Bildungsjournalismus im digitalen Wandel

Wenn ich online und offline die Debatten über Bildung im digitalen Wandel beobachte, fällt mir auf, dass am meisten darüber diskutiert wird, wie man Lehrende, die sich noch nicht auf den Weg gemacht haben, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, dafür interessieren oder unterstützen kann. An zweiter Stelle richtet sich dann der Fokus auf Menschen aus Politik oder Ämtern, die im Bildungssystem eine führende Rolle spielen. Schließlich entscheiden sie, welche Bildung und Investitionen am Ende verfolgt werden. Da die wenigsten Personen aber eine Möglichkeit erhalten, auf diesen Ebenen wirksam gehört zu werden, konzentriert sich ein großer Teil der Engagierten letztendlich wieder auf die Lehrenden.

Bildschirmfoto 2018-03-06 um 00.08.39Was ist aber mit dem Bildungsjournalismus? Wenn ich bedenke, wie die Anzahl der Beitrage über Bildung und Digitales in den letzten Jahre in Print und TV zugenommen hat, lohnt sich ein Blick auf die Gruppe, die dafür zuständig ist. Auch hier bietet sich das breite Spektrum an Menschen, die offen oder verschlossen gegenüber Neuem sind, sich sachlich und kontrovers mit der Thematik auseinandersetzen oder bei denen ihre Meinung bzw. persönliche Erfahrungen, nicht selten aus der eigenen Schulzeit, den roten Faden in ihren Beiträgen bildet. Wie man sich dem Anteil der Kulturpessimisten nähern könnte, unterscheidet sich wahrscheinlich kaum bis gar nicht von den Ansätzen, die für Lehrende gelten. (Hierzu haben Beat hier und ich an dieser Stelle einige Aspekte gesammelt.)

Kritisch sehe ich die Entwicklung, dass mehrheitlich pressewirksame Elemente aus Schulen und Hochschulen veröffentlicht werden. Unter pressewirksam verstehe ich in der Regel Technik, die sich fotografieren lässt oder das Publikum als innovativ wirkend begeistert. Tablets und interaktive Whiteboards machen die (technische) Entwicklung greifbar und verständlich für jedermann, alles mit Augmented oder Virtual Reality “rockt“, weil es cool ist und Apps sind schön bunt und benutzerfreundlich. Ob diese Berichterstattung dazu führt, dass sich Lehrende diesem Phänomen anpassen oder der Bildungsjournalismus nur das aufgreift, was Lehrende zu bieten haben, scheint ein Henne-Ei-Problem. Ich vermisse beim Großteil der Beiträge die wesentlichen Fragen der digitalen Transformation. Welche gesellschaftlichen Prozesse finden statt? Welche Bedeutung haben sie für das Individuum, die Allgemeinheit oder das Bildungssystem und alle daran Beteiligten? Vielleicht liegt es auch daran, dass man glaubt, (einfache) Antworten liefern zu müssen; besonders in Zeiten, in denen nichts mehr klar zu sein scheint. Dabei könnte gerade der Journalismus, der selbst an vielen Stellen ums Überleben kämpft, mit etwas mehr Mut eine zentrale Rolle übernehmen und die notwendige gesellschaftliche Debatte führen, die inspiriert, neue Blickwinkel eröffnet und befähigt, die Zukunft mitzugestalten. Mehr Fragen wagen und offen lassen, könnte eine Antwort für den Bildungsjournalismus sein.

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