Der Transparenz-Effekt

miniature-figures-2919708_1920Als Transparenz-Effekt bezeichne ich zukünftig die kognitive Verzerrung, bei der Menschen schon länger bestehende Elemente eines Systems als neue, meist negative, Veränderung wahrnehmen, weil sie im digitalen Transformationsprozess, insbesondere durch den Beitrag sozialer Netzwerke, transparent werden. Mögliche Faktoren können dabei Informationsmengen, Kommunikationsverhalten oder -inhalte sein. Häufig tritt der Transparenz-Effekt als Bestandteil von Kulturpessimismus auf und weist zum Beispiel begriffliche Indikatoren, wie Verrohung, Verdummung oder andere defizitorientierte Einschätzungen, auf. Nicht selten resultieren solche Urteile aus dem Fehlen eigener Erfahrungswerte, die in der gesteigerten Form zusätzlich von der Vorstellung begleitet werden, dass alles, das man selbst nicht kennt, nicht existiert. Die Bezeichnung Transparenz-Effekt erhebt keinen wissenschaftliche Anspruch, sondern stellt lediglich eine öffentlich formulierten Gedanken bzw. eine Notiz dar, auf die ich in sich wiederholenden Debatten immer wieder verweisen kann.

11 Comments

  1. …Beispiele wären fernerhin nett; bisher überzeugt mich der Begriff nicht, da er durch „Beleuchtung“, „Enthüllung“, „Verdeutlichung“ und eine Reihe weitere Begriffe zumindest annäherungsweise ersetzbar erscheint?! – BTW: Alles Gute für das neue Jahr, bleibe sprachlich frisch und argumentativ unbequem!-)

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    1. Wenn eine Person zum Beispiel von Verrohung der Gesellschaft durch zunehmende Gewalt spricht, ist sie vielleicht in einem Umfeld aufgewachsen, das nicht von Gewalt geprägt war und wird nun mit Bildern und Berichten (im Netz) konfrontiert, die sich ihrer bisherigen Wahrnehmung entzogen. PS: Wünsche dir ebenfalls ein gesundes, erfülltes und glückliches neues Jahr und freue mich auf viel Austausch und Debatten 2018. \o/

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  2. AfD-Effekt. Wow! Jetzt ist klar, woher hier der Wind weht. Hier sind die üblichen Beschwichtiger und Beschöniger am Werk. Wir haben also gar keine „Verrohung der Gesellschaft durch zunehmende Gewalt“. Wir bilden uns das nur ein. Klar. So kann man sich die Realität auch zurechtbiegen.

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    1. Es ist nicht abzustreiten, dass die Medien die Wahrnehmung diesbezüglich beeinflussen. Wenn Sie hier von „Beschwichtigern“ sprechen, wollen Sie wahrscheinlich auch auf Themen wie Vergewaltigung durch Flüchtlinge hinaus. Ja, wir lesen fast täglich irgendeine Schlagzeile von so einem Fall. Wir lesen aber nichts von den 400 anderen Vergewaltigungen täglich, die nicht durch Flüchtlinge begangen werden. 15.000 Vergewaltigungen gab es 2010 in Deutschland. Also vor der Flüchtlingswelle. Hat man damals irgendwas in der Zeitung gelesen und tausendfach im Netz geteilt gesehen? Natürlich nicht. Kann mich nicht erinnern, überhaupt mal was von Vergewaltigungen durch Deutsche gelesen zu haben in den letzten Jahren. Diese Berichterstattung verzerrt enorm die Wahrnehmung ihrer Konsumenten. In dem Zusammenhang ist dann der Begriff „Transparenz-Effekt“ auch nicht mehr passend, da diese Einseitigkeit der Berichterstattung eben leider nicht transparent ist.

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