochgeladene Video zum Abend aus zwei Teilen und ist unvollständig. Mit meiner Frage an Philippe, was er unerfahrenen Lehrkräften empfehlen würde, wie sie in soziale Netzwerke einsteigen könnten, endete die erste Aufzeichnung. Seine Antwort möchte ich hier gekürzt nachliefern: Anmelden und lurken. Wenn jemand auf den ersten Blick ein soziales Netzwerk sinnlos findet, dann hat er es (noch) nicht verstanden. Außerdem empfahl er diesbezüglich wertfreie Gespräche mit Schüler*innen über deren Nutzung zu führen und verwies auf das amerikanische Web, dem man alle Trends Monate zuvor schon entnehmen könne. Snapchat hatte er so bereits genutzt und getestet, bevor es den deutschen bzw. schweizerischen Pausenhof erreicht hatte. (Mein Tipp: Sein Blog ist eine Goldgrube.)

Dass Lehrer*innen meiner Schule am nächsten Morgen über das Thema weiter diskutierten und ich im Laufe des Tages E-Mails und WhatsApp-Nachrichten, die an die am Abend geführte Debatte anschlossen, erhielt, bescheinigte mir, mein persönliches Ziel, Diskussionen außerhalb des Webs und der „Experten“-Filterblasen anzuregen, zumindest kurzfristig erreicht zu haben. Das Motto bleibt: Nach der D64-Veranstaltung ist vor der D64-Veranstaltung. Stay tuned.

Das deutsche Schulsystem und die Lehrer-Ausbildung wurden immer schon breit diskutiert. Ich möchte mit diesem Beitrag einen Blick auf die Lehrer-Fortbildungen (in Baden-Württemberg) richten und zur weiteren Debatte anregen. In Baden-Württemberg bieten Fortbildner, die als Experten gefragt wurden oder sich als solche beworben haben, an unterschiedlichen Standorten und zu allen schulischen Themen Fortbildungen an. Veranstalter ist die Abteilung 7 – Schule und Bildung der jeweiligen vier Regierungspräsidien in Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg oder Tübingen. Die Angebote werden in der Regel nach Bedarf generiert; meist spielen schulpolitische Entscheidungen des Landes, Anmeldezahlen bei bereits bestehenden bzw. vergangenen Angeboten oder Anregungen der Fortbildner eine Rolle. Ich möchte den Ablauf und das Problem am Beispiel Medienbildung kurz skizzieren:

Mit dem Schuljahr 2016/17 greift in Baden-Württemberg der neue Bildungsplan und mit ihm die Einführung der Leitperspektive Medienbildung. In Klasse 5 muss dazu ein Basiskurs durchgeführt werden. Um die Umsetzung zu gewährleisten, wird bis Juli 2016 die Fortbildung Umsetzung Basiskurs Medienbildung in Klasse 5 mehrfach an unterschiedlichen Standorten des Landes angeboten, damit einzelne Kollegen, die diese Aufgabe an ihrer Schule übernehmen sollen, darauf vorbereitet werden. Alle Infos rund um die Leitperspektive Medienbildung, den Basiskurs und die dazugehörigen Fortbildungen findet man hier. Mit dieser Vorgehensweise kommt das Land seiner Pflicht nach, Lehrer zur Umsetzung des Bildungsplans zu befähigen. Nennen wir es ein machbares Minimalziel. Wenn man aber langfristig das Erreichen der formulierten Ziele für die Leitperspektive Medienbildung ernsthaft anstrebt, wird man eine andere Form der Weiterbildung, Vernetzung und Arbeit von Lehrern benötigen.

Das aktuelle Fortbildungssystem

Fobi_BawueEin kleiner ausgewählter Kreis von Fortbildnern gibt Wissen punktuell an einen großen Kreis von Lehrern linear weiter. Die Rollenverteilung ist eindeutig auf den Wissensvermittler und Wissensempfänger festgelegt. Was dazu führt, dass Lehrer, die ebenfalls über Know-how verfügen, sich erst gar nicht zu Fortbildung anmelden, weil nach diesem Muster ein Austausch (in der Regel) nicht vorgesehen ist. Das ist aber nicht das einzige Problem dieses Fortbildungsformats. Lehrer einzeln fortzubilden, damit sie dann das Know-how in ihrer Schule als Multiplikatoren streuen und verankern, funktioniert kaum bis gar nicht. Sobald ein Lehrer an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, verpufft der Elan durch das neu erworbene Wissen bereits nach kurzer Zeit, weil er die Hürden des schulischen Alltags (alleine) nicht überwinden kann. Ergänzend zu diesem klassischen Modell gibt es noch die Möglichkeit, dass Fortbildner an eine Schule kommen, um mit dem (ganzen) Kollegium vor Ort zu arbeiten. (Diese Variante scheint, nach Austausch mit einigen Kollegen unterschiedlicher Schularten und Bundesländer, effektiver zu sein. Die Ressourcen für diese Art der Fortbildung sind aber gering.) Einen weiteren Knackpunkt sehe ich bei den Fortbildnern selbst. Die Anzahl ist begrenzt, Qualität nicht garantiert und Transparenz nicht gegeben. Welche Tragweite die finanziellen Aspekte in dieser Zusammensetzung haben, kann ich nicht abschätzen. Ich vermute aber auch hier Luft nach oben.

Wir brauchen offene Fortbildungsformate

Offene_FobiDie größte Schwäche des bisherigen Systems liegt beim brachliegenden Potential. Da nicht jeder Lehrer Fortbildner sein kann oder es nach dem jetzigen Verfahren möchte, bleibt viel Know-how ungenutzt. Deshalb brauchen wir offene Fortbildungsformate, die dem entgegenwirken. Im Barcamp-Format sehe ich eine Möglichkeit. Hier kann jeder völlig unkompliziert, ohne weitere Verpflichtungen und für eine kurze Zeit die Rolle des Fortbildners übernehmen. Da eine Barcamp-Session immer Raum für einen Austausch bietet, verläuft die Wissensvermittlung nicht linear, sondern kann dazu führen, dass Konzepte weiterentwickelt werden oder neue Ideen entstehen. Man bringt sich gegenseitig auf den neuesten Stand und vernetzt sich. In der schul-, schulart- oder landesübergreifenden Vernetzung von Lehrern sehe ich ein großes Potential; nein, eine Notwendigkeit, wenn man den Ansprüchen des 21. Jahrhunderts gerecht werden möchte. Bei Barcamps bleibt das erworbene Wissen nicht nur bei den Teilnehmern, weil es in der Regel protokolliert und öffentlich zu Verfügung gestellt wird. Mir gefällt auch die effiziente Bedarfsanalyse, indem man schlicht die Anwesenden nach ihrem Interessen fragt. Gerade im Bereich der Medienbildung, in dem sich das Wissen in permanenter Weiterentwicklung befindet, brauchen wir solche flexible Strukturen, um den Bogen zu meinem anfänglichen Beispiel zu spannen.

Ich weiß, dass Systeme sich selbst erhalten und mein Wunsch nach einer Änderung diesen Blog höchstwahrscheinlich nicht verlassen wird. Deshalb schlage vor, ergänzende Angebote zu schaffen. Zum Teil gibt es sie schon: Die zahlreichen Educamps oder der jährliche DED (Digital Education Day) der Stadt Köln sind gute Beispiel dafür. Das genügt aber nicht. Auch hier pilgert eine überschaubare Gruppe von engagierten Lehrern von einem zum nächsten Ort der Republik; am Wochenende oder in der unterrichtsfreien Zeit und auf eigene Kosten. Der Anspruch dieser Lehrer, ihren Unterricht an die gesellschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen anzupassen, braucht mehr als verbale politische Unterstützung. Die Verantwortung hierfür sehe ich nicht beim Land allein. Jede Gemeinde bzw. Stadt müsste sich Gedanken machen, ob und welche Schritte sie diesbezüglich leisten kann, möchte oder sogar sollte. Ich werde mich zumindest dafür einsetzen, dass diese Fragen in Freiburg diskutiert werden. Da politsche Entscheidungen einen langen Atem haben, lohnt es sich immer einen Plan B zu entwickeln.

Plan B – Schulen als dezentrale Lösung

Weshalb veranstalten nicht Schulen ein offenes Barcamp? Man könnte mit ein paar Schulen starten und anschließend die Umsetzung evaluieren und optimieren. Die Idee stammt von Rüdiger Fries, mit dem ich kürzlich telefonierte, um mich zum Thema Lehrerfortbildungen auszutauschen; wobei wir nach Antworten auf die Frage „Wie bekommt man die Lehrer, die zu solchen Formaten noch keinen Zugang haben, mit ins Boot?“ suchten. Dass und wie es klappen kann, hat Felix Schaumburg freundlicherweise hier dokumentiert. In seinem Fall ging es um das Thema Schulentwicklung und war nicht offen für schulexterne Teilnehmer. Die dezentrale Lösung, mit Schulen als selbständige Entwickler von Fortbildungsangeboten, würde bedeuten, dass Lehrer ihre passive Rolle aufgeben. Dafür wäre ein Umdenken im Lehrerzimmer und ein emanzipatorischer Prozess notwendig. Ein langer, steiniger aber auch notwendiger Weg.